Test: Crucial MX300 525 GB SSD

Mehr Kapazität dank „krummer Nummer“

Geschrieben von Nils Waldmann am 14.09.2016.

Crucial MX300 525 GB Startbild

Moderne Solid State Drives verwenden 3D-NAND. Diese Flashspeicherart ermöglicht eine höhere Speicherdichte, was sich letztendlich in einem niedrigeren Verkaufspreis widerspiegelt. Auch die neue Crucial MX300 setzt ab sofort auf 3D-NAND von Micron. Wir machen den Test für euch.

Überblick

Das SSD-Produktportfolio des Herstellers Crucial besteht aus drei verschiedenen Laufwerken. Die BX200-Serie ermöglicht den kostengünstigen SSD-Einstieg. Die MX200-Serie bleibt weiter im Programm und deckt das Feld der MLC-SSDs ab. Die neue MX300-Serie setzt hingegen auf die aktuellste NAND-Technologie mit 3D-Struktur.
Angeboten wird die MX300 in zunächst etwas komisch anmutenden Kapazitätsstufen von 275 und 525 GB sowie 1 und 2 TB. Zurzeit verkauft Crucial darüber hinaus noch eine Sonderversion mit 750 GB. Neben dem Standardlaufwerk im 2,5-Zoll-Format vertreibt Crucial die MX300 ebenfalls als M.2-Modul in 2280er-Größe. Bei der M.2-Variante ist jedoch bei maximal 1 TB Speicherkapazität Schluss. Auch ist die 750-GB-Version nur im 2,5-Zoll-Gehäuse verfügbar.

Unter der Haube

Während die MX200 mit MLC-NAND im 16-nm-Format von Micron daherkam, setzt die neue MX300 auf den ebenfalls neuen 3D-NAND von Micron, welcher zurzeit mit 32 Layern gefertigt wird. Angesprochen wird der dreidimensionale Flashspeicher im TLC-Verfahren, das heißt, es werden pro Flashzelle 3 Bits gespeichert. Ein Flashbaustein weist somit eine Kapazität von 384 GBit auf. Anstelle des in der MX200 eingesetzten Marvell 88SS9189 Controllers setzt die MX300 auf den Marvell 88SS1074 Chip, welcher vier NAND-Kanäle zur Verfügung stellt. Die Firmware stammt jedoch, wie auch bisher, direkt von Crucial. Um den deutlich aufwändigeren Zugriffsalgorithmus des TLC-Betriebs zu kompensieren, der vor allem beim Schreiben für Leistungseinbußen gegenüber MLC-SSDs sorgt, kann die MX300 auf einen SLC-Schreibcache zurückgreifen. So wird ein Teil des NANDs im SLC-Verfahren angesprochen, der es erlaubt, Daten zügig zu verarbeiten, bevor sie dauerfhaft in den TLC-Bereich des NANDs verschoben werden.Crucial MX300 525 GB

Angebunden wird die MX300 im Falle unseres Testmusters weiterhin per SATA 6 GBit/s. Zudem ist erneut die 256 Bit AES-Verschlüsselung mit an Bord, die Daten auf Wunsch auf Hardwarebene verschlüsselt. Somit kann die MX300 auch mit dem TCG Opal 2.0 Standard umgehen. Außerdem ist die MX300 mit einem adaptiven Temperaturschutz ausgestattet, der die Überhitzung der SSD und somit die Beschädigung interner Laufwerkskomponenten verhindert.

Käufer erhalten neben dem Laufwerk weiterhin den 9,5-mm-Spacer, um das nur 7 mm hohe Laufwerk sicher in älteren Geräten verwenden zu können. Zudem ist für die einfache Datenmigration eine Lizenz für Acronis True Image HD im Lieferumfang enthalten.

Technische Daten im Überblick

Speicherkapazität nominell

275 GB

525 GB

750 GB

1 TB

2 TB

Schnittstelle

SATA 6 GBit/s

SATA 6 GBit/s

SATA 6 GBit/s

SATA 6 GBit/s

SATA 6 GBit/s

Formfaktor

2,5 Zoll

2,5 Zoll

2,5 Zoll

2,5 Zoll

2,5 Zoll

Zellentyp

Micron 3D NAND – 32 Layer

Micron 3D NAND – 32 Layer

Micron 3D NAND – 32 Layer

Micron 3D NAND – 32 Layer

Micron 3D NAND – 32 Layer

Controller

Marvell 88SS1074

Marvell 88SS1074

Marvell 88SS1074

Marvell 88SS1074

Marvell 88SS1074

Cache

512 MB DDR3

512 MB DDR3

512 MB DDR3

1024 MB DDR3

1024 MB DDR3

Geschwindigkeit (bis zu)

530 MB/s (Lesen) /510 MB/s (Schreiben)

530 MB/s (Lesen) /510 MB/s (Schreiben)

530 MB/s (Lesen) /510 MB/s (Schreiben)

530 MB/s (Lesen) /510 MB/s (Schreiben)

530 MB/s (Lesen) /510 MB/s (Schreiben)

Abweichungen zum gemessenen Ergebnis (ATTO 8 MB Block)

