Test: Samsung SSD 960 EVO

„Langsam“ ist das neue Schnell

Geschrieben von Niklas Ludwig am 22.11.2016.

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Auf Pro folgt EVO: Wir haben getestet, wie gut sich die Samsung SSD 960 EVO gegenüber der 960 Pro schlägt und wo die Unterschiede liegen. Lest hier den Test zur NVMe SSD im M.2-Format mit 500 Gigabyte Kapazität.

Überblick

Nachdem bereits die Samsung SSD 960 Pro (zum Testbericht) mit extrem schnellen Transferraten von bis zu 3,5 Gigabyte pro Sekunde überzeugen konnte, tritt nun die 960 EVO an und verspricht ebenfalls Geschwindigkeiten, an die keine SATA-SSD heranreichen soll. Die Samsung SSD 960 EVO ist mit 250 und 500 Gigabyte sowie einem Terabyte erhältlich. 2 TB Kapazität bleiben somit dem Spitzenmodell, der 960 Pro vorenthalten. In diesem Test liegt uns die 960 EVO mit 500 GB vor, die wir in diesem Artikel genauer unter die Lupe nehmen.

Unter der Haube

Äußerlich sind die Samsung SSD 960 Pro und Samsung SSD 960 EVO kaum zu unterscheiden. Die 960 EVO wird ebenfalls im M.2 2280-Formfaktor gefertigt. Lediglich der EVO-Schriftzug auf dem Aufkleber lässt eine Unterscheidung zu. Der Aufkleber fungiert erneut als Heatspreader und ist dazu mit einer feinen Kupferschicht versehen worden.

samsung-ssd-960-evo-aufkleber-heatspreader-neuUnterhalb des Aufklebers ist eine feine Kupferschicht integriert, wodurch der Aufkleber die Funktion eines Heatspreaders einnimmt.

Die Samsung SSD 960 EVO verwendet ebenfalls den V-NAND Speicher der dritten Generation, der in 48 Schichten gestapelt ist. Genauer gesagt handelt es sich um zwei 256-GB-Packages 3-Bit-MLC-Speicher. Das Pro-Modell wird von Samsung hingegen mit schnellerem 2-Bit-MLC-Speicher bestückt.

TurboWrite für schnelle Transferraten

Damit die 960 EVO trotzdem schnelle Transferraten erreicht, hat sie die TurboWrite-Technologie spendiert bekommen. Diese wurde erstmals mit der SSD 840 EVO eingeführt. Bei TurboWrite sorgt ein schneller SLC-Puffer mit 1 Bit pro Speicherzelle für hohe Schreibdaten. In unserem Fall verspricht Samsung sequenzielle Schreibgeschwindigkeiten von bis zu 1.800 MB/s. Wird die Größe des Puffers jedoch überschritten, sinkt die sequenzielle Schreibleistung auf magere 600 MB/s.

samsungssd_960evo_b-0Die Samsung SSD 960 EVO ist mit maximal 1 TB Kapazität erhältlich, 2 TB bleiben der 960 Pro vorbehalten.

Dieser Umstand tritt allerdings erst ein, wenn die zu schreibende Datenmenge 22 GB überschreitet. Normalerweise ist der Puffer sogar nur 4 GB groß, allerdings können dynamisch weitere 18 GB hinzugeschaltet werden, woraus sich die insgesamt 22 GB ergeben. Daher empfehlen wir, immer 22 GB freien Speicherplatz übrig zu lassen, damit die SSD den Puffer nutzen kann.

Kürzere Lebensdauer & Garantie

Im Vergleich zur 960 Pro sind die Speicherzellen der 960 EVO weniger langlebig. Samsung beziffert die spezifizierte Gesamtschreibdatenmenge mit 100 TB TW (250 GB), 200 TB TW (500 GB) sowie 400 TB TW (1 TB). Zudem müssen die Laufwerke der EVO-Reihe mit drei statt fünf Jahren Garantie auskommen.

samsung-magician-1Die Samsung Magician Software wurde überarbeitet und erstrahlt im neuen Gewand.

