Test: Thecus N4310 4-Bay-NAS

Vier Festplatteneinschübe für wenig Geld – Überzeugt das NAS-Konzept von Thecus?

Geschrieben von Nils Waldmann am 15.06.2015.

Thecus N4310 NAS Startbild

Wer sich ein NAS-System zulegen möchte, um private Daten im Heimnetzwerk, wie auch im Internet zum Zugriff bereitzustellen, wundert sich oft, welche Preise für die kleinen Datenserver aufgerufen werden. Wir haben das neue N413 NAS des Herstellers Thecus getestet und zeigen euch, ob der Spagat zwischen einem attraktiven Preis und ansprechender Leistung geglückt ist.

Überblick

Der taiwanesische Hersteller Thecus hat sich vollständig der Entwicklung und Herstellung von NAS-Systemen verschrieben. Alleine auf die Anzahl an verfügbaren Modellen bezogen, braucht sich der Hersteller nicht hinter Branchengrößen wie Synology oder QNAP verstecken. Aufgeteilt wird das Produktportfolio von Thecus in die beiden Überkategorien Linux-NAS und Windows-NAS. Unterkategorien gliedern die Geräte nach ihrem Anwendungszweck auf. Unser Testmodell – das N4130 – gehört zur Gattung der Linux-Geräte und wird von Thecus als System für den Solo- bzw. Heimgebrauch beschrieben.

Aufbau und Design

Das N4130 ist ein 4-Bay-System, es ist also in der Lage bis zu vier Festplatten aufzunehmen. Ausgeliefert wird unser Testgerät ohne jegliche Datenträger, sodass der Anwender sich selbst für passenden Festplatten entscheiden darf. Anzumerken ist dabei, dass nicht von Anfang an alle vier Laufwerksplätze belegt werden müssen. Unter Verzicht auf einige, der potenziell verfügbaren RAID-Modi, kann das N4130 beispielsweise auch nur mit zwei Festplatten betrieben werden.Thecus N4310 NAS Vorderseite

 Frontansicht des Thecus N4130 NAS-Systems.

 

Äußerlich ist der kleine Server vollständig in schwarz gehalten. Er kommt in Form eines langgezogenen Würfels daher, dessen obere Kanten stark abgerundet wurden. Auf der rechten Seite der Front sind, neben den vier Festplatteneinschüben, acht Status-LEDs eingelassen. Zusätzlich befinden sich hier der One-Touch-Copy-Button sowie der Power-Taster.

Die Festplatteneinschübe selbst sind von der alten Schule. Der Nutzer steht hier vor der Aufgabe, jede der vier Festplatten in einen aus Kunststoff gefertigten Käfig zu schrauben, bevor die Datenträger in das NAS eingeschoben werden können. Das ist vor allem in Hinblick auf den schnellen Datenträgerwechsel relativ umständlich und wird von anderen aktuellen NAS-Produkten besser gelöst. Außerdem fällt auf, dass eine Möglichkeit zum Verriegeln der Käfige fehlt. So kann prinzipiell jeder der physischen Zugang zum NAS hat, die Festplatten entfernen. Generell wirken die Festplattenkäfige weit weniger wertig als der Rest des Systems, sie halten jedoch die Festplatten sicher in Stellung und rasten sauber ein.Thecus N4310 NAS Rückseite

 Alle wichtigen Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite.

Die Rückseite wird zum Großteil von einem 120-mm-Lüfter eingenommen, der für angemessene Temperaturen im Inneren sorgt. Dieser war während des Tests nicht zu hören und drehte auch in Perioden längerer Last nicht auf. Gleich nebenan befinden sich die restlichen Anschlüsse des N4130. Neben der Möglichkeit zwei dedizierte Netzteile anzuschließen, um eine redundante Stromversorgung aufzubauen, hat der Anwender hier die Möglichkeit zwei USB-3.0-Geräte zu verbinden sowie das NAS per Gigabit-Ethernet in das lokale Netzwerk einzubinden. Auf einen frontseitigen USB-Port verzichtet Thecus bei dem N4130, was den Einsatz der der One-Touch-Copy-Funktion ein wenig unkomfortabler gestaltet, muss man so immer erst das USB-Gerät auf der Rückseite das NAS einstöpseln.

