Samsung Galaxy S22 Ultra Vergleich: Snapdragon vs. Exynos

Wie schlägt sich der Exynos im Vergleich?

Der ewige Kampf Qualcomm Snapdragon versus Samsung Exynos geht in die nächste Runde. Bereits seit mehr als einem Jahrzehnt tobt im Android-Lager ein Kampf der beiden Chipsätze. Dabei sind sich die meisten Nutzer*innen einig, dass sich der Exynos-Chip im Vergleich zum Snapdragon-SoC nicht behaupten kann. Am Beispiel des Galaxy S22 Ultra wollen wir nun selbst den Vergleich zwischen den beiden Plattformen wagen.

Samsung pflegt seit nunmehr zwölf Jahren eine eher zweifelhafte Tradition: Seit 2010 statten die Südkoreaner die europäischen Galaxy-Smartphones mit den eigenen Exynos-Prozessoren aus. Währenddessen kommt der Großteil der Welt in den Genuss des jeweils aktuellen Snapdragon-Topmodells von Qualcomm. Dies wäre nicht weiter schlimm, wäre der Exynos nicht seit Jahren konsequent dem Snapdragon-Äquivalent unterlegen. Viele Nutzer*innen klagen über eine schlechtere Performance, eine geringere Kameraqualität sowie über eine stärkere Hitzeentwicklung.

Zumindest der diesjährige Exynos 2200 schien anfangs, insbesondere durch die RDNA2-GPU, vielversprechend. Leider wirkte die Plattform in unserem Test des Galaxy S22 Ultra nicht vollends ausgereift und stellte einen größeren Kritikpunkt dar. Entsprechend interessant ist der direkte Vergleich zur amerikanischen Snapdragon-Version des S22 Ultra. Wir konnten beide Geräte-Varianten miteinander vergleichen und uns ein eigenes Bild über die Unterschiede verschaffen.

Exynos 2200 vs. Snapdragon 8 Gen 1

BezeichnungSnapdragon 8 Gen 1Exynos 2200
FertigungsverfahrenSamsung 4 nm EUVSamsung 4 nm EUV
CPU Konfiguration1x Cortex-X2 (3.0 GHz)
3x Cortex-A710 (2,5 GHz)
4x Cortex A510 (1,8 GHz)
1x Cortex-X2 (2.8 GHz)
3x Cortex-A710 (2,5 GHz)
4x Cortex A510 (1,7 GHz)
GPUAdreno 730Xclipse 920
ArbeitsspeicherLPDDR5-6400 MHz
LPDDR5-6400MHz
5G-Modem10 GBit/s down & 3,5 GBit/s up7,35 GBit/s down & 3,67 GBit/s up

Beide Prozessoren setzen auf einen sehr ähnlichen Cluster-Aufbau, wobei der Snapdragon 8 Gen 1 im Allgemeinen eine leicht höhere Taktung aufweist. In jedem Fall kommt ein ARM-Cortex-X2, drei Cortex-A710 sowie vier stromsparende Cortex-A510-Einheiten zum Einsatz. Natürlich handelt es sich sowohl beim Snapdragon als auch bei Exynos um sehr performante Chips, die eine generell hohe Leistung bieten.

Tatsächlich ist die höhere Taktung des Qualcomm-Prozessors im Alltag bemerkbar. Die UI lässt sich insgesamt flüssiger bedienen und es kommt zu weniger Rucklern. Ebenso scheint der UFS-3.1-Speicher hier etwas flotter unterwegs zu sein, denn Apps laden und öffnen schneller als beim europäischen S22 Ultra. Dadurch liefert das amerikanische Smartphone bei normaler Nutzung ein etwas besseres Gesamtbild ab.

OneUI 4.1 auf dem S22 Ultra (Exynos)

Interessant ist zudem der Blick auf die unterschiedlichen GPUs. Während der Vorstellung des Exynos 2200 versprach Samsung mit der Xclipse-Grafikeinheit eine neue Ära des mobilen Gamings. Hier hätten sich die Südkoreaner wohl etwas zurückhalten sollen, denn die GPU schafft es nicht, mit der Adreno 720 des Qualcomm-SoC mitzuhalten. Diese liefert in Spielen eine durchschnittlich höhere Framerate ab und kann sich klar von der RDNA2-GPU absetzen.

