Das MSI Maestro 500 Wireless ergänzt das kabelgebundene Maestro 300 als kabellose Variante und bietet für knapp 70 Euro 40-mm-Neodym-Treiber, ANC und bis zu 90 Stunden Akkulaufzeit. Aber kann das Gaming-Headset auch in der Praxis überzeugen?
Mit seiner Maestro-Reihe setzt MSI eher auf edles, aber schlichtes Design, das sich sowohl im Gaming-Setup als auch im Home Office gut macht. Beispiele sind etwa das neue MEG Maestro 900R Flaggschiff-Gehäuse, das MSI zur Computex 2026 gezeigt hat.
Seit knapp einem Jahr bietet der Hersteller mit dem Maestro 300 ein günstiges, kabelgebundenes Headset mit schlichtem Design für Gaming oder Video-Meetings an, das mit dem neuesten Ableger um eine kabellose Variante ergänzt wird. Das ohrumschließende MSI Maestro 500 Wireless kostet gerade einmal 70 Euro und soll unter anderem 40-mm-Neodym-Treiber für ordentlichen Sound und ähnlich vielseitig einsetzbarem Design bieten.
Design: Schlicht und alltagstauglich, aber mit leichten Verarbeitungsmängeln
Ich bin vom Design des Maestro 500 hin- und hergerissen: Zum Einen gefällt mir die Optik deutlich besser als bei früheren MSI-Headsets, in der Vergangenheit hat mich der Hersteller mit seinen sehr nach „Gaming“ schreienden Designs nicht wirklich ansprechen können. Dagegen wirkt das Maestro erfrischend neutral und geschmackvoll und kann sogar als Alltags-Kopfhörer durchgehen – zumal Mikrofon und Dongle sehr gewieft in der Ohrmuschel verschwinden und nur auf Wunsch sichtbar hervorgeholt werden.
Die weichen Ohrpolster sind bequem und das Headset ist insgesamt leicht, sodass es auch über längere Zeiträume nicht an den Ohren drückt. Durch das dünne Polster des Kopfbügels ist jedoch nach 1-2 Stunden das darunterliegende Material leicht zu spüren, wodurch der Tragekomfort auf Dauer ein wenig geschmälert wird.
Zwischen Gaming-Headset und Alltags-Kopfhörer
Am Gerät selbst befinden sich einige Bedienelemente, darunter ein eindrückbarer Drehknopf für Lautstärke und Play/Pause. Da langes Drücken dieses Knopfs auch das Headset ein und ausschaltet, ist Vorsicht beim Herumdrücken ratsam. Zusätzlich gibt es einen Knopf zum Durchschalten der ANC-Modi, für die Verbindung stehen ein USB-C-Anschluss zum Laden und ein Klinkeneingang bereit. Beide Kabel sind im Lieferumfang enthalten, ebenso wie eine Stofftasche für den Transport. Die Ohrmuscheln lassen sich – wie man es sonst eher von einem Alltags-Kopfhörer kennt – zusammenfalten und unterstreichen die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten.
Auf den ersten Blick macht das Maestro 500 einen stilvollen und hochwertigen Eindruck, allerdings schwankt die Verarbeitungsqualität: So ist die Taste für ANC recht klapprig geraten und hinterlässt keinen sonderlich wertigen Eindruck. Auch der Kunststoff an den Ohrmuscheln und insbesondere am Mikrofon wirkt beim genaueren Hinsehen eher billig und ist anfällig für Fingerabdrücke.
Weniger ärgerlich, aber zum Kopfkratzen animieren auch unkonventionelle Design-Entscheidungen: Die Ohrmuscheln lassen sich beim Tragen um den Hals zwar um 90 Grad drehen – aber mit den Polstern nach außen. Dadurch liegen nicht wie üblich die Polster, sondern die Kunststoff-Außenseiten auf dem Schlüsselbein. Allzu unbequem liegt das sehr leichte Headset damit nicht auf, man fragt sich aber dennoch: Warum?
Features: Lange Akkulaufzeit und aktive Geräuschunterdrückung
Zwar können die beschriebenen Verarbeitungsschwächen und das Material den Gesamteindruck beeinträchtigen, doch im niedrigen Preisbereich sind diese Aspekte bei ausreichenden Feature- und Klangqualitäten gerne verziehen. Als erste Wiedergutmachung liefert das Maestro 500 eine ordentliche Akkulaufzeit von bis zu 90 Stunden. Zum Laden wird ein USB-C-Kabel benötigt, wobei das beiligende und sehr kurze USB-C-zu-C-Kabel lieber durch eine längere Variante ersetzt werden sollte. Idealerweise auch durch ein USB-A-zu-C-Kabel, da der Empfänger bereits einen USB-C-Port belegt und viele Gehäuse noch mit dem kleinen Anschluss geizen. Asus haben dieses Problem beispielsweise bei ihren ROG Cetra Open Wireless Kopfhörern geschickt gelöst, indem sie den USB-C-Eingang durch einen Passthrough-Port am USB-C-Empfänger wieder freigeben.
