Der HomePC im Eigenbau

Wer kennt sie nicht, die Angebote von ALDI, Lidl & Co. Die Rede ist hier von “Multimedia PCs” für ca. € 999,-. Doch in den seltensten Fällen sind diese PCs genau das, was man braucht und so gibt man entweder zu viel Geld aus, da Komponenten enthalten sind, die man nie brauchen wird, oder man muss nachträglich investieren um noch irgendeine Komponente (sei es eine leistungsfähigere Grafikkarte) nachzurüsten.

Zum Komplett-PC von der Stange gibt es zwei Alternativen. Zum einen wäre da die Möglichkeit den PC-Händler seines Vertrauens mit dem Zusammenbau eines individuellen Systems zu beauftragen. Die andere Möglichkeit besteht darin, seinen Wunsch-PC selber zusammen zu bauen. Aber gerade bei letzterer Möglichkeit besteht bei den meisten Anwendern noch eine gewisse Scheu. Schließlich handelt es sich hierbei um hochempfindliche Komponenten, die der Laie ja eh nicht zusammenbauen kann. Das jedenfalls ist die landläufige Meinung vieler Kunden, die einen PC von der Stange kaufen.
Dass dem nicht so ist und dass eigentlich jeder, der nicht zwei linke Hände hat einen PC selber zusammenbauen kann und damit noch einmal ordentlich Geld sparen kann wollen wir in diesem Report zeigen.

 

Planungen

Am Anfang eines jeden selbst gebauten PCs steht eine sorgfältige Planung des Vorgehens, damit nachher nichts schief geht.
Beginnen sollte man mit den Überlegungen, welche Komponenten gebraucht werden, was nette Optionen sind, die irgendwann mal gebraucht werden könnten und auf was man durchaus verzichten kann, da es sich um veraltete Technik oder teuren Schnickschnack handelt.
Komponenten, die in und an jedem PC vorhanden sein sollten sind:

 

Das Gehäuse

Schon beim Gehäuse ist der spätere Einsatzzweck und Ort des PCs entscheidend. Nutzt man den PC nur als Büro-PC irgendwo in der Ecke unter dem Schreibtisch, so braucht man sicherlich kein voll durchdesignetes, farbiges oder gar beleuchtetes Gehäuse. Hier reicht oft das klassische, beige Büro-Gehäuse und schon lassen sich einige Euro sparen.
Ist der spätere Aufstellungsort des PC aber z.B. das Wohnzimmer, so sollte man darauf achten, dass sich der PC nahtlos in die Einrichtung des Wohnzimmers einschmiegt und dass das Gehäuse über eine gute, leise Durchlüftung verfügt, damit der Betrieb nicht zur Qual für die Ohren wird.
Derzeit üblich sind Gehäuse in Big/Server-, Midi-oder Mini-ATX-Bauform, wobei ATX in nächster Zeit durch BTX ersetzt werden wird. Momentan sind dafür aber noch keine Komponenten erhältlich. Auch über die Größe des Gehäuses entscheidet die Art der Nutzung. Soll der PC hauptsächlich rechenintensiv genutzt werden und Komponenten enthalten, die viel Wärme produzieren (z.B. im üblichen Gaming-PC), so sollte man schon zu Midi oder Big-Towern greifen, da die Luft in diesen Gehäusen besser zirkulieren und abgeführt werden kann. Im Wohnzimmer wiederum macht sich oft ein im Alu-Look gehaltener Mini-Tower oder ein 19”-Gehäuse (für die Integration unter die Stereo-Anlage) gut.
Darüber hinaus sollte auf gute Verarbeitung des Gehäuses geachtet werden. Dazu zählen z.B. gefalzte Kanten im Inneren, um die Verletzungsgefahr beim Zusammenbau zu minimieren.


Ein Design-Gehäuse

Das Netzteil

Beim Netzteil entscheiden hauptsächlich zwei Gründe über die Wahl. Zum einen ist da wieder die in der Umgebung akzeptable Lautstärke. Auf der anderen Seite steht die vom PC benötigte Leistung und der Wirkungsgrad des Netzteils. Besonders NoName-Netzteile schneiden hier besonders schlecht ab. Sie sind meistens mit mehreren sehr lauten Lüftern ausgestattet und protzen zwar mit sehr hohen Leistungsangaben, können die Werte jedoch oft nicht einhalten und arbeiten mit einem sehr schlechten Wirkungsgrad, d.h. beim Umwandeln des Wechselstroms in Gleichstrom geht ein Großteil der Energie verloren und erhöht so unnötig die Stromrechnung. Zum Thema Lautstärke: Weniger ist mehr und größer ist mehr. Das heißt im Klartext: je weniger Lüfter das Netzteil besitzt, desto weniger Lärm sollte es produzieren. Selbiges gilt für die Größe der Lüfter. Ein großer Lüfter muss nicht so schnell drehen wie ein kleiner um die selbe Menge an Luft durch das Netzteil zu befördern. Durch die geringeren Drehzahlen entstehen weniger Geräusche.
Ergänzend sollte man noch die neueste Generation von Netzteilen erwähnen: Mittlerweile gibt es komplett passiv gekühlte Netzteile, welche keinerlei störenden Geräusche mehr verursachen.
Allgemein gilt: Beim Netzteil immer zu einem Markennetzteil greifen, um späteren Ärger zu vermeiden.

