Test: Crucial BX100 und Crucial MX200 SSDs (250 GB)

Crucials neue SSD-Serien BX100 und MX200 auf dem Prüfstand

Geschrieben von Nils Waldmann am 16.04.2015.

Crucial MX200 SSD Startbild

Von der Micron-Tochter Crucial kommen zwei neue Solid State Drive Serien für den Einsteiger- und Highend-Bereich. Die Laufwerke hören auf die Namen BX100 sowie MX200 und sollen Anwender zum Umstieg von der alten Festplatte auf eine flotte SSD bewegen. Wir haben jeweils die 250-GB-Version der SSDs für euch getestet.

Überblick

Mit der neuen BX100 SSD hat Crucial ein neues Einsteigerlaufwerk im Portfolio, welches sich vor allem an potentielle Umsteiger von einem Festplattensystem richtet. Die BX100 kommt ausschließlich im 2,5-Zoll-Standardformat und misst nur 7 mm in der Höhe. Damit kann das Laufwerk in nahezu allen aktuellen Systemen mit 2,5-Zoll-Schacht verbaut werden. Neben der von uns getesteten Variante mit 250 GB bietet Crucial noch drei weitere Modelle mit 120 GB, 500 GB und 1 TB Speicherplatz an.

Crucial BX100 SSD Vorderseite

Die MX200 richtet sich hingegen an den anspruchsvollen Anwender, der Höchstleistung von seinem Massenspeicher erwartet. Die SSD ist dabei das Nachfolgermodell der bekannten Crucial MX100 SSD. Wie auch die BX100 kommt die MX200 SSD in einem 2,5-Zoll-Gehäuse mit 7 mm Bauhöhe. Auch hier stehen drei der vier oben genannten Kapazitätsstufen bereit (250 GB, 500GB und 1TB). Zusätzlich bietet werden die 250- sowie die 500-GB-Variante zusätzlich als mSATA- sowie als M.2-SSD angeboten. Beim M.2-Standard kann der Nutzer noch einmal zwischen Typ 2260 sowie Typ 2280 wählen, basierend darauf welche Bauform vom Endgerät gefordert ist.

Technischer Hintergrund

Bei der Crucial BX100 kommt ein Silicon Motion SM2246EN Controller zum Einsatz, der den im 16-nm-Verfahren hergestellten MLC-NAND von Micron verwaltet. Als Datenschnittstelle setzt unser Testlaufwerk auf das SATA 6 GBit/s Interface. Die Lebensdauer der Chips gibt Crucial mit 72 TB „total bytes written“ (TBW) an. Dies entspricht dem Schreiben von 40 GB Daten pro Tag über einen Zeitraum von 5 Jahren.

Die MX200 SSD ist hingegen mit dem bekannten Marvell 88SS918 Chipsatz ausgestattet, welcher den gleichen Micron MLC-NAND zu verwalten hat, wie er in der BX100 verbaut ist. Der Marvell Controller kam im Übrigen schon beim Vorgänger, der Crucial MX100 zum Einsatz. Beim kleinsten Modell mit 250 GB im 2,5-Zoll-Format sowie bei allen SSDs der MX200-Serie mit mSATA- oder M.2-Formfaktor kommt Crucials „Dynamic Write Acceleration Technology“ zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um einen Trick, dem sich auch schon andere Hersteller bedient haben. Anstatt den kompletten Bereich an Flashzellen im MLC-Modus anzusprechen, also mehrere Bit pro Zelle abzuspeichern, wird ein definierter Bereich im SLC-Verfahren verwaltet. Dadurch ergeben sich schnellere Schreibzugriffe. Die Firmware der SSD sorgt dafür, dass so die Transferraten bei den kleineren Modellen mit weniger freiem Flashspeicher zum puffern ebenfalls konstant hoch bleiben.

Crucial MX200 SSD M.2 2280 Type Platine

Zusätzlich kann die Crucial MX200 auf eine vollständige Hardwareverschlüsselung nach Microsoft eDrive, IEEE-1667 und TCG Opal 2.0 Standard zurückgreifen, welche die abgelegten Daten mit einem 256 Bit AES-Schlüssel schützt. Außerdem setzt die MX200 auf die von Crucial mit „RAIN“ betitelte Technik, welche an das RAID-Verfahren anlehnt. Im Gegensatz zu einem RAID-Verbund aus mehreren Laufwerken, arbeitet RAIN im Inneren der MX200 auf NAND-Basis und soll bei NAND-Ausfall vor Datenverlust schützen. Die TBW-Werte der MX200 sind abhängig von der Kapazität der SSD. Unser Testmodell mit 250 GB kommt auf 80 TB, die 1-TB-Variante ist mit 320 TB TBW angegeben.

