Ankers Soundcore Liberty Air 2 Pro haben nicht nur einen langen Namen, sondern auch eine lange Liste an Highlight-Features. Trotz Extras wie ANC und Wireless Charging sind die TWS-Kopfhörer günstiger als die Konkurrenz. Ob die In-Ears überzeugen können, klären wir im Test.

Übersicht

Anker-Kopfhörer galten bereits vor einigen Jahren als Geheimtipp auf dem Markt und mittlerweile können sich die In-Ears mit den Klassenbesten messen. Die Soundcore Liberty Air 2 Pro sind die neuesten True-Wireless-Earbuds. Wie der Name der Kopfhörer bereits andeutet, sind sie eine Mischung aus den Liberty Air 2 und Liberty 2 Pro aus 2019. Anker wirbt mit aktiver Geräuschunterdrückung, langen Akkulaufzeiten, universellem Tragekomfort und einem sehr guten Klang, der sich individuell abstimmen lässt.

Seit dem 12. Januar 2021 sind sie für 129,99 Euro in den Farben Onyx (Schwarz), Titanweiß, Saphirblau und Rosenquarz erhältlich. Innerhalb der ersten 48 Stunden nach Marktstart ließ sich per Rabattcode ein Preis von 99,99 Euro realisieren. Damit finden sich die neuen In-Ears in einer stark umkämpften Klasse wieder. Konkurrenten sind beispielsweise die Huawei FreeBuds Pro (Test), Libratone Track Air+, Oppo Enco X (Test), Jabra Elite Active 75t, Samsung Galaxy Buds+ und Ankers eigene Liberty 2 Pro.

Lieferumfang

  • Liberty Air 2 Pro
  • Etui mit integriertem Akku
  • Ladekabel (USB-A → USB-C, 60 cm)
  • Silikonaufsätze (acht Paare im Karton, ein Paar auf den Ohrhörern)
  • Schnellstartanleitung

Design

Das Etui ist wie ein abgerundetes Quadrat geformt und weist eine samtig matte Oberfläche aus Kunststoff auf. Hinsichtlich der Dimensionen ist es ziemlich im Mittelfeld angesiedelt, also ist es weder besonders groß noch besonders kompakt. Der hinten befindliche USB-C-Anschluss ist türkis gefärbt, allerdings bei allen Farbvarianten. Daneben gibt es eine universelle Taste, durch die sich der Akkustatus anzeigen, die Kopfhörer zurücksetzen oder der Paring-Modus erzwingen lässt.

Eine kleine Lippe ist auf der Oberseite unter dem Soundcore-Logo vorhanden und bietet Halt beim Aufschieben des Deckels. Der Schiebemechanismus ist zufriedenstellend und ähnelt jenem der Liberty 2 Pro – deren Etui ist im Vergleich wesentlich rundlicher. Die Haptik des Etuis kann überzeugen, denn es ist zwar nicht das edelste, aber wirkt trotzdem wertig, robust und durchdacht.

Beide Ohrhörer sind einhändig entnehmbar, was bei der Konkurrenz nicht immer der Fall ist. Sie weisen die AirPods-typische Stielform auf, ähnlich wie bei den Liberty Air 2. Auf der Oberseite der Ohrhörer ist je eine weiße, unauffällige LED vorhanden. Sie liegen leicht angewinkelt in den Ohren, sodass der Stiel zum Mund des Trägers zeigt. Anker hat auf Bügel verzichtet, die sich in oder um die Ohrmuschel haken und liefert die In-Ears stattdessen mit neun Paaren verschiedener Silikonaufsätze aus. Standardmäßig ist die Größe M befestigt, doch von XXXS bis XL ist theoretisch für jedes Ohr etwas Passendes dabei.

Tragekomfort

Ankers Earbuds halten durch die Silikonaufsätze sicher im Gehörgang, üben aber durch die mangelnden Bügel keinen spürbaren Druck aus. Dies sorgt für einen erstklassigen Tragekomfort, der auch nach zahlreichen Stunden am Stück nicht nachlässt.