Auf Knopfdruck lässt sich zwischen Noise Cancelling (ANC) und Transparenzmodus wechseln. Letzterer eignet sich hervorragend, um Gespräche mit Personen im Raum zu führen, ohne das Headset absetzen zu müssen. Da bereits die Ohrmuscheln alleine stark abdichten, ist ANC in vielen Fällen fast überflüssig, vermag aber beispielsweise im Hochsommer das Surren eines Standventilators oder des Straßenlärms bei geöffnetem Fenster zu übertünchen.
Zweckmäßige Software zum Download
Während manch andere MSI-Peripherie wie die Versa 300 Wireless Maus inzwischen auf die Portal X Webanwendung direkt im Browser setzen, kommt beim Maestro 500 Wireless erneut die Nahimic Software zum Einsatz. Diese kennen wir bereits von Headsets wie dem MSI Immerse GH50 Wireless und kann mit einer übersichtlichen Darstellung punkten, auch wenn die Funktionen nicht allzu üppig ausfallen.
Die minimalistische Software bietet Optionen für Klang und Mikrofon, darüber hinaus gibt es keine weiteren Einstellungsmöglichkeiten. Es muss auch nicht immer eine Flut an Software-Optionen sein, aber eine Anzeige für den Akkustand wäre beispielsweise noch praktisch gewesen. Immerhin gibt eine LED am Gerät einen groben Anhaltspunkt über die verbleibende Akkulaufzeit
Anpassbarer Klang mit starken Bässen aber wenig Raum
Ungewöhnlich für seine Preisklasse verfügt das Maestro 500 Wireless über 40 mm Neodym-Treiber und liefert klare Höhen sowie recht knackige Bässe bei einem breiten Frequenzbereich von 20 bis 40.000 Hz. Bei vielen Modellen dieser Preisklasse, beispielsweise dem kabellosen Sharkoon Skiller SGH40W, endet das Spektrum bei 20 kHz, entsprechend differenziert werden beispielsweise Stimmen mit dem Maestro 500 Wireless abgebildet.
Mit der Nahimic Software lässt sich der Klang umfangreich anpassen – anstelle eines klassischen Equalizers werden die Optionen jedoch in Verstärkungen für „Voice Clarity“, „Bass“ und „Treble“ unterteilt, die sich jeweils zwischen -12 dB und +12 dB regeln oder ganz ausschalten lassen. Die Änderungen treten sofort in Kraft und sind deutlich hörbar: So ist der anfangs sehr dominante Bass schnell gezähmt und mit wenigen Klicks ein zusagendes Klangprofil erstellt.
Insgesamt gibt es vier anpassbare Profile für Musik, Filme, Kommunikation und Spiele, sodass uns die druckvollen Bässe zwar nicht unseren Lieblingssong verderben, wir sie aber auch nicht bei einer Runde Battlefield 6 missen müssen. Auch eine Option für virtuellen Surround-Klang lässt sich dazuschalten, macht allerdings kaum einen hörbaren Unterschied. Mit und ohne diese Option wirkt das Klangbild des Maestro 500 ein wenig gedrängt – das stört beim Eintauchen in ein Singleplayer-RPG kaum, schmälert aber den Musikgenuss ein wenig und lässt auch im Spiel nicht so ein gutes Raumgefühl aufkommen wie bei höherpreisigen Gaming-Modellen.
Mikrofon: Lieber wieder einklappen
Wie so oft macht das kabellose Headset größere Abstriche bei der Mikrofonqualität: Über den lässig ausgeklappten Mikrofonbügel klingt die Stimme sehr verrauscht und dumpf. Zwar haut die Mikrofonqualität niemanden vom Hocker, allerdings muss sie bei knapp 70 Euro auch keinen allzu strengen Erwartungen standhalten. Sie ist eher zweckmäßig und immerhin ausreichend, um Mitspielern im Discord den Gameplan zuzukrächzen.
Auch hier gibt es zwei zusätzliche Software-Optionen für feinere Anpassungen, die diesmal jedoch kaum Auswirkungen auf das Ergebnis haben. Lieber hätten wir uns dafür eine Option für einen Mithörton gewünscht, mit dem man die eigene Stimme etwas besser trotz der stark abdämpfenden Ohrmuscheln hören könnte.
Fazit
Für den Preis bietet das MSI Maestro 500 soliden Sound, eine lange Akkulaufzeit und einige interessante Design-Kniffe. Mit der aktiven Geräuschunterdrückung und dem Transparenzmodus sind auch grundlegende Extra-Features für den allgemeinen Nutzerkomfort vorhanden, zumal das faltbare Gaming-Headset so auch mühelos in Bus, Bahn und Flieger als Alltagskopfhörer einspringen kann. Allerdings schwächelt es an Mikrofonqualität und Materialanmutung, die manche Nutzer*innen mehr, manche weniger abschrecken dürfte. Mit 69,90 Euro ist das Maestro 500 fair bepreist und eine valide Option für alle, die sich nicht mehrere Geräte für Arbeit und Freizeit zulegen möchten und mit den genannten Einbußen leben können.
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