SilverStone ZEUS ST75ZF - das Kraftpaket im Test

In Zeiten von Quad-SLI-Systemen, das heißt bei Verwendung von bis zu vier Grafikkarten in einem System, hängt ein stabiler Betrieb nicht nur von Mainboard und CPU ab, sondern wird maßgeblich von der Leistung des Netzteils bestimmt.

Verschiedene Hersteller haben deshalb entsprechend starke Netzteile jenseits der 700 Watt auf den Markt gebracht. Einer der ersten Hersteller war Silverstone, die mit dem ZEUS ST75ZF ein 750 Watt starkes Netzteil präsentierten. In diesem Bericht war es uns vergönnt uns so ein Kraftpaket mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und einmal in unserem Crossfire-System richtig einzuheizen. Ob es unseren Anforderungen stand hielt, erfahren Sie im folgendem Review.

 




+3,3V +5V +12V
(1-4)
kombiniert
-12V -5V +5 sb

Gesamt Leistung


Preis

SilverStone
ZEUS
ST75ZF

28A 30A 60A 0,5A k.A. 3,0A 720W

159,90€
bei Caseking


 

Technik - Was ist PFC?

Die Leistungsfaktorkorrektur (PFC, Power Factor Correction oder Compensation) beseitigt die Spannungsspitzen, die sich schädlich auf das Stromnetz auswirken. Ursache für Stromoberschwingungen ist die hohe Anstiegsgeschwindigkeit des Eingangsstroms in den Spannungsspitzen. Diese lässt sich ganz simpel durch Einfügen einer "Drossel" begrenzen und so kommt man zum einfachen Verfahren der passiven PFC.

Die "Drossel-Modelle" sind jedoch sehr groß und müssen auch weiter wachsen, je höher die Leistung des Netzteils wird. Aus diesem Grunde kommen sie meist nur bei Netzteilen mit geringer Leistung zum Einsatz, da sich ihre Größe andernfalls negativ auf Gewicht und Kühlung auswirken würde. Die effizientere, aber teurere Variante stellt eine aktive PFC dar: Ein zusätzlich in den Primärkreis eingeschleifter PWM-Schaltregler sorgt für eine nahezu sinusförmige Stromaufnahme. Allerdings enthält der durch die Pulsbreitenmodulation `künstlich´ erzeugte Strom erhebliche hochfrequente Anteile; ein Netzteil mit aktiver PFC kann deshalb zwar in niedrigeren Frequenzen trumpfen, im höherfrequenten Bereich aber bei etwa 10 bis 100 kHz zu EMV-Problemen neigen, wenn der Hersteller an Filtermaßnahmen spart. Aktive PFC erzwingt eine effiziente Filterung des Netzeinganges. Ansonsten können hochfrequente Störungen ins Stromnetz gelangen.

Lieferumfang

Zum Lieferumfang des Netzteils gehört ein Stromkabel, sechs Kabelbinder und vier Schrauben. Des Weiteren werden noch folgende drei Adapterkabel mitgeliefert:

  • 12 Volt 8- auf 4-Pin
  • 12 Volt 6- auf 6-Pin (PCI-Express)
  • 12 Volt 2x4- auf 6-Pin (PCI-Express)

     



Das schwarze Netzteil weist folgende Maße auf: 150 x 86 x 180mm. Das matt-schwarze Gehäuse wurde gut verarbeitet und weist keine scharfen Kanten auf. Der Innenraum wird nur über das Waabengitter, das sich auf der Netzteilrückseite befindet, sichtbar. Deutlich sind die großen Kühlrippen zu erkennen, die u.a. das Netzteilgewicht auf satte 2,9kg ansteigen lassen.
Ebenfalls befindet sich der Ein- bzw. Ausschalter, eine Status-LED und der Netzanschluss auf dieser Seite. Die LED verfärbt je nach Zustand ihre Farbe von orange nach grün oder umgekehrt. Dabei wird im orangen-Modus der Standby-Betrieb signalisiert.
Insgesamt stehen dem User 750 Watt geballte Power zur Verfügung. Nimmt man alle vier 12 Volt-Schienen zusammen, ist eine maximale Belastung von 720 Watt möglich.
Wie bereits eingangs erwähnt, ist es möglich mit Hilfe der mitgelieferten Adapter bis zu vier PCI-Express Grafikkarten mit Strom zu versorgen. Dem Quad-SLI System steht somit nichts mehr im Wege.


