Test: Razer Stargazer 3D-Webcam

Der 3D-Scanner im Webcam-Format mit Intel RealSense Technologie

Geschrieben von Nils Waldmann am 03.10.2016.

razer-stargazer-startbild

Geld für eine separate Webcam ausgeben? Das kommt wohl den wenigstens Nutzern heutzutage in den Sinn, da aktuelle Smartphones, Tablets oder Notebooks in der Regel eine Kamera zur Videotelefonie mit an Bord haben. Mit der Razer Stargazer könnte sich diese Einstellung ändern. Wir machen den Test.

Überblick

Webcams sind seit einigen Jahren aus vielen Produkten nicht mehr wegzudenken. Was als kleiner, separater Kasten mit Kabel auf dem Bildschirm begann, ist in modernen Geräten elegant in das Gerätedesign integriert. Wer von seiner Webcam nur einfache Videobilder erwartet, der mag damit zufrieden sein. Wer von einer Webcam mehr verlangt, für den hat Razer die neue Stargazer Webcam mit Tiefenerkennung im Angebot. Der Begriff Tiefenerkennung bezieht sich dabei auf eine Technologie, die im Volksmund schlicht und einfach mit „3D“ bezeichnet wird.  Anstelle nur einer Kameralinse kann die Razer Stargazer auf ein zweites Kameramodul zurückgreifen und ist somit in der Lage räumlich aufzuzeichnen.

Lieferumfang

  • Kamera
  • hochwertiges ummanteltes USB 3.0 Kabel
  • Anleitung

Design und Verarbeitung

Die Kameratechnik der Stargazer Webcam ist in einem zylinderförmigen Gehäuse aus Aluminium untergebracht. An der Front befinden sich die Kameramodule, rückseitig gibt es Öffnungen für die Belüftung und die Audioaufzeichnung in Stereo. Seitlich an der Röhrenkonstruktion, die mit einem Gelenk an den Standfuß der Webcam gebunden ist, finden sich zwei gummierte Streifen. Mit diesen lässt sich die Kamera ganz einfach um jeweils ca. 40 Grad nach oben und unten neigen. Die Halterung an sich lässt sich abermals aufklappen und verdankt einem Scharniermechanismus ihre Vielseitigkeit. Der untere Scharnierteil ist dabei beidseitig gummiert, was für guten Halt sorgt. Zusätzlich ist hier ein ¾-Zoll-Gewinde eingelassen, was die Montage auf herkömmlichen Stativen erlaubt. Die Stargazer Webcam kann jedoch auch an den Bildschirm eines Notebooks geklemmt werden oder sie steht für sich auf  ihrem Standfuß.

Razer Stargazer Seitenansicht  Razer Stargazer Rückseite

Die Verarbeitung des Gehäuses ist gut gelungen. Die Gummierung einzelner Teile fühlt sich ebenfalls sehr hochwertig an. Insgesamt vermittelt die mattschwarze Farbgebung des Gehäuses einen edlen Eindruck. Die Hochglanzoberfläche um die Kameramodule herum setzt hierzu einen passenden Akzent.

Technik

Zur Inbetriebnahme der Kamera muss diese lediglich über die seitlich angeordnete micro-USB-3.0-Schnittstelle mit einem Computer verbunden werden, der über einen Intel Core i-Prozessor der sechsten Generation verfügt. Sollte diese Voraussetzung nicht erfüllt sein, passiert gar nichts und die Kamera verweigert die Aufnahme.

Bei der Bilderfassung und Verarbeitung greift die Razer Stargazer auf die Intel RealSense Technologie zurück. Zur dreidimensionalen Erfassung ihres Umfeldes hat die Stargazer Webcam drei Komponenten an Bord: den Farbbildsensor, das Infrarotkameramodul und einen Infrarotlichtprojektor.

Razer Stargazer Front

Der Farbkamerasensor nimmt dabei das ganz normale Videobild auf, was bei 720p mit maximal 60 fps oder bei 1080p mit 30 fps geschieht. Der Infrarotlichtprojektor sendet ein strukturiertes Lichtmuster aus, welches sich über alle Gegenstände vor der Kamera legt. Da es sich um Licht im infraroten Frequenzspektrum handelt, ist dieses Gitter für den Nutzer unsichtbar. Die einzelnen Gegenstände, die nun von der Lichtstruktur bedeckt werden, reflektieren das Infrarotlicht. Diese Reflexion wird wiederum von dem IR-Bildsensor der Stargazer Kamera aufgenommen. Je nachdem, wie weit entfernt die Gegenstände sind, ist die Intensität dieser Reflexion unterschiedlich. Daraus kann die Intel RealSense Technologie dann eine dreidimensionale Karte ihrer Umwelt erstellen: die Kamera sieht mit Tiefenschärfe oder anders ausgedrückt „in 3D“. Intel arbeitet dabei ganz ähnliche wie Microsoft bei dem schon länger bekannten Kinect System.