Mit der Veröffentlichung der 960 EVO und 960 Pro hat Samsung zudem die neuste Version der Magician Software veröffentlicht, die jetzt in einem neuen Gewand daherkommt. Die Software zeigt unter anderem an, wie viele Terabyte Daten schon geschrieben wurden und ermöglicht die Durchführung eines Leistungstests sowie die Daten auf der SSD sicher zu löschen.

Technische Daten

Speicherkapazität nominell

256 GB

512 GB

1 TB

Schnittstelle

PCIe 3.0 x4

PCIe 3.0 x4

PCIe 3.0 x4

Formfaktor

M.2 2280

M.2 2280

M.2 2280

Zellentyp

Samsung V-NAND (3rd. Gen, 48 Schichten)

Samsung V-NAND (3rd. Gen, 48 Schichten)

Samsung V-NAND (3rd. Gen, 48 Schichten)

Controller

Samsung Polaris

Samsung Polaris

Samsung Polaris

Cache

512 MB LPDDR3

512 MB LPDDR3

1024 MB LPDDR3

Geschwindigkeit (bis zu)

3.200 MB/s (Lesen) / 1.500 MB/s (Schreiben)

3.200 MB/s (Lesen) / 1.800 MB/s (Schreiben)

3.200 MB/s (Lesen) / 1.900 MB/s (Schreiben)

Abweichungen zum gemessenen Ergebnis (ATTO 512K Block)

+0,16 % (3205,19 MB/s) | -4,50 % (1719.04 MB/s)

Random 4K Lesen / Schreiben

330.000 / 300.000 IOPS

330.000 / 330.000 IOPS

360.000 / 360.000 IOPS

Schreibvolumen (TBW)

100 TB

200 TB

400 TB

Abmessungen

80,15 x 22,15 x 2,38 mm

80,15 x 22,15 x 2,38 mm

80,15 x 22,15 x 2,38 mm

Garantie

3 Jahre

3 Jahre

3 Jahre

Lieferumfang

SSD

SSD

SSD

Preis (UVP)

129 €

249 €

479 €

Leistungstest

Um die Leistung der Samsung SSD 960 EVO mit 512 GB zu überprüfen, haben wir verschiedene Benchmarks auf unserem Testsystem ausgeführt und die erreichten Ergebnisse dokumentiert. Dabei unterscheiden wir sogenannte synthetische Benchmarks, bei denen die maximale Leistung der SSD gemessen wird sowie praxisnahe Benchmarks, die das Arbeiten mit dem Laufwerk im Alltag widerspiegeln. Zum Vergleich haben wir die Samsung SSD 960 Pro sowie den Vorgänger, die Samsung SSD 950 Pro herangezogen. Die Intel SSD 750 Series 1200 GB sowie die Plextor M8e 512 GB stellen die Konkurrenz im NVMe-Segement dar.

Testsystem

  • Prozessor: Intel Core i7-6700K 4,0 GHz (Skylake), Turbo Boost aktiv, Hyperthreading aktiviert
  • Mainboard: Asus Maximus VIII Extreme
  • Kühler: Noctua NH-D15
  • Ram: 16 GB G.Skill Ripjaws V DDR4 2.400 MHz CL 15-15-15-35
  • Systemlaufwerk: Intel SSD 750 420 GB
  • Grafikkarte: MSI Radeon R9 390X
  • Betriebssystem: Windows 10 Professional x64
  • Netzteil: be quiet Straight Power 1.000 Watt

Wir haben die folgenden Benchmark-Tools verwendet:

  • HD Tune Pro 5.5
  • A.S. SSD Benchmark 1.7
  • ATTO Disk Benchmark 2.47
  • Futuremark PCMark 8
  • Adobe Reader
  • itunes
  • Avira AntiVir Premium 2015
  • WinRAR 5.1

Erklärung zu den Diagrammen: Wenn ihr die Maus auf einen Balken bewegt, wird euch der Produktname und die erreichte Punktzahl angezeigt. Um die Ansicht übersichtlicher zu gestalten, könnt ihr für euch uninteressante Produkte mit einem Klick auf den Produktnamen unterhalb des Diagramms ausblenden.

