Thermaltake View 300 MX im Test: Gehäuse mit zwei Gesichtern

Kann das schneeweiße Case überzeugen?
Thermaltake

Auf der Thermaltake Expo 2022 hat der taiwanesische Hersteller einige neue Produkte vorgestellt. Unter anderem war das Thermaltake View 300 MX Snow Teil dieser Präsentation. Das Gehäuse ist allerdings mehr als nur ein klassischer Midi-Tower: Mit wenigen Handgriffen lässt sich die Optik auf der Front verändern. Wir haben uns das weiße Modell einmal genauer für euch angeschaut.

Mit dem View 300 MX bietet Thermaltake derzeit ein modulares Gehäuse im ATX-Formfaktor an. Eine Besonderheit ist die auswechselbare Front, mit der ihr das Design des Midi-Towers anpassen könnt. Aktuell bekommt ihr das View 300 MX ab etwa 210 Euro, Thermaltake bietet es sowohl in Schwarz als auch in der Farbe „Snow“ an.

Midi-Tower mit zwei Front-Designs

Beim View 300 MX gilt ganz klar das Motto „Nomen est omen“: Ein Großteil des Midi-Towers wird durch großzügige Glasflächen durchbrochen, wodurch ein ungehinderter Blick ins Innere möglich ist. Zumindest auf der Front wird das Glas durch Mesh umgeben, durch das etwas Frischluft ins Innere gelangt. Wer einen besseren Airflow bevorzugt, kann alternativ die luftdurchlässige Front installieren. Mit ihren gestanzten TT-Logos hebt sich diese deutlich vom typischen Mesh-Design ab. Ein Staubfilter fehlt hier allerdings.

Im eingeschalteten Zustand schimmert das Licht der RGB-Lüfter sanft durch die gestanzte Front hindurch. Damit entsteht ein interessanter Look, der sich von den meisten Gehäusen absetzt. Optisch hebt sich das Case deutlich von den bisherigen Modellen der View-Serie ab. Statt auf klare Kanten setzt man hier auf mehrere Abschrägungen. Weiterhin überzeugt das I/O-Panel mit einer modernen Ausstattung. Unter anderem stehen ein USB 3.2 Gen 2 Typ-C, 2x USB 3.0 und 1x HD-Audio-Anschluss zu Verfügung. Dazu gibt es eine integrierte RGB-Steuerung.

Das gesamte Gehäuse besteht aus Stahl, wenngleich einzelne Kunststoffelemente zum Einsatz kommen. Insgesamt wirkt das Gehäuse von außen hochwertig verarbeitet, sodass keine größeren Spaltmaße oder scharfe Kanten auffallen. Etwas anders sieht es im Inneren aus, da Thermaltake hier teilweise auf dünnes Blech setzt. Insbesondere die Steifigkeit des Festplatten-Käfigs lässt zu wünschen übrig. In unserem Fall war die Halterung bereits „out of the box“ leicht verbogen.

Innenraum

Zwar handelt es sich beim View 300 MX um einen ATX-Tower, trotzdem bietet der Innenraum genügend Platz für eine größere E-ATX-Platine. Allgemein ist der Einbau von großen Komponenten möglich, womit etwa Grafikkarten mit einer Länge von bis zu 440 mm verbaut werden können. CPU-Kühler dürfen immerhin bis zu 175 mm hoch sein. Eine Besonderheit ist zudem die Modularität, dank der sich die GPU sogar vertikal verbauen lässt. Hierzu lassen sich alle sieben Erweiterungsslots um 90 Grad drehen. Ein dann nötiges Riserkabel ist nicht inkludiert.

Für Speicherlaufwerke stehen diverse Optionen zur Verfügung. Im Fokus steht der HDD-Käfig, in dem ihr zwei 3,5″-Festplatten unterbringen könnt. Für 2,5″-SSDs stehen insgesamt vier Halterungen zur Verfügung, zwei davon im Innenraum, die anderen beiden auch der Rückseite des Mainboard-Trays.

Zahlen & Fakten

Etwas unschön ist die Positionierung des HDD-Käfigs, der leider nicht von der Netzteilabdeckung versteckt wird. Dadurch wird das ansonsten moderne, einheitliche Bild des Gehäuses ein wenig gestört. Zudem sind die beiden Einschübe nicht entkoppelt, was in diesem Preisbereich etwas verwundert. Immerhin kann die Festplatten-Halterung genau wie die Netzteilabdeckung entfernt werden.

Der Platz zwischen Mainboard-Tray und Seitenwand könnte etwas breiter ausfallen. Sobald mehrere Kabelstränge übereinander verlaufen, lässt sich die Seitenwand nur mühsam schließen. Außerdem befindet sich auf der Rückseite ein RGB-Hub, an dem die vorinstallierten Lüfter angeschlossen sind. Ungünstigerweise verfügt der Verteiler hauptsächlich über Hersteller-eigene Anschlüsse. Zumindest ein normaler 4-Pin-PWM-Connector lässt sich hier finden.

Kühlung

Im Auslieferungszustand sind bereits drei RGB-Lüfter vorinstalliert, wobei zwei besonders ins Auge fallen. Thermaltake hat sich dazu entschieden, in der Front zwei 200-mm-Lüfter zu verbauen, welche mit bis zu 1.000 RPM arbeiten. Hinten befindet sich ein weiterer 120-mm-Lüfter mit maximal 1.500 RPM.