SoC (Smartphone)Geekbench - SingleGeekbench - Multi
Exynos 2200 (Samsung Galaxy S22 Ultra)1.173 Punkte3.601 Punkte
Snapdragon 8 Gen 1 (Samsung Galaxy S22 Ultra)1.239 Punkte3.517 Punkte
Snapdragon 8 Gen 1 (OnePlus 10 Pro)1.252 Punkte3.360 Punkte
Google Tensor (Pixel 6 Pro)1.036 Punkte2.957 Punkte
Snapdragon 888 (Oppo Find X5)1.115 Punkte3.392 Punkte
Snapdragon 870 (Vivo X60 Pro, 12/265 GB)1.026 Punkte3.472 Punkte

Auch in den meisten Benchmarks muss sich die europäische Version in unseren Benchmarks geschlagen geben. Im 3DMark Wild Life Extreme Stress Test erreicht der Snapdragon 8 Gen 1 im Schnitt 23 Prozent höhere Werte als der Exynos. Im Wild Life Benchmark werden sogar über 2.000 Punkte mehr erreicht (6.860 vs. 8.768 Punkte), was einem Vorsprung von respektablen 28 Prozent entspricht. Einzig im Geekbench Multicore Test kann sich der Exynos 2200 leicht absetzen.

Ebenfalls spannend ist der kurze Exkurs zu einem weiteren aktuellen Prozessor von Qualcomm: dem Snapdragon 8+ Gen 1. Dieser kommt seit Neuestem im Asus ROG Phone 6 Pro zum Einsatz und zeigt, welches Potenzial in den SoCs steckt. Es kommt der gleiche Chip-Aufbau zum Einsatz, wobei eine alternative Fertigung genutzt wird. Das Vier-Nanometer-Verfahren von TSMC ermöglicht dabei leicht höhere Taktraten sowie eine geringere Leistungsaufnahme gegenüber Samsungs Vier-Nanometer-Verfahren, auf dem der normale Snapdragon 8 Gen 1 basiert. Die bessere Effizienz sorgt für kühlere Temperaturen, wodurch die Performance auf einem hohen Level gehalten werden kann.

SoC (Smartphone)3D Mark Wild Life Extreme Stress Test3D Mark Wild Life ExtremePCMark Work 3.0
Snapdragon 8+ Gen 1(Asus ROG Phone 6 Pro)min. 2.767 Punkte
max. 2.793 Punkte
2.772 Punkte18.070 Punkte
Snapdragon 8 Gen 1 (Samsung Galaxy S22 Ultra)min. 1.086 Punkte
max. 2.448 Punkte
2.199 Punkte15.028 Punkte
Exynos 2200 (Samsung Galaxy S22 Ultra)min. 1.139 Punkte
max. 2.028 Punkte
1.942 Punkte14.873 Punkte
Snapdragon 8 Gen 1 (Oppo Find X5 Pro)min. 1.167 Punkte
max. 2.504 Punkte
2.577 Punkte16.982 Punkte
Exynos 2100 (Samsung Galaxy S21 Ultra)min. 1.172 Punkte
max. 1.804 Punkte
1.797 Punkte13.746 Punkte

Kamera: Verschiedene Bildprozessoren verzerren das Bild

Zunächst sei gesagt, dass beide Smartphones schöne sowie detailverliebte Bilder erstellen. Immerhin gehört das Kamerasystem des Galaxy S22 Ultra mit zu den besten und vielfältigsten auf dem Markt. Trotz allem lassen sich einige Abweichungen ausmachen. Grund hierfür sind die verschiedenen Bildprozessoren der Chips.

Im direkten Vergleich fällt auf, dass die Bilder vom Snapdragon-Smartphone deutlich kontrastreicher ausfallen. Das Grün der Wiese ist deutlich intensiver und das Bild wirkt dynamischer. Tatsächlich sind die meisten Unterschiede bei der Farbwiedergabe ausfindig zu machen. So driftet etwa der Farbton der Skulptur beim Qualcomm-Smartphone ein wenig ins Rötliche ab. Währenddessen wirken die Bilder des Exynos-Geräts ein Stück weit entsättigt sowie weniger scharf.

