Test: WD Blue, Purple, Black und Red Pro Festplatten

Buntes Quartett: Vier aktuelle WD Festplatten(serien) auf den Prüfstand

Geschrieben von Nils Waldmann am 21.01.2016.

WD HDDs Startbild

Zwar sind SSDs an vielen Stellen auf dem Vormarsch, geht es aber um die Ablage größerer Datenmengen, sind Festplatten nach wie vor das Mittel der Wahl. Wir haben uns das aktuelle Produktportfolio von WD (Western Digital) genauer angesehen und wollen in diesem Artikel die Unterschiede der einzelnen Serien erläutern.

Überblick

Wer momentan auf der Suche nach einer Festplatte ist, wird feststellen, dass die großen Festplattenhersteller ihr Portfolio feinsäuberlich aufgeteilt haben. So wird nicht nur mehr nach internen, externen oder Netzwerkspeichermedien unterschieden, auch der Bereich der internen Festplatten ist oft anwendungsspezifisch unterteilt. So auch bei WD.
Wir haben diese Entwicklung zum Anlass genommen, vier Modelle aus den vier unterschiedlichen Produktkategorien in der 3,5-Zoll-Klasse aus dem Hause WD auf Herz und Nieren zu testen. Konkret ist die Rede von vier Festplatten der WD Red Pro, WD Black, WD Purple sowie WD Blue Serie. Kenner des Marktes fragen sich an dieser Stelle vielleicht, wo sich die WD Green Serie versteckt: Diese hat Western Digital erst vor Kurzem mit der WD Blue Serie zusammengeführt und das WD Green Label vorerst vom Markt genommen.

Technische Unterschiede

Im Folgenden wollen wir uns jeweils den technischen Besonderheiten widmen, die die vier Festplattenserien voneinander trennen. Die folgende Tabelle gibt einen schnellen Überblick über alle relevanten technischen Daten und ermöglicht einen schnellen Vergleich der getesteten Laufwerke.

WD Blue Serie

Die WD Blue Serie beinhaltet Festplatten für den Alltag, die sich für normale Desktopsysteme gleichermaßen als Systemlaufwerke oder zur Datenablage- oder Archivierung eignen. Das Hauptaugenmerk liegt bei den WD Blue Laufwerken vor allem auf einem leisen, effizienten und kühlen Betrieb. Die Laufwerke sind für normale Beanspruchungen ausgelegt, jedoch nicht für den Dauerbetrieb zertifiziert. Leistungstechnisch fokussieren sich die WD Blue Festplatten auf den Normalanwender, der keine Höchstleistung erwartet oder mit zeitkritischen Aufgaben konfrontiert ist. Abgedeckt werden Kapazitätsbereiche von 250 GB bis 6 TB. Je nach Anforderung stehen Laufwerke mit 5.400 oder 7.200 Umdrehungen zur Verfügung.

 

 WD Blue Festplatte WD10EZRZWD Blue Festplatte WD10EZRZ offen

Mit an Bord sind WD-Basistechnologien, wie die NoTouch Ramp Load-Technik, die den Lese-/Schreibkopf außerhalb des Platter-Bereichs parkt, um Datenverlust zu vermeiden. „Data Lifeguard“ ist für die Überwachung des Laufwerks und seiner Parameter zuständig. Außerdem ist die WD „Intelli Seek“ Technologie verfügbar, die versucht eine Balance aus Leistungsaufnahme und Geschwindigkeit zu schaffen.

Unser Testlaufwerk ist die WD Blue 1 TB mit 5.400 U/min und 64 MB Cache (WD10EZRZ).

WD Black Serie

Die WD Black Serie knüpft dort an, wo bei der WD Blue Serie Ende ist. Es handelt sich um eine Hochleistungsfestplatte für Anwender, die Wert auf Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit legen. Typische Anwendungsbereiche sind Foto- und Videobearbeitung, bei denen große Datenmengen zügig zur Verfügung stehen müssen. Angeboten werden Modelle von 500 GB bis 6 TB Kapazität. Allen gemein ist eine Spindelgeschwindigkeit von 7.200 U/Min. Zusätzlich gibt es in der 5- und 6-TB-Variante einen von 64 auf 128 MB vergrößerten Cache-Speicher. WD Black Platten sind grundsätzlich für den Dauerbetrieb geeignet und kommen mit einer fünfjährigen Garantie.

