Die ROG Cetra Open Wireless klingen schlechter als mein Gaming-Headset und auch ihre Mikrofone übertragen meine Stimme schlechter als mein Gaming-Headset. Dennoch habe ich meine vetrauten Kopfhörer in den letzten Wochen nur allzu gerne abgesetzt, um mit den neuen Open-Ear-Kopfhörern von Asus im Feierabend zu zocken. Woran das liegt und was die „offenen“ Kopfhörer so besonders macht, erfahrt ihr im Test.
Mindestens seit den ersten LAN-Partys gehören ohrumschließende Gaming-Headsets zum klassischen Bild eines “Gaming-Setups”. Inzwischen setzen jedoch immer mehr Spielerinnen und Spieler auf In-Ears – sei es im Fall von Streamern, um plattgedrückte Kopfhörer-Haare vor der Kamera zu vermeiden oder einfach den Komfort freier, belüfteter Ohren zu genießen.
Open-Ear-Kopfhörer: Was steckt dahinter?
Gleichzeitig warnen HNO-Ärztinnen und -Ärzte seit Jahren vor hohen Lautstärkepegeln und den Risiken, die das ständige Tragen von In-Ear-Kopfhörern birgt. Genau hier setzt das noch recht junge Konzept von Open-Ear-Kopfhörern an: Die Ohren bleiben belüftet und die Umgebung weiterhin gut wahrnehmbar, was im Alltag ein Plus an Sicherheit bringt.
Auch ich persönlich finde es auf Dauer anstrengend, im Voicechat gegen die abschirmende Wirkung von Kopfhörern anzuschreien – dieser Test ist also auch eine Premiere für mich, der seit fast 20 Jahren auf klassische Gaming-Headsets vertraut und noch keine Berührungspunkte mit Open-Ears hatte. Kollege Leo hat hingegen bereits ein paar Modelle von Shokz und Soundcore getestet (allerdings ohne Gaming-Fokus).
Damit die neuen ROG Cetra Open Wireless auch für Gaming taugen, setzt Asus auf eine stabile Verbindung per USB-C-Dongle mit latenzarmer SpeedNova-Technologie. Die neuen Open-Ears sind nicht zu verwechseln mit den ROG Cetra True Wireless, bei denen bereits ein ähnlicher Dongle zum Einsatz kam.
Pro & Contra: Asus ROG Cetra Open Wireless
Pro
- langanhaltender Tragekomfort durch Open-Ear-Design
- sicherer Sitz
- Offenes Klangbild
- USB-C-Dongle mit Passthrough
- Dual-Mode-Verbindung mit BT und 2,4 GHz
- Wasserschutz nach IPX5
- Gearlink App & Web-App
Contra
- Ladecase wirkt billig
- eingeschränkter Klangbereich
- USB-C-Dongle kann andere Anschlüsse blockieren
Design & Tragekomfort
Optisch sind die Asus ROG Cetra Open Wireless nicht gerade zierlich, fallen aber kompakter aus als vergleichbare Open-Ear-Modelle wie etwa die Soundcore AeroFit Pro. Dank IPX5-Zertifizierung sind sie zudem wassergeschützt, was für Schweiß und Regen völlig ausreicht – unter die Dusche solltet ihr sie aber lieber nicht mitnehmen.
Das Ladecase wirkt hingegen mit seinem sehr leichten, nicht sonderlich hochwertigen Kunststoff etwas weniger wertig als wir es von Asus kennen und ist recht anfällig für Fingerabdrücke. Zudem ist das Case im Gegensatz zu den Kopfhörern nicht wasserdicht. Allerdings findet hier auch der USB-C-Dongle für die latenzarme SpeedNova-Verbindung Platz (doch dazu gleich mehr).

Angenehmer zu Tragen als anfangs gedacht!
Was zunächst ungewohnt aussieht, hat aber klare Vorteile: Der offenere Sitz sorgt im Alltag beispielsweise für mehr Sicherheit, da ihr eure Umgebung besser wahrnehmt. Für mich als Open-Ear-Neuling war der Sitz auf dem Tragus extrem fremdartig, aber nach einer Weile spüre ich den Kopfhörer kaum noch.
Zudem bin ich positiv überrascht, wie gut der Sound trotzdem durchkommt. Spätestens beim Voicechat mit Freunden begeistert mich das offene Konzept, da ich hier längere Gesprächen weniger anstrengend finde und bei einem abschirmenden Headset einen Mithörton einschalten würde.
Anstelle von Touch-Bedienung gibt es auf beiden Ohrhörern jeweils eine physische Taste, was sich als clevere Entscheidung herausstellt, da die locker aufliegenden Kopfhörer beim Antippen sonst verrutschen würden – trotz Ohrbügels, der die ROG Cetra mit einem Gegengewicht und hautfreundlicher, rutschsicherer Gummibeschichtung ansonsten sicher an Ort und Stelle hält.
Der Halt bewährt sich im Alltag und würde auch zum Joggen taugen, selbst bei übertriebenen Kopfbewegungen gehen die Earbuds nicht flöten. Dem Lieferumfang liegt zusätzlich ein abnehmbares Nackenband für extra Stabilität bei.
Gaming-Funktionen: Bluetooth oder SpeedNova
Wie für dieses Kopfhörerformat wenig überraschend, werden die ROG Cetra rein kabellos angeschlossen. Weniger üblich ist die Wahl zwischen Bluetooth 6.0 und ROG SpeedNova 2,4-GHz-Wireless per USB-Empfänger für latenzfreies Gaming. Per Dual-Mode-Konnektivität können beide Verbindungen gleichzeitig aufgebaut werden, allerdings gibt es keine simultane Wiedergabe beider Quellgeräte wie etwa beim ROG Delta II (Test) – ihr müsst euch also zwischen Bluetooth-Stream und Spielsound entscheiden.
Der USB-C-Dongle steht wenige Zentimeter zur Seite ab und kann so, je nach deren Ausrichtung, andere Anschlüsse verdecken. Kompensiert wird dieser Umstand durch USB-C-Passthrough, denn das verlängerte Stück beherbergt einen weiteren USB-C-Eingang. Praktisch ist das etwa am Smartphone oder bei Handhelds wie Steam Deck sowie ROG Ally, wo ihr trotz angeschlossener Kopfhörer weiterhin laden könnt.
Steuerung über GearLink (per App & Web-App)
Asus relativ neue Gearlink-Weblösung wird zur Konfiguration und Steuerung der vielen Features genutzt und funktioniert ohne Download oder Installation. Für den vollen Funktionsumfang empfiehlt sich aber das optionale „Companion“-Downloadpaket. Das ist bei anderen Asus-Geräten oft nur ergänzend (z. B. für Makros, die auf Sysemfunktionen zugreifen wollen), fügt bei den ROG Cetra aber nahezu die Hälfte aller Funktionen hinzu.
Zu den so freigeschalteten Features zählt unter anderem der „Immersion Mode“, eine Noise-Cancelling-Funktion, die Hintergrundgeräusche für konzentrierteres Hören reduziert, aber mit dauerhaftem, leichtem Grundrauschen einhergeht (das ist bei Musik oder Gamesound aber kaum hörbar). Dazu gibt es noch „Phantom Bass“, um tiefere Frequenzen besser wahrnehmen zu können – sozusagen ein Bass-Boost.