Technische Daten

Crucial BX100 Series

Speicherkapazität nominell

120 GB

250 GB

500 GB

1 TB

Schnittstelle

SATA 6 Gbit/s

SATA 6 Gbit/s

SATA 6 Gbit/s

SATA 6 Gbit/s

Formfaktor

2,5 Zoll

2,5 Zoll

2,5 Zoll

2,5 Zoll

Zellentyp

Micron 16 nm MLC NAND

Micron 16 nm MLC NAND

S Micron 16 nm MLC NAND

Micron 16 nm MLC NAND

Controller

Silicon Motion SM2246EN

Silicon Motion SM2246EN

Silicon Motion SM2246EN

Silicon Motion SM2246EN

Cache

Geschwindigkeit (bis zu)

535 MB/s (Lesen) /185 MB/s (Schreiben)

535 MB/s (Lesen) /370 MB/s (Schreiben)

535 MB/s (Lesen) /450 MB/s (Schreiben)

535 MB/s (Lesen) /450 MB/s (Schreiben)

Abweichungen zum gemessenen Ergebnis (ATTO 8 MB Block)

+4,72 % (560,54 MB/s) | +3,4 % (382,57 MB/s)

Random 4K Lesen / Schreiben

87.000 / 43.000 IOPS

87.000 / 70.000 IOPS

90.000 / 70.000 IOS

90.000 / 70.000 IOS

Modellnummer

CT120BX100SSD1

CT250BX100SSD1

CT500BX100SSD1

CT1000BX100SSD1

Abmessungen

100.45 x 69,85 x 7 mm

100.45 x 69,85 x 7 mm

100.45 x 69,85 x 7 mm

100.45 x 69,85 x 7 mm

Garantie

3 Jahre

3 Jahre

3 Jahre

3 Jahre

Besonderheiten

Power Loss Protection

Power Loss Protection

Power Loss Protection

Power Loss Protection

Lieferumfang

9,5-mm-Spacer

9,5-mm-Spacer

9,5-mm-Spacer

9,5-mm-Spacer

Preis

circa 63 Euro

circa 90 Euro

circa 175 Euro

circa 366 Euro

 

Crucial MX200 Series

Speicherkapazität nominell

250 GB

500 GB

1 TB

Schnittstelle

SATA 6 Gbit/s

SATA 6 Gbit/s

SATA 6 Gbit/s

Formfaktor

2,5 Zoll /mSATA / M.2 (2260 / 2280)

2,5 Zoll /mSATA / M.2 (2260 / 2280)

2,5 Zoll

Zellentyp

Micron 16 nm MLC NAND

S Micron 16 nm MLC NAND

Micron 16 nm MLC NAND

Controller

Marvell 88SS918

Marvell 88SS918

Marvell 88SS918

Cache

Geschwindigkeit (bis zu)

555 MB/s (Lesen) /500 MB/s (Schreiben)

555 MB/s (Lesen) /500 MB/s (Schreiben)

555 MB/s (Lesen) /500 MB/s (Schreiben)

Abweichungen zum gemessenen Ergebnis (ATTO 8 MB Block)

+1,44 % (563,15 MB/s) | +12,6 % (510,1 MB/s)

Random 4K Lesen / Schreiben

100.000 / 87.000 IOPS

100.000 / 87.000 IOPS

100.000 / 87.000 IOPS

Modellnummer (2,5 Zoll)

CT250MX200SSD1

CT500MX200SSD1

CT1000MX200SSD1

Abmessungen

100.45 x 69,85 x 7 mm

100.45 x 69,85 x 7 mm

100.45 x 69,85 x 7 mm

Garantie

3 Jahre

3 Jahre

3 Jahre

Besonderheiten

Dynamic Write Acceleration

RAIN

256 Bit AES Verschlüsselung

Dynamic Write Acceleration (nur mSATA und M.2)

RAIN

256 Bit AES Verschlüsselung

RAIN

256 Bit AES Verschlüsselung

Lieferumfang

9,5-mm-Spacer

Acronis TrueImage Software

9,5-mm-Spacer

Acronis TrueImage Software

9,5-mm-Spacer

Acronis TrueImage Software

Preis (2,5 Zoll)

circa 114 Euro

circa 205 Euro

circa 429 Euro

Leistungstest

Um die Leistung der Crucial BX100 sowie MX200 zu überprüfen, haben wir verschiedene Benchmarks auf unserem Testsystem ausgeführt und die erreichten Ergebnisse dokumentiert. Dabei unterscheiden wir sogenannte synthetische Benchmarks, bei denen die maximale Leistung der SSD gemessen wird sowie praxisnahe Benchmarks, die das Arbeiten mit dem Laufwerk im Alltag widerspiegeln.

