Test: Razer Kraken V3 HyperSense – Gaming-Headset für Einzelgänger

Haptisches Audio-Feedback für mehr Immersion
Razer  / 
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Technische Daten

Modell
Razer Kraken V3 HyperSense
Typ
Overear Gaming-Headset
Impendanz32 Ohm
Material
Polster: Memory Foam mit Kunstleder-Stoff-Bezug; Bügel: Metall
Frequenzbereich
20 Hz - 20 kHz
Treiber50 mm
Schnittstelle
USB-A
Mikrofon
Unidirektional, abnehmbar
Mikrofon Frequenzbereich100 Hz - 10 kHz
Besonderheiten
haptisches Vibrations-Feedback per HyperSense-Technologie, Razer Chroma RGB-Beleuchtung
Gewicht335 Gramm
Preis
139,99 Euro (UVP)

Das Razer Kraken V3 HyperSense soll mit haptischen Bässen ein neues Level an Immersion erreichen. Wir haben getestet, ob die überarbeiteten HyperSense-Treiber einen Mehrwert bieten oder reines Gimmick bleiben.

Übersicht

Haptische Bässe gehören womöglich nicht unbedingt zu den Must-Have-Features, die sich jeder Spieler wünschen würde. Gerade im professionellen eSport-Bereich gilt es in der Regel, jede noch so kleine Ablenkung zu minimieren. Dass reaktive, vibrierende Kopfhörer eher ein Nischen-Produkt sind, muss also nicht lange erklärt werden. Dennoch gibt es immer wieder Gaming-Headsets namhafter Hersteller, die mit einem solchen Gimmick mehr Immersion im Spiel versprechen.

Ein wenig übertrieben dargestellt, aber so in etwa fällt die durchschnittliche Erstreaktion auf den maximalen Vibrationsmodus des Kraken V3 HyperSense aus (Bild: Razer)

Razer selbst gehört mit dem Nari Ultimate zu den Pionieren dieser Technologie und auch das Corsair H60 Haptic bietet vibrierende Bässe. In beiden Fällen war die Technologie eher eine nette Dreingabe und wirkte nach einer gewissen Nutzungsdauer schnell ermüdend. Razer will die HyperSense-Funktion nun verfeinert haben, sodass Vibrationen besser die Richtung und Stärke von Explosionen und Co. wiedergeben. Per Tastendruck kann die Intensität in drei Stufen angepasst oder gleich ganz abgeschaltet werden.

Die Kraken V3-Serie besteht aus drei Modellen: Das Razer Kraken V3 Pro ist als kabelloses Flaggschiff-Modell mit allen neuen Features ausgestattet. Das hier getestete V3 HyperSense bietet den gleichen Funktionsumfang bei kabelgebundener Nutzung, während das Kraken V3 als günstigstes Modell ohne HyperSense-Technologie auskommt – ansonsten aber in Sachen Design, Komfort und Klangqualität keine Kompromisse eingehen soll.

Design & Verarbeitung

In die Entwicklung der Kraken V3-Serie sollen Elemente dreier Headset-Serien von Razer eingeflossen sein. So geht das Konzept der vibrierenden Ohrmuscheln auf die Razer Nari-Serie zurück, die 50-mm-TriForce-Audiotreiber stammen von den eSport-Headsets der BlackShark-Reihe. Das Gesamtdesign bleibt jedoch der ursprünglichen Kraken-Serie weitgehend treu, wenn man von einigen kleinen Änderungen absieht.

Das Kraken V3 ist nun ein wenig schlanker und leichter, zudem liegen das Razer-Logo und die LEDs neuerdings hinter einer glänzenden Abdeckung. Der gesamte Bügel ist aus Metall gefertigt, die Ohrmuscheln dagegen aus Kunststoff. Mit einem Gewicht von rund 335 Gramm liegt das Gaming-Headset angenehm leicht auf dem Kopf auf und schlackert bei schnellen Bewegungen nicht umher.

Die Ohrpolster sind aus einem „Hybrid-Stoff“, konkret handelt es sich dabei um weiche Kunstleder-Polster mit einer Stoffinnenseite. Unter diesen werden die Ohren zwar schnell warm, durch die Stoffflächen wird es allerdings nicht allzu schwitzig unter den Ohrmuscheln. Praktisch: Die Ohrpolster können abgenommen und bei Bedarf ausgewechselt werden. Auch die großflächige Memory-Schaumstoff-Polsterung des Kopfbandes liegt sehr angenehm auf, insgesamt kann das Kraken V3 mit einem hohen Tragekomfort glänzen.