 


Netzteil

Empfohlen: Office PC mind. 300 / Gaming PC mind. 400 Watt und vorzugsweise großen 120mm Lüfter oder Fan Control

Das Mainboard / Motherboard

Auf dem Mainboard werden alle Komponenten des Systems zusammengeführt und ihre Arbeit koordiniert und kontrolliert. Das Mainboard stellt somit eine der wichtigsten Komponenten des Systems dar. Daher gilt hier: vorher Informationen einholen und sich schon vor dem Kauf im Klaren darüber sein, was später mit dem PC gemacht werden soll. So kann man schon beim Kauf des Mainboards eine Menge Geld und auch Zeit sparen. Soll der PC als reiner Büro-PC genutzt werden, über den ab und an mal ein MP3-File oder eine Video wiedergegeben werden soll, so reicht es aus, wenn man ein Mainboard auswählt, bei dem schon viele Komponenten “onboard” verbaut sind. Mainboards mit Onboard-Komponenten (Grafikkarte / Soundkarte / Netzwerkkarte) sind wesentlich preiswerter, als wenn man diese Komponenten extra kaufen muss. Darüber hinaus hat man keinen Ärger beim Einbau dieser Komponenten und es bleibt sogar mehr Platz im Gehäuse. So kann dann die Wärme besser abgeführt werden.
Braucht man allerdings Highend-Komponenten, so ist zumindest im Falle der Grafikkarte eine separate Lösung zu bevorzugen.

 


Das Mainboard

Der Prozessor (CPU)

Der Prozessor (auch CPU = Central Processing Unit genannt) ist der Kern eines jeden PC und bei HighEnd-PCs meist das teuerste. Daher gilt hier wie eigentlich immer: Vor dem Kauf überlegen, was man eigentlich braucht. Büro-Arbeit und Video-Wiedergabe zum Beispiel wird auch noch von älteren Prozessor-Generationen anstandslos erledigt. Diese reichen dann meistens auch noch aus, um hin und wieder mal ein Video zu schneiden oder seine Urlaubsfotos zu bearbeiten. Wer allerdings häufiger mit Multimedia-Anwendungen zu tun hat (also z.B. Videoschnitt als Hobby hat) sollte schon zu entsprechend schnelleren CPUs greifen. Weiterhin ist auch hier wieder der Einsatzort ausschlaggebend für die Wahl der richtigen CPU. Steht der PC im Wohnzimmer und wird z.B. als Video-Wiedergabe-Gerät benutzt sollte man etwas leistungsschwächere CPUs wählen, da sich diese meist mit weniger Lärm kühlen lassen.
Apropos Kühlung. Hierbei sollte man peinlichst genau auf die Spezifikation der Kühlkörper achten. Denn Kühlkörper ist nicht gleich Kühlkörper. Als normaler User sollte man jedoch mit den so genannten Boxed-Varianten der CPUs gut bedient sein. Hier wird direkt ein passender Kühlkörper + Lüfter mitgeliefert.

 


CPU und Kühlkörper mit Lüfter

Empfohlen: Office PC mind. 1,4 / Gaming PC mind. 2,0GHz (AMD oder Intel)
Empfohlen: Kuper-Kühlkörper, mit 80x80x25 Lüfter und weniger als 30dbA

Der Arbeitsspeicher (RAM)

Der Arbeitsspeicher stellt dem Prozessor Daten zur Verfügung, die dieser schnell und oft braucht. Hier muss ausnahmsweise nicht darauf geachtet werden, was mit dem PC gemacht werden soll, sondern was für Komponenten außer dem RAM noch verbaut werden sollen. So ist es rausgeschmissenes Geld, wenn man RAM kauft, den CPU gar nicht schnell genug mit Daten versorgen kann. Besonders bei RAMs gilt allerdings: lieber zur Marke greifen, als irgendetwas unbekanntes kaufen um evtl. Kompatibilitätsproblemen aus dem Weg zu gehen.


