Die ROG Gjallar ist die erste Soundbar aus dem Hause Asus und soll mit umfangreicher Anschlussvielfalt vor allem Multi-Plattform-Gamer ansprechen. Mit einer stolzen UVP von 600 Euro muss die Dolby-Atmos-Soundbar mit Subwoofer aber hohe Erwartungen erfüllen.
Für Nutzer von Multi-Plattform-Setups, bei denen neben einem PC auch diverse Spielkonsolen an den Monitor geschlossen werden, sind Geräte besonders interessant, die durch entsprechende Anschlüsse einen schnellen Wechsel ermöglichen. Das Gaming-Headset Logitech Astro A50 X macht beispielsweise meisterhaft vor, wie so ein Multi-Plattform-Gerät aussehen könnte. Mit fast 400 Euro UVP ist das A50 X aber schon unter Gaming-Headsets eine Klasse für sich – da lohnt sich fast der Kauf mehrerer Headsets für jede einzelne Plattform.
Auch Asus ist nicht gerade für Schnäppchenpreise bekannt: Mäuse, Tastaturen und Headsets des Herstellers ordnen sich in der Regel am obersten Ende der Preisspanne ein. Erst vor Kurzem hatten wir die Luxus-Maus ROG Harpe II Extreme Edition 20 und ihr Tastatur-Pendant in der Redaktion, die mit 24-Karätigen-Echtgoldverzierungen nicht für die sparsame Kundschaft gedacht waren.
Als erste Soundbar aus dem Hause Asus ROG ist auch die Gjallar keine Ausnahme: Für fast 600 Euro ist das Gerät eher kein Schnäppchen, sondern eher eine komfortable Option für jene, die eine oder mehrere Sound-Lösungen für ihre mehreren Spieleplattformen suchen.
Design, Aufbau und Verarbeitung
Wer Soundbars sonst nur auf dem TV-Board kennt, dem wird die ROG Gjallar zunächst durch ihre vergleichsweise kompakte Breite auffallen. Gleichzeitig ist sie im Verhältnis recht hoch und tief gebaut (ca. 60,5 x 9 x 8 cm), sodass sie je nach Monitor und Schreibtischkonfiguration einen Teil des Bildschirms verdecken kann. In diesem Fall bleibt oft nichts anderes übrig, als den Monitor etwas höher zu positionieren.
Ein durchdachtes Detail sind die mitgelieferten gummierten Standfüße, die sich unter die Soundbar schrauben lassen und die Soundbar leicht angewinkelt aufstellen. Dadurch verändert sich der Abstrahlwinkel der beiden Breitbandlautsprecher in Richtung Sitzposition. Die beiden nach oben gerichteten Treiber des 2.1.2-Geräts sind übrigens ebenfalls so angewinkelt, dass sie bei Nutzung der Standfüße gerade nach oben gerichtet sind.

Für die weitere Einrichtung werden zwei freie Steckdosenplätze für Soundbar und Subwoofer benötigt, die anschließend kabellos verbunden sind. Zum Koppeln müssen lediglich an beiden Geräten die Pairing-Tasten kurz gedrückt gehalten werden – die rückseitig am Subwoofer gelegene Status-LED kann die Kopplung ein wenig verkomplizieren.
Große Anschlussvielfalt für verschiedene Wiedergabequellen
Was zwischen Subwoofer und Soundbar eingespart wird, sammelt sich – je nachdem, wie viele Geräte später angeschlossen werden sollen – dafür hinter der Soundbar: Je nachdem, wie viele Geräte später angeschlossen werden sollen, sammelt sich aufgrund der großen Anschlussvielfalt hinter der Soundbar dafür eine beachtliche Anzahl an Kabeln: Konsolen können per HDMI mit eARC inklusive Passthrough bis 4K bei 120 Hz verbunden werden, hinzu kommen ein weiterer HDMI-Anschluss, USB-C für den PC, Aux, ein optischer Eingang sowie Bluetooth für die kabellose Verbindung mobiler Geräte. Praktisch ist außerdem der integrierte USB-Hub der Soundbar, der zwei USB-A-Ports bereitstellt.
Direkt an der Soundbar sitzen vier Tasten für Ein-/Ausschalten, Lautstärke, EQ-Wechsel und Quellenwahl. Diese und weitere Funktionen lassen sich noch detaillierter über die separate Steuerkonsole bedienen, welche im Alltag natürlich die bequemere Lösung darstellt. Ein Highlight ist auch das kleine Farbdisplay der Steuerkonsole, das nicht nur Uhrzeit, Systeminformationen oder Musik-Infos anzeigt, sondern auch animierte Grafiken unterstützt. Es lassen sich auch eigene GIFs oder Bilder hochladen, die Auswahl der vorinstallierten – und ohne großen Aufwand perfekt auf das Display passenden – Animationen dürfte jedoch gern größer ausfallen. Die drei vorhandenen Presets wirken allesamt recht unruhig und können auf Dauer eher im Augenwinkel ablenken. Eine erweiterbare Bibliothek mit neuen Designs wäre eine mögliche Ergänzung für die Gearlink-Software, die sich per Update nachreichen ließe.

