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  #1 (permalink)  
Alt 10.01.2003, 16:27
DJM DJM ist offline
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Standard Wozu Deutsch lernen wenn eh alles egal!

Überall Fliegendreck




Wie ein Virus, warnen Wissenschaftler, grassiert in Deutschland eine neue Unsitte: Pluralbildung mit Apostroph. Pessimisten fürchten, dass bald das neue Dummdeutsch dudenreif ist.

Sagt man nun Balkons oder Balkone? Pizzas oder Pizzen? Parke oder Parks? Taxis oder Taxen? "Die Pluralbildung im Deutschen", doziert die Potsdamer Linguistin Heide Wegener, "ist nicht chaotisch, aber komplex."

Warum heißt die Mehrzahl von Buch zwar Bücher, von Hund aber keineswegs Hünder? Ganz einfach: "Auf Grund der lautgesetzlichen Auslautverhärtung führt bei Simplizia, die auf einen Obstruenten auslauten, die native Pluralbildung zur Sonorisierung des Konsonanten", erläutert die Professorin. <--- gerafft?  *oh*

Als wäre das alles nicht komplex genug, hat der deutsche Volksmund sich daran gemacht, eine bislang völlig unbekannte weitere Pluralform zu bilden.

Landauf, landab verunzieren Wörter wie "CD’s" und "Croque’s", "Kamera’s" und "Souvenir’s", "Autoradio’s" und sogar "Gyro’s" immer häufiger Anzeigen und Auslagen, Werbezettel und Fassaden von Bistros und Shops (die konsequenterweise Bistro’s und Shop’s heißen müssten).

Anfangs schien die Sprachseuche nur im Osten zu grassieren. Vor drei Jahren schlug die "Berliner Morgenpost" Alarm, es gebe in der Hauptstadt "keine Geschäftsstraße" mehr, die nicht mit Schöpfungen wie "T-Shirt’s" oder "Steak’s" dem falschen Apostroph fröne. Wenig später diagnostizierte die "Süddeutsche Zeitung", die Apostrophitis rase "wie die Schwarzen Blattern" durch die alten Länder. Mittlerweile scheint Deutschland flächendeckend infiziert, ohne Ausnahme.

Ob ein Bäcker im badischen Weinheim "Snack’s" offeriert, ein Erlanger Marktbeschicker "Bonbon’s" oder ein Hamburger Kaufmann "Handy’s" * allerorten schiebt sich das bazillenförmige Häkchen zwischen Wortstamm und -endung. "Überall schmeißen sie jetzt so einen Fliegendreck hin", wendet sich die Wiesbadener Gesellschaft für deutsche Sprache angewidert ab.

Die Pluralverhunzung ist bereits die zweite Apostrophen-Katastrophe, die Deutschlands Linguisten erschüttert. Das erste Beben war unmittelbar nach der Wiedervereinigung ausgebrochen, als, in Überanpassung an die Fast-Food-Sprache des Westens, im Osten jeder Jungunternehmer seinen neuen Imbiss "Dora’s Wurstexpress" oder "Waldemar’s Grillcorner" nannte * obwohl der Duden schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts zweifelsfrei verfügte: kein Apostroph vor dem Genitiv-S von Eigennamen.

Nach der Wende entsetzte sich die "Zeit" über die "konsequente, ja absolut vollständige Negierung des deutschen Genitivs" in den fünf neuen Ländern. Das Satire-Blatt "Titanic" veröffentlichte Frontberichte aus den "fünf Neuen Apostroph- Missbrauchsgebieten". Doch bald schon zeigte sich, dass der (angel-)sächsische Genitiv von den Sprachpflegern trotz aller Mühen "nicht zu stoppen" war, wie 1998 die Deutsche Presseagentur meldete.

Die Rechtschreib-Wächter gaben schließlich klein bei. Zur Kennzeichnung des Genitivs von Namen, heißt es mittlerweile in der "Amtlichen Regelung der deutschen Rechtschreibung", abgedruckt im neuen Duden, werde "gelegentlich" ein Apostroph gesetzt, "um die Grundform eines Personennamens" zu verdeutlichen * offizielles Musterbeispiel: "Andrea’s Blumenecke".

Nach dem stillen Rückzug der Sprachpäpste maulte der eine oder andere Feuilletonist noch über "Duden’s neues Regelwerk" ("FAZ&quot, das "Ossi’s Dummdeutsch offiziell abgesegnet" habe (Zürichs "Tages-Anzeiger&quot. Mittlerweile scheint der Genitiv-Apostroph endgültig eingebürgert * zum Verdruss von Sprachkritikern, die sich nicht damit abfinden mögen, dass die "Flut der Amerikanismen" im Deutschen "angeschwollen ist wie noch nie", so der Publizist und "Kursbuch"-Herausgeber Karl Markus Michel, und dass "pseudoweltläufiges Neusprech sich überall durchsetzt", so der Dortmunder Professor Walter Krämer, Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache und Autor einer einschlägigen Streitschrift.