N/A

Lesen: 531 MB/s (+0,2 %) / Schreiben 511 MB/s (+0,2 %)

N/A

N/A

N/A

Random 4K Lesen / Schreiben

55.000 / 83.000 IOPS

92.000 / 83.000 IOPS

92.000 / 83.000 IOPS

92.000 / 83.000 IOPS

92.000 / 83.000 IOPS

Modellnummer

CT275MX300SSD1

CT525MX300SSD1

CT750MX300SSD1

CT1050MX300SSD1

CT2050MX300SSD1

Max. Leistungsaufnahme (DeepSleep / Idle / Read / Write)

N/A

N/A

N/A

N/A

 

Abmessungen

100 x 70 x 7 mm

100 x 70 x 7 mm

100 x 70 x 7 mm

100 x 70 x 7 mm

100 x 70 x 7 mm

Gewicht

N/A

N/A

N/A

N/A

N/A

Garantie

3 Jahre

3 Jahre

3 Jahre

3 Jahre

3 Jahre

Preis

ca. 70 €

ca. 129 €

ca. 180 €

ca. 258 €

N/A

Leistungstest

Natürlich interessiert bei SSDs am allermeisten die Leistung, welche ein Laufwerk unter verschiedenen Bedingungen an den Tag legt. Daher haben wir die Crucial MX300 mit 525 GB verschiedenen Tests unterzogen. Theoretische Benchmarks kitzeln das Maximum aus dem Laufwerk heraus, während praktisches Testdurchläufe eine Einschätzung der Laufwerksleistung unter alltäglichen Bedingungen erlauben. Als Vergleich haben wir die Crucial BX200 480 GB, die Samsung SSD 750 EVO 500 GB sowie die Samsung SSD 850 EVO (Gen. 2) mit 500 GB herangezogen.

Testsystem

  • Prozessor: Intel Core i7-6700K 4,0 GHz (Skylake), Turbo Boost aktiv, Hyperthreading aktiviert
  • Mainboard: Asus Maximus VIII Extreme
  • Kühler: Arctic Liquid Freezer 240
  • Ram: 16 GB G.Skill Ripjaws V DDR4 2.400 MHz CL 15-15-15-35
  • Systemlaufwerke: Intel SSD 750 420 GB & SanDisk Extreme Pro 480 GB
  • Grafikkarte: MSI Radeon R9 390X
  • Betriebssystem: Windows 10 Professional x64
  • Netzteil: be quiet Straight Power 1.000 Watt

Wir haben die folgenden Benchmark-Tools verwendet:

  • HD Tune Pro 5.5
  • A.S. SSD Benchmark 1.9
  • ATTO Disk Benchmark 3.05
  • Futuremark PCMark 8
  • Adobe Reader
  • iTunes
  • Avira AntiVir Premium 2015
  • WinRAR 5.1

Erklärung zu den Diagrammen: Wenn ihr die Maus auf einen Balken bewegt, wird euch der Produktname und die erreichte Punktzahl angezeigt. Um die Ansicht übersichtlicher zu gestalten, könnt ihr für euch uninteressante Produkte mit einem Klick auf den Produktnamen unterhalb des Diagramms ausblenden.

Synthetische Benchmarks

Synthetische Benchmarks bringen die Laufwerke an ihre Leistungsgrenzen – die dargestellten Situationen entsprechen aber häufig nicht den Alltagsbedingungen, denen eine SSD ausgesetzt ist. Da jeder Benchmark gleich aufgebaut ist, bieten sie dennoch eine sehr gute Vergleichbarkeit der verschiedenen Laufwerke.

A.S. SSD Benchmark

Der A.S. SSD Benchmark misst die sequenziellen Schreib- und Leseraten einer SSD. Darüber hinaus werden Zugriffszeit und Transferraten beim Zugriff auf kleine Dateien gemessen. Ein integrierter Kopier-Benchmark simuliert das Kopieren von ISO-Dateien, Programmen und Computerspielen und misst dabei die Transferraten. Unseren Erfahrungen nach sind die Ergebnisse sehr praxisnah, da mehrere Durchläufe gemittelt werden.

ATTO Disk Benchmark

Wenn es darum geht die maximale Schreib- und Lesegeschwindigkeit einer SSD zu ermitteln, ist der ATTO Disk Benchmark ein zuverlässiges Tool. Die Leistung wird anhand verschiedener Blockgrößen gemessen, die wir in Blöcken von vier Kilobyte bis acht Megabyte dargestellt haben. In der Praxis sind die abgebildeten Werte allerdings fast nie zu erreichen und werden von den Herstellern gerne als Werbemittel eingesetzt. Das ATTO Disk Benchmark verwendet komprimierbare Daten, was vor allem SandForce Chipsätzen zu Gute kommt.

 

Crystal Disk Mark

Das Crystal Disk Mark ist ein weiteres beliebtes Tool, um die Transferleistung von Massenspeichern zu testen. Wir haben mit dem CDM erneut die sequenzielle Transferleistung überprüft.

