Wissen: root und Custom ROMs unter Android

Geschrieben von Robert McHardy am 02.11.2013.

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Unter Android bieten sich den Nutzern deutlich mehr Möglichkeiten ins System einzugreifen, als unter anderen Smartphone Betriebssystemen, in diesem Artikel erklären wir Ihnen alles rund um Root-Rechte und Custom-ROMs unter Android.

 

root

Wer sich bereits mit unixoiden Systemen wie Linux oder Mac OS X auskennt, dem wird der Begriff root etwas sagen, für Windows-Nutzer ist er hingegen Neuland. Unter root versteht man einen Benutzer unter unix-basierten Systemen, der sämtliche Rechte besitzt und somit jede Datei ändern, löschen oder ausführen kann, obwohl Sie eigentlich einem anderen Benutzer gehört. Auf den ersten Blick ist der root also vergleichbar mit dem Administrator unter Windows-Systemen. Allerdings kann der root im Gegensatz zum Administrator auch System-Dateien bearbeiten und somit massive Eingriffe in das Betriebssystem vornehmen kann. Dadurch ist alles bis zu einer vollständigen Zerstörung des Systems möglich. Da auch Android ein unixoides Betriebssystem ist gibt es auch hier einen „root“- oder „Superuser“, allerdings hat der Eigentümer des Gerätes im Normalfall keinen Zugriff auf die Rechte dieser Nutzer.

 

Custom ROMs

Das auf einem Android-Smartphone installierte Betriebssystem weist aus der Sicht von vielen Nutzern Mängel auf, ob dies nun der Akkuverbrauch, der Speicherbedarf oder einfach das Aussehen ist. Mit einer sogenannten Custom ROM lässt sich ein neues angepasstes Android auf dem Smartphone installieren, gerade für beliebte Smartphones wie die Samsung Galaxy Reihe oder die HTC One Geräte gibt es eine unglaubliche Auswahl an Custom ROMs, sodass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Viele Hersteller haben auf Ihren Androiden einen speziellen Launcher oder eine Oberfläche installiert, welche das Aussehen von Android massiv verändert und durch aufwendige visuellen Effekte den Akkuverbrauch erhöht. Um beispielsweise ein absolut reines Android, wie es auch auf Google Geräten verwendet wird, gibt es die bekannte Cyanogen Mod. Zum Installieren von Custom ROMs wird neben root-Rechten auch eine Custom Recovery und ein freigeschalteter Bootloader benötigt.

 

Recovery

Wie oben bereits geschrieben ist eine spezielle Recovery nötig um eine Android ROM zu flashen. Aber auch zur Vorbereitung auf das eigentliche Flashen ist die Recovery äußerst wichtig, in Ihr lässt sich ein vollständiges Backup des Betriebssystems machen, so sind für den Notfall alle Apps, Kontakte und Dateien gesichert. Dieses System-Image lässt sich nach einem missglückten Flash-Vorgang durch die Recovery wieder aufspielen. Die populärste Recovery, welche auch für den Großteil der Android-Geräte verfügbar ist, heißt Clockwork Mod Recovery oder kurz CWM.

 

Bootloader

Der Bootloader ist auch schon vom heimischen Computer bekannt, er ist die erste Software die beim Starten eines Gerätes geladen wird und ist dafür zuständig weitere Teile des bootenden Betriebssystems zu laden. Manche Hersteller von Android-Geräten haben die schlechte Eigenschaft Ihre Bootloader zu sperren, das bedeutet einfach gesagt, dass der Bootloader abgleicht welche Software gestartet wird (sprich welches Betriebssystem) und wenn diese nicht mit einer eingespeicherten übereinstimmt, dann wird der Bootvorgang abgebrochen. Das bedeutet auf Geräten mit gesperrtem Bootloader ist es nicht möglich eine Custom ROM zu installieren. In einzelnen Fällen, wie zum Beispiel dem ASUS Transformer Pad Infinity, ist es möglich durch eine App des Herstellers den Bootloader zu entsperren, wodurch allerdings die Garantie verfällt. (Mehr dazu unter Recht)

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Recht

Früher gingen viele Nutzer davon aus, dass nach dem Flashen oder Rooten eines Android-Gerätes der Gewährleistungsanspruch gegenüber dem Hersteller erlischt, allerdings hat vergangenes Jahr die Free Software Foundation Europe das Gegenteil bewiesen. Laut der FSFE hat der Hersteller nach geltendem EU-Recht (EU-Richtlinie 1999/44/CE) auch nach dem Flashen respektive Rooten eines Gerätes noch Gewährleistung zu leisten. Dies gilt allerdings nicht mehr, wenn das Gerät direkt durch den Flash oder Root Vorgang oder einer Folge dessen beschädigt wurde. Wie auch aus dem Computer-Markt bekannt gibt es keine Gewährleistung mehr, wenn beispielsweise der Prozessor übertaktet wurde, denn auch dies ist mit root-Rechten möglich. Die Durchführung aller hier genannten Schritte geschieht auf eigene Gefahr, weder Allround-PC.com noch der Autor haften für die eventuell entstehenden Schäden oder verlorenen Garantie-Ansprüche.

 

root-Rechte erlangen

In unserem Fall erläutern wir das Vorgehen anhand des Samsung Galaxy S3, für andere Geräte wird der Vorgang minimal abweichen, allerdings ist der eigentliche Vorgang immer ähnlich. Vorweg – weder Allround-PC.com noch einer der Software-Anbieter ist für einen Defekt an Ihrem Gerät verantwortlich, alles was Sie tun geschieht auf eigene Verantwortung.