 WD Black Festplatte WD6001FZWX WD Black Festplatte WD6001FZWX offen

Besondere Features sind die „Dynamic Cache-Technologie“, welche das Verhältnis zwischen Lese- und Schreibcache ständig optimal anpasst, sowie der Dual Core Prozessor, welcher sich vor allem beim Laden größerer Multimediainhalte positiv bemerkbar machen soll.

Unser Testlaufwerk ist die WD Black 6 TB mit 7.200 U/min und 128 MB Cache (WD6001FZWX).

WD Red Pro Serie

Die WD Red Pro Serie ergänzt die WD Red Serie im professionellen Bereich der Festplatten für Netzwerkspeicher (NAS). Diese Laufwerke sind speziell für den Einsatz in Netzwerkservern optimiert. Ein Großteil dieser Anpassung ist der NASWare 3.0 genannten Firmware der Laufwerke geschuldet, die Funktionen, wie den aktiven Massenausgleich „3D Active Balance Plus“ steuert. WD Red Pro Platten können somit problemlos in NAS-Servern mit bis zu 16 Laufwerken eingesetzt werden. Durch die aktive Schwingungskompensation und den Massenausgleich reduzieren die Festplatten aktiv, die auf sie einwirkenden Vibrationen und sollen somit ihre Zuverlässigkeit und Leistung verbessern. WD Red Pro Festplatten werden generell mit einer fünfjährigen Garantie ausgeliefert. Ein weiterer Vorteil der WD Red (Pro) Serie ist, dass WD versucht mit möglichst vielen NAS-Herstellern zusammenzuarbeiten, um vorab die Kompatibilität mit verschiedenen NAS-Produkten zu testen. Als Server-Laufwerk sind WD Red Pro HDDs außerdem für RAID-Verbunde optimiert und dauerlauffähig.

 Western Digital Product Blue WD Red Pro Festplatte WD6001FFWX offen

Angeboten wird die WD Red Pro aktuell mit Kapazitäten von 2 bis 6 TB, wobei die Modelle mit 5 und 6 TB auf einen vergrößerten Cache von 128 MB zurückgreifen können. Die Spindelgeschwindigkeit beträgt bei allen Modellen 7.200 U/min. Einem Einsatz als Desktoplaufwerk steht im Übrigen nichts im Weg.

Unser Testlaufwerk ist die WD Red Pro 6 TB mit 7.200 U/min und 128 MB Cache (WD6001FFWX).

WD Purple Serie

Die lila Platte aus dem Hause WD widmet sich einem relativ neu entdeckten Kundenbereich: der digitalen Videoüberwachung. Die WD Purple Festplatten sind auf den intensiven Schreibbetrieb mehrerer, paralleler Videospuren optimiert und sollen dabei möglichst wenig Leistung aufnehmen bzw. Wärme abgeben. Auch die WD Purple ist auf die Zusammenarbeit von bis zu acht Laufwerken in einem digitalen Videorekorder konzipiert und soll bis zu 32 Streams von HD-Kameras verarbeiten können.

 WD Purple Festplatte WD30PURX WD Purple Festplatte WD30PURX offen

Der Fokus liegt hierbei auf der Optimierung des Schreibvorgangs unter Verwendung von Technologien wie dem ATA-Stream-Protokoll und besonderen Caching-Mechanismen, die dafür sorgen sollen, dass kein einziges Bild durch Fehler beim Schreibvorgang verloren geht und das Überwachungsvideo so mitunter unbrauchbar macht. WD nennt diese Technik „AllFrame“. Die Garantie der WD Purple Laufwerke beträgt drei Jahre.

Verfügbar sind die WD Purple Modelle in Kapazitäten zwischen 1 und 6 TB. Unser Testlaufwerk ist die WD Purple 3 TB mit 64 MB Cache (WD60PURX).