HD Tune Pro

Die Software HD Tune Pro misst neben den schon erwähnten Parametern ebenfalls die Geschwindigkeit beim Zugriff auf verschiedene Dateigrößen. Dieser Test ist bei SSDs sehr interessant, da vor allem viele kleine Dateien (z.B. 4 KB Blöcke) einen schwachen Controller schnell aus der Bahn werfen. Die Transferraten brechen dann bis auf wenige KB/s ein und es kommt zu Verzögerungen beim Dateizugriff. Gemessen wurden die Blockgrößen 512 Byte, 4 KB, 64 KB, 1 MB sowie der zufällige Zugriff auf alle Arten von Blockgrößen.

Real Benchmarks

Wesentlich interessanter für die spätere Benutzung einer Solid State Disk als Systemlaufwerk sind die Real-Tests. Wie der Name schon sagt, überprüfen dieser Art von Test die Leistung der SSDs unter alltäglichen Bedingungen. Dazu gehören beispielsweise Setup-Routinen, Virenscans oder das Öffnen mehrere Programme zum gleichen Zeitpunkt. Während dieser Testdurchläufe wurde das entsprechende Laufwerk als Systempartition verwendet, auf der Windows 10 Pro x64 lief.

Programm-Installationen

Wie die Überschrift schon wiedergibt, haben wir mehrere Setup-Routinen durchlaufen lassen und die dafür jeweils benötigte Zeit der SSD festgehalten. Als Software diente uns hierfür das PCMark 8, iTunes sowie der Adobe Reader.

Anwendungs-Tests

Bei den Anwendungs-Test wurde überprüft, wie schnell das getestete Laufwerk mit alltäglichen Aufgaben fertig wird. Als plastische Beispiele haben wir uns das Entpacken eines ISO-Images mit WinRar sowie das gleichzeitige Öffnen der Programme Avira, Firefox, itunes, PCMark 8 und Acrobat Reader herausgesucht.

Fazit

Äußerlich gleichen sich die Crucial MX200 und die neue MX300 wie ein Ei dem anderen. Damit geht auch einher, dass die MX300 erneut sehr gut verarbeitet ist und durch ihr schlankes 7-mm-Gehäuse auch in kompaktere Geräte eingesetzt werden kann – ganz abgesehen von der M.2-Version natürlich.
Im Bereich der Transferleistung kann das Laufwerk ebenfalls überzeugen. Die sequenziellen Leseraten liegen auf einer Höher mit der Konkurrenz von Samsung, die ebenfalls auf 3D-NAND und TLC setzt (SSD 750 EVO und 850 EVO). Auch der sequenzielle Schreibbetrieb liegt genau im erwarteten Rahmen, hier macht die MX300 alles richtig. Bei den zufälligen Lesezugriffen muss sich die MX300 den Samsung-Laufwerken im Bereich der 1- und 2-MB-Blöcke leicht geschlagen geben. Dafür trumpft die Crucial-SSD besonders beim zufälligen Schreiben von 2-MB-Blöcken auf. Insgesamt liegt die Leistung auch hier auf hohem Niveau. Gleiches gilt für unsere Alltagstests. Hier kämpft die MX300 erneut Kopf and Kopf mit den aktuellen Samsung-Laufwerken. Insgesamt werden die Praxistests sehr schnell absolviert; zügiges Arbeiten am Rechner ist damit sichergestellt.
Preislich liegt die von uns getestete 525-GB-Version der Crucial MX300 aktuell bei knapp 129 €. Die Samsung SSD 750 EVO 500 GB kostet im Vergleich circa 124 €. Die SSD 850 EVO 500 GB schlägt mit 141 € zu Buche, kommt dafür aber auch mit fünfjähriger Garantie. Insgesamt kann die Crucial MX300 dank ihrer höheren Kapazität also auch beim Preispunkt auf ganzer Linie überzeugen.
Ein Schlussgedanke: Wer häufig sehr große, zusammenhängende Datenmengen in kurzer Zeit kopieren muss, für den könnte die MX200 weiterhin eine attraktive Alternative darstellen. Dank MLC-Technologie gibt es hier keinen SLC-Puffer, der volllaufen kann. Die Schreibleistung ist somit durchgehend hoch, wohingegen die sequenzielle Schreibleistung bei den TLC-SSDs nach Erreichen der Puffergrenze teils deutlich einbricht. Im Alltagsbetrieb stehen die TLC-Laufwerke ihren Vorgängern mit MLC-NAND jedoch in Puncto Geschwindigkeit in nichts nach.

award_prle-crucial_mx300_525gb-k

Pro Contra
  • hohe Transferleistung
  • Schreibleistung nach Überlaufen des SLC-Caches
  • gute Verarbeitung
 
  • Preis
 

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Nils Waldmann

Nils Waldmann

...ist seit über 10 Jahren bei Allround-PC.com und als Redakteur und technischer Leiter tätig. In seiner Freizeit bastelt und konstruiert Nils gerne flugfähige Modelle oder fotografiert und filmt auf Motorsportevents. Im "echten Leben" studierter Wirtschaftsingenieur und Qualitätsmanager.

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