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BYD Sealion 7 im Fahrbericht: Preis-Leistungs-Kracher mit Luxus-Allüren?

530 PS für 42.500 Euro!
byd sealion 7 e auto schräg von vorne

Der chinesische E-Auto-Riese BYD greift mit dem Sealion 7 direkt nach der Krone im beliebten Segment der elektrischen SUV-Coupés. Mit einer UVP ab 49.990 Euro gestartet, ist der Stromer dank üppiger Rabatte und Förderungen aktuell schon ab rund 36.000 Euro bestellbar. Unser Testwagen in der Top-Ausstattung Excellence fährt dank Förderung und Rabatten für knapp über 42.500 Euro mit „voller Hütte“ vor: Allradantrieb mit 390 kW (530 PS), 91,3-kWh-Blade-Batterie und feinstem Nappaleder. Doch wie schlägt sich der 4,80-Meter-Brummer im Alltag, auf der Autobahn und an den Ladesäulen?

Design: Schnittige Silhouette, aber genug Platz?

Optisch macht der Sealion 7, wie ich finde, einiges her. Die Coupé-Linie verleiht dem 1,92 Meter breiten SUV-Koloss stimmige Proportionen. Besonders die markante Front mit ihrer LED-Signatur und die gepunkteten Heckleuchten stechen positiv heraus. Trotz abfallender Dachlinie sitze selbst ich mit meinen 1,96 Meter erstaunlich komfortabel im Fond. Der Kofferraum schluckt praxistaugliche 520 bis 1.789 Liter, ergänzt durch einen praktischen 58-Liter-Frunk unter der Fronthaube – genug Platz fürs Ladekabel zum Beispiel. 

Wo Licht ist, gibt es beim Karosseriedesign allerdings auch Schatten: Die extrem flach stehende Heckscheibe ist im Innenspiegel kaum mehr als ein flaches Guckloch. Ein Heckscheibenwischer fehlt; Gischt und Schmutz werden erst nach längerer Fahrt vom Fahrtwind verdrängt. Und: Die maximal 420 Kilogramm Zuladung (fahrende Person ausgenommen) könnten mit ein paar Freunden und etwas Gepäck doch recht flott erreicht sein.

Innenraum & Infotainment: Gediegener Luxus und drehbarer Bildschirm

Im Cockpit herrscht Wohlfühlatmosphäre: Hochwertige Materialien, exzellente Verarbeitung und erfreulich wenig kratzempfindlicher Klavierlack. Die belüfteten und beheizten Nappaledersitze waren bei 36 Grad Außentemperatur ein echter Segen, auch wenn ich tierfreies Kunstleder oder Stoff bevorzugen würde (das ist qualitativ mindestens genauso gut).

byd sealion 7 e auto interieur

Das Dynaudio-Soundsystem spielt druckvoll auf und bringt einige Tuning-Einstellungen inklusive Raumsound mit. Dazu gibt es physische Tasten am Lenkrad sowie in der Mittelkonsole, welche die Bedienung während der Fahrt massiv erleichtern. Alternativ lässt sich auch der Sprachassistent nutzen.

Ein drehbares Display!

Das Infotainment überzeugt mit flüssigen Reaktionszeiten und logischer Menüführung. Ich konnte mich schon nach kurzer Zeit gut zurechtfinden. Der riesige 15,6-Zoll-Touchscreen lässt sich auf Knopfdruck sogar um 90 Grad ins Hochkantformat drehen … nur leider nicht in Verbindung mit Android Auto. Was mir aber gefällt: Beim Rechtsabbiegen erscheint eine Totwinkel-Kameraanzeige auf dem Hauptdisplay.

Hinter dem Lenkrad sitzt zudem ein 10,25-Zoll-Instrumentendisplay, auf dem alle wichtigen Infos angezeigt werden – auch wenn ich mir hier etwas schickere Animationen bzw. Anzeigen wünschen würde (das Design sieht einfach sehr „praktisch“ aus). Gut gefällt mir auf alle Fälle das Head-up-Display, welches viele nützliche Infos liefert und auf Wunsch auch in seiner Darstellung reduziert werden kann. Für meine Körpergröße reichte das HUD in der tiefsten Einstellung aber gerade so an die Sichtgrenze heran.

