"The last dance" - 2 Sockel 754 Platinen im Vergleich: Gigabyte K8NS Pro und Aopen AK86-L

Schaut man sich den rasenden Fortschritt in der Computer-Branche an, so muss man in der Rückschau fast ernüchtert konstatieren, dass der Sockel 754 nur eine recht kurze Blütezeit hatte.

Wir haben hier auf Allround-PC eine Reihe von Sockel 754 Platinen vorgestellt und wollen uns auch heute noch einmal zwei Vertreter dieser Gattung anschauen, obwohl es sehr wahrscheinlich ist, dass dies eventuell die letzten Sockel 754 Platinen sein werden, die unser Test-Stand gesehen hat. Insofern kann man in der Tat fast von einem "last dance" sprechen - auch aus einem anderen, persönlicheren Grund ....dazu aber am Schluss mehr.

Die beiden vorliegenden Testmuster wurden von zwei sehr renommierten Herstellern zur Verfügung gestellt, nämlich den Firmen Gigabyte und Aopen. Beide Hersteller haben sich in den letzten Jahren einen ausgezeichneten Ruf in der Branche erworben und so waren wir natürlich sehr gespannt, was die Testkandidaten leisten würden.

Es handelt sich zum einen um das Gigabyte K8NS Pro mit dem NForce3 250 Chipsatz; zum anderen um das Aopen AK86-L mit dem VIA K8T800.

Für die freundliche Bereitstellung des Test-Produktes bedanken wir uns recht herzlich bei den Firmen Gigabyte und Aopen.

Das Gigabyte K8NS Pro: Sockel 754 in Vollendung?

Beginnen wollen wir unseren Vergleichstest mit dem Gigabyte Mainboard. Gigabyte zeigt mit diesem, auf dem NForce3 250 Chipsatz basierenden Mainboard, was im Sockel 754 Bereich noch machbar ist. Im Gegensatz zum NForce 3 250GB´, muss der Chipsatz ohne den Zusatz "GB" von Haus aus auf Gigabit-LAN, sowie eine integrierte Firewall verzichten. Da Gigabyte das K8NS Pro trotzdem sehr reichhaltig ausgestattet hat, fallen diese Punkte, wie wir noch sehen werden, aber nicht so dramatisch ins Gewicht.

Layout

Das Gigabyte K8NS Pro kommt nahezu mit einer Voll-Ausstattung zum Käufer. Im Handel findet man diese Platine für ca. 90,- Euro.

Den Hersteller Gigabyte hatten wir bisher noch nicht in unserer Serie von Mainboard-Tests vertreten gehabt. Da wir aber schon viel Gutes über diesen Hersteller vernommen hatten, waren wir natürlich sehr gespannt auf das K8NS Pro. Die Platine ist Gigabyte-typisch in einem satten Blau gehalten und farblich interessant gestaltet. So finden wir auf dem K8NS Pro eine Vielzahl von Farbtupfern, die aber durchaus einen Sinn ergeben und die einzelnen Bauteile leicht zuordnen bzw. Auffinden lassen. Im Gegensatz zum Aopen Mainboard in diesem Test, kühlt Gigabyte die NForce3 250 Northbridge aktiv. Zuständig ist hier ein Lüfter, welcher unter einem goldfarbenen Schutzgitter seinen Dienst verrichtet. Zwar wirkt das optisch sehr edel, allerdings erzeugen die Rotorblätter zuweilen ein recht hochfrequentes Pfeifen, was dann eher unangenehm auffällt. Schauen wir uns einmal das sonstige Layout der Platine an:

Mit 5 PCI Slots trifft man beim Gigabyte K8NS Pro den üblichen Standard an. Den AGP 8x Slot hat Gigabyte mit einem interessanten Verriegelungsmechanismus ausgestattet. Es handelt sich nicht wie üblich um einen Schieber oder Kipphebel, sondern um einen federgespannten Feststellknopf, wobei man zum Ausbau der Grafikkarte einfach den weißen Knopf herauszieht. Oberhalb des AGP-Slots erkennt man, rot eingefärbt, 2 SATA Anschlüsse. Diese beiden SATA-Anschlüsse werden direkt durch den NForce 3 250 Chip angesteuert. 2 weitere SATA Anschlüsse werden über den auf dem K8NS Pro verbauten Silicon Image 3512 SATA Controller generiert und befinden sich (ebenfalls rot gefärbt) am unteren Platinenrand. Weitere Festplatten können natürlich auch noch über den Standard-IDE Controller angeschlossen werden. Hier stehen insgesamt vier weitere Festplattenanschlüsse (IDE 1-4) zur Verfügung. IDE 1+2 werden klassisch über den NForce3 Chipsatz direkt angebunden, während IDE 3+4 durch den ITE 8212 Chip über GIGARaid Funktion verfügen. Gigabyte bietet dem Anwender auf dem K8NS Pro also eine Fülle von Anschlussmöglichkeiten für Festplatten. In dieser Beziehung trumpft das K8NS Pro gegenüber dem noch vorzustellenden Aopen AK86-L mächtig auf. Dazu kommt, dass alle diese Anschlüsse recht ordentlich auf dem Mainboard platziert sind. So befinden sich die Anschlüsse für IDE 1+2 und Floppy optimal gelegen hinter den Speicherbänken. IDE 3+ 4 finden sich in der rechten unteren Platinen-Ecke - auf die Lage der SATA Anschlüsse sind wir schon eingegangen.

