Der Soundcore Life Q35 ist ein verhältnismäßig günstiger Over-Ear-Kopfhörer mit ANC und löst den Preis-Leistungs-Geheimtipp namens Soundcore Life Q30 ab. Anker setzt auf Detailverbesserungen und verlangt dafür 130 Euro. Lohnt sich der Aufpreis? Wir haben beide Modelle im Test verglichen.

Übersicht

Anker veröffentlichte den Soundcore Life Q35 Ende April 2021 für 129,99 Euro*. Rund ein halbes Jahr zuvor, im Oktober 2020, startete der Soundcore Life Q30 für anfänglich 59,99 und regulär 79,99 Euro. Zum Testzeitpunkt ist das Q30-Modell ab knapp 64 Euro* verfügbar. Bereits der Soundcore Life Q20 (Test) aus 2019 pendelte sich bei 60 Euro ein, daher stellt sich beim neuen Modell die Frage, ob es weiterhin ein Schnäppchen ist.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Life Q35 ein Zwischenmodell darstellt und nur wenige Unterschiede gegenüber dem Vorgänger aufweist. Dennoch ordnet sich der ohrumschließende Anker-Kopfhörer im unteren Preissegment des ANC-Marktes ein – durch die Preissteigerung ist der Life Q35 nur nicht mehr meilenweit vom Namensvetter Bose QC 35 II* oder Sennheisers PXC 550-II für je 180 Euro entfernt.

Lieferumfang

  • Soundcore Life Q35
  • Reiseetui
  • USB-C-Kabel
  • 3,5-Millimeter-Klinkenkabel
  • Flugzeugadapter

Design und Tragekomfort

Optisch hat sich gegenüber dem Life Q30 (Test) auf den ersten Blick nur die Farbe geändert, denn das neue Kopfhörer-Modell ist in Blau anstatt Schwarz gehalten. Das Soundcore-Logo und der Aufdruck “Active Noise Cancelling” sind ebenfalls nicht mehr kupferfarben, sondern silbern.

Erst im Direktvergleich machen sich noch zwei weitere Unterschiede bemerkbar. Die Ohrpolster sind merklich rauer, beim Tragen fällt dies allerdings nicht auf. Sie wirken zudem geringfügig tiefer als zuvor, denn die Ohren haben gefühlt etwas mehr Platz. Eindeutig spürbar ist, dass Anker beim gepolsterten Kopfbügel weniger Aluminium und mehr Kunststoff einsetzt. Die Oberfläche fühlt sich dort weniger wertig und gleichzeitig fragiler an. Behutsam muss der Kopfhörer deshalb nicht behandelt werden, für den Aufpreis hätten wir aber mehr erwartet.

Die Tasten an den Ohrmuscheln sitzen weiterhin nicht bombenfest, wackeln allerdings auch nicht dramatisch. Einige Konkurrenzmodelle in dieser Preisklasse bieten ein intuitives Touch-Bedienfeld, wovon der Soundcore Life Q35 sicherlich profitiert hätte – man kann in diesem Segment zwar nicht alles haben, aber beim nächsten Modell wäre eine Touch-Steuerung wirklich fällig. Die genannten Punkte sind Meckern auf hohem Niveau, bei solch ähnlichen und zugleich stark unterschiedlich bepreisten Modellen schauen wir allerdings genauer hin.

Eine Verbesserung stellt das matte Finish des neuen Kopfhörers dar, wodurch Fingerabdrücke weniger sichtbar haften bleiben. Des Weiteren fällt das Reiseetui kompakter und rundlicher aus. Es fühlt sich etwas wertiger und unverändert robust an, jedoch fehlt innen nun die Tasche für Kabel, sodass dafür stattdessen ein kleiner Beutel mitgeliefert wird. Übrigens ist im Gegensatz zum Life Q30 ein Flugzeugadapter enthalten, ein gern gesehenes Extra.

Beide Kopfhörer wiegen rund 265 Gramm und sind zum Großteil aus Kunststoff gefertigt. Die Verarbeitung ist besonders in Anbetracht der Preise gut, nur eben nicht ganz auf dem Niveau teurerer Konkurrenzprodukte. Das Design betrachten wir weiterhin als modern und schlicht. Übrigens hat sich die Position der drei Mikrofone verändert, doch mehr zur Sprachqualität später. Der Life Q35 bietet wie das Vorgängermodell eine hohe Flexibilität und lässt sich für den Transport zusammenklappen. Außerdem sind die Ohrmuscheln um 90 Grad drehbar, um den Kopfhörer schnell um den Hals zu legen.