Auch die Beleuchtung der Soundbar selbst lässt sich anpassen, beschränkt sich jedoch auf einen schmalen RGB-Streifen, der quer über das Gerät verläuft. Für einen schickeren optischen Effekt hätte sich eine Unterbeleuchtung wie bei der Razer Leviathan Soundbar angeboten.
Für knapp 600 Euro UVP muss auch die Material- und Verarbeitungsqualität besonders auf die Goldwaage gelegt werden: Bis auf das Schutzgitter ist die Soundbar zum größten Teil aus Kunststoff gefertigt, dasselbe gilt für Subwoofer und Steuer-Konsole. Letzterer Drehknauf ist zwar augenscheinlich aus Metall, sitzt aber etwas wackelig auf dem kleinen Kunststoff-Hub. Beim Drehen scrollt das Rad stufenlos und geschmeidig, manchen wird dagegen ein klares Feedback fehlen, beispielsweise durch Rasterung – insgesamt Kritik auf hohem Niveau, die in diesem Fall aber angebracht scheint. Die Soundbar selbst wirkt dagegen hochwertig verarbeitet.
Ein nettes Detail zum Schluss: Zum Ausschalten wird eine Taste an der Soundbar oder an der Steuerkonsole gehalten – bei letzterer füllt sich das Display von den Rändern her langsam mit einem rotem Lichteffekt, womit sich der Ausschaltvorgang gut nachvollziehen lässt.
Features: Steuerung per Browser oder Mobile-App
Wie bei den meisten aktuellen ROG-Produkten läuft die softwareseitige Steuerung über Asus Gear Link im Browser. Anders als bei den meisten Produkten wird hier jedoch die zusätzliche Installation der Companion-Erweiterung nahezu zwingend vorausgesetzt, um Zugriff auf wesentliche Software-Features zu erhalten. Anschließend stehen unter anderem ein Equalizer, Einstellungen für virtuellen Raumklang sowie oberflächliche Konfigurationsmöglichkeiten für die Mikrofone zur Verfügung.
Bei Letzteren handelt es sich um integrierte AEC-Mikrofone, die Echo- und Störgeräusche aus der Soundbar bei der Sprachübertragung reduzieren sollen. Diese befinden sich in der Steuerkonsole und sind recht gut als behelfsmäßiger Ersatz für ein separates Mikrofon geeignet, auch wenn sie ordentlichen Standmikrofonen natürlich nicht das Wasser reichen können. Wer nur gelegentlich Voice Chat nutzt und keine Lust auf einen sperrigen Mikrofonarm vor dem Gesicht hat, kann auch über diese Mikrofone mit seinen Mitspielern kommunizieren, ohne dass diese ihre eigene Stimme oder Spielgeräusche als Echo hören.
Schade: In der Gearlink-Software lässt sich lediglich die Stärke der Geräuschfilterfunktion in drei Stufen anpassen, weitere Mikrofonoptionen gibt es nicht. Beim Test war unsere Stimme über die Mikrofone mitunter etwas leise, je nachdem, wie weit die Steuerkonsole von uns entfernt platziert war. Eine Möglichkeit zum angewinkelten Aufstellen der Konsole würde an dieser Stelle – und für den allgemeinen Nutzerkomfort – sicher hilfreich sein, doch im Lieferumfang sind keine Aufstellmöglichkeiten enthalten.
Gear Link gibt es auch als mobile App-Variante. Diese App ist zwar übersichtlich gestaltet, bietet jedoch keinen erweiterten Funktionsumfang gegenüber der Browser-Variante. Im Gegenteil gibt es hier keine Möglichkeit, eigene Animationen für das Display hochzuladen.
Druckvoller Klang mit 3D-Effekt
Die ROG Gjallar setzt auf ein 2.1.2-Kanal-System mit Dolby Atmos-Unterstützung und nach oben abstrahlenden Lautsprechern, die für einen räumlicheren Klangeindruck sorgen sollen. Auf dem Papier keine schlechte Grundlage.