Dabei handelt es sich bei dem zugewanderten Gastronomie-Genitiv nach Art von McDonald’s immerhin noch um einen echten Anglizismus * im Gegensatz zum Apostroph-s-Plural: Der ist weder in England noch in den USA erlaubt, sondern schlicht dämlich. Dennoch fürchten Pessimisten, dass auch der Deppen-Plural bald schon dudenreif sein könnte * wenn er nur, im Gefolge des legalisierten Genitiv-Häkchens, massenhaft Verbreitung findet. Damit aber muss gerechnet werden. Am leichtesten lässt sich der Vormarsch des falschen Plurals derzeit im Internet verfolgen. Die Suchmaschine AltaVista.de beispielsweise meldete, dass allein die Fehlbildungen "Info’s" und "Link’s" mittlerweile auf rund 40 000 beziehungsweise 10 000 deutschsprachigen Homepages vertreten sind.

Im Web allerdings formiert sich seit einiger Zeit Widerstand gegen die Invasion der Apostrophe. Ein sprachkundiger Eleve des Emil-von-Behring- Gymnasiums im bayerischen Spardorf, den "geradezu körperlicher Schmerz" bei der Lektüre von Wörtern wie "Tee’s" und "CD’s" befällt, rief in der Online-Schülerzeitung "diebombe.de" zum "Apostrophozid" per Edding-Stift auf: "Alle nichtexistenzberechtigten Apostrophe müssen aus dem öffentlichen Leben verschwinden!"

Ein Web-Dienstleistungsunternehmen namens www.korrekturen.de hat es zwar aufgegeben, den schier allgegenwärtigen Genitiv-Apostroph- Missbrauch anzuprangern: "Wollten wir hier alle Beispiele zitieren", schreiben die Korrektoren, "wäre der Speicherplatz unseres Servers schnell erschöpft." Umso mehr aber wollen sich die Sprachpfleger auf die "neue Tendenz" konzentrieren, "jetzt auch in Pluralformen einen markanten Apostroph zu setzen".

Front gegen diesen Trend macht seit einiger Zeit der angehende Wissenschaftshistoriker und Sprachpurist Philipp Oelwein ("mit oe wie Goethe&quot: In seiner "Apostroph-Gruselgalerie" im Internet (http://www.kapostropheum.de ) hat der 34-jährige Hamburger besonders gräusliche Beispiele gesammelt * - etwa aus der Computerbranche ("New’s of Electronic&quot.

Sein Göttinger Mitstreiter Daniel Fuchs (http://members.aol.com/apostrophs ) betreibt eine ähnliche Website mit Fundsachen wie "Pulli’s, Short’s, Top’s". Dem Sohn einer Sprachwissenschaftlerin war zumindest ein schöner Erfolg beschieden: Nachdem er den Knabberzeug-Hersteller Chio wegen eines Mais-Snacks namens "Tortilla’s" an den virtuellen Pranger gestellt hatte, taufte die Firma das Produkt in "Tortillas" um.

Dennoch sieht der 34-Jährige keinen Grund zum Optimismus, "denn es grassiert wie verrückt, es breitet sich aus". Neuester Trend: Nachdem der falsche Apostroph den Genitiv bereits gemeuchelt und den Plural verstümmelt hat, befällt er jetzt alle übrigen Wörter, die auf s enden.

In Göttingen entdeckte Fuchs die Mitteilung "Sonntag’s Brötchen", in Berlin-Marzahn fotografierte ein Freund ein Schild "Freitag’s Singelparty". In Nürnberg führt ein Laden "Spielzeug von Damal’s". Einen weiteren schweren Fall von Apostroph-Abusus meldete ein Verbündeter von der deutschen Nordseeküste: Dort gibt’s neuerdings "Matje’s und Seelach’s".

Das Nonplusultra aber entdeckten Mitstreiter in der Bettenabteilung eines Kasseler Kaufhauses: "Matratze’n."
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  #2 (permalink)  
Alt 11.01.2003, 18:20
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Beiträge: 1.031
Paul Lais eine Nachricht über ICQ schicken
Standard Re: Wozu Deutsch lernen wenn eh alles egal!

ist zwar interessant und ich habe auch ziemlich viel davon gelesen aber ich glaube dieser post ist etwas übertrieben lang!
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  #3 (permalink)  
Alt 11.01.2003, 18:39
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psychodead eine Nachricht über ICQ schicken
Standard Re: Wozu Deutsch lernen wenn eh alles egal!