Die generelle Verarbeitungsqualität des Thecus N4130 ist gut, unsaubere Fertigungsrückstände waren äußerlich nicht auszumachen.

Hardware

Im Inneren des Systems werkelt ein AMCC APM86491RDK Prozessor mit einem Takt von 1 GHz, der durch einen 1 GB großen DDR3-Arbeitsspeicher unterstützt wird. Die Festplatten werden über SATA verbunden. Das beigelegte Blocknetznetzteil leistet maximal 60 Watt. Außerdem besitzt das Thecus N4130 einen dedizierten RAID-Controller, der den Systemprozessor bei der Verwaltung und dem Aufbau von RAID-Verbunden entlasten soll.

Technische Daten

Modellbezeichung

Thecus N4310

Prozessor

AMCC APM86491RDK 1GHz SoC

Arbeitsspeicher

1 GB DDR3

Anschlüsse

2x USB 3.0, 1x Gigabit Ethernet, 2x DC-Anschluss

Belüftung

Aktiv, 100-mm-Lüfter

Stromversorgung

Blocknetzteil (60 W)

Laufwerkseinschübe

4 x 2,5 Zoll / SATA 6 Gbit/s, mit Käfig, Hot-Swap fähig

Verbaute Laufwerke

Keine, Leergehäuse

Preis

Ab 245 Euro

Modellnummer

N4310

Varianten

auch verfügbar als 4-, 8-, 12-, 16- oder 24-TB-Variante

Datenträgermanagement

Eine der wichtigsten Eigenschaften von NAS-Systemen ist die Art und Weise in der dem Nutzer Zugang und Möglichkeit zur Konfiguration der Datenträger bereitgestellt werden. Im Falle des Thecus N4130 kann der Nutzer auf eine Fülle an RAID-Modi zurückgreifen. Zur Verfügung stehen: RAID 0, 1, 5, 6, 10 sowie JBOD. Das System erlaubt außerdem die einfache Migration von einem RAID-Typ in einen anderen oder das Erweitern eines RAID-Verbundes um einen weiteren Datenträger. Hot-Swapping von Festplatten wird ebenso unterstützt, wie der automatische Wiederaufbau einer neuen Festplatte, nach einem Defekt. Als Dateisystem kommt, wie bei eigentlich allen Linux-basierten Systemen am Markt, EXT4 zum Einsatz. Um die Daten auf dem NAS bei Diebstahl zu schützen, kann der gesamte RAID-Verbund mit 128 Bit AES verschlüsselt werden.

Inbetriebnahme

Waren NAS-Systeme bis vor wenigen Jahren nur etwas für Enthusiasten, haben sich die großen NAS-Hersteller schon seit längerer Zeit auf die Fahne geschrieben, ihre Geräte endnutzertauglich und –verständlich zu machen.Thecus N4310 -Intelligen NAS Setup Assistent

Die Intelligent NAS Software hilft beim ersten Start des NAS.

Thecus nutzt zur Einrichtung des N4130 einen Assistenten in Form eines kleinen Software-Tools mit dem Namen „Intelligent NAS“, welches über die Thecus Website bezogen werden kann. Das Programm erkennt die aktuelle IP-Adresse des Systems im Netzwerk und führt anschließend durch erste Schritte, wie die Auswahl und den Aufbau des RAIDs und die Erstellung einer Thecus-ID, mithilfe welcher über das Internet auf das NAS zugegriffen werden kann. Anschließend übergibt das Tool an die Standard-Weboberfläche des Systems, welche zur Hauptkonfiguration genutzt wird. Hier wird der Nutzer durch die weitere Konfiguration geführt, die im Allgemeinen zwar relativ detailliert ist, sich aber definitiv an erfahrene Nutzer und nicht an Anfänger im NAS-Bereich richtet.Thecus N4310 - Das Hauptmenü

 Das Hauptmenü der Systemsoftware ist nicht sonderlich intuitiv gestaltet.

