Das kabellose Logitech G522 Lightspeed verspricht das undenkbare: Ein gutes Mikrofon am Wireless-Headset? Wir warten seit dieser Ankündigung argwöhnisch und gespannt auf unser Testsample und berichten in diesem Artikel, ob das G522 hält, was Logitech verspricht.
Über die Jahre hat Logitech ein recht umfangreiches Sortiment an Gaming-Headsets für jeden Geschmack aufgebaut. Spätestens seit der Übernahme von Astro Gaming werden mit günstigen Vertretern wie dem Astro A10 und dem konsolenübergreifenden High-End-Premium-Modell Astro A50 X (Test) alle Zielgruppen abgedeckt.
Das G522 ist preislich mit rund 170 Euro UVP dem mittleren Preissegment zuzuordnen und verzichtet auf Premium-Features wie die Docking-Station mit umfangreichen Multi-Plattform-Optionen des 400 Euro teuren Astro A50. Der Funktionsumfang scheint vielmehr auf das Wesentliche fokussiert – mit Ausnahme der bunten RGB-Beleuchtung – und verspricht sogar ein Feature, mit dem sich Logitech in der Vergangenheit sehr schwergetan hat: ein gutes Mikrofon.
Design & Komfort
Optisch ist das G522 an bestehende Logitech-Modelle wie das G733 angelehnt und setzt ebenfalls auf einen selbstjustierenden Kopfbügel, dessen elastisches Band sich an verschiedene Kopfgrößen anpassen soll. Auch die unten spitz zulaufenden Ohrpolster sind wieder mit an Bord, darüber hinaus hat sich Logitech aber einige Design-Neuerungen einfallen lassen.
Die obligatorische RGB-Beleuchtung wurde von den vorderen Rändern an die Seiten der Ohrpolster umverlegt und in einer kleinen Vertiefung eingelassen, damit sie nicht mehr direkt auf den Monitor zeigt und womöglich von dessen Oberfläche oder von Brillengläsern reflektiert wird. Welchen Mehrwert leuchtende Ohrmuscheln abseits eines vorzeigbaren Streaming-Setups bieten, muss jeder selbst entscheiden – die Beleuchtung lässt sich aber natürlich auch zugunsten von mehr Akkulaufzeit jederzeit in der Software deaktivieren.
Eigentlich trägt ein selbstanpassender Kopfbügel allein schon durch den Verzicht auf das ständige Verstellen zum Komfort bei. In diesem Fall könnte das Headset aber ruhig eine Spur enger am Kopf sitzen, denn durch die asymmetrische Form der Ohrpolster liegen diese unterhalb der Ohren nicht immer ganz an, was wiederum den Klang beeinflussen kann.
Gemütlich, aber nicht für jeden
Auch scheinen die extrabreiten Ohrpolster eher für große Köpfe und Ohren gemacht zu sein. Zwar gibt es eine einzelne, kleinere Einstellung für das Kopfband, doch ohne eine Möglichkeit zur genauen Größenanpassung sitzen kleinere Ohren unangenehm im oberen Bereich der Ohrmuscheln.
Mit der passenden Kopfgröße und Einstellung ist das G522 sehr komfortabel, was den atmungsaktiven Polstern und dem geringen Gewicht von nur 290 Gramm geschuldet ist. Durch die dicken Polster sind keine harten Kunststoffteile zu spüren. Zudem sollen die Ohrpolster mit zwei Schichten Memory Foam speziell für Brillenträger:innen und Personen mit Ohrschmuck entwickelt worden sein.
So dick die Polsterung der Ohrpolster auch sein mag, besonders gute Schallisolierung bieten sie nicht – was natürlich auch an dem beschriebenen Umstand der nicht ganz anpressenden Ohrmuschel liegen kann. Gespräche in der Umgebung sind noch Wort für Wort zu vernehmen, selbst wenn ich währenddessen Videos oder Musik bei geringer bis mittlerer Lautstärke höre. Das kann stören, kann aber auch ein gewünschter Effekt sein, damit beispielsweise nicht die eigene Stimme der Nutzer:innen völlig abgedämpft wird. Was wiederum im Sprachchat befremdlich und ermüdend wirken kann und nicht selten durch eine Monitoring-Option (Mithörton) kompensiert wird. Auch andersherum gaben
Nachhaltig und reparierbar
Während der Produktvorführung betonte Logitech, wie inzwischen viele andere Hersteller auch, das nachhaltige Design des G522. Das Headset selbst soll zu 27 Prozent aus recycelten Kunststoffen gefertigt werden und auch bei der Verpackung kommt ausschließlich Papier aus kontrollierten Quellen zum Einsatz.