Wer möchte, kann GearLink allerdings auch als App nutzen (verfügbar für Android & iOS), um dort Einstellungen vorzunehmen, die Beleuchtung anzupassen oder den Sound etwas zu tunen – praktisch, wenn ihr unterwegs seid. Die Akkulaufzeit mit einer Ladung beträgt offiziell bis zu 16 Stunden, in der Praxis eher etwas weniger. Über das Ladecase sind laut Hersteller insgesamt bis zu 64 Stunden möglich.
Klangqualität
Die 14,2-mm-Treiber mit „diamantähnlicher“ Carbon-Membran liefern objektiv und erwartungsgemäß schlechteren Sound als die meisten ohrumschließenden Gaming-Headsets – es klingt immer ein bisschen, als saßen die Hörer nicht richtig und der Sound dringe nicht voll an die Ohren. Trotzdem hat mich der Klang der ROG Cetra Open Wireless positiv überrascht: Insbesondere Stimmen gefallen mir gut, sowohl bei Musik als auch Ingame-Dialogen klingen sie klar und voluminös.
Solange das Klangbild reduziert bleibt – etwa mit einzelnen Instrumenten oder ruhigen Passagen – wirken die Details ausgewogen und stimmig. Kommen jedoch mehrere Instrumente gleichzeitig ins Spiel, wie bei volleren Rock-Songs, gerät die Wiedergabe schnell an ihre Grenzen: Das Klangbild wird chaotisch und komprimiert, Instrumente gehen ineinander über, der Raumeindruck nimmt deutlich ab.

Auch die räumliche Abbildung stößt bei Spiele- oder Filmsoundtracks an Grenzen – in einer Runde The Witcher 3 klingen die ROG Cetra beengt, Bässe rutschen eher in ein Rumpeln ab, statt den wuchtigen Punch zu bieten, den man erwarten würde. Die „Phantom Bass“-Funktion wirkt der inhärenten Bassschwäche des Open-Ear-Designs nur mäßig entgegen, der Unterschied bleibt sehr subtil.
Insgesamt klingen sie weniger gedrängt als andere Open-Ear-Vertreter, wie die Soundcore AeroFit Pro, aber eben auch nicht perfekt. Das ist dann schlussendlich der Kompromiss, den ihr für den offenen, luftigen Sitz hinnehmen müsst.
Fazit: Open-Ears zum Zocken?
Die ROG Cetra Open Wireless sind eine spannende Alternative für alle, die eine Pause von ihren Gaming-Headsets suchen und nicht auf Lautsprechersysteme zurückgreifen können. Mit ihrem Open-Ear-Design sitzen die Earbuds auch über längere Zeit bequem und bieten sowohl beim Gaming als auch im Alltag luftig-leichten Komfort ohne Anstrengung oder Einschränkungen.
Mit den praktischen Vorteilen des Designs gehen allerdings auch unausweichliche Kompromisse einher: Musikgenuss kommt vor allem mit Songs auf, bei denen der Gesang im Vordergrund steht – bei dichter arrangierten Stücken mit breiter Klangbühne, beispielsweise orchestralen Spiel-Soundtracks, geraten die ROG Cetra hingegen hörbar an ihre Grenzen.
Praktische Features wie die Verbindungsoptionen von Bluetooth und einem praktischen USB-C-Dongle mit Passthrough sowie (wahlweise browserbasierter) App-Steuerung und anpassbarer Tastensteuerung runden den praktischen Nutzen ab. Das Mikrofon ist für simple Anrufe ausreichend und verstärkt den Eindruck, dass Asus hier mehr Wert auf Vielseitigkeit als auf die geballten Gaming-Qualitäten eines klassischen Headsets legt.
Mit einem Asus-typisch etwas höher angesetzten Preis von knapp 210 Euro sind die ROG Cetra Open Wireless zudem für die meisten keine günstige Option, die man sich „für zwischendurch“ als gelegentliche Alternative zulegt.
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