Einen HTPC einrichten unter Linux
Wen nervt es nicht auf dem Wohnzimmertisch je eine Fernbedienung für den Fernseher, den Videorecorder, den DVD-Player und wer weiß, was für Geräte noch, liegen zu haben. Die preiswerte Variante ist hier die Anschaffung einer lernfähigen Fernbedienung. Die elegantere Methode ist sicherlich das Konzept eines HTPCs. Oft sind es nämlich nicht nur die Fernbedienungen, mit denen man nicht mehr weiß wohin. Auch die Geräte selber passen oft nur mit Mühe in den Wohnzimmerschrank. Darüber hinaus bietet ein HTPC einen immensen Vorteil gegenüber den Standard-Geräten: Sobald ein neuer Standard das Wohnzimmer erobert, wird der HTPC einfach um die passende PC-Komponente erweitert und schon erfreut man sich einer neuen Funktion beim Fernsehen. Dieses Erweitern ist meist preiswerter, als für jeden Standard ein neues Gerät anzuschaffen und so rentieren sich die leicht höheren HTPC-Kosten des ersten Setups schnell. Darüber hinaus bietet ein HTPC auch noch den Vorteil, dass er nahezu beliebig um neue Funktionen erweitert werden kann, in dem neue Plugins installiert werden.
Anforderungen & Auswahl der Hardware
Bevor man sich Gedanken dazu macht, welche Hardware angeschafft werden muss, was wieder verwendet werden kann und wie viel monetären Aufwand man letzten Endes aufbringen muss, sollte darüber nachgedacht werden, welchen Anforderungen der HTPC gerecht werden soll. Soll der PC zum Beispiel wie der klassische DVD-Player oder Receiver neben oder unter dem Fernseher untergebracht werden, so sollte daran gedacht werden, dass der PC nicht allzu sehr aus dem Rahmen fällt und sich ins sonstige Bild im Wohnzimmer einpasst. Zu bedenken ist auch, dass z.B. durch extrem helle LEDs oder sonstige Leuchtmittel vom Fernseh-Vergnügen ablenken kann.
Verschwindet das Gerät letztlich aber im Schrank, so kann auf kostspielige Gehäuse verzichtet werden. Dafür muss allerdings das System zur Kühlung etwas überdacht werden, denn Wärme lässt sich im Schrank bekannterweise schlechter abführen als außerhalb. Da der Schrank auch den Schall ein wenig dämmt dürfen ruhig lautere oder mehr Lüfter eingesetzt werden.
Unabhängig vom Standort fallen die Anforderungen der gewünschten Funktionen aus. Soll das komplette System später nur als reiner Receiver dienen, so reicht ein Mainboard, eine passende CPU, eine kleine Festplatte für das Betriebssystem und die Karte(n) für den TV-Empfang. Wenn der HTPC aber als echte Multimediazentrale dienen soll, und mehrere Kanäle aufzeichnen, DVDs und MP3s wiedergeben soll, dann muss schon mit etwas mehr Rechenaufwand für die CPU kalkuliert werden. Auch genügend Speicher in Form einer großen Festplatte für MP3s und Video-Material sollte eingeplant werden.
Wir haben uns für ein System entschieden, dass als Twin-DVB-Satreceiver dienen und ebenfalls in der Lage sein soll DVDs und MP3s wiederzugeben. Als Basis dienen uns hierbei die Reste eines alten Aldi-PCs, die da wären:
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Mainboard |
Medion 3500 (MSI MS-6531) |
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CPU |
Pentium 4 2 GHz (Northwood) |
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Kühlkörper |
Alu-Boxed-Kühlkörper ohne Lüfter |
Für den richtigen Empfang sorgen zwei DVB-S Karten (Nexus-S), die uns von Hauppauge zur Verfügung gestellt wurden. Diese Karten haben, sowohl unter Windows als auch unter Linux, sehr guten Treibersupport, sowie eine für unsere Zwecke optimale Ausstattung. Eine mitgelieferte IR-Fernbedienung und der an der Rückseite der TV-Karte integrierte Anschluss für den IR-Empfänger ersparen die Bastelei mit einem selbstgebauten oder gekauften Empfänger. Da es sich bei der Nexus-S um eine so genannte full featured DVB-Karte handelt ist ein MPEG-Decoder integriert, welcher bei der Wiedergabe von DVDs oder aufgenommenem Material die CPU entlastet.