Für den alltäglichen Gebrauch ist vor allem die hohe Reparierbarkeit interessant, denn in Kooperation mit iFixit bietet Logitech ein Reparaturkit für den Akku zum Selbertauschen an. Das Kit kostet 25 Euro, der Akku allein 20 Euro. Auch Kopfband und Ohrpolster sind leicht gewechselt, in der Software sind die Shopseiten für weiteres Zubehör und Ersatzteile verlinkt. Zum aktuellen Zeitpunkt sind dort jedoch nur Ersatz-Ohrpolster, Kabel und USB-Empfänger für verschiedene andere Logitech-Geräte zu finden, nicht das G522.
Eigenschaften: Viele Optionen und lange Laufzeit
Wie mittlerweile fast jedes kabellose Gaming-Headset kann auch das G522 wahlweise per USB-Empfänger (2,4 GHz), Bluetooth 5.3 oder USB-Kabel verbunden werden. Letzteres kann sowohl Strom als auch ein Audiosignal an das Headset weiterleiten, was wiederum keine Selbstverständlichkeit ist. Es kann nur jeweils eine kabellose Verbindungsmethode gleichzeitig aktiviert werden. Hierfür wird über einen Knopf am Gerät die aktive Quelle gewählt. Eine simultane Wiedergabe von Bluetooth- und Lightspeed-Quellen, wie beispielsweise beim Asus ROG Delta II (Test) und dem JBL Quantum 910 (Test), ist nicht möglich. Die kabellose Reichweite beträgt 30 Meter.

Das G522 ist für die Nutzung am PC gemacht, funktioniert aber auch an Playstation, der Nintendo Switch und ähnlichen Geräten mit Bluetooth, wie dem Steam Deck und anderen Handhelds. Lediglich Xbox stellt mit seinem proprietären Wireless-System eine Ausnahme dar.
Logitech gibt die Akkulaufzeit mit bis zu 90 Stunden an, solange die Beleuchtung deaktiviert ist. Auch ohne diesen Verzicht soll das Gerät bis zu 40 Stunden durchhalten, was ein ordentlicher Wert ist. Optional kann der Zeitpunkt für den Standby-Modus geändert und ein Batterieschutzmodus hinzugeschaltet werden, bei dem das Headset bis maximal 80 Prozent lädt, um die Lebensdauer des Akkus zu verlängern.
Diese und viele weitere Anpassungen werden in der Software Logitech G Hub vorgenommen, in der sich vielfältige, manchmal aber etwas wenig intuitiv versteckte Funktionen verbergen. Insbesondere die Optionen für Klang und Mikrofon sind sehr umfangreich und werden beim Wechsel zwischen verbundenen Systemen direkt auf dem Gerät gespeichert. Wie bei so vielen Gaming-Softwares üblich, reagiert auch Logitech G Hub hin und wieder etwas störrisch, erkennt das Produkt nicht sofort oder schmeißt uns aus den Einstellungen. Alternativ ist die Software auch als mobile App für das Smartphone verfügbar.
Klang: Starker Spielsound mit betonten Mitten
Im G522 kommen 40 mm Pro-G-Treiber zum Einsatz, die erstmals speziell isolierte, eigenständige akustische Module verwenden. Diese Technologie sorgt dafür, dass sich die linken und rechten Kanäle klanglich sauber voneinander abgrenzen und Verzerrungen zwischen ihnen gezielt eliminiert werden.

Frequenzüberschneidungen zwischen den Kanälen werden reduziert, wodurch Stimmen im Sprachchat und Spielsound unterscheidbar bleiben sollen und allgemein die Richtung und Entfernung von Ingame-Sounds besser bestimmt werden können. Tatsächlich glänzt das G522 mit gutem räumlichen Sound, der sich in Shootern wie Battlefield bezahlt macht. Rufe, Schritte, Schüsse und Co. sind deutlich zu hören und können gut geortet werden.
Ein ähnliches Bild zeichnet sich beim Musikhören ab: Hier sind die Mitten sehr präsent, Stimmen und Instrumente werden klar und räumlich abgegrenzt wiedergegeben. Standardmäßig fällt mir persönlich der Klang etwas zu flach aus, doch Logitech bietet in der G Hub Software einen sehr umfangreichen 10-Band-Equalizer mit vorgefertigten Profilen an. Auch ein eigenes Profil kann angelegt und im erweiterten Modus sehr detailliert angepasst werden.