Lüfter-Optionen

Die Beleuchtung kann über das I/O-Panel oder über die jeweilige Mainboard-Software angepasst werden. Letztlich finden bis zu zehn 120-mm-Lüfter im View 300 MX Platz. Alternativ kann man maximal drei 360-mm-Radiatoren verbauen, wodurch der Einsatz eines leistungsstarken Custom-Loops möglich wird.

Praxistest

Für den Praxistest haben wir unser aktuelles Gehäuse-Testsystem in das Thermaltake View 300 MX Snow eingebaut, das auf dem AMD Ryzen 7 5800X basiert. Kombiniert wird der Prozessor mit einem MSI MEG X570S Ace Max und einem Arctic Freezer A35 ARGB (Test). Dazu gesellt sich eine MSI RTX 3080 Gaming X Trio sowie 16 GB Patriot Viper RGB DDR4-4133 Arbeitsspeicher.

Hardware-Installation

Unser Testsystem ließ sich ausgesprochen schnell und problemlos im View 300 MX unterbringen. Positiv hervorzuheben ist die Anzahl an Kabeldurchführungen sowie deren Positionierung. Erfreulicherweise sind die gummierten Durchführungen so ausgelegt, dass der 24-Pin-ATX-Anschluss anstandslos hindurchpasst.

Weniger komfortabel ist wiederum der Einbau des Netzteils. Hierfür muss zunächst die gesamte Netzteilabdeckung entfernt werden. Dies hätte man in diesem Preisbereich definitiv eleganter lösen können, beispielsweise durch die Einführung von hinten oder der Seite. Zudem sind die Thumbscrews der beiden Seitenteile nicht so gestaltet, dass sie nach dem Herausschrauben am jeweiligen Paneel dranbleiben – und somit schnell herunterfallen.

Temperaturen

Um das System unter Volllast zu setzen, haben wir zeitgleich Prime95 (Small FFTs) und Furmark (4K, 4x MSAA) laufen lassen. Hierbei stiegen die Temperaturen des Prozessors auf etwa 89 °C, wobei ein Takt von durchschnittlich 4,2 GHz anlag. Die Grafikkarte erreichte im Durchschnitt 73 °C. Damit liegen die Temperaturen in einem vertretbaren respektive guten Bereich.

Mit der Mesh-Front zeigen sich zumindest im Leerlauf keine nennenswerten Unterschiede. Beim Cinebench r23 wird jedoch deutlich, dass die Frontlüfter mehr Frischluft ansaugen können und die CPU daher ca. 5 °C kälter agieren kann. Bei der Kombination von Prime95 und Furmark gibt es hingegen nur bei der GPU eine leichte Verbesserung von 2 °C.

Lautstärke

Zumindest im Leerlauf macht das Gehäuse in Sachen Lautstärke eine gute Figur. Sobald aber Last anliegt, machen die Lüfter schnell auf sich aufmerksam. Dabei fallen die 200-mm-Lüfter in der Front mit am stärksten auf. Dennoch rückt die Lautstärke in keinen unangenehmen oder „nervigen“ Bereich vor. Sobald Kopfhörer mit ins Spiel kommen, fällt der PC ohnehin nicht weiter auf.

Fazit

Thermaltake bietet mit dem View 300 MX Snow ohne Frage ein schickes Gehäuse an. Die großen Temperglas-Fenster sorgen für eine schöne Zurschaustellung der beleuchteten Hardware. Dadurch eignet sich das Gehäuse, wie auch das Thermaltake Core P3 TG Pro (Test), besonders als kompakteres Show-Gehäuse. Dank der austauschbaren Fronten und dem hohen Grad der Modularität kann das Case einfach an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Darüber hinaus verfügt es über ein modernes I/O-Panel mitsamt USB 3.2 Gen 2 Typ-C.

Eine nette Ergänzung ist auch der integrierte RGB-Hub, der jedoch nur nützlich ist, wenn Thermaltake Lüfter verbaut sind. In diesem Preisbereich wäre die Verwendung eines standardisierten Hubs angebracht – sowohl für Lüfter- als auch ARGB-Anschlüsse. Ebenfalls ernüchternd ist die Materialwahl im Inneren. Das dünne Blech des HDD-Käfigs trübt das Gesamtbild, trotz der ansonsten hochwertigen Verarbeitung. Derzeit wechselt das Gehäuse für etwa 210-220 Euro den Besitzer.

Pro

  • modulares Design
  • Platz für große Hardware
  • weitestgehend hochwertige Verarbeitung
  • moderne Optik
  • integrierte RGB-Steuerung
  • zwei mitgelieferte Fronten

Contra

  • hoher Preis
  • mangelnde Steifigkeit des HDD-Käfigs
  • keine Entkopplung für HDDs

Arian Krasniqi

…ist seit 2021 Teil des Teams und befasst sich vor allem mit Hardware-Komponenten sowie mit weiteren technischen Neuheiten. Auch aktuelle Spiele auf PC und Konsole gehören zu seiner Leidenschaft. Neben der Arbeit studiert Arian an der RWTH Aachen Architektur.

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