Nachhaltig und modular: Zwei Schlagwörter, die dem üblichen Marketing-Sprech für Bluetooth-Speaker nicht ganz fremd sind, die jedoch von Teufel auf die nächste Ebene gehoben werden. Sämtliche Schaltpläne und CAD-Dateien des Teufel Mynd stehen für Bastler zum Download bereit – aber klingt der Open-Source-Speaker auch ohne Modifikationen gut?
Der Mynd sticht aus dem Teufel-Produktsortiment hervor wie ein Kaugummiautomat in einer Plattenbauidylle: Während die übrigen Bluetooth-Lautsprecher in der gewohnten, nüchternen Teufel-Designsprache gestaltet sind – klarlinig, überwiegend monochrom in Schwarz oder Weiß mit roten Farbakzenten –, präsentiert sich der Mynd in ungewohnt farbenfrohem Design, das fast schon verspielt wirkt.
Zudem besteht die Bluetooth-Box zu 50 Prozent aus recyceltem Kunststoff, denn der Mynd soll ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit stehen. Neben abwechslungsreichem Design und Teufel-Sound steht daher auch die umfangreiche Reparierbarkeit im Mittelpunkt: Der modulare Lautsprecher kann vollständig demontiert und einzelne Komponenten ausgetauscht werden. Ein interessanter und für Teufel ungewohnter Ansatz, den sich der Hersteller jedoch mit einer UVP von knapp 250 Euro fürstlich bezahlen lässt.
Design: Simpler Box-Look für leichten Zugang
Wo viele Bluetooth-Speaker von Teufel und anderen Herstellern auf komplexere Formen mit abgerundeten Ecken oder organischen Silhouetten setzen, ist das Design des Teufel Mynd betont simpel gehalten. Die einfache Box-Form macht den Speaker natürlich auch einfacher zu demontieren als ein Modell mit ineinander übergehenden Materialkombinationen.
Das Gehäuse ist vollständig aus Kunststoff gefertigt, zudem sind keine Bauteile verklebt, sondern allesamt durch Sechskantschrauben miteinander verbunden. Umso beeindruckender, dass Teufel dennoch eine IP67-Schutzklasse angibt, was für völlige Staubdichte und Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen steht. Das Eindringen von Wasser wird in diesem Fall durch Gummidichtungen verhindert, die beim Festziehen der Schrauben angedrückt werden.

Gleich an mehreren Kanten gibt es Durchlässe für Trageschlaufen: Eine ist im Lieferumfang enthalten, mit der der Lautsprecher ganz einfach hochgehoben werden kann. Über die Führungen an der Rückseite soll der Speaker mit separat erhältlichen Schlaufen (20 Euro im Teufel-Shop) auch an Gepäckträgern und ähnlichem befestigt werden können.
Nicht enthalten ist dagegen ein Ladegerät, oder gar ein USB-Kabel. Wie schon so mancher Smartphone-Hersteller, setzt auch Teufel darauf, dass die Kunden bereits mehrere USB-C-Lademöglichkeiten für ihre diversen Elektrogeräte besitzen. Das passende Ladegerät kostet im Teufel-Shop knapp 20 Euro, das USB-C-Kabel zusätzliche 15 Euro – ganz schön happig.
Reparierbarkeit und Modularität
Der Teufel Mynd lässt sich nicht nur umfassend reparieren, sondern auch erweitern. Auf der Produktseite bietet der Hersteller sämtliche CAD-Files der verwendeten Komponenten an, die sich bei Bedarf (und mit dem entsprechenden Know-How) nachdrucken oder modifizieren lassen.

Auch die Schaltpläne und Firmware stehen als Open-Source-Download bereit. So sollen einfallsreiche Nutzer und Nutzerinnen auch eigene Funktionen ergänzen und implementieren können – Teufel nennt als Beispiele etwa Mikrofon- oder Instrumentenanschlüsse, Radio- und WLAN-Module oder individuelle Halterungen.
In der Theorie lässt sich der Mynd mit wenigen Handgriffen öffnen und auch von Laien einfach reparieren: Nur wenige Schrauben müssen gelöst werden, und dank einer cleveren Steckverbindung werden die Stromanschlüsse der einzelnen Komponenten – etwa der Lautsprecher – automatisch getrennt. Das soll Reparaturen erleichtern und das Risiko von Schäden minimieren.
In der Praxis wird für viele dieser Basteleien ziemlich spezielle Ausrüstung vorausgesetzt. Das fängt schon beim Lösen der Schrauben an, die teilweise so tief im Gehäuse sitzen, dass selbst unser iFixit-Toolkit keine ausreichend lange und dünne Lösung parat hatte. Ein passender Schraubendreher wäre eine sinnvolle Ergänzung für den Lieferumfang gewesen.
Open-Source, aber nichts für Laien?
Wer einzelne Teile mit dem 3D-Drucker ersetzen oder optisch aufwerten möchte, findet dafür praktisches Material: Die Druckdateien sind frei zugänglich und bieten viele Möglichkeiten zur Individualisierung oder Reparatur. Bauteile wie die Frontblende eignen sich gut für einfache Design-Upgrades – je nach Bauteil lohnt sich vor dem Druck jedoch ein kurzer Blick auf die Maße, da beispielsweise bereits besagte Frontblende das Bauvolumen kleinerer 3D-Drucker leicht überschreiten kann.