Mit etwas Bastelei lassen sich dem G522 so wummernde Bässe und detaillierte Höhen entlocken, der Schwerpunkt liegt aber nach wie vor auf den Mitten mit klaren Stimmen bei Musik und deutlichen Soundeffekten im Spiel.
Das G522 bietet außerdem ein breites Lautstärkespektrum und kann ordentlich laut geregelt werden, aber auch in den niedrigeren Lautstärken gibt es ausreichend Abstufungen für Feintuning.
Mikrofon: Keine Ausweichlösung mehr nötig
Bei der Produktvorführung im Mai konnte Logitech mit der Offenbarung überraschen, dass die Präsentation über das Mikrofon des G522 eingesprochen wurde. Kabellose Gaming-Headsets sind trotz einiger Ausnahmen selten für ihre Mikrofonqualität bekannt, doch die angebliche Stimmübertragung des G522 hätte problemlos von einem hochwertigen Standmikrofon stammen können.
Dabei hatte sich gerade Logitech in der Vergangenheit in Sachen Mikrofonqualität nicht gerade mit Ruhm bekleckert: Mein ansonsten sehr positiver Eindruck der Headsets G Pro X und G Pro X 2 wurde durch die maue Mikrofonqualität jeweils so nachhaltig getrübt, dass ich bis heute noch an die Enttäuschung der beiden Tests zurückdenke, wenn ich ein kabelloses Headset von Logitech in den Händen halte.
Umso gespannter war ich daher, das G522 im Praxistest auf seine Mikrofonqualität zu prüfen – und ich wurde nicht enttäuscht. Die Stimme klingt klar, natürlich und kann sich durchaus mit dedizierten Mikrofonen wie meinem Elgato Wave:1 – das ich mir vor geraumer Zeit aufgrund enttäuschender Wireless-Headset-Mikrofone zugelegt hatte – messen. Kein Wunder, schließlich verwenden beide Geräte eine Samplerate von 48 kHz. Logitech verwendet hier die bewährte Blue Vo!ce-Technologie, die durch Signalbereinigung und weitere Anpassungen für eine besonders saubere Stimmübertragung sorgt. Über die Software stehen viele individuelle Einstellungen zur Option, auch hier gibt es einen Equalizer für Detail-Anpassungen.

Das Mikrofon kann per Knopfdruck stummgeschaltet und signalisiert dies durch eine auch beim Tragen gut erkennbare, rote LED. Außerdem kann der flexible Mikrofonarm flexibel geboten und bei Nichtnutzung gänzlich entfernt werden.
Fazit
Nachdem mich Logitech bereits mit seinem Astro A50 X Flaggschiff auf ganzer Linie überzeugen konnte, zeigt der Hersteller nun mit dem G522, dass gute Mikrofonqualität nicht erst in Sphären um die 400 Euro möglich ist. Das G522 brilliert neben einer klaren Stimmübertragung auch im Spiel mit räumlichem, detailliertem Klang und hochgradig anpassbaren Klangkurven von eingehenden und ausgehenden Audiosignalen.
Beim Musikgenuss wird die Klassifizierung als Gaming-Headset deutlich, denn wirklich ausgeglichenen Klang gibt es bestenfalls mit etwas Herumprobieren im 10-Band-Equalizer. Dennoch ist das G522 ein sehr gelungener und dank des geringen Gewichts und der dicken Polster auch sehr komfortabler Begleiter im Alltag und bei Gaming-Runden im Feierabend.
Möglicherweise hat Logitech die Schallisolation zugunsten besserer Wahrnehmung der eigenen und anderer Stimmen bewusst vernachlässigt, doch Personen im Umfeld müssen sich darauf einstellen, hin und wieder an unserer Musik teilzuhaben und uns wiederum an ihren Gesprächen teilhaben zu lassen. Nutzer:innen mit kleinerem Kopf und/oder Ohren sollten außerdem bedenken, dass die sehr großen Ohrpolster mangels Verstellmöglichkeiten vielleicht nicht perfekt am Kopf sitzen.
Mit 169 Euro UVP ist das Logitech G522 fair bepreist und hat auch hinsichtlich der Reparierbarkeit einen großen Mehrwert zu bieten.
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