Wie viele aktuelle Headsets und Kopfhörer trägt auch das Razer Kraken V3 sämtliche Tasten direkt am Gerät. Allzu viel zum Herumdrücken gibt es da allerdings auch nicht: Die linke Ohrmuschel ist neben dem Kabelausgang mit einem kleinen Knopf zum Stummschalten des Mikrofons, einem Klinkenanschluss zum Anschließen desselben und einem gerasterten Lautstärkerad versehen.

Auf der gegenüberliegenden Seite gibt es gar nur eine einzelne Taste, die jedoch umso mehr Aufmerksamkeit verdient. Denn anstelle einer reinen Software-Steuerung kann die HyperSense-Funktion vollständig über diesen kleinen Knopf an der Ohrmuschel bedient werden. Doch mehr dazu im folgenden Kapitel. Auch die dezente Razer Chroma RGB-Beleuchtung an den Außenseiten der Ohrmuscheln lässt sich über diesen HyperSense-Knopf anpassen. Durch Halten der Taste wird der aktive Leuchteffekt gewechselt.

Eigenschaften & Klangqualität

Das Razer Kraken V3 HyperSense Gaming-Headset ist mit PlayStation und Nintendo Switch kompatibel, allerdings dürfte das für PC völlig ausreichende, nicht austauschbare 2-Meter-Kabel an Konsolen ein wenig zu kurz ausfallen. Am PC entfaltet das Kraken V3 zudem erst sein volles Potenzial: Denn auch wenn Lautstärke, HyperSense und sogar voreingestellte RGB-Effekte per Knopfdruck am Gerät angepasst werden können, bietet die Razer Synapse Software einen deutlichen Mehrwert.

Der größte Software-Vorteil ist ein Equalizer mit zehn anpassbaren Frequenzbändern und Voreinstellungen für Spiel, Film und Musik. Interessanterweise gibt es sogar für das abnehmbare Mikrofon einen solchen 10-Band-Equalizer. Mit diesem lässt sich der – wie für solche Ansteck-Mikrofone üblich – eher mittelmäßige Klang deutlich aufpolieren. Weitere Abhilfe gibt es in Form von optional einschaltbarem Voice Gate, Lautstärkenormalisierung oder Umgebungsgeräuschunterdrückung.

Auch ein anpassbarer Mithörton lässt sich dazuschalten, was besonders dann hilfreich sein kann, wenn sich die Mitbewohner oder Nachbarn regelmäßig über eure unbewusste Sprechlautstärke beim Zocken beschweren. Die Sprachqualität des Mikrofons kann natürlich keinem hochwertigen Standmikrofon das Wasser reichen, bietet durch diese Software-Optionen aber sehr vielseitige Einsatzmöglichkeiten.

Das Kraken V3 kann standardmäßig mit einem satten, aber ausgeglichenen Klang überzeugen. Wer mit seinem Gaming-Headset gerne auch mal Musik hören möchte, sollte für mehr Detailreichtum jedoch unbedingt den Equalizer für ein wenig Feintuning der Höhen verwenden. Mit THX Spatial Audio, anpassbaren Raumklang-Modi und der Vibrations-Funktion ist das V3 HyperSense schlussendlich deutlich auf den Gaming-Gebrauch ausgelegt.

HyperSense: Interessant für Singleplayer, irritierend bei Voice Chat und Musik

Die HyperSense-Funktion funktioniert grundsätzlich ohne zusätzliche Software, ein simpler Knopf an der Ohrmuschel passt die Intensität der Vibrationen an oder schaltet die Funktion auch ganz ab. Wenn uns das haptische Feedback im Spiel zu viel wird, müssen wir also nicht erst umständlich aus dem Spiel in die Software wechseln. Denn bereits nach kurzem Antesten des Features wird klar: Die HyperSense-Funktion ist auch in überarbeiteter Form nicht „jedermanns Sache„.

Anders als die Vibrationen eines Controllers, wird das haptische Feedback des Kraken V3 HyperSense nicht durch eine entsprechende Programmierung im Spiel, sondern allein durch entsprechende Frequenzbereiche beeinflusst. Als Auslöser können also gleichermaßen tiefe Bässe im Soundtrack wie donnernde Explosionen, Schüsse und Co. fungieren.

Wer sich vom haptischen Feedback spürbare Bässe beim Musikhören erhofft, kommt nur bedingt auf seine Kosten: Auf höchster Stufe massieren uns die Ohrmuscheln etwa beim Soundtrack von Doom Eternal eindrucksvoll die Schläfen, allerdings wollen die Vibrationen nicht so ganz zum Takt passen. Trotz gleichbleibendem Beat werden diese mit unterschiedlich starker Intensität ausgelöst, wenn beispielsweise die Bass Drum gerade von anderen Instrumenten überlagert wird.