Beim Tragekomfort muss sich der Anker-Neuling nicht vor Branchengrößen verstecken. Der verstellbare Bügel ändert seine Größenposition auch bei ruckartigem Abnehmen des Kopfhörers nicht und der Anpressdruck ist gerade richtig. Die Polsterungen leisten gute Arbeit, denn selbst nach mehreren Musikalben drückt der Life Q35 nicht unangenehm auf den Kopf oder die Ohren. Auf Dauer wird es in den Ohrmuscheln warm, allerdings nicht mehr als bei Konkurrenten.

Akkulaufzeit

Die Akkulaufzeit des neuen Modells beträgt unverändert 40 Stunden mit Geräuschunterdrückung beziehungsweise 60 Stunden ohne. Diese offiziellen Werte hat Anker bei 60-prozentiger Lautstärke gemessen. Wir haben die Akkuladung im Testzeitraum nur etwa zur Hälfte verbrauchen können und schätzen die Herstellerangaben als realistisch ein. Unseren Erfahrungen mit anderen Anker-Audio-Produkten zufolge sind die Angaben für gewöhnlich sehr genau. Ohnehin überbietet der Soundcore Life Q35 die Konkurrenz in diesem Punkt deutlich. Die Bose-Bestseller halten beispielsweise nur halb so lange durch und auch die Alternativen von Sony und Sennheiser schaffen höchstens 30 Stunden mit Geräuschunterdrückung.

Der Ladevorgang erfolgt via USB-C-Kabel und dauert maximal zwei Stunden. Nur fünf Minuten am Ladekabel genügen laut Hersteller, um wieder für vier Stunden Musik zu hören. Leider gibt es keine genaue Möglichkeit, die verbleibende Akkuladung auszulesen. Beim Starten ertönt lediglich eine kurze Ansage (“battery high/medium/low”) und in der App ist ein Akkusymbol ohne Prozentwert vorhanden. Mit solch langen Akkulaufzeiten solltet ihr euch allerdings sowieso keine Gedanken darüber machen. Selbst Pendler dürften wochenlang ohne Aufladen der Kopfhörer auskommen. Beim Laden lässt sich dieser aber nicht einschalten, doch mit leerem Akku kann man per Klinkenkabel (inklusive Mikrofon und Steuerung) weiterhin Musik hören.

Bedienung und Software

Wie bereits erwähnt hat Anker die Bedienelemente der Life Q30 übernommen. Außen am rechten Ohrhörer befindet sich neben dem Klinkenanschluss eine kleine Start-Stopp-Taste, dazu gesellen sich noch zwei Tasten für die Lautstärkeeinstellung. Durch einsekündiges Drücken der Plus- oder Minus-Taste lässt sich zum nächsten oder vorherigen Lied springen. Legt man kurz die Handfläche auf den rechten Ohrhörer, schalten die Life Q35 den Transparenzmodus an oder aus. An der linken Seite sitzen der USB-C-Anschluss, die Power-Taste und die Modus-Taste.

Mit Ersterer kann der Kopfhörer nicht nur ein- oder ausgeschaltet, sondern auch wieder in den Pairing-Modus versetzt werden, denn zwei Geräte lassen sich per Bluetooth 5.0 gleichzeitig verbinden. Beim ersten Start läuft der Pairing-Modus automatisch und zur Kopplung gibt es alternativ noch NFC im Ohrhörer – einfach mit der Rückseite eines NFC-Smartphones berühren und fertig. Die Modus-Taste dient zum Wechseln zwischen passiver Geräuschunterdruckung (“Normal”), Transparenzmodus und aktiver Geräuschunterdrückung (“Noise Cancelling”). Genau wie beim Vorgänger ist die Steuerung aufgrund der kaum unterscheidbaren Tasten nicht sonderlich intuitiv, jedoch gewöhnt man sich nach einiger Zeit daran. Einen großen Vorteil des Life Q35 im Vergleich zum Q30-Modell stellt die integrierte Trageerkennung dar. Beim Ablegen pausiert die Musik automatisch und fährt beim Aufsetzen wieder fort – wirklich praktisch. Im Test funktionierte dies zufriedenstellend, aber die Musik stoppte nicht immer. Mittels eines Firmware-Updates könnte der Hersteller bei der Trageerkennung noch Feintuning betreiben.

