Test: Apple Music

Wie gut ist der Streaming-Dienst aus Cupertino?

Geschrieben von Eva L. López am 07.08.2015.

Apple Logo

Nur ein paar Wochen ist der Streaming-Dienst Apple Music alt. Ob Apple Music noch in den Kinderschuhen steckt oder gar der Konkurrenz schon entwachsen ist, zeigen wir euch in diesem Test.

Wie erhalte ich Apple Music?

Dreh- und Angelpunkt für Apple Music ist iTunes oder die Musik-App auf iOS. Kommen wir zunächst zur Desktop-Version: Mit Start von Apple Music am 30. Juni dieses Jahres haben iTunes-Nutzer den Hinweis erhalten, dass das iTunes-Update auf die Version 12.2 auf sie wartet. Mit dem Update wurden Bugs behoben und iTunes Apple-Music-tüchtig gemacht. Demnach ist es zunächst gleichgültig, ob der Nutzer Apple Music nutzen möchte oder nicht – das Programm wird automatisch installiert. Mit dem Update verändert sich zudem der iTunes-Icon, die Neuerung wird somit zum virtuellen Cliffhanger.

Apple Music Werbung Apple Music Abo wählen 

Beim Öffnen der Musik-App wird der Nutzer direkt auf Apple Music hingewiesen – Er kann, muss den Dienst aber nicht nutzen

Das gleiche Icon lässt sich auf den mobilen Apple Geräten wie dem iPad und iPhone wiederfinden. Auch hier bekommt der Anwender mit dem Systemupdate auf iOS 8.4 den Streaming-Dienst ohne große Eigeninitiative angeboten. Aktiv muss man erst werden, wenn man Apple Music (zur Probe) abonnieren möchte. Für Android-User wird der Dienst per App voraussichtlich erst im Herbst zur Verfügung stehen. De Facto können also nur Personen, die entweder ein mobiles Apple-Gerät oder mindestens iTunes installiert haben, auf den Streaming-Dienst zugreifen.

Was kostet mich das?

Apple orientiert sich in puncto Kosten an der Konkurrenz: Die ersten drei Monate werden dem Nutzer als Appetizer geschenkt, danach kostet der Dienst 9,99 Euro monatlich für eine Person oder im Familien-Abo 14,99 Euro. Während bei Spotify, Napster und Co. der Einzelpreis ebenso hoch angesiedelt ist, kann Apple mit dem Familienpaket punkten. Einen kostenlosen Zugriff auf den Dienst, der allerdings Werbung beinhaltet, bietet Apple nicht an.

Apple Music Abo deaktivieren

Um das Pro-Abo nicht automatisch zu verlängern, gelangt man entweder über den per Email versendeten Link zur Abo-Verwaltung oder muss in der App auf „Account“, dann „Apple-ID anzeigen“ und dann auf „Abos verwalten“ klicken

Das Abonnement lässt sich monatlich 24 Stunden vor Vertragsverlängerung kündigen. Wer nicht ausversehen in eine Kostenfalle tappen möchte, kann direkt bei der Einrichtung des Probe-Abos dieses kündigen. Dies ist einfach gemacht, sofern man die Option findet: Zum einen schickt Apple mit der Anmeldebestätigung einen Deaktivierungs-Link, zum anderen kann man sich über die Apple-ID-Verwaltung in der Music App von dem Streaming-Dienst entbinden.

Wie richte ich Apple Music ein?

Die Einrichtung von Apple Music ist alles andere als lästig, sondern bringt Vorfreude, macht Spaß und ist schön anzusehen. Als erstes folgt der unspektakuläre Schritt, sich mittels Apple ID und dazugehörigem Passwort anzumelden. Darauf folgen pinke Ballons im typisch, schlichten Apple-Design. Pinke Ballons? Hier wird keine Luftballonphobie behandelt, sondern das Individualisierungsprogramm eingeleitet.

Apple Music Einrichtung Genres Apple Music Einrichtung Künstler

 Spielerisch erfolgt die Einrichtung. Natürlich können Künstler und Genres jederzeit angepasst werden

Apple fragt ab, welche Musikvorlieben bestehen und schlägt verschiedene Musikrichtungen vor, von Hip-Hop über Musik für Kinder, Filmmusik bis hin zu Pop-Music. Danach wählt der Nutzer seine Favoriten. Insgesamt fällt zu Anfang vor allem die Vielseitigkeit und nicht das Fehlen von Künstlern oder Musik auf. Apple Music orientiert sich bei der Auswahl auch am kulturellen Raum des Nutzers – Deutsche Musikrichtungen und deutsche Künstler werden ebenso gelistet wie US-amerikanische und Co. Die kreisförmig angelegten Ballons erinnern leicht an die Benutzeroberfläche der Apple Watch und auch die Idee von Force Touch scheint angedacht zu sein: Findet man einen Künstler herausragend, kann man den dazugehörigen Ballon zweimal antippen. Apple bleibt sich design- und bedientechnisch seiner Linie treu und hat Apple Music vollends in seine Betriebssysteme integriert. Gespannt sind wir auf die Android-Version der Streaming-Dienstes.

