Dual Brain - Kollaborative Editoren - Was ist das eigentlich?

In Zeiten von Dual Core Prozessoren und Techniken wie SLI und Crossfire ist Arbeitsteilung in der PC Welt kein Fremdwort mehr. Aber was mit der Elektronik geht, klappt auch im realen Leben.


Eine Aufgabe ist zu zweit meist schneller bearbeitet als alleine und das Ergebnis dann vielleicht sogar ausführlicher und besser. Allerdings sind für so etwas meist Meetings oder Besprechungen nötig, kollaborative Editoren verschieben solche Prozesse in die digitale Welt.

Kollaborativ?

Der Begriff kollaborativ beschreibt das Verfassen von Texten in Kooperation von mehreren Personen. Beispiele für Texte die in kollaborativer Weise zusammengetragen wurden sind z.B. Wikipedia und alle anderen Wikis, die es Außenstehenden erlauben Texte zu ändern und zu ergänzen.

Echtzeit

Auch das Wort

Echtzeit ist ein wichtiger Aspekt in der kollaborativen Welt. Während Wikipedia usw. nicht in Echtzeit (realtime) arbeiten, gibt es durchaus Programme, die dieses können. Jeder Teilnehmer hat dann die Möglichkeit ein Dokument zu ändern, während er sieht was die anderen Nutzer schreiben. Vereinfacht kann man sich das ganze wie ein Editor mit zwei oder mehr Tastaturen vorstellen.

Gobby


In diesem Report wollen wir auf den Editor "Gobby" eingehen und die Arbeit mit ihm erläutern. Gobby ist "Frei Software" und somit unter der GNU General Public License freigegeben. Das Tool ist für die Plattformen Windows, Linux, UNIX und Mac OS X verfügbar und bietet somit optimale Kompatibilität. Darüber hinaus ist es in deutscher Sprache zu bedienen. Die Projekthomepage beinhaltet alle nötigen Informationen und kann hier gefunden werden.



Installation und Version


Die aktuelle Version 0.4 kann im Downloadportal auf Gobby-Homepage für alle Betriebsysteme heruntergeladen werden. Zusätzlich wird das GTKmm-Paket, welches ebenfalls dort verfügbar ist, benötigt. Das GTK+ Script wird automatisch mit dem GTKmm-Paket installiert. Wichtig ist, dass das GTKmm-Paket zu erst auf dem Computer eingerichtet wird. Erst dann kann die Gobby Setup gestartet und durchgeführt werden. Die Installation ist selbsterklärend und sollte keiner weiteren Erklärung bedürfen.


Host oder Client


Gobby basiert auf dem Host-Client-System. Einer der Teilnehmer, am einfachsten der Projektleiter, eröffnet einen Server bzw. eine Sitzung. Die anderen Autoren verbinden sich mit der IP-Adresse oder der DNS des Servers und können ab sofort am Geschehen teilhaben. Der Standardport für den Gobbyserver ist "6522", sollte die Sitzung durch eine Firewall geschützt gehalten werden, so muss diese dementsprechend konfiguriert werden. Die aktuelle Internet-IP (WAN-Adresse) kann der Server herausfinden in dem er die Seite "Wie ist meine IP?" besucht.


Info

Der Server wird ganz einfach über das Menü Gobby -> "Sitzung eröffnen" gestartet. Hier können auch Port, Passwort und die eigene Farbe festgelegt werden. Außerdem besteht die Möglichkeit bereits angefangene (gespeicherte) Projekte wieder aufzunehmen. Das Verbinden mit einem Server funktioniert identisch, nur muss hier noch die IP-Adresse eingetragen werden. Das Passwort wird nach erfolgreicher Verbindung abgefragt. Der zugehörige Menüpunkt ist unter Gobby -> "Sitzung beitreten" zu finden.


   


Farben?


Da Gobby durchaus in der Lage ist mit mehr als zwei Personen Sitzungen zu managen, muss jeder Benutzer eine Farbe wählen. In dieser Farbe erscheint dann im Dokumentbereich der eigens geschriebene Text. So ist immer nachvollziehbar, wer welche Informationen hinzugefügt hat. Zwei Benutzer können dabei nicht die selbe oder ähnliche Farben verwenden, dies gewährleistet den sicheren Überblick über das Dokument und seine Autoren.


Absprache


Da ein Instant Messenger denkbar unpraktisch wäre, um während des Arbeitens Absprache zu tätigen, wurde in Gobby ein eigenere Chat integriert. Das ganze nimmt das untere Drittel des Bildschirmes ein und ist im IRC-Stil gehalten.


Formatierung und Schriftarten


Hier muss Gobby leider passen, wer seine Texte schön formatieren und einfärben will, ist hier schlecht beraten. Zwar bietet Gobby die Funktion, die Schriftart- und -Größe zu ändern, dies aber auch nur für das gesamte Dokument. Allerdings sollte dies keinesfalls vor einen Versuch mit Gobby abschrecken. Es ist zu sagen, dass Gobby eher für Codes als für schön ausgerichtete Dokumente entwickelt wurde. Man sollte aber daran denken, dass der in Kooperation entwickelte Text auch nachträglich in einem anderen Office Programm wie OpenOffice oder Microsoft Word bearbeitet und fertig "designt" werden kann. Hier muss jeder selber abwegen, einen Blick ist Gobby allenfalls wert!


Info

Die Schriftart lässt sich im Menü Bearbeiten -> Einstellungen -> Reiter "Schriftart" verändern. Ein abschließender Klick auf die Schaltfläche "Anwenden" übernimmt die Schriftart für das ganze Dokument.


Schlusswort

Welchen Skalierungsfaktor das "Dual Brain System" (Zwei-Gehirn-System) in der Realität mit sich bringt, hängt wie beim Dual-Core Prozessor von der Anwendung ab. Sprich zwei Köpfe leisten nicht immer 200%, dass liegt dann aber keinesfalls am Editor (Gobby). Klar ist allerdings, zu zweit macht es mehr Spaß und es kommt meist mehr dabei raus. Wir empfehlen Ihnen einmal Gobby oder einen anderen kollaborativen Editor auszuprobieren und vielleicht auch bei ihrer Arbeit einzusetzen. Viel Spaß und produktive Momente.

Eine Liste weiterer Editoren finden Sie hier. Auch Google Docs und Spreadsheets ist eine Möglichkeit, allerdings browserbasiert und nicht wirklich Echtzeit. Einen klick ist es allerdings trotzdem Wert. Ein Google Account muss allerdings angelegt werden.