Weitere Highlights: 

Fahrverhalten & Assistenzsysteme:

Mit 390 kW (530 PS) und 690 Nm Drehmoment schiebt der Sealion 7 Excellence brachial an: In nur 4,5 Sekunden fällt die 100-km/h-Marke (das steht sogar hinten unter der Modellbezeichnung), Schluss ist erst bei 215 km/h. Trotz des hohen Fahrzeuggewichts liegt das SUV sicher auf der Straße, der etwas höhere Schwerpunkt macht sich aber durchaus bemerkbar.

byd sealion 7 e auto modellbezeichnung hinten

Bei einer unvorhergesehenen Notbremsung aus über 100 km/h „durfte“ ich die Bremsen unweigerlich auch mal testen und bin sicher zum Stehen gekommen. Der Notbremsassistent dürfte da aber sicherlich auch geholfen haben. Apropos Assistenzsysteme: Der adaptive Autobahnassistent (ICC) führt das Fahrzeug im Stop-and-Go-Verkehr souverän und entspannt.

Schwächen offenbaren sich dagegen in Baustellen: Bei engen, gelben Fahrbahnmarkierungen reagiert die Spurführung gelegentlich nervös. Zudem könnte die Verkehrszeichenerkennung, die an sich gut funktioniert, auch für eine automatische Anpassung der Geschwindigkeit bei aktiviertem ICC sorgen (oder zumindest eine Bestätigung der neuen Geschwindigkeit anbieten). Der Aufmerksamkeitswarner mahnt zudem recht früh mit Warntönen, priorisiert aber konsequent die Fahrsicherheit.

Beeindruckt bin ich übrigens von der Kameraauflösung, wodurch vor allem die 360°-Ansicht profitiert. Ich fahre eigentlich lieber auf Sicht über die Spiegel, aber zum Ranpirschen an den Bordstein war die Rundumsicht doch sehr hilfreich.

Akku & Verbrauch: Autobahn ist die Achillesferse

BYD setzt auf die hauseigene, robuste Lithium-Eisenphosphat-Technologie (Blade-Batterie) mit 91,3 kWh Kapazität. Im Excellence-Trimm lädt der Wagen am DC-Schnelllader mit bis zu 230 kW. Von 10 auf 80 Prozent vergehen daher knapp 24 Minuten, wobei selbst bei 70 Prozent State of Charge noch beachtliche 150 kW fließen.

AC-seitig sind standardmäßig 11 kW an Bord, zudem beherrscht der Wagen Vehicle-to-Load (V2L) mit bis zu 3,3 kW zur Stromversorgung externer Geräte – so könntet ihr unterwegs z.B. euer E-Bike laden.

Auf der Verbrauchsseite zeigt das 2,3-Tonnen-SUV jedoch zwei Gesichter: 

Die Werksangabe von 502 km nach WLTP rückt auf Langstreckenfahrten mit Reisetempo somit in weite Ferne. Bei 90 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit (angepeilt waren 120, aber Stau diesdas) kam ich bei einem Durchschnittsverbrauch von knapp 22 kWh/100km etwa 400 km mit einer Ladung. Höhere Reichweiten verspricht BYD mit kommenden Generationen – so soll im nächsten Jahr ein erstes E-Auto mit 1.200 Kilometer Reichweite auf den Markt kommen.

Luft nach oben sehe ich noch bei der Verbrauchsauswertung im Bordcomputer. Leider werden lediglich die letzten 50 Kilometer angezeigt, die für mein Empfingen auch immer stark schwankend waren. Auch auf ein Langzeit-Fahrtenbuch hat BYD leider verzichtet. Nur beim Ausschalten des Sealion 7 wird am Zielort eine einmalige Übersicht der Fahrt im Tachodisplay angezeigt.

