Wissen: So hält der Smartphone Akku länger durch

Den eigenen Energieverbrauch verstehen, Stromfresser identifizieren und abschalten

Geschrieben von Nils Waldmann am 11.03.2015.

Stromfresser Startbild

Jeder Smartphone-Nutzer kennt das Phänomen: Gerade hat man das Smartphone vom Ladegerät abgestöpselt und schon schmilzt die verbleibende Kapazität im Akku dahin. Damit euer Smartphone länger durchhält, haben wir die häufigsten Stromfresser für euch aufgelistet und sagen euch, was ihr gegen sie tun könnt.

Vorwort

Um zu verstehen, wieso sich der Akku vom eigenen Smartphone teilweise so schnell entleert, macht es Sinn, sich mit dem generellen Aufbau moderner Smartphones (egal ob Android oder iPhone) zu beschäftigen. Im Grunde sind Smartphones nichts anderes als kleine Computer. Sie bestehen also aus vielen einzelnen Komponenten, wie Prozessor, Speicher, Display, WLAN- und Bluetooth-Modul und LTE-Modem. Zusätzlich findet sich eine Vielzahl anderer Sensoren in Smartphones, wie zum Beispiel GPS, Beschleunigungssensor, Gyroskop und Höhenmesser. Eine Kernaufgabe des Betriebssystems ist es daher, alle Komponenten zu verwalten und dann anzusprechen, wenn eine App Zugriff auf einen bestimmten Teil der Hardware benötigt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass das Android und iOS die übrige Zeit darauf achten, dass nicht benötigte Sensoren und Hardwarekomponenten abgeschaltet oder in einen sehr energiegenügsamen Schlafmodus versetzt werden, um die Akkulaufzeit zu verlängern. Doch manchmal hackt es genau an dieser Stelle und wir zeigen euch, warum.

Der persönliche Energieverbrauch

Um die Laufzeit des eigenen Smartphones zu verlängern, muss man zu nächst einmal verstehen, was dafür sorgt, dass der Akku so oft in Nullkommanichts leergesaugt ist. Google und Apple geben ihren Betriebssystemen dazu eine Energiestatistik mit an die Hand, die ganz einfach zur Ursachenforschung genutzt werden kann.

Im Falle eines iOS Gerätes findet sich diese unter Einstellungen -> Allgemein -> Batterienutzung. Hier hat der Nutzer die Wahl, sich die größten Stromfresser-Apps und – Funktionen der letzten 24h oder der letzten 7 Tage anzeigen zu lassen. Es wird angegeben, welche App den größten relativen Anteil am Gesamtenergieverbrauch hatte. Zusätzlich werden Gründe für erhöhten Stromverbrauch, wie „Airplay“, „Schwaches Signal“ oder „Hintergrundaktivität“ mit aufgelistet.

Bei Android findet sich eine ähnliche Übersicht unter Einstellungen -> Power -> Nutzung (kann von Gerät zu Gerät abweichen). Auch hier wird dem Nutzer der prozentuale Anteil am Verbrauch pro App angezeigt.

Batterienutzung unter iOS8 Batterienutzung unter Android

Beide Übersichten eignen sich sehr gut, um große Stromfresser zu identifizieren. In vielen Fällen hilft dann einfach das Beenden der App über den Taskmanager / die Multitasking Leiste, um den Leistungshunger des eigenen Smartphones zu begrenzen.

Die häufigsten Stromfresser

Nichts desto trotz gibt es einige generelle Dinge, die zu beachten sind, wenn man eine möglichst hohe Akkulaufzeit mit einer Akkuladung realisieren möchte. Im Folgenden deshalb acht Punkte, die direkt oder indirekt mit einem erhöhten Energieverbrauch und somit einer niedrigen Akkulaufzeit zusammenhängen.

Ortungsdienste

In vielen Fällen sind Ortungsdienste samt GPS-Nutzung für das schnelle Dahinscheiden des Akkus verantwortlich. Die ständige Aktualisierung der eigenen Position, wie sie zum Beispiel von Navi-Software benötigt wird, nimmt viel Leistung auf. Das merkt man auch daran, dass das Smartphone bei längerer GPS-Nutzung oftmals spürbar warm wird. Ortungsdienste sollten deshalb deaktiviert werden, wenn man sie nicht benötigt (Android) bzw. nur die wirklich wichtigen Apps sollten Zugriff auf die Bestimmung des Standortes erhalten (iOS). Auch lassen sich im Falle von iOS die Standortabfragen durch das Betriebssystem weiter einschränken, um Energie zu sparen. Wie das funktioniert, haben wir euch in diesem Artikel beschrieben.

Zusätzlich ist es notwendig, nach erfolgreicher Navigation darauf zu achten, dass die App richtig beendet wird bzw. nicht weiterhin versucht den Standort zu bestimmen. Ist dies der Fall, ist der Akku meist sehr schnell leer.