Die True-Wireless-Kopfhörer sind dadurch in Kombination mit ihrem geringen Gewicht angenehm unauffällig in den Ohren. Nach dem Finden der richtigen Größe und bei korrektem Eindrehen fielen sie im Test selbst bei starkem Kopfschütteln nicht aus den Ohren oder lockerten sich. So viel Halt bieten nur sehr wenige In-Ears ohne Verwendung von Bügeln oder Aufsätzen aus Memory-Schaum. Zugegebenermaßen war das Durchprobieren durch alle Aufsatzpaare jedoch nötig, um die optimale Kombination zu finden. Anker empfiehlt die Liberty Air 2 Pro nicht für das Fitnessstudio, sondern nur die Liberty 2 Pro (Test). Beide sind zwar nach IPX4 vor Spritzwasser geschützt, und die Liberty Air 2 Pro fallen auch beim Überziehen eines Pullovers nicht raus, aber wir würden sie nicht unbedingt zum Sport tragen.

Akkulaufzeit

In den Ohrhörern steckt jeweils ein Akku mit 55 Milliamperestunden, der laut Anker mit aktiviertem ANC für bis zu sechs Stunden Laufzeit sorgen soll. Das Etui beinhaltet einen 500-Milliamperestunden-Akku, welcher Anker zufolge für eine Gesamtlaufzeit mit ANC von 21 Stunden sorgt. Durchschnittlich hielten die Kopfhörer im Test circa fünf Stunden am Stück durch. Dies gilt sowohl für die Musikwiedergabe mit ANC bei 60-prozentiger Lautstärke als auch für Discord-Meetings, bei denen die Mikrofone dauerhaft aktiv sind.

Das Etui lud die In-Ears im Testzeitraum dreimal wieder vollständig auf und hatte immer noch etwas Restenergie übrig. In knapp eineinhalb Stunden lässt sich das Etui per USB-C wieder komplett aufladen. Alternativ ist auch induktives Laden per Qi-Standard möglich, was allerdings länger dauert. Letzteres erweist sich besonders dann als nützliche Eigenschaft, wenn das eigene Smartphone Reverse Wireless Charging unterstützt oder sich am Schreibtisch ohnehin eine Qi-Ladepad befindet.

Bedienung & Software

Die Bedienung der Kopfhörer lässt sich in der zugehörigen Soundcore-App anpassen. Doppeltippen und zweisekündiges Gedrückthalten wird an Eingaben unterstützt, einzelnes Tippen oder gar Wischgesten wiederum nicht. Beide Eingabeoptionen reagierten im Test nicht immer und das Wechseln der Modi ANC, Transparenz und Normal erfolgt mit undefinierbaren Tönen anstatt per Sprachansage. Die Berührungssensoren sind zudem nicht allzu sensibel, weshalb wir immer etwas stärker als gewohnt Tippen oder Drücken mussten – nicht sonderlich angenehm für die Ohren. Insgesamt geht dies bei vielen Konkurrenten besser vonstatten. Die aktuellste Firmware zum Testzeitpunkt war die Version 3.54.

Anker kann hingegen bei der App deutlich punkten, da neben der Steuerung auch der Equalizer und die Umgebungsmodi anpassbar sind. Wie etwa bei den Liberty 2 Pro stehen 22 Klangprofile zur Auswahl, die sich zusätzlich personalisieren lassen. Zudem gibt es mit HearID einen Hörtest, der eine passende Klangkurve erstellt, und anschließend lässt sich diese noch mit den anderen Klangprofilen auf Wunsch kombinieren. Acht Regler zwischen 100 Hertz und 12,8 Kilohertz lassen sich beliebig verschieben.

Bei den Umgebungsmodi stehen Geräuschunterdrückung (ANC), Transparenzmodus und Normal (passive Geräuschunterdrückung) zur Auswahl. Der Transparenzmodus kann auf vollständige Transparenz oder Fokus auf Stimmen eingestellt werden. Bei der aktiven Geräuschunterdrückung stehen die Modi Verkehr, Indoor, Outdoor und Benutzerdefiniert zur Auswahl.

Die In-Ears agieren unabhängig voneinander, also lässt sich sowohl der linke als auch der rechte Ohrhörer einzeln nutzen. Ab und zu wollte sich der linke Ohrhörer im Test aber nicht verbinden, wenn beide aus dem Etui entnommen wurden. Zudem funktionierte die Bedienung nicht mehr, wenn wir die Soundcore Liberty Air 2 Pro per Bluetooth mit einem Windows-PC koppelten. Etwas schade ist zudem, dass sie kein Multi-Pairing unterstützen. Wollten wir im Test etwa vom Windows-PC zurück zum Smartphone wechseln, mussten wir die Kopfhörer für die erneute Kopplung erst ins Etui legen und wieder herausnehmen.