Technische Daten

  • 750W
  • Vier +12V Leitungen
  • Vier 6Pin PCI-Express-Stromstecker
  • Effizienz >80%
  • EPS 12V
  • Überspannungsschutz
  • Active-PFC
  • 1 Lüfter (80mm schwarz, ohne LEDs)
  • > 24dBA (temperaturgeregelt)
  • Kabelummantelung des Hauptkabelstrangs (UPDATE: mit der neuen Version sollen alle Kabel ummantelt sein)

Anschlüsse

  • 5 x 4-Pin-Stecker (ohne Easy-Plug-Technik)
  • 2 x Floppy-Stecker
  • 4 x S-ATA
  • 1 x 6-Pin AUX-Anschluss
  • 1 x 12V-P4-Anschluss (mittels Adapter)
  • 4 x 12V-6-Pin-PCI-Express-Anschluss (2 per Adapter)
  • 1 x 24/20-Pin-Hauptstromstecker
  • 1 x 8 Pin-EPS-Anschluss
  • 0 x 3-Pin-Kabel zur Übermittelung der Drehgeschwindigkeit des Lüfters


Zwei PCI-Express-Stromkabel können direkt mit den entsprechenden Grafikkarten verbunden werden. Die zwei weiteren Anschlüsse stehen über Adapter zur Verfügung. UPDATE: Bei der neuen Version sollen direkt vier PCI-Express-Stromstecker zur Verfügung stehen.

 

Im Bereich der Kabellänge war der Hersteller sehr großzügig. So beträgt die maximale Kabellänge ca. 70cm.
Nur das Hauptstromkabel hat eine Kabelummantelung spendiert bekommen, alle anderen Kabel gehen leer aus. Dies soll jedoch mit der neuen Version auch der Vergangenheit angehören. Dann sollen alle Kabel mit einem Kabelschlauch versehen sein.
Insgesamt stehen dem User vier 4polige-Stecker zur Verfügung. Auch bis zu vier PCI-Express-Grafikkarten mit entsprechendem Anschluss können mit Strom versorgt werden. Wer Besitzer eines SATA-Raid-Systems ist, wird bei Verwendung dieses Netzteils auch keine Probleme bekommen. So stehen insgesamt vier SATA-Stromstecker zur Verfügung.
Der ATX-Stecker besteht aus insgesamt 24 Pins, wovon vier Pins einfach vernachlässigt werden können, sodass das Netzteil auch an 20-Pin-Anschlüssen angebunden werden kann.

 


Anschlüsse

M/B 24pin+4pin / 20pin+4pin

1

55 cm

EPS 12V /8 pin

1

55 cm

EPS 12V /6 pin

1

55 cm

P4 12V /4 Pin (8 to 4 Pin Adapter)

1

70 cm

PCI Express / 6pin

2

55 cm

SATA / 5 pin

2x2

50/75 cm

HDD / 4 pin

3x2

50/75/cm

FDD / 4 pin

2

105 cm

Kühlung


Insgesamt befindet sich ein temperatur-geregelter 80mm Lüfter im neuen SilverStone ST75ZF. Dieser wurde auf der Netzteilseite installiert, die sich im Gehäuseinneren befindet. Dabei wird ein Geräuschpegel von mindestens 24dBA erzeugt. In diesem Zustand verweilt der Lüfter bei normalen Office-Arbeiten und ist somit kaum wahrzunehmen. Steigt jedoch die Beanspruchung des Systems wie zum Beispiel bei PC-Games etc. wird auch der Netzteillüfter lauter. Aufgrund seiner Größe trägt der Lüfter nur im geringen Maße zur Gehäuseentlüftung bei und ist somit hauptsächlich zum Kühlen des Netzteils gedacht.
Auf den Bildern ist noch ein silbernes Lüftergitter zu sehen, dass den Lüfter vor eindringenden Kabeln schützen soll. Der Hersteller teilte uns jedoch mit, dass in der neuen Version des Netzteils schwarze Lüftergitter zum Einsatz kommen und somit das Design optisch abrunden.

 


Testsystem

Wir haben den Kandidaten mit folgendem Testsystem geprüft:

 


Mainboard Gigabyte GA-8I955X Pro
CPU Intel Pentium D 830 - 3GHz, 2MB, FSB 800MHz
Ram 2x512MB Corsair PC 8000
VGA GeForce 6600GT 128MB PCI-Express
HDD 80 GB Samsung 7200, SATA 8MB
Gehäuse noname
Sonstiges "stromfressende" Komponente (Peltierelement an 12V) während der gesamten Messung

Das o.g. System inkl. Netzteil weist einen Strombedarf von etwa 160 (IDLE) bis ca. 340 Watt (Volllast) (abhängig vom Netzteil) auf. Unter Volllast wird besonders auf die Stabilität der Spannungen geachtet.
Ausgelesen wurden die Spannungen mit Hilfe eines Multimeters (Metex ME-31). Um das System auszulasten, wurde die Software Prime 95 und diverse Benchmarks eingesetzt, die teilweise parallel ausgeführt wurden.