Testsystem

  • Prozessor: Intel Core i7-4790 3,6 GHz (Haswell), Turbo Boost aktiv, Hyperthreading aktiviert
  • Mainboard: Asus ROG Maximus VII Hero (Intel Z97)
  • Kühler: Noctua NH-D15
  • Ram: 8 GB G.Skill DDR3 2400 MHz @ 1600 Mhz CL 11-11-11-28
  • Grafikkarte: Asus Radeon HD 7970
  • Betriebssystem: Windows 7 Ultimate x64
  • Netzteil: Corsair AX860i

Wir haben die folgenden Benchmark-Tools verwendet:

  • HD Tune Pro 5.5
  • A.S. SSD Benchmark 1.7
  • ATTO Disk Benchmark 2.47
  • Futuremark PCMark 8
  • Adobe Reader
  • Itunes
  • Avira AntiVir Premium 2015
  • WinRAR 5.1

Synthetische Benchmarks

Synthetische Benchmarks bringen die Laufwerke an ihre Leistungsgrenzen – die dargestellten Situationen entsprechen aber häufig nicht den Alltagsbedingungen, denen eine SSD ausgesetzt ist. Da jeder Benchmark gleich aufgebaut ist, bieten sie dennoch eine sehr gute Vergleichbarkeit der verschiedenen Laufwerke.

A.S. SSD Benchmark

Der A.S. SSD Benchmark misst die sequenziellen Schreib- und Leseraten einer SSD. Darüber hinaus werden Zugriffszeit und Transferraten beim Zugriff auf kleine Dateien gemessen. Ein integrierter Kopier-Benchmark simuliert das Kopieren von ISO-Dateien, Programmen und Computerspielen und misst dabei die Transferraten. Unseren Erfahrungen nach sind die Ergebnisse sehr praxisnah, da mehrere Durchläufe gemittelt werden.


*mit anderem Testsystem getestet

ATTO Disk Benchmark

Wenn es darum geht die maximale Schreib- und Lesegeschwindigkeit einer SSD zu ermitteln, ist der ATTO Disk Benchmark ein zuverlässiges Tool. Die Leistung wird anhand verschiedener Blockgrößen gemessen, die wir in Blöcken von vier Kilobyte bis acht Megabyte dargestellt haben. In der Praxis sind die abgebildeten Werte allerdings fast nie zu erreichen und werden von den Herstellern gerne als Werbemittel eingesetzt. Das ATTO Disk Benchmark verwendete komprimierbare Daten, was vor allem SandForce Chipsätzen zu Gute kommt.



*mit anderem Testsystem getestet

*mit anderem Testsystem getestet

HD Tune Pro

Die Software HD Tune Pro misst neben den schon erwähnten Parametern ebenfalls die Geschwindigkeit beim Zugriff auf verschiedene Dateigrößen. Dieser Test ist bei SSDs sehr interessant, da vor allem viele kleine Dateien (z.B. 4 KB Blöcke) einen schwachen Controller schnell aus der Bahn werfen. Die Transferraten brechen dann bis auf wenige KB/s ein und es kommt zu Verzögerungen beim Dateizugriff. Gemessen wurden die Blockgrößen 512 Byte, 4 KB, 64 KB, 1 MB sowie der zufällige Zugriff auf alle Arten von Blockgrößen.


*mit anderem Testsystem getestet


*mit anderem Testsystem getestet

*mit anderem Testsystem getestet

Real Benchmarks

Wesentlich interessanter für die spätere Benutzung einer Solid State Disk als Systemlaufwerk sind die real Test. Wie der Name schon sagt, überprüfen dieser Art von Test die Leistung der SSDs unter alltäglichen Bedingungen. Dazu gehören beispielsweise Setup-Routinen, Virenscans oder das Öffnen mehrere Programme zum gleichen Zeitpunkt. Während dieser Testdurchläufe wurde das entsprechende Laufwerk als Systempartition verwendet, auf der Windows 7 Professional x64 SP1 lief.

