Der Polestar 3 will vieles zugleich sein: Sportlicher Premium-SUV, futuristisches Design-Statement und smarter Reisebegleiter mit Google Android Automotive OS. Aber wie schlägt er sich wirklich im Alltag – auf kurzen Strecken wie auch auf der Autobahn? Ich habe den Elektro-SUV eine Woche lang fahren dürfen, über 1.800 Kilometer gesammelt und dabei herausgefunden, ob er nur gut aussieht oder auch hält, was er verspricht. Das ist also mein Fahrbericht zum Polestar 3!
Mit einem Preis ab 74.590 Euro UVP ist der Polestar 3 sicher kein erschwingliches Elektroauto, kommt aber direkt als Long Range Single Motor mit 706 km WLTP-Reichweite, 299 PS Leistung und einigen Premium-Features daher – hat also doch einiges zu bieten. Als nächstes auf meiner „Ich probiere E-Autos aus“-Liste ist aber ohne Frage ein Kandidat im unteren Preisbereich dran (Vorschläge gerne in die Kommentare!).
Für unseren Fahrbericht stand uns der Polestar 3 als Long Range Dual Motor mit Performance-Paket, 567 km WLTP-Reichweite und 517 PS zur Verfügung (ab 88.190 Euro bestellbar). Doch damit konkurriert der E-SUV mit einem BMW iX xDrive60 (ab 105.700€), Audi SQ6 e-tron (ab 93.800 €) und Mercedes EQE 500 4Matic SUV (ab 99.800€). Vergleichsweise ist er in diesem Preisbereich also „günstig“, auch wenn das nach wie vor eine Stange Geld ist.
Design & Ausstattung
Ich bin ein großer Fan des Designs, weswegen ich den Polestar 3 unbedingt fahren und testen wollte. Schon mein Erfahrungsbericht zum Polestar 2 vor drei Jahren hat mir Freude bereitet: Minimalistisches Design, klare Linien, keine Schnörkeleien – das trifft auch auf den neuen 3er zu. Vor allem die sportliche Front mit dem dezenten Frontspoiler (perfekt für ’ne Ladepause als Pommestheke geeignet) sagt mir zu.
Das breite Leuchtband im Heck rundet das elegante Design wunderbar ab. Ein Heckspoiler darf hier natürlich ebenfalls nicht fehlen, der das recht stark abflachende Dach etwas kaschiert. Spannend sind jedoch die beiden „Flaps“ an den Seiten, die den Luftstrom wohl besser führen dürften. Generell hat der Polestar 3 jedoch ein recht wuchtiges Auftreten, obwohl er eigentlich gar nicht so groß da steht.
Mit einer Länge von 4,90 Meter und einer Breite von 2,12 Metern ist er kompakter als so manch anderer SUV in dieser Klasse. Dennoch gibt es einen geräumigen Innenraum und einen Kofferraum mit 597 Litern Volumen, der noch von einem Frunk mit 32 Litern ergänzt wird – perfekt für das Ladekabel.
Durch das Performance-Paket erhält der Polestar 3 ein paar Upgrades:
- Software-Upgrade auf mehr Leistung (+28 PS & +70 Nm)
- geschmiedete 22″-Performance-Räder mit Pirelli P Zero Bereifung
- einstellbares Luftfahrwerk in drei Modi
- Akzente in Schwedengold (z.B. Gurte, Bremssättel und Ventilkappen)
Neben dem schneeweißen „Snow“ bietet Polestar seinen 3er noch in weiteren, eher seichten Tönen an. Das skandinavische Minimaldesign verstehe und mag ich zwar sehr, doch etwas mehr Farbe hätte dem E-Fahrzeug gut gestanden – beispielsweise ein schickes Dunkelgrün oder kräftigeres Dunkelblau. Meine persönliche Wahl wäre wohl auf das Space-Schwarz gefallen (starker Batman-Look).
Innenraum & Bedienung
Im Innenraum, der ebenfalls sehr minimalistisch gestaltet wurde, gibt es verschiedene Materialoptionen. In der Basis liefert Polestar das Fahrzeug mit biobasiertem WeaveTech-Material aus, ein angenehmer Stoff. Unser Testfahrzeug verfügt jedoch über tierschutzgerechtes Nappaleder vom namhaften Autoleder-Hersteller Bridge of Weir. Das Upgrade nimmt zwar 6.000 Euro in Anspruch, doch dafür genügt es auch strengen Tierschutz- und Qualitätsstandards – und immerhin musste dafür auch kein Tier sein Leben lassen.

Mit an Bord sind allerdings auch eine aktive Sitzbelüftung, elektrische Seitenwangen und die fantastische Massagefunktion mit fünf Modi (ein Traum, kann ich empfehlen!). Wichtig zu wissen ist auch: Wer Ledersitze wünscht, muss zwingend auch das Pilot-Paket (2.800€) und das Plus-Paket (6.000€) dazubuchen.
Smartphone als digitaler Schlüssel nutzbar!
Das Smartphone lässt sich übrigens auch als digitaler Schlüssel für den Polestar 3 nutzen. Über die UWB-Technologie werden aktuell allerdings nur einige Smartphones von Apple, Google und Samsung unterstützt. Testen konnte ich das leider nicht, da es Probleme mit dem Test-Account gab.
Und was mir hin und wieder sauer aufgestoßen ist: Es werden zwei NFC-Karten und ein dritter Schlüssel ohne Knöpfe mitgeliefert – soweit, so gut. Damit ließ sich unser Testfahrzeug aber leider nur direkt an den ausfahrbaren Türgriffen durch „Dranhalten“ öffnen – eine Fernöffnung/-verriegelung ist damit nicht möglich.