Synthetische Benchmarks

Synthetische Benchmarks bringen die Laufwerke an ihre Leistungsgrenzen – die dargestellten Situationen entsprechen aber häufig nicht den Alltagsbedingungen, denen eine SSD ausgesetzt ist. Da jeder Benchmark gleich aufgebaut ist, bieten sie dennoch eine sehr gute Vergleichbarkeit der verschiedenen Laufwerke.

A.S. SSD Benchmark

Der A.S. SSD Benchmark misst die sequenziellen Schreib- und Leseraten einer SSD. Darüber hinaus werden Zugriffszeit und Transferraten beim Zugriff auf kleine Dateien gemessen. Ein integrierter Kopier-Benchmark simuliert das Kopieren von ISO-Dateien, Programmen und Computerspielen und misst dabei die Transferraten. Unseren Erfahrungen nach sind die Ergebnisse sehr praxisnah, da mehrere Durchläufe gemittelt werden.

ATTO Disk Benchmark

Wenn es darum geht die maximale Schreib- und Lesegeschwindigkeit einer SSD zu ermitteln, ist der ATTO Disk Benchmark ein zuverlässiges Tool. Die Leistung wird anhand verschiedener Blockgrößen gemessen, die wir in Blöcken von vier Kilobyte bis acht Megabyte dargestellt haben. In der Praxis sind die abgebildeten Werte allerdings fast nie zu erreichen und werden von den Herstellern gerne als Werbemittel eingesetzt. Das ATTO Disk Benchmark verwendet komprimierbare Daten, was vor allem SandForce Chipsätzen zu Gute kommt.

*mit anderem Testsystem getestet

Crystal Disk Mark

Das Crystal Disk Mark ist ein weiteres beliebtes Tool, um die Transferleistung von Massenspeichern zu testen. Wir haben mit dem CDM erneut die sequenzielle Transferleistung überprüft.

HD Tune Pro

Die Software HD Tune Pro misst neben den schon erwähnten Parametern ebenfalls die Geschwindigkeit beim Zugriff auf verschiedene Dateigrößen. Dieser Test ist bei SSDs sehr interessant, da vor allem viele kleine Dateien (z.B. 4 KB Blöcke) einen schwachen Controller schnell aus der Bahn werfen. Die Transferraten brechen dann bis auf wenige KB/s ein und es kommt zu Verzögerungen beim Dateizugriff. Gemessen wurden die Blockgrößen 512 Byte, 4 KB, 64 KB, 1 MB sowie der zufällige Zugriff auf alle Arten von Blockgrößen.

Real Benchmarks

Wesentlich interessanter für die spätere Benutzung einer Solid State Disk als Systemlaufwerk sind die Real-Tests. Wie der Name schon sagt, überprüfen dieser Art von Test die Leistung der SSDs unter alltäglichen Bedingungen. Dazu gehören beispielsweise Setup-Routinen, Virenscans oder das Öffnen mehrere Programme zum gleichen Zeitpunkt. Während dieser Testdurchläufe wurde das entsprechende Laufwerk als Systempartition verwendet, auf der Windows 10 Pro x64  lief.

Programm-Installationen

Wie die Überschrift schon wiedergibt, haben wir mehrere Setup-Routinen durchlaufen lassen und die dafür jeweils benötigte Zeit der SSD festgehalten. Als Software diente uns hierfür das PCMark 8, iTunes sowie der Adobe Reader.