 

Programm-Installationen

Wie die Überschrift schon wiedergibt, haben wir mehrere Setup-Routinen durchlaufen lassen und die dafür jeweils benötigte Zeit der SSD festgehalten. Als Software diente uns hierfür das PCMark 8, itunes sowie der Adobe Reader.

*mit anderem Testsystem getestet

Anwendungs-Tests

Bei den Anwendungs-Test wurde überprüft wie schnell das getestete Laufwerk mit alltäglichen Aufgaben fertig wird. Als plastische Beispiele haben wir uns das Entpacken eines ISO-Images mit WinRar, einen vollständigen Systemscan mit Avira AntiVir Premium sowie das gleichzeitige Öffnen der Programme Avira, Firefox, Itunes, PCMark 8 und Acrobat Reader herausgesucht.

Fazit

Mit den beiden neuen Laufwerksfamilien der BX100 und MX200 Serie hat Crucial sein Portfolio um zwei solide Alternativen auf dem SSD-Markt erweiterter. Äußerlich sind die Laufwerke schlicht gehalten, lediglich der Aufkleber auf der Oberseite bringt ein wenig Farbe ins Spiel. In Sachen Verarbeitung gibt es bei beiden SSDs keinen Grund zur Kritik.

Der Lieferumfang der MX200 fällt dank zusätzlicher Cloning-Software großzügiger aus, als bei der BX100. Hier muss der Käufer sich mit dem 9,5-mm-Spacer als einzige Zugabe begnügen. Unserer Meinung würde es Sinn machen, gerade beim Einsteigerlaufwerk BX100 dem Nutzer eine einfache Möglichkeit der Datenübertragung mit an die Hand zu geben. Aus Sicht der Preisdifferenzierung ist der unterschiedliche Lieferumfang jedoch nachvollziehbar.

Mit einem Blick auf die Leistungsdaten können beide Crucial SSDs überzeugen. Die MX200 spielt beinahe durchweg auf einem Leistungsniveau mit der Konkurrenz von Plextor und Samsung. Im Vergleich zur BX100 bietet die MX200 schnellere sequenzielle Transferraten beim Schreiben und einen deutlichen Vorsprung beim zufälligen Schreibzugriff auf verschiedene Blockgrößen.

In Sachen Leseleistung liegt die BX100 mit der MX200 gleich auf und kann diese in einigen sequenziellen Tests sogar übertrumpfen. Besonders interessant: Die BX100 hat bei einigen der realen Testanwendungen die Nase vorne, da hier oft nur gelesen, weniger geschrieben wird. Als Systemlaufwerk eignen sich BX100 und MX200 also gleichermaßen. Insgesamt ist die Performance beider Laufwerke auf sehr gutem Niveau und entspricht dem aktuellen Stand der SSD-Technologie.

Crucial MX200 SSD Vorderseite

Preislich liegt die schnellere Crucial MX200 (250 GB) mit 105 Euro (Stand 14.04.2015) im Preisvergleich deutlich vor der BX100 (250 GB), welche aktuell für circa 89 Euro den Besitzer wechselt. Im Vergleich zur Konkurrenz ist die MX200 aber immer noch günstig. Samsung ruft für sein Topmodell SSD 850 Pro (256 GB) aktuell knapp 148 Euro auf, bei der Plextor M6 Pro (256 GB) sind es noch 136 €. Nicht außer Acht lassen darf man die Garantiezeit. Crucial gewährt auf beide, also auch auf sein Toplaufwerk MX200, 3 Jahre Garantie. Bei Samsung und Plextor sind es im Highendsegment hingegen ganze 5 Jahre.

award_empf_crucial_mx200-k

Abschließend lässt sich sagen, dass man mit der Crucial BX100 aktuell ein sehr schnelles Laufwerk zu einem Spitzenpreis erwerben kann, welches lediglich kleine Schwächen bei der Schreibleistung bietet. Die MX200 ist wohl das beste Gesamtpaket aus Leistung und Preis und hat zusätzlich noch eine Cloning-Software mit an Bord.

 

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Nils Waldmann

Nils Waldmann

...ist seit über 10 Jahren bei Allround-PC.com und als Redakteur und technischer Leiter tätig. In seiner Freizeit bastelt und konstruiert Nils gerne flugfähige Modelle oder fotografiert und filmt auf Motorsportevents. Im "echten Leben" studierter Wirtschaftsingenieur und Qualitätsmanager.

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