Technische Daten

Modell

WD Red Pro

WD Black

WD Purple

WD Blue

Speicherkapazität nominell

6000 GB

6000 GB

3000 GB

1000 GB

Schnittstelle

S-ATA 6 Gbit/s

S-ATA 6 Gbit/s

S-ATA 6 Gbit/s

S-ATA 6 Gbit/s

Spindelgeschwindigkeit

7200 U/min

7200 U/min

5400 U/min (IntelliSpeed)

5400 U/min

Cache

128 MB

128 MB

64 MB

64 MB

Formfaktor

3,5 Zoll

3,5 Zoll

3,5 Zoll

3,5 Zoll

Geräuschemission

31 dB(a) Leerlauf / 34 dB(a) Last

31 dB(a) Leerlauf / 34 dB(a) Last

25 dB(a) Leerlauf / 26 dB(a) Last

21 dB(a) Leerlauf / 24 dB(a) Last

Abmessungen

26,1 x 147 x 101,6 mm

26,1 x 147 x 101,6 mm

26,1 x 147 x 101,6 mm

26,1 x 147 x 101,6 mm

Gewicht

750 Gramm

720 Gramm

750 Gramm

450 Gramm

Modellnummer

WD6001FFWX

WD6001FZWX

WD60PURX

WD10EZRZ

Besonderheiten

NASWare 3.0

geeignet für Dauerbetrieb

geeignet für Dauerbetrieb

AllFrame-Technologie

geeignet für Dauerbetrieb

Garantie

5 Jahre

5 Jahre

3 Jahre

2 Jahre

Preis

Ca. 295 €

Ca. 294 €

Ca. 107 €

Ca. 48 €

Leistungstest

Um die Leistung der vier Festplatten zu überprüfen, haben wir verschiedene Benchmarks auf unserem Testsystem ausgeführt und die erreichten Ergebnisse dokumentiert. Dabei unterscheiden wir sogenannte synthetische Benchmarks, bei denen die maximale Leistung der Laufwerke gemessen wird sowie praxisnahe Benchmarks, die das Arbeiten mit dem Laufwerk im Alltag widerspiegeln. Zum Vergleich haben wir mitunter die WD Black 4 TB sowie die WD Red 6 TB herangezogen.

Testsystem

  • Prozessor: Intel Core i7-6700K 4,0 GHz (Skylake), Turbo Boost aktiv, Hyperthreading aktiviert
  • Mainboard: Asus Maximus VIII Extreme
  • Kühler: Noctua NH-D15
  • Ram: 16 GB G.Skill Ripjaws V DDR4 2.400 MHz CL 15-15-15-35
  • Systemlaufwerke: Intel SSD 750 420 GB & SanDisk Extreme Pro 480 GB
  • Grafikkarte: MSI Radeon R9 390X
  • Betriebssystem: Windows 10 Professional x64
  • Netzteil: be quiet Straight Power 1.000 Watt

Wir haben die folgenden Benchmark-Tools verwendet:

  • HD Tune Pro 5.6
  • A.S. SSD Benchmark 1.8
  • ATTO Disk Benchmark 2.47
  • Crystal Disk Mark 5 (x64)

Erklärung zu den Diagrammen: Wenn ihr die Maus auf einen Balken bewegt, wird euch der Produktname und die erreichte Punktzahl angezeigt. Um die Ansicht übersichtlicher zu gestalten, könnt ihr für euch uninteressante Produkte mit einem Klick auf den Produktnamen unterhalb des Diagramms ausblenden.

HD Tune Pro

Die Software HD Tune Pro misst neben den schon erwähnten Parametern ebenfalls die Geschwindigkeit beim Zugriff auf verschiedene Dateigrößen. Gemessen wurden die Blockgrößen 512 Byte, 4 KB, 64 KB, 1 MB sowie der zufällige Zugriff auf alle Arten von Blockgrößen.

A.S. SSD Benchmark

Der A.S. SSD Benchmark misst die sequenziellen Schreib- und Leseraten einer Festplatte. Darüber hinaus werden Zugriffszeit gemessen. Ein integrierter Kopier-Benchmark simuliert das Kopieren von ISO-Dateien, Programmen und Computerspielen und misst dabei die Transferraten. Unseren Erfahrungen nach sind die Ergebnisse sehr praxisnah, da mehrere Durchläufe gemittelt werden.

ATTO Disk Benchmark

Wenn es darum geht die maximale Schreib- und Lesegeschwindigkeit einer Festplatte zu ermitteln, ist der ATTO Disk Benchmark ein zuverlässiges Tool. Die Leistung wird anhand verschiedener Blockgrößen gemessen, die wir in Blöcken von vier Kilobyte bis acht Megabyte dargestellt haben. In der Praxis sind die abgebildeten Werte allerdings fast nie zu erreichen und werden von den Herstellern gerne als Werbemittel eingesetzt. Das ATTO Disk Benchmark verwendet komprimierbare Daten.