Gegeizt hat Gigabyte auch bei der Ausstattung mit Onboard-LAN nicht: zum Einsatz kommt der MARVEL Yukon 88E8001 Chip, der Übertragungsraten bis zu 1Gbit bietet. Allerdings belastet diese Lösung den PCI-Bus, sodass theoretisch eben auch nur die maximal 133 MB/s Übertragungsraten möglich sind, die der PCI-Bus zu verwalten vermag. Aber auch mit ATA, SATA, RAID und GigaLAN ist noch nicht Schluss in der Ausstattungsliste - nein, Gigabyte packt noch die FireWire Funktionalität mit auf das K8NS Pro. Hierfür stehen zwei Ports zur Verfügung, wovon einer mit beiliegendem Slotblech (Kombi-Slotblech mit FireWire und USB-Anschluss) auf die Gehäuserückseite geführt werden kann. Zuständig für FireWire ist ein Ti TSB43AB23 Chip. Das Erstaunlichste ist, obwohl das K8NS Pro mit Funktionalität voll gestopft ist, haben sich die Designer kaum einen Schnitzer geleistet. Alle Bauteile und Komponenten wurden sinnvoll angeordnet. Für den Speicherausbau stehen z.B. drei Speicherslots zur Verfügung, die schön parallel zu den Laufwerksanschlüssen am rechten Platinenrand liegen. Hier findet sich auch der Netzteilanschluss sehr gut aufgehoben. Ein weiterer 4poliger 12V Anschluss befindet sich im linken oberen Platinenbereich.

Der Sockelbereich ist ebenfalls relativ großzügig gestaltet. Rund um das Retention-Modul finden sich zwar auch hier die notwendigen Kondensatoren, aber sie rücken demselben nicht so dicht auf die Pelle, dass die Kühlermontage dadurch erschwert würde. Traditionsgemäß verfügt natürlich auch das Gigabyte K8NS Pro über das Dual-Bios, also 2 Bios-Bausteine. Sollte ein Bios-Chip defekt sein, kann man das Board immer noch vom zweiten Bios-Chip starten. Für zusätzliche Lüfter stehen insgesamt 3 Anschlüsse parat. Diese sind gut auf der Platine verteilt. Farblich codiert ist auch die Steckerleiste für die Gehäuseanschlüsse. Eine äußerst sinnvolle und mittlerweile voll bewährte Bios-Sicherung. Guter Onboard-Sound wird auch noch geboten - der Realtek ALC 850 Chip verfügt über 7.1 Kanal-Sound, der zufrieden stellen kann. In der ATX-Blende finden sich folgende Anschlüsse: Maus/Tastatur,4xUSB, 1xparallel, 2x seriell, LAN, Audio-Ports. Über beigefügte Slotblenden werden dann nochmals 2x USB, S/PDIF in/out und 1x FireWire nutzbar. Am Design der Platine gibt es wirklich nichts zu meckern. Selten haben wir in letzter Zeit ein Mainboard im Test gehabt, welches trotz umfangreicher Ausstattung ein so gutes Design aufwies.

Will man denn unbedingt meckern, so könnte man dies allenfalls beim Lieferumfang. Angesichts der ansonsten hervorragenden Bestückung des K8NS Pro wäre das dann aber schon etwas kleinlich.

Eventuell hätte man sich noch ein zweites SATA-Kabel gewünscht und auch Rundkabel anstatt der gewöhnlichen Flachbandkabel hätten sicher gut zu dieser Power-Platine gepasst. Aber man soll nicht überheblich werden - was mitgeliefert wird ist gut und ausreichend. Neben diversen Handbüchern und der obligatorischen Treiber- und Software CD wurden 2xATA133, 1x Floppy, 1x SATA-Kabel beigelegt, sowie Slotblenden für 2x USB2.0/1x IEEE1394, digitale Soundanschlüsse, Slotblech und Stromversorgungskabel für SATA-HDD.


Betriebsalltag / Stabilität

Das Gigabyte K8NS Pro konnte im allgemeinen Betriebsalltag ebenfalls durch hohe Stabilität glänzen. Beim Overclocking erreichten wir nicht ganz so hohe Werte, wie beim Sockel 939 Board von Abit; bei 220 MHz war hier definitiv Schluss. Schuld daran dürften u.a. nicht ganz so gute Feintuning-Möglichkeiten bei den Spannungswerten sein. Dazu jedoch gleich im Bios-Abschnitt mehr. Das K8NS Pro unterstützt laut Spezifikation AMD's Cool&Quiet Modus - leider offeriert uns ein Blick ins Bios eine deutliche Einschränkung. Umgesetzt wird die Cool&Quiet Technologie nämlich nur in dem Fall, dass der Anwender den CPU-Multiplikator im Bios auf "Auto" stehen lässt. Versucht man hier manuell den Multiplikator zu beeinflussen, so wird die Cool&Quiet Funktion gesperrt.