Klangqualität & Noise Cancelling

In den Ohrhörern stecken Elf-Millimeter-Treiber mit Nanobeschichtung, die ein Frequenzspektrum von 20 Hertz bis 20 Kilohertz abdecken. Sie funken mit Bluetooth 5.0 und per SBC oder AAC, aber nicht mit aptX-Codec. Die Reichweite gibt der Hersteller mit zehn Metern an, doch wir hatten im Test auch bei mehr als 20 Metern Entfernung und durch mehrere Wände keine Verbindungsprobleme. Sechs integrierte Mikrofone sorgen für eine beidseitig klare Gesprächsqualität, die wesentlich besser als etwa bei den Jabra Elite Active 75t ist.

Die generelle Klangqualität ist insgesamt gut, aber nicht unbedingt besser im Vergleich zur ähnlich teuren Konkurrenz (Samsung, Jabra). Ein Vorteil sind hier die Anpassungsmöglichkeiten der App, mit denen sich der Klang gemäß den eigenen Vorlieben feintunen lässt. Das werksseitige Klangprofil namens Soundcore Signature klingt ausgewogen, aber nicht zu neutral. HearID sorgte im Test für scheppernde Höhen, weshalb wir stattdessen meist ein angepasstes Rock-Profil nutzten. Vermutlich bieten die Liberty 2 Pro noch etwas mehr Dynamik, da diese eine koaxiale Treiberarchitektur aufweisen. Die verwandte Konkurrenz bietet allerdings kein ANC und keinen Transparenzmodus.

Die aktive Geräuschunterdrückung der Liberty Air 2 Pro kann für In-Ears überwiegend überzeugen und mindert Verkehrslärm sowie konstante Geräusche wie Notebook-Lüfter deutlich. Stimmen sind mit ANC nur noch gedämpft hörbar und sobald zusätzlich Musik läuft verschwinden Umgebungsgeräusche quasi komplett.

Ohne abspielende Musik fiel jedoch ein dauerhaftes leises Summen beim linken Ohrhörer auf und Windgeräusche sind weiterhin der Erzfeind von ANC-Kopfhörern. Bauartbedingt genügt oftmals auch schon die passive Geräuschunterdrückung, zumal der Klang dann subjektiv am besten ist. Der Transparenzmodus ist in Ordnung, Stimmen klingen aber bei den AirPods Pro noch wesentlich klarer. Um Leute zu verstehen, muss selbst mit aktiviertem Transparenzmodus die Musikwiedergabe pausiert werden. Alternativ pausieren die In-Ears automatisch die Wiedergabe beim Herausnehmen aus den Ohren. Ab einem Lautstärkeniveau von circa 70 Prozent ist Musik auch für Sitznachbarn leicht hörbar.

Preisvergleich

Fazit

Die Soundcore Liberty Air 2 Pro bieten zusammengefasst ein gutes Gesamtpaket ohne gravierende Kritikpunkte. Kann man auf eine der Eigenschaften wie ANC oder Wireless Charging jedoch verzichten, kommt man bei einigen Konkurrenten sogar etwas günstiger davon. Modelle der Wettbewerber sind preislich und technisch oft nur einen Steinwurf entfernt, aber Anker ist immerhin für häufige Angebote bekannt. Zum Testzeitpunkt sind Liberty Air 2 Pro nur bei Amazon* verfügbar.

So oder so solltet ihr sie zumindest in die engere Auswahl nehmen, wenn ihr gehobene TWS-Kopfhörer mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis sucht. Besonders beim Tragekomfort und der Akkulaufzeit können die In-Ears punkten, und auch die zahlreichen Equalizer-Optionen sind positiv hervorzuheben. Weniger gefallen haben die Bedienung und das fehlende Multi-Pairing. Ersteres könnte Anker eventuell noch mit Firmware-Updates optimieren. Die Geräuschmodi sind solide Extras, jedoch nicht makellos.

Pro

  • sehr personalisierbarer, guter Klang
  • unauffällig bequem auch nach stundenlangem Tragen
  • kompakt trotz langer Akkulaufzeiten
  • brauchbares ANC und praktisches Wireless Charging

Contra

  • verbesserungswürdige Bedienung
  • Gerätewechsel umständlich und kein Multi-Pairing
  • ANC ohne Musik und Transparenzmodus noch nicht auf Spitzenniveau

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