Ebenfalls ein Pluspunkt des Kopfhörers ist die Soundcore-App, die in erster Linie viel Freiraum beim Anpassen des Klangprofils bietet. Obendrein enthält sie auch einen Ambient-Sound-Generator für Einschlafgeräusche und neuerdings einen LÜM genannten Musik-Streamingdienst, ganz kostenlos und ohne Anmeldung. Insgesamt 22 Klangprofile (Equalizer) stehen in der App zur Auswahl und auf Wunsch lässt sich über acht Regler sogar eine eigene Klangkurve erstellen. Hinsichtlich der Geräuschunterdrückung gibt es die drei ANC-Modi Indoor, Outdoor und Verkehr. Die Trageerkennung ist optional deaktivierbar und für die Steuerung hat die Soundcore-App zudem kurzerhand stets eine Anleitung parat. Während des Testzeitraums war die aktuellste Firmware-Version 01.11 installiert.

Eigenschaften

Der Over-Ear-Kopfhörer hat eine Zertifizierung für Hi-Res Audio Wireless, während der Vorgänger ein Hi-Res-Zertifikat nur für den kabelgebundenen Einsatz bietet. Das Q35-Modell beherrscht nämlich nicht mehr nur die Bluetooth-Codecs SBC und AAC, sondern auch LDAC. Dieser von Sony entwickelte Codec erlaubt eine deutlich höhere Datenrate von bis zu 990 Kilobit pro Sekunde, 32-Bit-Samplingtiefe und eine Abtastrate von 96 Kilohertz. Nur sehr wenige Kopfhörer auf dem Markt bieten derzeit eine LDAC-Unterstützung.

Bluetooth-CodecDatenrateAbtastrateSamplingtiefe
AAC250 kbit/s48 kHz16 Bit
SBC345 kbit/s48 kHz16 Bit
aptX354 kbit/s48 kHz16 Bit
aptX HD576 kbit/s48 kHz24 Bit
LDAC990 kbit/s (adaptiv)96 kHz32 Bit

Abseits der verbesserten Codec-Unterstützung verbleiben die Audio-Spezifikationen des Life Q35 und Life Q30 identisch. Es sind zwei 40-Millimeter-Treiber verbaut, die im Bluetooth-Betrieb einen Frequenzbereich von 20 Hertz bis 20 Kilohertz abdecken, kabelgebunden sind es 16 Hertz bis 40 Kilohertz. Zum Schutz des Gehörs hat Anker die Lautstärke auf maximal 95 Dezibel begrenzt, was auf jeden Fall mehr als genug ist. In der Regel genügte uns die 50-prozentige Lautstärke des Kopfhörers, 100 Prozent waren schon nach wenigen Sekunden unangenehm für die Ohren.

Die Reichweite beträgt dem Datenblatt zufolge weiterhin 15 Meter, in der Praxis konnten wir das sogar um ein paar Meter übertreffen – es kommt natürlich auch etwas auf die Hindernisse zwischen Smartphone und Kopfhörer an. Vereinzelt nahmen wir beim Testen kurze Knackgeräusche mit Ankers Life Q35 war, wohingegen diese beim Vorgängermodell nicht auftraten. Vermutlich hängt das mit LDAC zusammen, allerdings ließ sich nicht feststellen, ob das ein generelles Manko der Kopfhörer ist oder eher mit dem Endgerät zusammenhängt. Für einen ernsthaften Kritikpunkt trat das Knacken zu sporadisch auf, aber es sei hiermit zumindest erwähnt.

Klangqualität und Noise Cancelling

Ist LDAC aber tatsächlich in der Praxis der ausschlaggebende Unterschied? Wir haben stundenlang die gleichen Lieder mit den beiden Life-Modellen gehört und dabei auf Unterschiede geachtet. Sowohl Playlisten von Spotify Premium als auch eigene FLAC-Alben liefen während des Vergleichs. Direkt machte sich bemerkbar, dass der Life Q35 ab Werk viel basslastiger ist. Der Vorgänger ist werksseitig zwar ebenfalls nicht gerade neutral eingestellt, aber dennoch im normalen Modus ausgeglichener.