Automatische Netzsuche

Auch die automatische Suche nach Mobilfunknetz kostet, vor allem in Gebieten mit schwachem Signal, viel Energie. Hier versucht das GSM-/LTE-Modem des Telefons mit erhöhter Sendeleistung das schwache Signal zu kompensieren, das kostet Strom. Vor allem bei der Reise ins Ausland kann es passieren, dass das Smartphone dauerhaft nach dem Heimatnetz sucht, aufgrund der Nichtverfügbarkeit aber nicht erfolgreich ist. Dies kann ganz einfach unterbunden werden, in dem die automatische Suche für die Zeit des Aufenthalts deaktiviert und manuell ein verfügbares Netz aus der Liste gewählt wird.

Mobile Datennutzung

Generell ist die Nutzung von mobilen Daten, also Internet über EDGE, UMTS oder LTE natürlich Kernbestandteil eines jeden Smartphones. Oft zu lesende Tipps, wie etwa die mobilen Daten zu deaktivieren, sind in unseren Augen eher weniger zielführend. Sinn kann es allerdings machen, in Gebieten mit schlechter Netzversorgung oder bei ständig wechselndem Standort (Auto- oder Bahnfahrt), die Nutzung der mobilen Daten einzuschränken. Hier ist das Modem des Smartphones nämlich im Dauerstress, da die Signalstärke stark schwankt und ständig an andere Funkzellen des Mobilfunkanbieters übergeben werden muss. Das benötigt mehr Energie, was ebenfalls oftmals durch ein Erwärmen des Smartphones merkbar wird.Funkturm Icon

Gratis Apps

Vor allem unter Android erlangen Apps oft umfangreiche Befugnisse, wie sie mit der Hardware des Telefons umzugehen haben. Gratis-Apps, die sich durch Werbung finanzieren, sind dabei besonders häufig die Übeltäter, wenn es um einen erhöhten Stromverbrauch geht. Der Grund: Die App lädt Werbung über das Mobilfunknetz/WLAN auf das Smartphone, teilweise gekoppelt an eine vorherige Aktivierung der Standortbestimmung, um den Nutzer noch zielgerichteter ansprechen zu können. Beides kostet Energie. Abhilfe kann hier eine Firewall-App schaffen, die Anwendungen den Aufbau einer Internetverbindung gezielt verbietet. Problematisch wird es, wenn die Dienstleistung, die die App erbringen soll, selbst auf eine Verbindung zum Internet angewiesen ist. Hier hilft nur: Augen zu und durch und sich dem erhöhten Energiebedarf bewusst sein oder nach einer anderen Alternative umsehen.

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Spiele

Auch Spiele gehören zu beliebten Apps, um sich zwischendurch die Zeit zu vertreiben. Der extrem hohe Energiebedarf von Spielen liegt in der Natur der Sache: Hier wird die Hardware des Smartphones richtig ausgereizt. Prozessor und Grafikchip sind also unter hoher Last, natürlich immer abhängig davon, wie aufwendig das Spiel gestaltet ist.

Vollständig auf Spiele zu verzichten kann keine Lösung sein. Diese gibt es in diesem Fall auch nicht wirklich. Man sollte sich nur bewusst sein, dass das Ausführen von Spiele-Apps nur dann eine gute Idee ist, wenn man entweder nicht auf das Smartphone als Kommunikationsmittel angewiesen ist (für den Fall das der Akku schneller leer ist als man denkt) oder sich aber eine Steckdose in Reichweite befindet.

Medienstreaming

Sowohl Android als auch iOS Geräte bieten heutzutage die komfortable Möglichkeit, Inhalte wie Musik, Bilder oder Videos auf TV oder HiFi-Anlage zu streamen. Dabei kommt im Heimbereich oft DLNA oder AirPlay über WLAN zum Einsatz, unterwegs werden mobile Lautsprecher oder Headsets gerne per Bluetooth drahtlos verbunden. Auch wenn das Streamen generell recht energiegenügsam ist, wird das Telefon trotzdem stärker belastet, als würde die Musik direkt vom Gerät selbst wiedergegeben.

AirPlay Logo DLNA Logo

Dieser Effekt ist besonders stark, wenn beispielsweise der Ton einer Webradio-App per AirPlay an die Stereoanlage übertragen wird. In diesem Beispiel muss das iPhone den Radiostream aus dem Internet per WLAN abrufen und die Audiodaten gleichzeitig per AirPlay-Protokoll an die Stereoanlage weiterleiten. Hier ackert das Telefon also gleich doppelt.

Bildschirmhelligkeit

Viele aktuelle Smartphone-Modelle haben einen Helligkeitssensor, der die Beleuchtung des Displays der aktuellen Umgebungshelligkeit anpasst. Diese Techniken arbeiten mittlerweile sehr gut und versuchen ständig das optimale Verhältnis zwischen Lesbarkeit und Energieeinsparung zu finden. Ein manuelles Eingreifen macht also eigentlich nur im Extremfall Sinn, wenn der Akku kurz vor der vollständigen Entladung steht und beispielsweise noch ein wichtiges Telefonat erwartet wird.