 

Generell wirkt die gesamte Oberfläche ein wenig angestaubt und reagiert, verglichen mit Produkten der Konkurrenz, vergleichsweise träge. Besonders störend fiel auf, dass das NAS bei Änderung bestimmter Einstellung nach einem Neustart verlangt, der jedes Mal mindestens 100 Sekunden dauerte.

Funktionsumfang

Das N4130 gibt dem Anwender alle Standardfunktionen mit an die Hand, die man von einem aktuellen NAS-System erwarten kann. Der Dateizugriff ist so über SAMBA, FTP, AFP und NFS möglich. Außerdem findet sich das System gleichermaßen in Windows- und Apple-Netzwerken zurecht. Für multimediale Unterhaltung sorgen der integrierte iTunes-Server, der DLNA-Server sowie der Foto-Server zur Betrachtung und Organisation von Bildern.Thecus N4310 - Backup-Möglichkeiten

 Selbstverständlich kann auch das N4310 automatisierte Backup-Jobs ausführen.

Das N4130 bietet aber auch noch einige besondere Funktionen: So kann beispielsweise ein USB-DVD-Brenner mit dem NAS verbunden werden, um Datei vom NAS auf einen optischen Datenträger zu übertragen. Das ist vor allem in kleinen Büros interessant, die einen hohen Laptop-Anteil ohne optisches Laufwerk aufweisen. Des Weiteren kann das NAS automatisch Backup-Aufträge ausführen und Daten an ein entferntes Ziel übertragen oder in umgekehrter Reihenfolge auf dem eigenen Speicher sichern. Auch das Einbinden von ISO-Dateien als Netzwerkfreigabe ist ein praktisches Tool.
Thecus N4310 - Der Anschluss von optischen USB-Laufwerken ist möglich

 Mit dem NAS lässt sich außerdem ein USB-Brenner im Netzwerk teilen.

Wie bereits angesprochen, verfügt das NAS über die Möglichkeit einer redundanten Stromversorgung. Softwaretechnisch ist diese allerdings äußerst dürftig umgesetzt. Der Nutzer hat hier lediglich die Möglichkeit einen Haken im Admin-Menü zu setzen. Fehlt das zweite Netzteil (oder fällt aus), so ertönt einzig und allein ein Piepton und die Statusanzeige im Menü ändert sich. Ansonsten passiert nichts.

Testaufbau

Das Thecus N4310 NAS war während des Tests direkt mit einem Intel 82574L Gigabit Ethernet Controller verbunden. Die Verbindung zum NAS war dabei mit dem mitgelieferten Kabel über den LAN-Port 1 hergestellt. Zur Überprüfung der Transferleistung wurde das Intel NAS Performance Toolkit verwendet, welches in der Lage ist, verschiedene Lastsituationen zu simulieren. Als Festplatten kamen zwei WD RED 4 TB sowie eine WD Black 4 TB zum Einsatz.

Alle grundlegenden Funktionen, wie z.B. das Verbinden und Kopieren von USB-Medien, Dateizugriff über SAMBA und FTP und die Möglichkeit Medien über DLNA sowie iTunes zu Streamen, wurden von uns mit einem RAID 1 Verbund (ohne Verschlüsslung) überprüft und haben tadellos funktioniert.

Testsystem

Netzwerk

  • WD My Cloud EX2100
  • Intel 82574L Ethernetadapter (Intel PROSet 19.5.303.0)
  • CAT5e Kabel (Vollbestückt)

Testsoftware

  • Intel NAS Performance Toolkit (1.7.1)
  • Windows 7 Professional 64 Bit
  • Messung der Leistungsaufnahme (Brennenstuhl PM 231 E)

*Mit anderer Testsystemkonfiguration getestet.