 

Crossfire-System



Mainboard ASUS P5WD2-Premium
CPU Intel Pentium D 830 - 3GHz, 2MB, FSB 800MHz
Ram 2x1024MB SuperTalent PC8500
VGA 2x Sapphire X1800XT im Crossfireverbund 594/693MHz
HDD 80 GB Samsung 7200, SATA 8MB
Gehäuse noname
Sonstiges "stromfressende" Komponente (Peltierelement an 12V) während der gesamten Messung


 

Bei den Spannungen sind folgende Toleranzen erlaubt

 


ATX-Toleranz
+12V 5%
+5V 5%
+3,3V 5%
-12V 10%

Spannungstest 1 mit Gigabyte-System

Die Spannungen bewegen sich im Rahmen der Toleranzen. Es gibt, wie aus folgender Tabelle ersichtlich wird, keine nennenswerten Abweichungen.


Minimum Maximum Durchschnitt
+12V 12,02 12,04 12,03
+5V 5,08 5,11 5,09
+3,3V 3,26 3,28 3,28

Spannungstest 2 mit ASUS Crossfire-System






Minimum Maximum Durchschnitt
+12V 12,01 12,03 12,01
+5V 5,08 5,11 5,09
+3,3V 3,26 3,28 3,28


Leistungsaufnahme






0% 100% Standby ausgeschaltet
HKC USP-400W 184W 353W 13,80W 6,84W

HKC SVP-450W

182W 345W 13,80W 6,87W
Ultron UN-550PFC 185W 314W 22,83W 13,98W
TT 550W 182W 310W 36,80W 16,17W
ETASIS
EFN-560W
152W 290W 20,7W 0,00W
Spire
SP-600W
164W 294W 18,32W 6,87W
Codegen
480W
192W 335W 20,43W 15,96W
Chieftec
560W
158W 281W 29,5W 15,80W
Levicom
480W
167W 316W 11,41W 0,00W
Yesico 560W 157W 281W 29,72W 16,00W
Sytrin 480W 164W 281W 27,60W 11,54W
be quiet
530W
150W 269W 18,16W 0,00W
Silver-Stone
ST75ZF
168W 281W 36,48W 0,00W
Silver-Stone
ST75ZF*
229W 413W 36,48W 0,00W


*Crossfire-System


 

In Zeiten immer weiter steigender Energiekosten, machen sich ein paar Watt mehr auf der Jahresrechnung schnell bemerkbar. Gerade dann, wenn der PC tagtäglich läuft. Eine hohe Energieeffizienz ist also wünschenswert. Auch die Tatsache, dass bei einem ausgeschalteten Netzteil kein Strom mehr fließen sollte, ist ein erstrebenswertes Ziel. Wir haben das Netzteil auf dem o.g. System getestet. Die jeweilige Leistungsaufnahme haben wir mit einem Verbrauchsmessgerät der Firma brennstuhl ausgelesen.

Das Netzteil fällt besonders durch die hohe Leistungsaufnahme im Standby-Modus auf.


Fazit


Silverstone-typisch präsentierte sich das neue ZEUS ST75ZF von seiner besten Seite. Die hohe Verarbeitungsqualität und die stabilen Spannungen sprechen für das Netzteil. Selbst unter starker Beanspruchung im Crossfire-System gab es keine Probleme. Die Vielzahl von Stecker und die langen Kabel ermöglichen auch eine Verwendung dieses Netzteils in Bigtower-Gehäusen.
Die Lautstärke des Lüfter hielt sich mit 24dBA Minimum in Grenzen.
Für einen akzeptablen Preis von knapp 160,- Euro erhält der potentielle Kunde ein klasse Netzteil mit viel Kraft. Sicherlich ist das Netzteil nur für Käufer interessant, die ein hochwertiges System mit mehreren Grafikkarten besitzen.


Pro:

  • stabile Spannungen
  • hochwertige Verarbeitung
  • temperaturgeregelter Lüfter
  • Kabellänge
  • Anzahl Stecker
  • Vier PCI-Express-Stromanschlüsse

Contra:

  • hoher Standby-Verbauch
  • Kabelummantelung nur der Hauptstränge (wird aber geändert)