Anwendungs-Tests

Bei den Anwendungs-Test wurde überprüft, wie schnell das getestete Laufwerk mit alltäglichen Aufgaben fertig wird. Als plastische Beispiele haben wir uns das Entpacken eines ISO-Images mit WinRar sowie das gleichzeitige Öffnen der Programme Avira, Firefox, itunes, PCMark 8 und Acrobat Reader herausgesucht.

Bewertung der Ergebnisse

Die Samsung SSD 960 EVO trumpft insbesondere beim sequenziellen Lesen auf und erreicht im Crystal Disk Mark sowie im AS SSD Bench Geschwindigkeiten, die auf dem Niveau der 960 Pro mit 500 GB liegen. Im Crystal Disk Mark kann sie die Pro mit 3.400 MB/s sogar schlagen. Unterschiede lassen sich wie erwartet bei den Schreibvorgängen erkennen. In diesen ist das EVO-Modell mit etwa 1.700 MB/s rund 400 MB/s langsamer, was dennoch ein sehr guter Wert ist. Erst im HD Tune scheint der Puffer mit hohen Datenmengen belastet zu werden, weshalb wir einen Durchschnittswert von 600 MB/s messen. Das entspricht genau dem Wert, den Samsung angibt, wenn der Puffer voll ist. Im Alltag eines normalen Nutzers sind Schreibvorgänge von mehr als 22 GB jedoch die Ausnahme. Insgesamt weiß auch die Samsung SSD 960 EVO mit sehr schnellen Transfergeschwindigkeiten gegenüber der Konkurrenz zu punkten.

Fazit

Keine Frage, die Samsung SSD 960 Pro ist ein exzellentes Stück Technik, zeigt sie doch bereits heute, was Flash-Speicher zu leisten vermögen. In der Praxis dürften jedoch die wenigsten Nutzer die volle Leistung der SSD abrufen, zumal die hohen Transferraten nur mit zwei Laufwerken erreicht werden können, ansonsten bremsen die langsameren SATA-Laufwerke Samsungs pfeilschnelle SSD aus.

Die für den Ottonormalverbraucher sinnvollere Wahl ist die SSD 960 EVO: Sie kostet mit 249 Euro etwa 80 Euro weniger als das vergleichbare Pro-Modell, trotzdem bietet sie schnellere Transferraten als die 950 Pro. Bei den Lesegeschwindigkeiten liegt sie nur knapp hinter der 960 Pro und muss sich erst bei Schreibvorgängen wirklich geschlagen geben. Das bedeutet nicht, dass sie langsam ist – 1.700 MB/s sind ein sehr guter Wert! Zugegebenermaßen kann sie diese nur solange halten, bis der Puffer vollgelaufen ist. Danach sinken die Schreibraten ab und liegen nur knapp über dem Niveau einer schnellen SATA-SSD. Schreibvorgänge mit mehr als 22 GB stellen im Alltag jedoch eher die Ausnahme dar. Die gebotene Geschwindigkeit sowie Langlebigkeit und Garantiezeit sollten einen Großteil der Nutzer zufriedenstellen – alle anderen greifen einfach zur Samsung SSD 960 Pro.

samsung-ssd-960-evo-award

Pro Contra
  • extrem hohe Transferleistung...
  • ...die bei großen Datenmengen (22 GB aufwärts) stark abfallen kann
  • Software
  •  geringere Garantiezeit
  • hohe Speicherkapazität möglich (1 TB auf M.2-Modul)
 
  • Verschlüsselung
 

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Niklas Ludwig

Niklas Ludwig

...ist stellvertretender Chefredakteur und zeichnet sich insbesondere für die Tests der Hardwarekategorie verantwortlich und füttert den APC-YouTube Kanal mit neuen Videos zu allerlei Produkten. Stehen keine größeren Hardwaretests an, widmet er sich Produkten der Consumer Electronics-Welt und fühlt neuen Lautsprechern, Kopfhörern oder mobilen Geräten auf den Zahn.

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