Anmerkung: Der Test „File-Copy-to-NAS“ spiegelt mitunter Fehlmessungen wieder. Das Intel NAS Performance Tool Kit hat ihr eine Einschränkung, die bei diesem Test fehlerhafte Ergebnisse produziert. Anstatt das NAS zu überprüfen, werden Teile der Daten aus dem Arbeitsspeicher des Testrechners geladen, was teils zu Verfälschung der Ergebnisse führen kann. Ergebnisse über 100 MB/s sind mit Sicherheit unrealistisch und hier nur der Vollständigkeit halber aufgeführt.

Energiesparfunktionen

Da die Leistungsaufnahme eines NAS stark von der Anzahl der eingesetzten Festplatten abhängig ist, lassen sich oben abgetragene Systeme nur bedingt miteinander vergleichen. Auffällig ist jedoch der relativ hohe Stromverbrauch des N4310 im Standby (bei abgeschalteten Festplatten) mit beinahe 10 Watt. Generell arbeitet das Thecus-Gerät allerdings relativ sparsam unter Last und verschlingt auch im Idle-Mode nicht viel Energie. Die Geräuschemissionen, wie oben bereits angesprochen, gehen, wenn überhaupt von den verbauten Festplatten aus. Der integrierte Lüfter arbeitet erfreulicherweise sehr leise.

Fazit

Insgesamt macht das Thecus N4310 rein äußerlich einen ordentlichen Eindruck und auch die Ausstattung liest sich gut. Das System ist gut verarbeitet, haptisch und optische Abstriche müssen bei den Festplattenkäfigen gemacht werden. Die Montage der Festplatten in extra Käfigen mit Schrauben ist außerdem nicht mehr wirklich zeitgemäß, ein einfacher Einschub wäre hier die bessere Lösung.

Die Software des NAS ist optisch nicht wirklich hübsch, bietet aber alle grundlegenden Funktionen. Von der Konkurrenz, genannt seien als Beispiele QNAP oder WD, ist man in Sachen Usability aber noch ein ganzes Stück entfernt. Dafür kann das NAS mit praktischen Funktionen, wie dem Beschreiben von optischen Datenträgern (mit entsprechendem USB-Laufwerk) und dem Einbinden von Image-Dateien aufwarten. Die Implementierung des redundanten Stromeinganges ist hingegen eher wertlos.Thecus N4310 NAS Laufwerkschlitze geöffnet

In Sachen Transferleistung zeigt sich das NAS im Mittelfeld. Ohne Verschlüsselung schafft das System die 50 MB/s-Marke mit Leichtigkeit, ist der RAID-Verbund verschlüsselt sind noch etwas mehr als die Hälfte drin. Das sind in Anbetracht des vergleichsweise schwachen Prozessors gute Werte. Bei zufälligen Lese- und Schreibzugriffen muss das Gerät schon deutlich mehr kämpfen und die Datentraten brechen vor allem unter Verwendung von Verschlüsselung noch einmal deutlich ein.

Preistechnisch wechselt das Thecus N4310 als Variante ohne vorinstallierte Festplatten aktuell für knapp 244 Euro den Besitzer. Damit ist es nicht deutlich günstiger als beispielsweise das QNAP TS-431 (255 €), unterbietet preislich jedoch die WD My Cloud EX4 (299 €). Thecus bietet das N4310 außerdem bereits vorkonfiguriert mit 4, 8, 12, 16 oder 24 TB Speicherkapazität an. Die Preise bewegen sich hier von 556 € (4 TB) bis hin zu 1480 € für die Version mit 24 TB.

ProContra
  • Verarbeitung
  • leiser Betrieb
  • Leistungsaufnahme
  • RAID 10 Unterstützung
  • Software relativ langsam
  • Teilweise Neustarts bei Veränderungen von Optionen benötigt

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Nils Waldmann

Nils Waldmann

...ist seit über 10 Jahren bei Allround-PC.com und als Redakteur und technischer Leiter tätig. In seiner Freizeit bastelt und konstruiert Nils gerne flugfähige Modelle oder fotografiert und filmt auf Motorsportevents. Im "echten Leben" studierter Wirtschaftsingenieur und Qualitätsmanager.

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