Nach der Entnahme von Schutzabdeckung und Tönerplatte kommt ein nicht allzu vollgepackter Innenraum zum Vorschein, der durchaus Platz für Modifikationen und Ergänzungen lässt. Positiv anzumerken ist ein separates Bluetooth-Modul, das später für neuere Standards aufgerüstet werden kann.
Negativ fällt dagegen der proprietäre Akku auf. Ein Standard-Anschluss wäre für Bastler– die Teufel ja offensichtlich ansprechen möchte – sinnvoller gewesen. Wie viel so ein Ersatzakku kosten soll, lässt sich noch nicht sagen. Angesichts der hohen Preise für Tragegurt und Ladekabel wird so eine Reparatur allerdings vermutlich nicht günstig.
Eigenschaften: praktische Sonderfunktionen und App-Unterstützung
Auch abseits des unkonventionellen Open-Source-Ansatzes hat der Teufel Mynd einige Asse im Ärmel: Zu den spannendsten Sonderfunktionen zählen die Powerbank-Funktion zum Laden von Smartphone und Co. sowie die integrierte USB-Soundkarte, mit der Musik auch ohne Bluetooth-Kopplung per USB-Kabel von einem angeschlossenen PC oder Smartphone abgespielt werden kann.

Nur begrenzte Funktionen bietet darüber hinaus die Teufel Go App: Hier lässt sich der Klang über einen Zwei-Band-Equalizer anpassen, weitere Mynd oder Rockster Go 2 Modelle zu einem PartyLink-Verbund zusammenschließen und der Akkustand in Prozent einsehen.
Die Akkulaufzeit kann sich sehen lassen, zumal sie sich durch Funktionen wie einen Energiesparmodus mit reduziertem Bass und Lautstärke sowie eine Auto-Off-Funktion verlängern lässt. Laut Teufel erreicht der Mynd so eine Laufzeit von bis zu 40 Stunden bei mittlerer Lautstärke. Geladen wird innerhalb von nur 80 Minuten. In der App lässt sich zusätzlich ein akkuschonender Lademodus einschalten, bei dem der Mynd nur halb so schnell und bis maximal 90 Prozent geladen wird, um die Lebenszeit zu erhöhen.
Sound: Ordentlich, aber nichts besonderes
Der Klang des Teufel Mynd liegt in etwa im Rahmen dessen, was man von einer Bluetooth-Box dieser Größe erwarten kann: Ein 2.1-System, bestehend aus zwei Hochtönern, einem Tiefmitteltöner und Passivmembranen kann mühelos unser großes, offenes Büro bespielen, bereits bei mittlerer Lautstärke ist ausreichend Leistung für kleinere Partys vorhanden.

In derselben Preisklasse bietet die Konkurrenz, wie der Xtreme 4 von JBL (Test), knackigere Bässe und eine breitere Klangbühne. Der Teufel Mynd klingt im direkten Vergleich bei manchen Songs etwas kompakter, überzeugt dafür aber mit einem ausgewogeneren und klareren Klangbild. Für gemütlichen Musikgenuss zu Hause, insbesondere bei Genres wie Rock oder Funk, würde ich den Teufel-Sound bevorzugen. Wer hingegen Wert auf dynamische Bassperformance legt, etwa bei elektronischer Musik oder Metal, dürfte mit dem JBL besser bedient sein.
Bis zur mittleren Lautstärke kann der handliche Mynd also durchaus überzeugen. Über diese Schwelle hinaus beginnen die Höhen jedoch zuzuspitzen und der Klang wird gegen Ende der Volume-Skala zunehmend schrill. Im Equalizer der Teufel Go App lässt sich dem ein wenig entgegenwirken, indem beispielsweise die Bässe etwas angehoben und die Höhen etwas reduziert werden.
Fazit
Mit dem Mynd liefert Teufel einen sehr unkonventionellen Bluetooth-Lautsprecher, der vor allem durch die umfangreiche Reparierbarkeit und den Open-Source-Ansatz unter den großen Audio-Marken derzeit seinesgleichen sucht. Auch ohne dieses modulare Design hat der Speaker mit seiner Powerbank-Funktion und der integrierten USB-Soundkarte einige interessante Extras zu bieten.
Klanglich punktet der Mynd bei moderaten Lautstärken mit einem ausgewogenen Sound, der besonders bei Rock, Funk und anderen klassisch instrumentierten Genres glänzen kann. In höheren Lautstärken und druckvollen, dynamischen Musikgenres kommt der Bluetooth-Speaker dagegen ins Straucheln.
Die Klang-Schwächen könnten beim Preis von 250 Euro unangemessen wirken, doch diese Argumentation lässt die höheren Produktionskosten für nachhaltiges und reparierbares Design außer Acht. Wer den Teufel Mynd kauft, kauft vor allem einen modularen Bluetooth-Lautsprecher, der potenziell für die Ewigkeit gemacht ist. Da ist es besonders schade, wenn Bastlern durch nicht-standardisierte Komponenten Steine in den Weg gelegt werden und beispielsweise der Preis für einen Akkutausch unnötig in die Höhe getrieben wird.
Es hätte vielleicht dennoch kein Preis jenseits der 200 Euro sein müssen, doch Teufel-typisch gibt es den Mynd bereits kurz nach Marktstart für aktuell 230 Euro.
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