Test: Canary All-In-One Sicherheitskamera

Der digitale Wachhund für Design-Enthusiasten

Geschrieben von Nils Waldmann am 02.08.2016.

Canary Startbild

Seit ca. 1-2 Jahren erfreuen sich intelligente Sicherheitssysteme zur Überwachung der eigenen vier Wände immer größerer Beliebtheit. Canary ist ein solches Produkt. Was die schlaue Kamera alles kann, lest ihr hier.

Überblick

Vor einigen Jahren startete das Start-Up Canary eine Crowdfunding Kampagne zur Finanzierung seines Produktes. Das Ziel wurde erreicht und schon bald gab es die gleichnamige Sicherheitskamera „Canary“ zu kaufen. Das Qualitätsversprechen des jungen Unternehmens: Einfache Überwachung der Wohnung ohne größere technische Kenntnisse zu realisieren und dank intelligenter Funktionen den Überwachungsmodus der Wohnung automatisch zu steuern. So soll Canary etwa erkennen, ob und wann jemand zu Hause ist und die Überwachung entsprechend anpassen. Verpackt wird das Ganze in einem zylinderförmigen Gehäuse, welches sich leicht in die bestehende Einrichtung integrieren lassen soll.

Design und Verarbeitung

Bereits beim Auspacken der Canary Kamera wird ersichtlich, hier hat man es mit einem von Perfektionisten entworfenem Produkt zu tun. Alles liegt feinsäuberlich an seinem Platz in einem hochwertig gestalteten Karton – nicht nur Apple Fans kommen hier auf ihre Kosten. Die Kamera selbst ist aus Aluminium gefertigt und wirkt nicht alleine durch das relativ hohe Gewicht sehr hochwertig. Das Gehäuse ist dabei rund gestaltet und in einem dunklen, matten Schwarz eloxiert. An der Front sowie an Ober- und Unterseite wird das Aluminium von einem Kunststoffstreifen durchbrochen, welcher die Kameralinse, das Mikrofon und eine IR-LED beherbergt. Die Hochglanzoptik dieser Partie setzt einen sehr schönen Akzent zum matten Schwarz des restlichen Gehäuses. Gekonnt eingesetzt muss Hochglanzplastik also nicht billig wirken – gut gemacht Canary!

Canary in der Wohnung

Die Oberseite ist berührungsempfindlich und wird unter anderem dazu genutzt das Bluetooth-Modul des Systems zu aktivieren. Zudem gibt es hier einige Lüftungsschlitze, die gleichzeitig auch den Alarmton der Sirene nach draußen leiten. Auf der Unterseite befindet sich ein Kreis aus LEDs, der den aktuellen Betriebsmodus von Canary visualisiert. Zudem befinden sich hier die Sensoren für Temperatur-, Luftfeuchtigkeits- und Luftqualitätsmessung. Die Rückseite besteht komplett aus Aluminium. Hier wurden unter dem eingeprägten Canary-Logo die Ethernet-Schnittstelle, eine 3,5-mm-Klinkenbuchse sowie eine micro-USB-Schnittstelle zur Spannungsversorgung eingelassen.

Das kleine Steckernetzteil, welches sich ebenfalls im Lieferumfang befindet, ist designtechnisch vollständig in das Gesamtkonzept integriert und wirkt ebenfalls sehr hochwertig. Abgerundet wird das Gesamtbild von dem Flachband-USB-Kabel, welches Teil der Energieversorgung ist. In Sachen Verarbeitungsqualität gibt es absolut gar nichts zu bemängeln. Das Produkt ist nahezu perfekt gefertigt. Hier kommen Liebhaber hochwertiger Produkte voll auf ihre Kosten.

Funktionsumfang

Canary ist in erster Linie eine Überwachungskamera. Dieser Funktion wird das Produkt mit einer integrierten Full-HD-Kamera und einem 147-Grad-Weitwinkelobjektiv auch ohne Frage gerecht. In einer Ecke des Raumes aufgestellt, fängt das Objektiv große Teile auch kompakterer Räume ein. Zudem verfügt Canary über eine automatische Nachtsichtfunktion. Das Bild ist dann schwarz-weiß, trotz allem aber noch sehr detailreich. Neben dem Bild wird auch der Ton aufgezeichnet.