Für Samsung Smartphones und Tablets gibt es eine Software namens Odin, welche für das Rooten unseres Galaxy S3 benötigt wird, mit dieser ist es möglich das sogenannte CF-Root zu flashen, durch welches letztendlich die root-Rechte erlangt werden. Die heruntergeladene CF-Root Zip-Datei muss einmal entpackt werden, sodass eine tar-Datei vorliegt, grundsätzlich sind durch Odin und ähnliche Programme nur tar-Dateien (tar.md5 etc. gehen auch) flashbar. Als nächstes muss Odin gestartet werden und unter PDA die gerade erhaltene tar-Datei ausgewählt werden, das sollte dann aussehen wie in dem unten eingefügten Screenshot. 

Android

Um das Smartphone oder Tablet nun zu rooten muss das Gerät zuerst in den Download-Modus versetzt werden, beim Galaxy S3 wird dieser gestartet indem bei ausgeschaltetem Gerät die Tastenkombination Lautstärke runter, Home- und Power-Button gerdrückt und gehalten wird. Nun sollte ein Warnhinweis erscheinen, der sich durch das Drücken von Lautstärke hoch bestätigen lässt, jetzt befindet sich das Gerät im Download-Modus. Jetzt muss das Smartphone lediglich noch per USB-Kabel an den Computer angeschlossen werden, unter Umständen installiert Windows zuerst einen Treiber, was kurze Zeit dauern kann. Odin sollte nachdem der Treiber installiert wurde unter Messages nun added vermelden, sobald diese Meldung ausgegeben wurde muss nur noch auf Start gedrückt werden. Nach etwa zehn Sekunden sollte der Vorgang abgeschlossen sein, das Handy wird nach abgeschlossenem Vorgang neustarten und Sie haben unter Ihrem Gerät ab sofort root-Rechte. Durch die neue Applikation SuperSu lassen sich in Zukunft Apps root-Rechte gewähren. 

 

Custom ROMs installieren

Durch die Installation von CF-Root wurde auf unserem Galaxy S3 auch direkt die CWM Recovery installiert, durch welche es uns nun möglich ist eine Custom ROM zu installieren und somit neue Features zu gewinnen oder den Stromverbrauch zu senken und die Leistung unseres Gerätes zu steigern. In unserem Fall entscheiden wir uns für die Cyanogen Mod 10.1, welche ein reines Android 4.2.2 bietet und die überflüssigen Samsung-Features über Board wirft und somit Speicherplatz spart. Dafür muss von der entsprechenden Webseite die neuste Version von CM 10.1 auf das Smartphone geladen werden, zusätzlich werden bei der Cyanogen Mod auch noch die Google Apps (GApps) benötigt. Falls Sie eine andere ROM ausprobieren möchten gibt es bei den XDA-Developers für jedes Gerät eine Vielzahl an ROMs. Dieser erhält man auf dieser Webseite, dabei ist es wichtig die passende Version der GApps für die zu installierende Android-Version auszuwählen. Nachdem sich beide Dateien (Zip-Dateien) auf dem Smartphone befinden, muss dieses ausgeschaltet werden.

cwm-screen

Die Clock Work Mod Recovery ermöglicht es Custom-ROMs zu installieren.

Nun können Sie in die Recovery booten, indem Sie beim Galaxy S3 Lautstärke hoch, den Home- und Power-Button drücken und halten. In der Recovery angekommen sollten Sie als erstes ein Backup des Systems wie es im Moment ist machen. Ist dies abgeschlossen können Sie unter „install zip“ zuerst die ROM und dannach die GApps installieren. Als nächstes muss das Gerät nur neugestartet werden und schon ist die neue ROM installiert. Allerdings sollten Sie hierbei vorsichtig sein, da Sie vor dem Flashen der neuen ROM einen Wipe (also löschen des alten Systems) durchführen müssen, sind dannach alle Nummern und Apps verloren. Diese sollten Sie vorher durch eine App wie zum Beispiel Titanium Backup sichern.

 

Der Vorteil

Jetzt beginnt für Sie der eigentliche Spaß, durch die neue ROM stehen ihnen entweder viele neue Möglichkeiten offen oder Sie haben den Verbrauch Ihres Handys stark reduziert. Dank den erlangten root-Rechten können Sie viele tolle Apps nutzen, es ist zum Beispiel möglich auf Android einen Ad-Blocker zu installieren um die nervige Werbung beim Surfen loszuwerden oder Sie können mit Apps wie DSploit Ihr WLan auskundschaften und sich einen Spaß mit Ihren Mitbewohnern erlauben. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass Sie nun die Möglichkeit haben einen anderen Kernel zu flashen, durch den Sie beispielsweise Ihr Smartphone Über- oder Untertakten können und somit die Leistung steigern oder den Stromverbrauch senken können. Es gibt noch viele weitere Tweaks durch root-Rechte, wie zum Beispiel das anheben der Lautstärke Ihres Handys oder das Verbessern der Bild-Qualität. (Beides durch die App „Pimp my Rom“) Alles in Allem erhalten Sie also durch das rooten und Flashen Ihres Smartphones deutlich mehr Möglichkeiten sich auszutoben und erweitert dieses sehr sinnvoll, es geht sogar soweit, dass Sie eine Ubuntu-Umgebung emulieren können.

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Robert McHardy

hat von Juni 2013 bis September 2014 Artikel für Allround-PC verfasst.

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