Welche Funktionen bietet mir der Dienst?

Apple Music bietet vier Kategorien: „Für dich“, „Neu“, „Radio“ und „Connect“. Sie alle haben zum Grundprinzip, dass dem Nutzer stets die passende Musikrichtung und der Lieblingskünstler bereitgestellt werden soll. In “Für dich” werden Playlists und einzelne Songs basierend auf den ausgewählten Musikgeschmack vorgeschlagen. Apple setzt in der Kategorie vor allem auf das Visuelle. Kaum Text, aber dafür großformatige Bilder werden hier in Szene gesetzt. Wer eine sogenannte Apple Music Playlist oder einen Song abspielen lässt, kann dies sofort über das Play-Icon tun. In der Rubrik “Neu” werden, wie der Titel bereits aussagt, aktuelle Songs, aber vor allem auch neue Playlists vorgeschlagen.

Apple Music Kategorie Neu Apple Music Kategorie Für dich 

So sehen die Kategorien „Neu“ und „Für dich“ aus

Gerade bezüglich Letztgenanntem hat Apple sich Mühe gegeben, möglichst viele Interessensgruppen abzudecken. Neben von Apple oder Nutzern kreierte Playlists gibt es auch eine Playlist von Kuratoren. Diese umfasst beispielsweise ausgewählte Songs von dem Musikmagazin Rolling Stone, DJ Mag oder dem Musikidentifikationsdienst Shazam. Sowohl auf “Für dich” als auch auf “Neu” können Titel direkt abgespielt und auf die eigene Wiedergabeliste gesetzt werden.

 Apple Music Playlist von Kuratoren Apple Music Connect 

Links sind „Playlists von Kuratoren“ abgebildet, rechts sieht man die Kategorie „Connect“, die als soziales Medium fungiert

Auch wenn bei den Playlists eine soziale Note mitschwingt, ist “Connect” das eigentliche soziale Medium im digitalen Verständnis. Hier werden in einer Timeline die Posts von Künstlern abgebildet. Das ganze ist mal wieder auf ein Minimum an Text beschränkt und spricht vor allem eine visuelle Sprache. Ähnlich wie auf Instagram können die bebilderten Einträge geliked, kommentiert und auf sozialen Medien wie Twitter und Facebook geteilt werden.

Was hat es mit dem Radio auf sich?

Ist Radio old-fashioned oder DAS Alleinstellungsmerkmal? Weder noch, heißt die Antwort. Natürlich löste die Ankündigung Apples, Radio im Streaming-Dienst zu integrieren und auszubauen, eine Welle der Neugierde aus. Tatsächlich unterscheidet sich Apple Music mit diesem Dienst von der Konkurrenz und kann das als Plus für sich bezeichnen. Um fair zu bleiben sei aber auch gesagt, dass die meisten Radiosender bereits per iTunes oder der iOS-Musikapp abrufbar sind. Die Funktion ist nun allerdings prominenter besetzt. Mit dem Radiosender b1, an Anlehnung an das aufgekaufte Unternehmen Beats by Dr. Dre, wurde zudem ein exklusiver Sender geschaffen, der 24 Stunden am Tag von bekannten DJs aus London, Los Angeles und New York sendet. Die Musik ist US-lastig, bietet aber insgesamt einen Mix aus Alt und Neu, Hip Hop und Electro und anderem.

Apple Music Radio

Neben b1 gibt es sechs weitere exklusive Radiosender. Zudem kann man auf zum Teil bereits in iTunes integrierte Sender zurückgreifen, indem man weiter nach unten scrollt

Des Weiteren featured Apple Music sechs weitere Radiosender, die das einhalten, was ihr Name andeutet. Beispielsweise: „Charting Now“, „Pop Hits“ und „On the Floor“. Auch die restlichen Sender werden nach Musikkategorie aufgeteilt. Mit dabei sind auch „Deutscher Streetrap“ ( es lief: Training Day, von Kollegah & DJ Arow), „Deutscher Pop“ (es lief: Achtung, von Pur) und auch BBC World Service. Zuletzt genanntes bietet im Vergleich zu den anderen Sendern neben Musik auch viele Informationen in Form von Interviews und Berichte. Thema war unter anderem das Glasturbury Festival und aufstrebende, kolumbianische Musiker. Das Programm von BBC World ist naturgemäß in englischer Sprache verfasst.

Wie finde ich Songs?

Über das Suchfeld, das in allen Kategorien zur Verfügung steht, können Künstler und Musiker direkt gefunden werden. Dabei fällt auf, dass die Informationen zu den gängigen Musikern in Deutsch, für eher unbekannte zuweilen aber nur in Englisch verfasst sind. Beim Testen haben wir zudem festgestellt, dass Apple Music beim Suchen nicht immer ein Ergebnis findet. Was am Anfang kaum ins Gewicht zu fallen schien, störte beim weiteren Ausprobieren doch ein wenig. Beispielsweise konnte Herbert Grönemeyer nicht gefunden werden, da sich ein Typo eingeschlichen hatte, und auch Shakiras WM-Lied namens „La La La“ konnte in der Schreibweise „lalala“ nicht gefunden werden. Hier wünscht man sich die automatische Vervollständigung von Google oder eine schlicht flexiblere Suche.

