Wissen: Was ist High Dynamic Range Video (HDR Video)?

Schönere Bilder dank höherem dynamischen Kontrastumfang

Geschrieben von Nils Update am 19.09.2016.

hdr-video-startbild

Jeder, der selbst schon einmal ein Video mit seinem Smartphone oder einer Kamera gedreht hat, kennt das Problem: Das Videobild ist später irgendwie nicht so lebendig, wie die erlebte Situation – Details gehen verloren. Mit High Dynamic Range Video soll sich das ändern. Wir erklären euch, was HDR Video ist.

Überblick

High Dynamic Range (kurz HDR) steht für einen hohen dynamischen Kontrastumfang und ist per se keine neue Technologie. In der Fotografie ist die Technik schon sehr lange bekannt und so wundert es nicht, dass viele aktuelle Smartphones ebenfalls HDR-Einzelbildfotografie unterstützen. Doch was genau ist HDR?

Bei HDR werden mindestens drei verschiedene belichtete Bilder zu einem einzigen Bild zusammengefügt. Dazu nimmt die Kamera ein normalbelichtetes Bild auf, welches sich zunächst nicht von einem herkömmlichen Foto unterscheidet. Dazu wird ein überbelichtetes Bild sowie ein unterbelichtetes Bild von dem gleichen Motiv aufgenommen. Mit entsprechender Software oder direkt im Image Processor der Kamera werden diese Einzelbilder zu einem einzigen HDR-Bild zusammengefügt. Das Ergebnis ist eine sehr detailreiche Aufnahme, die auch Feinheiten in sehr hellen und sehr dunklen Stellen des Fotos mit hohem Kontrast darstellt. Diese zusätzlichen Informationen werden aus dem über- und unterbelichteten Foto entnommen und in das „normal“ belichtete Foto eingearbeitet. Besonders in schwierigen Lichtverhältnissen, wie beispielsweise bei Gegenlicht, im Nebel oder bei häufig wechselnder Beschattung mit vielen hellen und dunklen Bereichen kann HDR seine Vorteile ausspielen. Die folgenden Fotos sollen als Beispiel dienen.

SDR Foto HDR Foto

Links ein SDR Foto, Rechts das HDR-Bild. Details an Gebäuden unterscheiden sich deutlich. Aufgenommen mit dem ZTE Blade V7.

HDR Video

Was in der Fotografie nicht zwingend einer besonderen Kamera oder einem speziellen Anzeigegerät bedarf, ist im Videobereich weitaus schwieriger umzusetzen. Hier müssen alle Geräte der Produktionskette – von der Aufnahme bis zur Betrachtung durch den Konsumenten – fähig sein, das HDR-Videomaterial zu verarbeiten bzw. darzustellen.

Um also HDR Video zu ermöglichen, muss das Videobild bereits in HDR aufgenommen werden. Solche Kameras sind schon seit längerem verfügbar. Wie auch in der Einzelbildfotografie werden hier zu jedem „normalen“ Bild zusätzliche Bilder aufgenommen, um den HDR-Effekt in der Postproduktion zu ermöglichen. Videos ohne HDR werden im Übrigen als SDR-Videos (Standard Dynamic Range) bezeichnet.

samsung-vergleich-sdr_hdr

Vergleich von SDR und HDR im Verlauf der Produktionskette. Quelle: Samsung.

HDR Video geht also einen anderen Weg, als beispielsweise UHD / 4K, um die Bildqualität zu erhöhen. So wird nicht die Anzahl der Pixel genutzt, um das Bild schärfer aussehen zu lassen, sondern es wird dafür gesorgt, dass mehr Bilddetails letztendlich beim Konsumenten ankommen. Natürlich sieht HDR Video umso besser aus, umso höher die Videoauflösung ist. Die Technologien wirken in modernen TV-Geräten deshalb in logischer Konsequenz zusammen.