Auch gesellige Spieler, die vor allem gemeinsam mit Freunden über Discord oder Teamspeak zocken, werden HyperSense schnell links liegen lassen. Stimmen von Teamkollegen lösen schon auf niedrigster Stufe irritierende Vibrationen aus und klingen eigenartig verstellt. Auch wenn haptisch wummernde Ausraster unserer Teamkollegen einer gewissen Komik nicht entbehren, ist das Squad-Zusammenspiel ohne Vibrationen deutlich zielführender.

Im Voice Chat stören die Vibrationen eher, weil sie schon auf niedrigster Stufe durch die Stimmen unserer Mitspieler ausgelöst werden

Spaß machen kann die HyperSense-Funktion dennoch, und zwar besonders, wenn wir uns alleine auf die Reise machen. Zwar machen auch vibrierendes Lichtschwert-Gefuchtel und Blaster-Schüsse in einer actionreichen Runde Start Wars Battlefront 2 ordentlich Laune. Die Technologie wurde deutlich überarbeitet und kann haptisches Feedback von Explosionen, Schüssen und Schritten differenziert darstellen, abhängig von Stärke und Entfernung der Quelle. Doch HyperSense wirkt hier schnell ermüdend, weil zu viel gleichzeitig passiert und die haptischen Treiber einfach keine Ruhe geben. Nach kurzer Zeit werden die Vibrationen zu anstrengend und maximal auf die niedrigste Stufe heruntergedreht.

Ganz anders sieht es in Einzelspieler-Titeln mit Story-Fokus aus: Spiele wie The Witcher 3, Skyrim oder Red Dead Redemption 2 erreichen bei maßvoll eingesetzter HyperSense-Funktion eine neue Stufe der Immersion. Im vollen Gallopp donnern die Hufe nicht nur akustisch, sondern auch spürbar über den Waldboden, feindliche Angriffe zerschellen druckvoll an unserem Quen-Schutzzauber und auch einzelne Revolverschüsse oder Fausthiebe bieten sich ideal für derlei Spielereien an. Zwar werden auch einige Dialoge merkwürdig verzerrt, doch mit einem schnellen Herunterschalten der Intensität können wir diesen Störfaktor in Zwischensequenzen per Tastendruck gering halten.

Fazit

Das Razer Kraken V3 HyperSense sollte keineswegs auf die namensstiftende Vibrations-Funktion reduziert werden. In einigen atmosphärischen Einzelspieler-Titeln machen die haptischen Bässe durchaus Spaß und lassen sich durch drei Intensitätsstufen auch gut bändigen. Unterm Strich bleibt HyperSense aber eine Spielerei mit kleinem Anwendungsbereich, die bei längerer Nutzung anstrengend und beim Voice Chat mit Freunden oder Musikhören unangemessen wirken kann.

Doch auch wer die HyperSense-Vibrationen vielleicht nur einmal im Monat einschaltet, wird seinen Spaß mit dem Kraken V3 haben. Die Audiotreiber liefern auch ohne haptische Bässe sehr guten und immersiven Spiel-Sound, der sich per Equalizer und THX-Raumklang ganz auf die eigenen Bedürfnisse anpassen lässt. Die Mikrofonqualität haut anspruchsvolle Nutzer*innen womöglich nicht vom Hocker, lässt sich aber dank umfangreicher Software-Optionen an verschiedenste Situationen anpassen und leistet insgesamt gute Dienste.

Der Preis von 139,99 Euro* (UVP) ist kein Schnäppchen, geht aber angesichts der gebotenen Qualität und Funktionen in Ordnung. Wer auf das HyperSense-Feature vollständig verzichten kann, greift zum 30 Euro günstigeren Standard-Modell der Kraken V3-Serie*. Erhältlich ist das Kraken V3 HyperSense auch bei MediaMarkt* und Saturn*.

Headsets
Allround-PC.com Award
12/2021
Razer Kraken V3 HyperSense
Empfehlung

Pro

  • hochwertige Verarbeitung
  • hoher Tragekomfort
  • sehr gute Klangqualität
  • vielfältige Sound- und Mikrofon-Anpassungen per Software
  • spaßige und regulierbare HyperSense-Vibrationen

Contra

  • Vibrationen wirken gerade bei Stimmen befremdlich

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Robin Cromberg ... studiert Asienwissenschaften und Chinesisch an der Universität Bonn und ist als Redakteur hauptsächlich für die Ressorts Notebooks, Monitore und Audiogeräte bei Allround-PC.com zuständig, schreibt aber auch über Produktneuheiten aus vielen anderen Bereichen.

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