Apple Music Suche

Die Suche fällt mitunter schwierig aus, da es nur exakte Sucherergebnisse angezeigt werden

Im Gegensatz zu den vier Kategorien gestalten sich die Suchergebnisse inhaltlich ein wenig unübersichtlich. Es werden zwar unter Titel, Alben, Playlists etc. die einzelnen Ergebnisse sortiert aufgelistet, doch wirkt die Darstellung auf dem ersten Blick überfüllt, was auch daran liegen mag, dass unter den einzelnen Unterkategorien die gleichen Songs aufgeführt werden und es so scheinbar zu Dopplungen kommt.

Apple Music offline hören Apple Music Konnektivität 

Songs lassen sich offline Speichern und direkt mit anderen teilen

Die Schwäche bei den Suchergebnissen gleicht Apple Music hingegen hinsichtlich der Konnektivität aus. Der Dienst konnte im Test problemlos mit einem Bluetoothspeaker verknüpft werden. Auch können dank der sozialen Komponente einzelne Lieder, Alben oder Playlists jederzeit auf verschiedene Wege geteilt werden: Email, SMS, Twitter, WhatsApp usw. Die Songs können zudem zu „Meine Musik“ hinzugefügt werden, sodass sich eigene Playlists zusammenstellen lassen. Ein großer Pluspunkt ist zudem die Möglichkeit, dass Lieder, Playlists und Alben offline zur Verfügung gestellt werden können. Gerade für den mobilen Gebrauch hat sich die Funktion als echten Gewinn ausgezeichnet.

Was sagt Siri zu Apple Music?

Endlich, könnte man sagen, ist Siri mal wieder eine Erwähnung wert. Die Sprachsteuerung harmoniert erstaunlich gut mit Apple Music. Siri versteht die Aufforderung, etwas von Santana zu spielen genauso gut, wie die Aussage, dass ich den ausgewählten Titel nicht mag. Die Antwort von Siri : „OK, merke ich mir“. Auch schaffte es Siri mir mit dem erstem Versuch Flamenco, die deutsche Nationalhymne und einen Song in Afrikaans zu spielen. Wie von Siri bekannt, funktioniert die Sprachsteuerung bei knappen Sätzen problemlos, bei komplexeren weniger gut. Nicht geklappt hat zudem das Abspielen eines Liedes mit Dreivierteltakt oder die C-Dur.

Apple Music Eingabe via Siri Apple Music Siri Lied wird nicht gemocht 

Die Integration von Siri mit Apple Music klappt überraschend gut

Fazit

Spotify-Chef Daniel Ek quittierte die Ankündigung von Apple Music mit einem lässigen: „Oh Ok“. Der Test zeigt jedoch vor allem eins: Spotify und anderen Musik-Streaminganbieter haben quasi über Nacht einen Krösus zum Konkurrenten bekommen. Vielleicht führte eine Vorahnung in diese Richtung dazu, dass Spotify-Chef Ek seinen zweisilbigen Tweet nach kurzer Zeit wieder gelöscht hat. Apple Music steckt nicht in den Kinderschuhen, sondern ist als vollwertiger Konkurrent ins Geschäft eingestiegen. Die Musikauswahl und Features funktionieren gut, auch die Künstler scheinen das Portal bereits aktiv mitzugestalten. Im Test ist die App auf dem iPad ein einziges Mal abgestürzt. Ansonsten war die Performance stets flüssig. Von der Preisgestaltung und Musikauswahl ist Apple Music genau so gut wie die Konkurrenten. Mit Connect, Radio und der Einbindung von Künstlern verbucht der Dienst zudem Pluspunkte gegenüber der Konkurrenz. Größter Vorteil ist allerdings, dass Apple Music vollends in Apples Betriebssystemen integriert ist. Die Schwelle, sich bei Apple Music anzumelden, ist daher für Apple-Nutzer besonders gering. Der Vorteil kann allerdings genauso gut als Manko gewertet werden. Da es derzeit noch keine Android-App gibt werden Besitzer anderer, mobiler Betriebssysteme von der Nutzung Apple Musics ausgeschlossen – nur über die Desktopvariante via iTunes ist die Benutzung dann möglich.

 

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Eva L. López

Eva L. López

ist Technikjournalistin und die erste weibliche Redakteurin bei Allround-PC. Derzeit macht sie ihren Master in Datenjournalismus in den Niederlanden. Überhaupt, sie sucht immer wieder das Abenteuer im Ausland. Ihre Neugierde verdankt sie auch den großen Ansporn, als Journalistin zu arbeiten. Dabei beschäftigen sie nicht nur Technik, sondern auch die Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft.

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