Crystal Disk Mark

Das Crystal Disk Mark ist ein weiteres beliebtes Tool, um die Transferleistung von Massenspeichern zu testen. Wir haben mit dem CDM erneut die sequenzielle Transferleistung überprüft.

Zugriffszeiten

Im Bereich der SSDs beinahe zu vernachlässigen, spielen Zugriffszeiten bei Festplatten nach wie vor eine wichtige Rollen. Gemessen haben wir diese mit dem A.S. SSD Benchmark sowie HD Tune Pro. 

Fazit

Rein äußerlich, vor allem in Bezug auf die Verarbeitung, macht WD bei allen vier Baureihen einen guten Job. Hier gibt es rein gar nichts zu beanstanden, so wie es sich für ein Präzisionsbauteil, wie eine Festplatte gehört.

In Sachen Geräusch- und Temperaturemissionen schneiden die WD Blue sowie die WD Purple am besten ab, was der abgesenkten Spindelgeschwindigkeit von 5.400 U/min geschuldet ist. Mit Temperaturen knapp über 30 Grad, auch über längere Lastperioden hinweg, bleiben beide Laufwerke nicht nur leise, sondern auch kühl. Die WD Black reiht sich ein und bleibt immer noch unter 40 Grad, war dafür bei zufälligen Suchvorgängen aber akustisch wahrnehmbar. Am wärmsten wurde die WD Red Pro mit 46 Grad in der Spitze. Auch dieses Laufwerk macht mit einem dezenten Arbeitsgeräusch unter Last auf sich aufmerksam.

In Sachen Leistungstest ordnen sich die Laufwerke anhand ihrer Fachgebiete ein: Die WD Blue Serie bietet solide Leistung für Normalanwender und fällt in keinem Testbereich negativ auf. Deutlich schneller arbeiten jedoch die WD Black und WD Red Pro mit je 6 TB. Beide Festplatten liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, was in unseren Messungen zu meist zu Gunsten der WD Red Pro ausgeht. Die WD Purple liegt in sequenziellen Zugriffen auf einer Höhe mit der WD Blue, fällt aber bei zufälligen Zugriffen teils deutlich zurück. Dies liegt vor allem daran, dass die Platte auf viele parallele, sequenzielle Schreibzugriffe optimiert ist, die mit den verwendeten Benchmarktools nicht unbedingt erzwungen werden. Die Ergebnisse sind also relativ zum Anwendungsfall zu betrachten.

Die nachfolgende Tabelle soll einen schnellen Überblick über die momentane Preissituation geben:

Modell

Preis

Preis / GB

Garantie

WD Blue 1 TB
(WD10EZRZ)

ca. 48 €

0,048 € / GB

2 Jahre

WD Black 6 TB
(WD6001FZWX)

ca. 295 €

0,049 € / GB

5 Jahre

WD Red Pro
(WD6001FFWX)

ca. 291 €

0,0485 € / GB

5 Jahre

WD Purple 3 TB
(WD30PURX)

ca. 107 €

0,036 € / GB

3 Jahre

Jede der vier Festplatten hat dabei ihr besonderes Aufgabenfeld, in dem sie allen anderen Modellen überlegen ist. Für NAS-Geräte gilt dies in Bezug auf die WD Pro (Red), bei Videoaufzeichnungen für die WD Purple. Beurteilt man alle vier Probanden unter der Kategorie Desktop-HDD, so macht die WD Black insgesamt die beste Figur. Hier bilden Leistung, Emissionen und der Preis gepaart mit einer fünfjährigen Garantie das stimmigste Gesamtpaket. Die WD Red Pro mag auch im Desktopeinsatz ein Quäntchen schneller sein, wird dafür aber auch deutlich wärmer.

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Nils Waldmann

Nils Waldmann

...ist seit über 10 Jahren bei Allround-PC.com und als Redakteur und technischer Leiter tätig. In seiner Freizeit bastelt und konstruiert Nils gerne flugfähige Modelle oder fotografiert und filmt auf Motorsportevents. Im "echten Leben" studierter Wirtschaftsingenieur und Qualitätsmanager.

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