Besitzt das Gerät jedoch keine automatische Regelung der Hintergrundbeleuchtung, so kann sich durchaus lohnen, die Beleuchtungsintensität zu verringern. Dies natürlich nur in dem Maße, dass ein ordentliches Arbeiten mit dem Gerät noch möglich ist. Trotzallem ist die Standardeinstellung oftmals ein wenig zu hoch gewählt und eine kleine Reduzierung kann bereits die Laufzeit des Akkus verlängern.

Ständiges „Auf’s Smartphone schauen“

Smartphones sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Trotzdem ist es nicht teilweise nur unhöflich, alle zwei Minuten sein Smartphone in Gesellschaft anderer Personen herauszuholen, es kostet auch eine Menge Energie. Zum einen ist das größte Energiesparpotential an einem Smartphone wohl das abgeschaltete Display, zum anderen wird die Hardware durch das ständige Aktivieren durch den Nutzer aber auch jedes Mal aus ihrem Energiesparmodus geweckt. Für all diejenigen, die Angst haben, den neusten Tweet oder die letzte Facebook-Nachricht zu verpassen: Keine Angst, im Normalfall weist euch euer Telefon automatisch auf ein solches Ereignis hin (sofern konfiguriert). Ständiges manuelles Aufwachen und Nachschauen bringt also nicht viel und dezimiert nur unnötig die verbleibende Akkulaufzeit.

Schlussgedanken

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in heutige Smartphones bereits viele, sehr clevere Techniken integriert sind, um die im Akku gespeicherte Energie so effizient wie möglich zu nutzen. Den einen Stromfresser gibt es zu dem nicht. Vielmehr ist es oft eine Kombination aus verschiedenen Umständen, die für einen erhöhten Energiehunger sorgt. Die vielversprechendste Art und Weise seine Akkulaufzeit zu erhöhen ist deshalb nicht, Kernkomponenten und Basisfunktionen des Smartphones komplett zu deaktivieren. Vielmehr ist es wichtig, zu verstehen wann und warum ein Smartphone mehr Strom verbraucht und dann dagegen etwas zu tun. Wir hoffen dieser Artikel hat euch ein wenig näher an das Thema Energieverbrauch von Smartphones herangeführt und hilft euch dabei, euer eigenes Nutzungsverhalten mit dem Energieverbrauch eures Smartphones in Verbindung zu bringen und ggf. entsprechend anzupassen, um mit einer Akkuladung über den Tag zu kommen. Denn spätestens am Abend hängen die meisten von uns ihren alltäglichen Begleiter wohl wieder an die Steckdose.

An dieser Stelle sei auch noch auf unseren Report zum richtigen Umgang mit Smartphone Akkus hingewiesen. So stellt ihr nicht nur sicher, dass euer Akku über den Tag hinweg durchhält, sondern dass der Energiespeicher eures Smartphones auch genauso lange lebt, wie das Gerät selbst, ohne frühzeitig an Kapazität zu verlieren.

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Nils Waldmann

Nils Waldmann

...ist seit über 10 Jahren bei Allround-PC.com und als Redakteur und technischer Leiter tätig. In seiner Freizeit bastelt und konstruiert Nils gerne flugfähige Modelle oder fotografiert und filmt auf Motorsportevents. Im "echten Leben" studierter Wirtschaftsingenieur und Qualitätsmanager.

Kommentare (2)

  • Duke

    |

    Also ist die Schnellladefunktion bei den neuen Handy´s richtig schlecht für den Akku!?

    mit je weniger Amprer Output ich das Handy lade, desto länger werde ich was vom Akku haben?

    gibt es Akku App´s die gut sind? und nach dem volladen direkt aufhören, bis ich das Handy neu anschließe?

    Bitte um Rückmeldung 🙂

    Mfg

    Antworten

    • Nils Waldmann

      Nils Waldmann

      |

      Hallo Duke,

      „richtig schlecht“ ist Definitionssache. Es kommt natürlich auch sehr auf die Qualität der verbauten Akkuzellen an. Generell kann man aber sagen, dass ein langsameres Laden besser für den Akku ist. Man muss hier aber auch immer die Kapazität des Akkus mit beachten. Je größer diese ist, desto höhere Ladeströme verträgt der Akku auch. Alles was unter 1C geladen wird (d.h. der Ladestrom entspricht maximal der Kapazität in Ah) kann man als grobe Fasutregel als relativ stressfrei für die Zellen ansehen. Eine App kenne ich nicht, da sollte eigentlich die Ladeelektronik auch drauf achten. Bedenke auch, wenn du dein Gerät bei einem Ladestand von 95% an das Ladegerät hängst, wird nur noch mit einem sehr geringen Strom geladen. Wenn dein Handy voll geladen ist, sollte das Telefon den Ladevorgang unterbrechen. Schonend laden kann man beispielsweise an einer USB 2.0 Schnittselle, wenn einem das Ganze sehr wichtig ist. Für’s Büro, wo das Telefon nur rumliegt, sicher nicht die schlechteste Methode.

      Grüße!

      Antworten

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