Meine Erlebnisse bei der Ladeplanung

Zur Routenplanung nutzt das BYD-System übrigens Kartendaten von Google Maps, auch eine adaptive Ladeplanung ist möglich. Diese muss jedoch erst in den Einstellungen aktiviert werden und kann dann auch nicht alle Ladenetzwerke einbeziehen. Das doch beliebte EnBW-Netz ließ sich z.B. nicht auswählen.

byd sealion 7 e auto an ladesäule von enbw

Wofür BYD nichts kann, ist aber weiterhin das unübersichtliche Lade-Wirrwarr: Einfach an eine Säule fahren, ohne danach bankrott zu sein, ist bislang nicht so einfach. Immerhin gibt es mittlerweile vermehrt Terminals zur Kartenzahlung an den Ladesäulen, doch auch da ist es ein Preis-Glücksspiel. Wer preislich halbwegs ertragbar laden möchte, muss sich daher weiterhin mit Ladenetzwerken und ggf. einem Abo für geringere Tarife beschäftigen.

Darüber hinaus gibt es immer noch „solche und solche“ Ladeparks: Mal direkt an einem Autohof, umkreist von Shops und Restaurants, mal abseits jedweder Zivilisation inmitten eines Gewerbegebiets ohne eine Toilette oder sonstige Sitzmöglichkeiten (außerhalb des Fahrzeugs). Klar, mehr Ladepunkte, mehr besser – aber da ist in meinen Augen noch Luft nach oben.

Eine Art „Ladeangst“ habe ich mittlerweile nicht mehr, auch bei verschiedenen Fahrzeugen nicht. Dafür braucht es einfach Erfahrung und ein Gefühl, wie nah man sich den einstelligen Prozentpunkten nähern möchte. Dank Verfügbarkeitsanzeigen in Google Maps lässt sich kurz vor Ankunft an einem Ladepark auch feststellen, ob man ihn ansteuern oder doch lieber eine Alternative finden sollte.

Fazit zum BYD Sealion 7

Der BYD Sealion 7 Excellence bietet erstaunlich viel Auto fürs Geld. Während etablierte deutsche Premiumhersteller für vergleichbare Leistungswerte und Ausstattungen schnell sechsstellige Beträge aufrufen, schnürt BYD ein hochattraktives Gesamtpaket ohne endlose Aufpreislisten.

Wer mit dem erhöhten Verbrauch bei schnellerer Autobahnfahrt und der eingeschränkten Rundumsicht leben kann, erhält ein extrem komfortables, starkes und hervorragend ausgestattetes SUV – nicht nur für den Alltag, auch mal für längere Reisen. Einen Marathonläufer mit Super-Schnell-Laden gibt es hier aber nicht.

Meinung:Ich bin den Sealion 7 wirklich gern gefahren, auch wenn ich persönlich eher Fan eines Kombis bin. Was mir gut gefällt: Design und Verarbeitung, viele Komfort-Features, 6 Jahre Garantie auf das Fahrzeug. Was mich etwas stört: die eher schlechte Rundumsicht nach hinten und der etwas höhere Verbrauch auf der Autobahn. Dennoch gibt es hier einfach richtig viel Auto fürs Geld – ohne sich dabei vorher in den unendlich langen Extra-Listen der deutschen Konkurrenz zu verlieren.

Leonardo Ziaja

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Leonardo Ziaja Portrait Leonardo Ziaja stellv. Chefredakteur

.. ist nicht nur Experte für die Bereiche Smartphones & Gadgets, sondern testet auch andere Hardware-Highlights wie Gehäuse, Mainboards & Gaming-Gear. Zudem beschäftigt er sich gern mit Elektroautos und ist das Gesicht für YouTube, Instagram & Co. Darüber hinaus sorgt er für hochwertige Bilder in unseren Testberichten und berichtet gern von Messen & Events. Seine Leidenschaft: Fußball (Fohlenelf) & Fotografie (Fuji X100V).

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