Hörbare Klangunterschiede beim Wechsel vom normalen Modus zum ANC-Modus gab es schon beim Life Q30, sie sind neuerdings jedoch betonter. Ohne Geräuschunterdrückung wummert der Bass stark, mit ANC glättet sich die Klangkurve wesentlich. Wer regelmäßig die Geräuschunterdrückung ein- und ausschaltet, dürfte diese Klangprofil-Wechsel als nervig empfinden – die Equalizer in der App können diesbezüglich nur bedingt helfen, denn mangels adaptiver Regelung muss das Profil stets manuell gewechselt werden. Eine Alternative wäre, einige Klangprofile per Schnellzugriff auf die Tasten zu legen, aber es ist unwahrscheinlich, dass Anker das umsetzt. Im Testzeitraum wechselten wir durch diesen Umstand regelmäßig zwischen dem Standard-Profil (Soundcore Signature), Bass Reducer sowie dem Rock-Profil hin und her.

Generell weiß der Sound des Soundcore Life Q35 mit Geräuschunterdrückung und Standard-Profil trotzdem zu gefallen. Die Höhen klingen nicht überspitzt und die Dynamik ist für den Preis wirklich gut. Selbst bei Liedern mit viel Bass und bei hoher Lautstärke verzerrt der Kopfhörer nicht. Abseits der Bass-Thematik fällt ein Klangunterschied zwischen beiden Modellen nicht zwingend beim ersten Hörtest auf. Der Unterschied ist so gering, dass wir einen Placeboeffekt nicht ausschließen können. Gefühlt klingen einzelne Instrumente mit dem Life Q35 etwas detailreicher und die Klangbühne wirkt breiter.

Die aktive Geräuschunterdrückung ist sehr gut und reduziert Außengeräusche auf ein Minimum. Spätestens wenn Musik bei 50-prozentiger Lautstärke dazu spielt, hört man nichts mehr von der Umgebung. Den Transparenzmodus empfinden wir ebenfalls als in Ordnung, er hebt sich qualitativ allerdings nicht von der breiten Masse ab. Das Druckgefühl auf den Ohren im ANC-Modus ist gestiegen und nun circa wie bei Bose-Kopfhörern. Einige dürften dies auf Dauer als unangenehm empfinden, jedoch scheint die Geräuschunterdrückung zugleich ein wenig effektiver geworden zu sein.

Wie schlagen sich beide Kopfhörer bei Telefonaten? Exzellent jedenfalls nicht, aber immerhin akzeptabel. Der Life Q30 überträgt die eigene Stimme leicht blechern und sie klingt weiter entfernt, während sie beim Life Q35 komprimierter ist und Worte aufgrund der Geräuschunterdrückung teils abgehackt werden. Nebengeräusche filtern die Mikrofone des neuen Modells aber besser heraus.

Fazit

Der Soundcore Life Q35* ist insgesamt gut und durchaus empfehlenswert, die Preis-Leistungs-Krone bleibt jedoch beim fast identischen und deutlich günstigeren Vorgänger. Anker hat feine Verbesserungen am Design vorgenommen und die lang ersehnte Trageerkennung integriert. Die LDAC-Unterstützung ließ vorab auf ein Klang-Upgrade hoffen, eine nennenswerte Veränderung blieb aber aus.

Weiterhin punktet der Over-Ear-Kopfhörer mit langen Akkulaufzeiten und vielen Klangprofilanpassungen in der App. Wer sich nicht am extremen Bass im Normalbetrieb stört, bekommt hier überzeugenden Sound für einen fairen Preis. Selbst im Vergleich zu den bis zu dreimal so teuren Marktführern hält der Life Q35 gut mit. Aktuell kostet das neue Modell nur eben rund doppelt so viel wie der Life Q30* und die geringfügigen Unterschiede rechtfertigen diesen Aufpreis aus unserer Sicht nicht – der Hersteller ist allerdings für regelmäßige Angebote bekannt. Für 100 Euro oder weniger würden wir zum Life Q35 greifen, aber wer unbedingt die Trageerkennung haben möchte, kann bereits jetzt schon bedenkenlos den Kopfhörer kaufen. Er ist zwar kein absolutes Schnäppchen mehr, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt trotzdem.

Kopfhörer
Allround-PC.com
05/2021
Anker Soundcore Life Q35
Empfehlung

Pro

  • hoher Tragekomfort und integrierte Trageerkennung
  • gutes ANC und überzeugender Klang
  • lange Akkulaufzeiten
  • Klangprofil personalisierbar

Contra

  • Mikrofonqualität weiterhin mittelmäßig
  • LDAC bietet keinen nennenswerten Mehrwert
  • starker Aufpreis für geringfügige Veränderungen
  • Bedienung könnte intuitiver sein

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