Der Arbeitsspeicher (RAM)

Empfohlen: Office PC mind. 512MB / Gaming PC mind. 512MB besser 1GB CL 2,5 oder besser CL2

Die Festplatte

Die Festplatte ist sozusagen das Gedächtnis des PCs. Auf ihr werden alle Daten gespeichert und von ihr wieder abgerufen. Die Festplatte spielt daher ebenfalls eine wichtige Rolle, wenn es um die Bestimmung des PCs geht. Soll der PC als Video-/MP3-Lager dienen, so sollte Man schon zu einer großen Festplatte greifen. Aber auch für Büroanwender gilt: Die Festplatte nicht zu klein dimensionieren, sonst fängt man später an zuviel auf CDs o. ä. auszulagern.
Des Weiteren sollte man auf den Cache der Festplatte achten. Um so mehr Cache, um so besser.
Bei Festplatten ist es ebenfalls wichtig vorher den Aufstellungsort des PCs zu kennen. Denn auch hier gibt es teils gewaltige Unterschiede in Sachen Lautstärke.

 


Die Festplatte

Empfohlen: Office PC mind. 80GB / Gaming PC mind. 120GB, 8MB Cache, Serial ATA

Optische Laufwerke

Neben den Festplatten zur Speicherung von Daten besteht auch noch die Möglichkeit Daten “extern” zu speichern. Die derzeit effektivste Methode sind CDs oder DVDs die von optischen Laufwerken gelesen bzw. bei Vorhandensein eines CD/DVD-Brenners geschrieben werden können.

 


Ein CD-ROM/DVD-Laufwerk

Diskettenlaufwerk

Eine eigentlich schon vollkommen überholte Technik Daten zu speichern bietet das Diskettenlaufwerk. Leider sind die Medien nicht annähernd so lange haltbar wie CDs oder DVDs. Doch leider ist es bis jetzt noch nicht möglich Windows während der Installation mit Treibern von CD zu füttern. Daher fristet das Diskettenlaufwerk in etlichen PCs immer noch sein Dasein.

 


Ein Diskettenlaufwerk

Die Grafikkarte

Die Grafikkarte ist besonders interessant für diejenigen, die sich den PC zum Spielen zusammen bauen. Aber auch hier gibt es Unterschiede. Der Gelegenheitsspieler wird wohl mit einer etwas älteren Generation oder einer so genannten Low-Budget-Karte glücklicher als mit der neuesten High-End-Karte, da diese zwar ein Maximum an Leistung jedoch den Geldbeutel ebenfalls maximal auslasten.
Für diejenigen wiederum, die sich einen PC fürs Wohnzimmer basteln wäre es zum Beispiel von Vorteil, wenn die Grafikkarte über einen TV-Ausgang verfügt. So lässt sich schnell der Fernseher an den PC anschließen und schon kann man Urlaubsfotos oder Videos vom PC auf dem Fernseher wiedergeben lassen.

 


Eine Grafikkarte

Empfohlen: Office PC 32bis 64MB mit Standard Grafikchip / Gaming PC mind. 128MB oder mehr aus einer aktuellen Grafikkartenserie

Die Soundkarte

Das Herzstück eines PCs ist für den Musik-Liebhaber die Soundkarte. Hier scheiden sich die Geister. Die einen behaupten, dass Onboard-Soundkarten zu nichts zu gebrauchen sind und nur echte Steckkarten qualitativ hochwertigen Sound liefern. Das jedoch ist definitiv nicht der Fall. Wer nicht gerade professionelle Audiobe-/ und Verarbeitung betreiben will, wird auch mit Onboard-Sound glücklich werden. Die Unterschiede zwischen den meisten Onboard-Produkten und Steckkarten liegen nicht mehr im hörbaren Bereich und können nur noch gemessen werden.

 


Soundkarte mit Erweiterungsmodul

Die Netzwerkkarte(n)

Im Zeitalter von DSL ist die Netzwerkkarte zu einem Hauptbestandteil vieler HeimPCs geworden. Viele DSL-Provider liefern nämlich nur Modems aus, welche über eine Netzwerkkarte an den PC angeschlossen werden. Darüber hinaus steht vielleicht irgendwo im Haushalt noch ein oder mehrere PCs herum, die ebenfalls vom DSL-Anschluss profitieren wollen.

 


Netzwerkkarte

Zusätzliche Steckkarten

Zusätzliche Steckkarten, auf die wir hier aber nicht weiter eingehen wollen, wären zum Beispiel:

  • Video-Schnittkarten

  • TV-Karten

  • DVB-Karten

  • SCSI-Controller

  • uvm.

Vor dem Kauf der Komponenten steht wie oben bereits erwähnt eine gute Planung, was man denn haben möchte. Ist man dann zu einem Entschluss gekommen, kann man sich auf den Weg zu einem Hardware-Händler machen und dort seine Komponenten kaufen. Etwaige Kompatibilitätsfragen sollten ebenfalls mit dem Händler abgeklärt werden. So sollte man den Händler darauf hinweisen, dass die Komponenten letzten Endes alle zusammen in einem PC funktionieren sollen, damit er die Komponenten evtl. gegenchecken kann.
Ganz mutige können sich ihre Komponenten natürlich auch im nächsten Online-Shop bestellen, wobei hier aber auf die Beratung verzichtet werden muss.


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