Mit steigender Zoomstufe nehmen die Diskrepanzen zwischen den Geräten allerdings ab und werden eher unauffällig. De facto macht das Exynos-Handy hier die leicht schärferen Aufnahmen, wodurch in der Ferne mehr Details erhalten bleiben. Persönlich empfinde ich die Bilder der Snapdragon-Version des S22 Ultra jedoch im Allgemeinen schöner sowie lebendiger.

Akku und Temperaturen

Erfreulicherweise lassen sich bei der Akkulaufzeit keine größeren Unterschiede ausfindig machen. In jedem Fall liefert Samsung eine sehr solide Laufzeit ab, sodass man mit einer Ladung bei normaler Nutzung gut durch den Tag kommt. Bestätigt wird dieses Ergebnis durch den Akkutest von PCMark bei dem beide Modelle einen recht ähnlichen Wert erreichen. Der Snapdragon schafft hier eine Laufzeit von 8 Stunden und 16 Minuten, während der Exynos überraschenderweise knapp 30 Minuten länger durchhält (8 Stunden und 44 Minuten). 

Bei der Nutzung der Geräte fällt auf, dass beide SoCs mit Hitzeproblemen zu kämpfen haben. Sobald die Smartphones einer intensiven Belastung ausgesetzt sind, werden diese spürbar warm. Es sei jedoch anzumerken, dass sich die Geräte dabei kaum unterscheiden. Letztlich sorgt die Hitzeentwicklung bei längerer Nutzung für Performance-Einbußen, da die Prozessoren niedriger takten müssen. Dies zeigt sich insbesondere im 3D Mark Wild Life Extreme Stress Test, wo die Leistungswerte nach einigen Durchläufen enorm einbrechen.

Fazit

Der Snapdragon 8 Gen 1 ist im Alltag der leicht schnellere Chip, wodurch das amerikanische Galaxy S22 Ultra das bessere Gesamtpaket bietet. Allerdings ist der Unterschied zum Exynos nicht so stark wie befürchtet. Beide Smartphones sind sehr performant und zumindest das europäische Ultra konnte zuletzt stark von den jüngsten Updates profitieren.

Leider wirken die Resultate der Kamera so, als wären sie auf völlig verschiedenen Geräten entstanden. Trotz eigentlich gleicher Sensoren sind die Ergebnisse aufgrund der Bildprozessoren teils sehr unterschiedlich. Solche regionalen Unterschiede dürften bei einem High-End-Smartphone schlicht nicht vorkommen.

Letztlich wäre es wünschenswert, dass Samsung zukünftig auf einheitliche Prozessoren in ihren Flaggschiffen setzt. Eventuell dürfte dieser Wunsch im nächsten Jahr mit der Galaxy S23-Serie in Erfüllung gehen, denn scheinbar werden die Südkoreaner den Snapdragon 8 Gen 2 auch nach Europa bringen. Hierbei handelt es sich jedoch lediglich um ein Gerücht, welches in ähnlicher Art schon beim Galaxy S22 existent war. Entsprechend sind solche Leaks mit Vorsicht zu genießen.

Spannend hinsichtlich der Performance dürfte zudem One UI 5.0 werden. Laut aktuellen Gerüchten wird der Hersteller die Software stark überarbeiten und deutlich leistungsfähiger gestalten. Unter anderem sollen neue, verbesserte Animationen Einzug in die Oberfläche erhalten. Das und weitere Neuerungen dürften für eine bessere Performance bei neuen und alten Geräten sorgen.


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Arian Krasniqi …ist seit 2021 Teil des Teams und befasst sich vor allem mit Hardware-Komponenten sowie mit weiteren technischen Neuheiten. Auch aktuelle Spiele auf PC und Konsole gehören zu seiner Leidenschaft. Neben der Arbeit studiert Arian an der RWTH Aachen Umweltingenieurswissenschaften.

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