Anwendungsszenarien

Wer seine Frontkamera nur ab und zu für Videotelefonate oder ein Selfie nutzt, fragt sich nun zu Recht: Was genau ist jetzt der Vorteil? Im Folgenden stellen wir euch daher einige Anwendungsszenarien vor, die in diesem Umfang bisher der Intel RealSense Technologie vorbehalten sind. Dabei ist es nicht die Razer Stargazer Webcam per se, die alle Funktionalitäten bereitstellt. Die Kamera ist vielmehr ein Werkzeug, das in Zusammenspiel mit vielen verschiedenen Apps genutzt werden kann, die Intel RealSense unterstützen.

Dynamische Hintergrundentfernung

Die Razer Stargazer Webcam richtet sich in erster Linie an eine ganz spezielle Benutzergruppe, die sogenannten Game Broadcaster. Dabei geht es um das Live-Streamen von Gaming-Inhalten auf Plattformen wie beispielsweise Twitch sowie das gleichzeitige Kommentieren der erlebten Spielinhalte.

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Die Freistellung funktioniert ohne große Probleme. Lediglich starkes Gegenlicht kann die Kamera täuschen.

Dank der RealSense Technologie kann die Stargazer Kamera ganz ohne besonderes „Greenscreen“ den Hintergrund des Kommentators ausblenden. Der Kopf und Körper des Spielers wird dabei freigestellt und nahtlos in das Videobild des Spiels integriert. Dies war bisher nur mit weit aus aufwändigerer Technik zu realisieren. Die Open Broadcaster Software unterstützt diese Funktion beispielsweise bereits.

Erfassen von Gesichtern

Die Kamera ermöglicht es ebenfalls das eigene Gesicht in dreidimensionaler Form einzuscannen und auf einen virtuellen Avatar zu setzen. Auch kann das eigene Gesicht durch einen Avatar in Echtzeit getauscht werden, um das Gegenüber beispielsweise bei einem Skype-Telefonat zu belustigen.

stargazer-gesichtserkennung

Anstatt des Menschen vor der Kamera, bekommen Zuschauer einen 3D-Avatar zu sehen, der alles nachmacht. Ein nette Spielerei.

Scannen von Objekten

Mit der Stargazer Kamera ist es prinzipiell auch möglich, kleinere Objekte vor der Kamera in ein 3D-Modell umzuwandeln. Daraus ergeben sich interessante Anwendungsmöglichkeiten in Kombination mit einem 3D-Drucker.

Gestensteuerung

Durch die Tiefenschärfeerkennung kann die Stargazer Webcam außerdem mit erstaunlicher Genauigkeit auf Gesten reagieren und diese mit entsprechenden Apps in Befehle umsetzen. So lassen sich Programme teilweise zu einem großen Teil über Gesten steuern.

Fazit

Dank der Intel RealSense Technologie ist die Razer Stargazer Webcam in der Lage ihre Umwelt in drei Dimensionen wahrzunehmen. Daraus ergeben sich interessante Möglichkeiten, von denen viele aktuell aber eher noch als Spielerei angesehen werden dürfen. Am nützlichsten dürfte die Stargazer für ihren konzipierten Einsatzzweck im Bereich Game Broadcasting sein. Hier erhält die Community ein nützliches Tool, mit dem gute Ergebnisse bei der Bildfreistellung in Echtzeit erzielt werden können. Die Gestensteuerung ist je nach Anwendung eine nette Zugabe, fand bei uns im Alltag aber nicht allzu häufig Verwendung. Das ist letztendlich aber sicherlich Gewöhnungssache. Letztendlich hängt die Nutzbarkeit der Stargazer Kamera von der Verfügbarkeit entsprechender RealSense Apps ab. Sollte die Technologie in Zukunft weiteren Zuspruch von Entwicklern enthalten, stellt die Razer Stargazer eine gute Plattform zur Nutzung entsprechender Inhalte dar.
Bleibt die Frage nach dem Preis. Die Antwort darauf dürfte sicherlich einige erschrecken. Knapp 170 € ruft Razer für die 3D-Webcam bei der Vorbestellung auf. In Deutschland ist das Produkt zurzeit jedoch noch nicht verfügbar, soll aber Anfang Oktober erscheinen.

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Pro Contra
  • sehr gute Verarbeitung
  • Preis
  • vielseitiger Standfuß
  • benötigt zwingend PC mit Intel Core i Gen. 6 CPU
  • gute Videoqualität
 
   
   

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Nils Waldmann

Nils Waldmann

...ist seit über 10 Jahren bei Allround-PC.com und als Redakteur und technischer Leiter tätig. In seiner Freizeit bastelt und konstruiert Nils gerne flugfähige Modelle oder fotografiert und filmt auf Motorsportevents. Im "echten Leben" studierter Wirtschaftsingenieur und Qualitätsmanager.

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