Canary - Livebild am Tag Canary - Nachtsicht

Video-Live-Feed am Tag und im Dunklen

Dabei besitzt das System keinen eigenen Speicher. Der komplette Datenstream geht in die Canary Cloud. Dabei ist laut Hersteller alles von der ersten Sekunde an verschlüsselt. Dazu kommt zwischen Canary Cloud und Canary App AES mit 256 Bit zum Einsatz. Standardmäßig hält Canary das Videomaterial der letzten 12 Stunden vor. Das ist der Basisplan, welcher kostenlos ist. Wer mehr will, muss zahlen. Das kostet dann zwischen 49 und 299  US-$ im Jahr extra. Dafür bekommt man zwischen zwei und 30 Tagen vorgehaltene Aufnahmen. Zusätzlich enthalten die bezahlten Abos noch eine erhöhte Anzahl an Videodownloads aus der Canary Cloud.

Neben der Überwachung per Audio und Video, misst Canary simultan die Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftqualität. Bei Bedarf kann sich der Nutzer hier auch per Push-Notification warnen lassen, sollte die Qualität zu schlecht werden. Dann ist Mal wieder Zeit zum Lüften.

 

Canary - Umgebungsmessung

Natürlich ist das Produkt auch mit einer Bewegungserkennung ausgestattet, die bei unbekannten Bewegungsmustern eine Nachricht an den Besitzer schickt. Somit ist immer sofort ersichtlich, was zu Hause gerade passiert. Hat man einen Einbrecher erwischt, lässt sich zudem direkt eine Verbindung mit der Polizei herstellen oder aber man entscheidet sich dafür die integrierte 90 dB lauter Sirene endlich einmal auszuprobieren. Das dürfte bereits den einen oder anderen Eindringling abschrecken (oder erschrecken). Laut ist Canary auf jeden Fall, da kann so mancher Rauchmelder noch etwas lernen. Anzumerken ist, dass das Videosignal teilweise mit einer spürbaren Verzögerung ankommt. Im Live-View-Modus dürften es, je nach Verbindung, zwischen 20 und 30 Sekunden sein. Push-Notifications kamen teilweise erst eine Minute nach dem eigentlichen Ereignis auf dem Smartphone an.

Aufzeichnungsmodi

Ein Alleinstellungsmerkmal von Canary ist die intelligente Umschaltung der Überwachung, je nachdem, ob die Besitzer zu Hause sind oder nicht. Dazu gibt es drei einfache Überwachungsprofile: Der Away-Mode aktiviert den Bewegungssensor und geht davon aus, dass niemand zu Hause ist. Bei Aktivitäten gibt es direkt eine Push-Nachricht auf das Smartphone mit entsprechendem Videoausschnitt. Der Home Mode zeichnet weiterhin auf. Benachrichtigungen gibt es je nach Konfiguration. Dieser Modus eignet sich z.B. um Haustiere zu überwachen oder um schnell zu prüfen, ob zu Hause alles okay ist. Der Night Mode ist dem Away Mode sehr ähnlich. Hier nimmt Canary an, dass alle Personen schlafen und sich somit eigentlich nicht viel in der Wohnung tun sollte. Passiert doch etwas, gibt es wieder eine Nachricht. Zusätzlich gibt es den Privacy Mode. Wird dieser aktiviert, schaltet Canary Kamera und Mikrofon vollständig ab. Canary lässt sich dabei auch so konfigurieren, dass der Home Mode automatisch dem Privacy Mode entspricht. Die Modi werden außerdem mithilft der LED-Anzeige am Unterteil angezeigt. Leuchtet hier nichts mehr, ist Canary im Privacy Modus.

Canary - Überwachungsmodi Canary - Moduskonfiguration Canary - Private Mode

Die Verwaltung der vier Aufnahmemodi ist sehr einfach. Rechts ist Canary im Privaten-Modus.

Das gesamte System ist dabei stark mit der Canary App verknüpft, welche für Android und iOS verfügbar ist. Nur darüber ist der Zugriff auf die Kamera möglich. Canary nutzt diese Tatsache auch, um seine intelligente Modusumschaltung zu realisieren. Da der Standort der Wohnung Canary zu Beginn der Registrierung mitgeteilt werden müssen, lokalisiert das System in regelmäßigen Abständen alle auf den Nutzeraccount registrierten Smartphones. Ist keines der Smartphones am Standort von Canary, geht das System davon aus, dass es in den Away Modus schalten sollte. Im Test funktioniert dies sehr zuverlässig.