Also ich halte auch nix von so langen Posts, denn gestern abend / heute morgen, es war wohl so zwei Uhr`s *g* hab ich auch erstmal direkt aufgrhört zu lesen weil es mir zu lang war, hab es jetzt aber dochmal durchgelesen und ich finde es echt nur krank was aus der deutschen Sprache gemacht wird!
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  #4 (permalink)  
Alt 12.01.2003, 01:02
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Beiträge: 163
Imrik eine Nachricht über ICQ schicken
Standard Re: Wozu Deutsch lernen wenn eh alles egal!

hmn ... sagen wir so. Wer macht sich denn die arbeit in einer e-mail oder nem icq-chat auf rechtschreibung zu achten? ich MeinE wEn sTörT eS deNN wenN icH daS hier so schreibe? also ehrlich ... ich finde das ist etwas übertrieben. blos weil menschen sich so ausdrücken heisst es noch lange nicht, dass sie verblöden... sollen sich die dreikäsehoch erst mal um unser bildungssystem und das fernsehen kümmern ... dadurch verkümmern wir eher als durch neologistische linguale neuerfindungen... denn das preferiert mich wirklich nicht! so .. genug
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  #5 (permalink)  
Alt 13.01.2003, 23:30
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Beiträge: 3
AlGladiev eine Nachricht über ICQ schicken
Standard Re: Wozu Deutsch lernen wenn eh alles egal!

@ Imrik
also in Bezug auf ICQ und EMail hast du schon recht. Da kann jeder schreiben wie er will. *dafuer*

Nur sollte in Bereichen, die die Allgemeinheit zu lesen bekommt, also eben diese Werbungsgeschichten und so, "richtiges Deutsch" benutzt werden, da sich die Verbraucher / Bürger diese Sprache aneignen, wenn sie sie täglich lesen / hören.

Doch ist es kein Wunder, dass die deutsche Sprache so verfällt, wenn die Jugend in der Schule kein vernünftiges Deutsch mehr lernt, sondern nur noch Bücher von vor hundert Jahren lesen und Gedichte von sogar über 200 Jahren interpretieren darf, die niemanden interessieren und uns auch in der Sprache (bei dem Alter) sicherlich nicht weiterbringen *kotz*
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  #6 (permalink)  
Alt 14.01.2003, 03:39
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Registriert seit: 05.02.2002
Beiträge: 775
Standard Re: Wozu Deutsch lernen wenn eh alles egal!

sorry, aber ich glaub, da siehst du etwas grundlegend falsch. denn vergleich mal die wortgewalt der damaligen werke mit der eines heutigen artikels.. die leutz damals wußten sich wenigstens noch elegant auszudrücken :P Klar, so gewisse Ausdrucksweisen sind veraltet, aber manche auch nur dadurch, dass sie unbequem geworden sind (wie beispielsweise der konjunktiv imperfekt... wer bildet ihn heute noch ohne das hilfsverb "würden"???). Lesen, und dazu zähl ich auch Werke, die vor ein paar hundert Jahren geschrieben worden sind, gehört eignetlich zu den Grundlagen der Sprache. Und dass die deutsche Sprache (selbst bei mir in diesem Post *g*) verkommt, liegt denk ich auch v.a. an der Globalisierung, immer mehr englische Einflüsse, und auch an der Vereinfachung durch z.B. die Jugend. Wobei Vereinfachung halt nicht bedeutet, dass das trotzdem noch richtig ist, man achtet halt nur nicht mehr so darauf!
Ich denke, die Sprachbildung sollte umfassender werden, denn auf sowas wird keinen Wert gelegt...
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  #7 (permalink)  
Alt 14.01.2003, 19:46
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AlGladiev eine Nachricht über ICQ schicken
Standard Re: Wozu Deutsch lernen wenn eh alles egal!

Da geb ich Dir Recht.
Aber was hilft es mir, wenn ich weiß, was Goethe mit seinem Gedicht "An den Mond" zum Ausdruck bringen will, wenn ich in einem Einstellungstest Wortpaare bilden oder in einem Text Rechtschreibfehler finden muss?
Es stimmt natürlich, dass man auch über die Geschichte (sprich die Vergangenheit) bescheid wissen muss, aber da wir in der Schule eigentlich fürs Leben lernen sollen und das nunmal in der Zukunft liegt, sollte mehr Gewicht darauf gelegt werden.
Aber im Endeffekt bleibt es jedem selber überlassen, wie er in seiner "Freizeit" schreibt. Nur wenns das Offizielle betrifft, sollte man schon "Duden-Deutsch" verwenden. (auch wenn das manchmal verwirrend und unverständlich ist)
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  #8 (permalink)  
Alt 15.01.2003, 10:14
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Beiträge: 775
Standard Re: Wozu Deutsch lernen wenn eh alles egal!

wieder falsch  ;D
weil: uns wurde beigebracht (bzw. man hätte uns beibringen sollen), wie man richtig recht-rechtschreibt und wie die Grammatik des Deutschen eignetlich auszusehen hat... Denk mal an den Deutschunterricht Klasse 5-7 zurück (an den davor kann selbst ich mcih nicht mehr erinnern  :, da haben wir noch regelmäßig Diktate (Rechtschreibung) und Grammatikarbeiten geschrieben...)
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