Der richtige Standard muss es sein

Beinahe unausweichlich sind die sogenannten Standards, wenn es um die Erstellung, Verarbeitung und Wiedergabe von TV- und Filminhalten geht. Wie auch in der Hochzeit des 3D-TVs oder dem Beginn der HD-Ära, Standards sind die gemeinsame Grundlage auf der alle Geräte der Produktionskette miteinander kommunizieren und interagieren.

Im Bereich HDR Video gibt es zurzeit drei verschiedene Formate, die die Darstellung von High Dynamic Range Inhalten ermöglichen. Diese sollen im Folgenden kurz vorgestellt werden. Dabei ist zu beachten, dass die gesamte Thematik noch relativ jung ist und sich somit sicherlich noch Veränderungen ergeben werden.

HDR10 Media Profile (HDR10) – HDR10 wurde Ende 2015 von der Consumer Electronic Association vorgestellt. Der Standard nutzt den bekannten Rec. 2020 Farbraum in Verbindung mit einer Farbtiefe von 10 Bit. Der Standard ist ein offener Standard, welcher unteranderem von LG, Samsung, Sony und Sharp genutzt wird. Unter dem Namen „UHD Alliance“ haben sich zudem mehr als 30 Firmen zusammengeschlossen, die Geräte vertreiben, welche den HDR10-Standard unterstützen. Verkäufer können sich an dem entsprechenden Logo orientieren.

Dolby Vision – Dolby Vision ist ein alternativer Standard für HDR Video. Dieses Format wird beispielsweise von der Ultra HD Blu-ray unterstützt. Aber auch Streaming-Anbieter wie Vudu, Netflix und Amazon Video haben bereits erster Dolby Vision Inhalte im Programm. Dolby Vision setzt auf ebenfalls auf den Rec. 2020 Farbraum in Kombination mit einer Farbtiefe von 12 Bit. Unterstützt wird Dolby Vision unter anderem von LG.

Hybrid Log-Gamma – Dritter im Bunde ist der Hybrid Log-Gamma Standard (HLG). Das Verfahren wurde von den Medienhäusern BBC und NHK entwickelt und kann ohne Lizenzgebühren genutzt werden. Im Gegensatz zu den anderen beiden Verfahren kann HLG aufgrund seiner Nähe zum SDR-Standard ohne Probleme auf herkömmlichen SDR-fähigen Wiedergabegeräten dargestellt werden.

Welcher der Standards sich letztendlich durchsetzt bleibt abzuwarten. Eine Koexistenz von HDR10 und Dolby Vision ist ebenfalls nicht unwahrscheinlich.

Anzeige:

Schlusswort

Mit HDR Video hält ein neuer Standard Einzug in die Wohnzimmer rund um den Globus. Im Gegensatz zur 3D-Technologie, welche versucht hat, den Betrachter durch mehr Tiefenschärfe zu überzeugen, ist HDR eine Erweiterung die eher im Hintergrund passiert. Nichts desto trotz: Richtig angewendet unterscheiden sich HDR- und SDR-Inhalte wie Tag und Nacht voneinander. In Bezug auf die Bildqualität ist HDR Video damit ein echter Zugewinn im TV- und Videobereich. Er erlaubt letztendlich das Material, welches bereits in HDR aufgezeichnet wird, nun auch endlich dem Konsumenten in vollem Detailumfang zur Verfügung zu stellen.

Erste Geräte von Herstellern wie LG und Samsung sind bereits auf dem Markt erhältlich. Auch erste HDR-Inhalte lassen sich auf dem Markt finden. Noch steckt das Ganze aber in den Kinderschuhen. Ob der Normalverbraucher bereit ist für HDR mehr Geld auf den Tisch zu legen, wird die Zeit zeigen. Irgendwann wird HDR Video aber zum Standard gehören.

Tags:

Trackback von deiner Website.

Kommentieren

Alle Angaben OHNE Gewähr! Alle Produktbezeichnungen bzw. Herstellernamen sind Eigentum der jew. Firmen!
Allround-PC übernimmt keine Haftung für evtl. Schäden bzw. Informationen oder Links auf dieser Seite, bzw. der verlinkten Seiten!
© Allround-PC 2015 | Kontakt | Impressum | Datenschutzerklärung | Mediadaten