Canary - Timeline

Die Timeline protokolliert alle Vorkommnisse sehr übersichtlich

Einrichtung

Die Einrichtung ist eine von Canarys Stärken. Hierzu werden nur eine Internetverbindung sowie ein Smartphone und entsprechend W-LAN oder ein Ethernetkabel zum Router benötigt. Nachdem die App installiert und Canary mit Spannung versorgt ist, kann die Konfiguration beginnen. Zuerst muss Canary per Bluetooth oder über Klinke mit dem Smartphone verbunden werden. Nach der Eingabe der W-LAN-Daten verbindet sich das System dann direkt mit dem Internet und bringt sich auf den aktuellsten Stand in Sachen Firmware. Natürlich muss ein Nutzeraccount angelegt werden, um das System zu nutzen. Dieser Beinhaltet auch die oben genannten Angaben zur Wohnadresse und die Freigabe des eigenen Standortes auf dem Smartphone.

Canary Weiß Front

Ab diesem Zeitpunkt ist Canary im Einsatz. In unserem Fall lief die Konfiguration sehr einfach und reibungslos ab. Nur sein W-LAN-Kennwort muss man kennen, dann klappt alles auf Anhieb. Eine klasse Angelegenheit: In der App sind alle Vorkommnisse in Form einer Timeline einsehbar. Da pro Account mehrere Mitglieder des Haushaltes hinzugefügt werden können, werden auch Aktivitäten, wie das Auslösen der Sirene genau protokolliert.

Fazit

Mit Canary ist ein Sicherheitssystem verfügbar, welches ein sehr guten Gesamteindruck hinterlassen hat. Das Design ist toll, die Verarbeitungsqualität nahezu exzellent und die Einrichtung geht spielend von der Hand. Die Einbindung mit dem Cloud-Dienst funktioniert tadellos und die App ist sehr übersichtlich gestaltet. Hier sollten auch technisch nicht so versierte Anwender keine Probleme mit dem Verständnis haben.
Die Umschaltung des Überwachungsmodus funktioniert erstaunlich genau und die Bildqualität ist sowohl am Tag, als auch in der Nacht mehr als ausreichend detailreich. Nicht ohne Grund wirbt Canary damit, dass Täter direkt auf Basis der Kameraaufnahmen in den USA geschnappt und verurteilt worden sind.
Zwei Dinge sind aber bei Cloud-Systemen generell zu beachten. Zum ersten: Canary sowie auch der Router brauchen Strom. Zwar liegen dem Set ein paar nette Aufkleber nach dem Motto: „Diese Wohnung wird videoüberwacht“ bei, die Stärke von Lösungen wie Canary liegt aber definitiv im Überraschungsmoment. Denn wer als Einbrecher weiß, worauf er sich einlässt, sorgt wohl dafür, dass Canary die Energie fehlt, bevor zur Tat geschritten wird. Ein integrierter Akku zur begrenzten lokalen Aufzeichnung im Notfall wäre daher eine sinnvolle Ergänzung. Zum Zweiten: Die Daten die Canary über seinen Besitzer hat, dürften der Traum jedes Einbrechers sein: Wissen, wann, wer sich wo aufhält und wann niemand zu Hause ist. Geht es noch besser? Natürlich sind all diese Daten verschlüsselt bei Canary gespeichert, in Zeiten in denen Datenpannen immer größere Ausmaßen annehmen, müssen solche Gedanken aber erlaubt sein.
Nichts desto trotz, mit vollem Vertrauen in den Umgang mit den durch das System gesammelten Daten in das Unternehmen Canary, ist das gleichnamige Produkt eine tolle Sache. Seit wenigen Wochen wird Canary in schwarz oder weiß auch in Deutschland angeboten. Für das Kamerasystem legt man aktuell knapp 220 € auf den Tisch. Hinzu kommen die Abogebühren, falls einem die 12-Stunden-Videohistorie nicht genügen sollte.

 award_empf_canary-k

ProContra
  • klasse Verarbeitung
  • einfache Bedienung
  • automatische Anwesenheitserkennung
  • Bildqualität der Aufnahmen
  • schickes Design
  • Benötigt zwingend eine Internetverbindung
  • kein integrierter Akku

 

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Nils Waldmann

Nils Waldmann

...ist seit über 10 Jahren bei Allround-PC.com und als Redakteur und technischer Leiter tätig. In seiner Freizeit bastelt und konstruiert Nils gerne flugfähige Modelle oder fotografiert und filmt auf Motorsportevents. Im "echten Leben" studierter Wirtschaftsingenieur und Qualitätsmanager.

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