Beim Gehäuse haben wir uns für das bereits von uns vorgestellte Ahanix MCE 601 entschieden, da es viel Platz bietet, dass System leicht kühlen lässt und außerdem schlicht und elegant zugleich ist. Das in die Front eingelassene Display bietet zudem die Möglichkeit zum Beispiel Informationen über das laufende Programm auszugeben.

in unserem Test zeichnete sich das MCE 601 bereits als HTPC-Gehäuse aus
voll gestopft mit der entsprechenden Hartware, wird der PC zur Multimediazentrale
Software
Hat man sich für die Hardware entschieden, kommt die Entscheidung für ein Betriebssystem, wobei das eventuell auch schon bei der Auswahl der Hardware berücksichtigt werden sollte. Denn was nützt die tollste Hardware, wenn sie nicht unterstützt wird.
Wir wollen an dieser Stelle kurz auf die Vor- und Nachteile zweier für den HTPC geeigneter Betriebssysteme eingehen und anschließend unsere Empfehlung aussprechen.
Zum einen könnte auf dem HTPC der Klassiker Windows zum Einsatz kommen. Hier profitiert man davon, dass die meisten Hersteller nur einen Treiber für Windows beilegen. Dafür muss aber eine Grafikkarte verbaut werden, um das System vernünftig bedienen und einrichten zu können. Dazu kommen die Kosten für eine Windows-Lizenz. Weiterhin muss für Windows etwas mehr Rechenleistung, Festplattenkapazität und Arbeitsspeicher eingeplant werden, da die grafische Oberfläche und darin laufende Anwendungen im Gegensatz zu unserer nächsten Option den Rechner doch um einiges mehr fordern.
Die kostengünstigere eben erwähnte Option ist eine beliebige Linux-Distribution. Diese gibt es kostenlos entweder als ISO-Image zum Download oder direkt als Web-Installation. Allerdings muss hier mit ein klein wenig mehr Aufwand bezüglich der Installation und Konfiguration gerechnet werden, da je nach Distribution noch einiges von Hand in Text-Files “eingestellt” werden muss. Dafür können wir auf eine in unserem HTPC überflüssige grafische Oberfläche verzichten und auch nur genau die Treiber und Dienste installieren und laden, die wir wirklich brauchen.
Unsere Entscheidung: Gentoo Linux
Bei vielen Distributionen muss man Abstriche bei der Modularität machen, während andere wiederum Schwächen bezüglich der Konfigurationsmöglichkeiten offenbaren, da das Paketmanagement empfindlich in die Konfiguration mit eingreift und ungefragt Parameter ändert, die man vorher per Hand eingetragen hat. Die meisten Möglichkeiten hat man immer noch wenn man sich sein Linux selber zusammenstellt und kompiliert. Hier ist jedoch wieder übermäßig viel Handarbeit nötig.
Gentoo Linux verbindet die Möglichkeit sein System genau auf die vorhandene Hardware maßzuschneidern mit einem Paketmanagement und einer übersichtlichen Konfiguration. Es ist durch das Setzen weniger Parameter möglich das Paketmanagement anzuweisen nur die wirklich benötigten Komponenten (Libraries) einzubinden und damit ein sehr performantes System zu erhalten. Dazu wird das System von Grund auf (durch das Paketmanagement automatisiert) kompiliert und somit auf den Prozessor und dessen Möglichkeiten und Features angepasst. Es ist jedoch zu bedenken, dass durch das Kompilieren der Pakete mit einem relativ hohen Zeitaufwand gerechnet werden muss, den man aber durchaus mit anderen Tätigkeiten überbrücken kann, da User-Input während des Kompilierens nur selten vonnöten ist. Letztlich verfügt Gentoo-Linux noch über eine sehr simple Methode zum Update seiner sehr aktuellen Pakete.