Es dürfte bei einer Gaming-Soundbar von Asus ROG allerdings niemanden überraschen: Sämtliche werksseitigen Equalizer-Presets sind ausgesprochen bassbetont abgestimmt. In vielen Spielmomenten sorgt diese Abstimmung für einen durchaus imposanten Eindruck: Bei einer Runde Star Citizen donnern die Triebwerke mit beeindruckender Wucht, und Schusswaffen sowie Explosionen in Battlefield und ähnlichen Titeln wirken angenehm druckvoll. Stellenweise überlagern die Bässe das restliche Klangbild aber und wirken übertrieben: Schon bei YouTube-Videos mit etwas tieferen Stimmen legt der Subwoofer kräftig los und nach der überzeugenden Triebwerks-Vorstellung in Star Citizen wirkt es beinahe unfreiwillig komisch, wenn wir beim Verlassen des Pilotensitzes mit bassbetonten Schritten aus der Kabine donnern.
Weniger Bass ist mehr
Der Subwoofer lässt sich glücklicherweise separat zum sonstigen Equalizer etwas in der Intensität regeln, womit sich der übertriebene Effekt schnell in den Griff bekommen lässt. Dann glänzt die Gjallar mit einer atmosphärischen Soundkulisse, die sich besonders beim Eintauchen in immersive Singleplayer-Spiele mit dezentem, aber bemerkbarem Raumklang hervortut. In Red Dead Redemption 2 werden Hufgetrappel, Windrauschen und Gespräche vorbeireitender NPCs stimmungsvoll und differenziert dargestellt, sodass schnell ein schönes Mittendrin-Gefühl aufkommt. Ohne physische Rücklautsprecher, wie etwa bei den JBL Soundbars fürs Heimkino, hat das Raumklang-Erlebnis natürlich seine Grenzen. Doch ohne das Zimmer mit zusätzlichen Lautsprechern vollzustellen, ist ein stimmiger 3D-Effekt spürbar.
Während die Gjallar gut zur Spiel-Atmosphäre beiträgt, wäre sie allerdings nicht unbedingt meine erste Wahl für Musikhören. Bei elektronischer Musik mag sie zwar mit stimmigem Kick- und Tiefbass punkten, lässt bei Rock- oder Metalsongs jedoch etwas an Ausgewogenheit missen. Auch wer überwiegend Multiplayer mit Freunden spielt, wird vielleicht nicht rundum glücklich: Auch wenn es Spielsounds erfolgreich ausblenden kann, kommt das integrierte Mikrofon der Steuereinheit schnell an seine Grenzen und überträgt die Stimme etwas leise – eine Möglichkeit zum Anpassen der Empfindlichkeit gibt es zum aktuellen Zeitpunkt nicht – und das aus diesem Grund benötigte separate Mikrofon könnte je nach Geräuschunterdrückungs-Fähigkeiten wiederum Probleme mit dem Klang der Soundbar haben.
Meinung: Ich hatte viel Spaß mit der ROG Gjallar. Besonders bei storylastigen Singleplayer-Spielen half mir der leichte Raumklang-Effekt und der bassbetonte, aber detailreiche Sound beim Eintauchen. 600 Euro wäre mir der Spaß aber nicht wert, für mich persönlich wird die Soundbar also erst mit ab gut 200 Euro Rabatt interessant.
Fazit
Die Asus ROG Gjallar ist vor allem eines: eine vielseitige und komfortable Soundlösung für Gaming-Setups mit mehreren Plattformen. Die umfangreiche Anschlussausstattung, HDMI-Passthrough, der kabellos angebundene Subwoofer und die praktische Steuerkonsole machen den Wechsel zwischen PC und Konsolen angenehm unkompliziert. Auch Verarbeitung und Funktionsumfang können grundsätzlich überzeugen, wenngleich bei einer UVP von knapp 600 Euro kleinere Schwächen wie das klapprige Lautstärkerad sowie die ausbaufähige Software stärker ins Gewicht fallen.
Klanglich richtet sich die Gjallar dagegen klar an Gamer, die einen druckvollen und bassbetonten Sound bevorzugen. Für actionreiche Spiele sorgt die Abstimmung für ordentlich Wucht, bei Musik und längeren Voicechats zeigt sich das System allerdings weniger vielseitig. Wer eine möglichst ausgewogene Wiedergabe oder ein hochwertiges Mikrofon erwartet, dürfte bei diesem Preis andere Lösungen finden. Wie so oft ist das Größte Problem der ROG Gjallar die Preispolitik von Asus: 600 Euro sind schlichtweg zu viel für das Gebotene. Für deutlich weniger Geld gibt es bereits Alternativen mit Subwoofer, die lediglich auf die Anschlussvielfalt für Konsolen-Passthrough verzichten.
Beitrag erstmals veröffentlicht am 25.08.2026
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