Zudem wollte das Auto den Schlüssel stets auf dem Ladepad des Smartphones sehen, bevor die Fahrt starten konnte – erst danach ließ er sich woanders unterbringen. Lösen ließen sich diese Schwierigkeiten wohl nur mit dem Smartphones als Schlüssel (oder ich konnte mich auch einfach nicht dran gewöhnen).
Schickes Lenkrad mit unbeschrifteten Touchtasten
Wovon ich wiederum ein Fan war: Das Lenkrad hatte nur vier Bedienelemente, von denen zwei (links) nur für das assistierte Fahren vorgesehen sind. Zudem kommen die Touch-Tasten ohne eine Beschriftung aus, da die hinterlegte Funktion erst bei leichter Berührung im Fahrerdisplay angezeigt wird – ebenfalls gewöhnungsbedürftig, für mich aber vollkommen fein.
Dem minimalistischen Konzept folgend, denn ihr regelt alles über das Display, gibt es ansonsten nur noch eine Taste: Den runden Play-Pause-Button mit Lautstärkerad – so simpel, aber so gut. Und Ja, auch das Handschuhfach wird auf dem Display in den Schnelleinstellungen geöffnet.
Insgesamt hinterließ der Innenraum einen sehr gemütlichen Eindruck. Dafür sorgten nicht nur die bequemen Sitze, auch das minimalistische Design gefiel mir gut. Der Ambientebeleuchtung hätte Polestar aber ruhig noch etwas mehr Helligkeit und auch weitere Farben spendieren könnten, da bleibt der Nio ET5 (Test) bei mir bisher ungeschlagen.
Fahren & Assistenzsysteme
Während das Pilot-Paket mit einem Pilot Assist für bis zu 150 km/h (assistierendes Fahren), Spurwechselassistent und sehr starker 360°-Kamera mit 3D-Sicht daherkommt, fügt das Plus-Paket noch weitere Ausstattungsmerkmale hinzu. Serie ist übrigens ACC (adaptiver Tempomat), Park Assistent und Cross Traffic Alert mit Bremsunterstützung. Hierfür greift es auf 12 Ultraschallsensoren und eine Frontradareinheit zurück.
Das ist im Plus-Paket enthalten:
- Bowers & Wilkins Soundanlage mit 1.610 Watt Leistung, 25x Lautsprechern, 3D Surround Sound mit Dolby Atmos, 2x 40 mm Treiber in den vorderen Kopfstützen (10 Lautsprecher System mit 300 Watt)
- Headup-Display (recht simpel gestaltet, passt aber zum minimalistischen Ansatz)
- Infrarot-Windschutzscheibe (sorgt für geringere Temperatur im Inneren und somit reduzierten Energiebedarf der Klimasystems)
- einklappbare Ladefläche beim Kofferraum
- Lenkradheizung, Rücksitze mit Sitzheizung und beheizbare Wischerblätter
- Feinstaubsensor mit besonders feinem Innenraumfilter
- Soft-Close-Türen
Das Fahrgefühl konnte mich allerdings überzeugen: Die 2,6 Tonnen machen sich kaum bemerkbar, der 3er fährt vergleichsweise agil und sorgt mit seiner Luftfederung für eine komfortable, aber sportliche Fahrt. Auch die Assistenzsysteme sind eine willkommene Ergänzung, um im langsamen, fließenden Verkehr oder auch im Stau für etwas Entspannung zu sorgen – besonders in Kombination mit den Massagesitzen.
Software: Android im Auto
Wie schon damals beim Polestar 2, kommt auch beim neuen Polestar 3 wieder Android Automotive OS (AAOS) zum Einsatz. Bedeutet konkret: Sowohl auf dem 9 Zoll großen Fahrerdisplay als auch 14,5 Zoll großen Infotainment-Display läuft das Google-Betriebssystem für Fahrzeuge. Dadurch wird Google Maps standardmäßig zur Navigation genutzt, was einige Vorteile mit sich bringt – unter anderem eine smarte Routenführung mit adaptiver Ladeplanung.

Darüber hinaus könnt ihr über den Play Store von Google einige, aber nicht alle Apps herunterladen. Während Netflix fehlt, stehen zumindest YouTube und Amazon Prime Video zur Verfügung. Auch diverse Streaming-Dienste sind mit dabei, beispielsweise Spotify und YouTube Music.
Ich mag Android Automotive OS, aber es ist noch Luft nach oben!
Generell ist die Bedienung über das Hauptdisplay sehr übersichtlich gestaltet. Es braucht zwar etwas Eingewöhnung, doch dann findet ihr euch gut zurecht. Auf Android Auto über euer Smartphone könnt ihr dann übrigens verzichten, außer ihr wollt kompatible Apps auf eurem Smartphone doch auf dem großen Display nutzen. Für iPhone-Nutzer ist CarPlay allerdings vollumfänglich und kabellos nutzbar.
Gegenüber dem Polestar 2 wurde das Design der Oberfläche stark überarbeitet und macht nun einen besseren, erwachseneren und auch hochwertigeren Eindruck. Orange als Kontrastfarbe wurde beibehalten, was mir gefällt. Dazu gibt es praktische Schnelleinstellungen am unteren Rand.
Leider ohne Gemini und ohne Whatsapp-Benachrichtigungen ..
Was mir aber weiterhin fehlt: Es gibt keine Info über eingehende Benachrichtigungen, beispielsweise von Whatsapp. Natürlich sollt ihr während der Fahrt nicht zum Handy greifen, weswegen es bei Android Auto eine Vorlese- und Antwort-Möglichkeit über den Google Assistant gibt – die fehlt mir bei AAOS. Auch Gemini als Sprachassistenz ist noch nicht mit an Bord und wäre ein fantastisches Upgrade gewesen.
Eine Mängelrüge gibt es darüber hinaus beim Thema Systemsicherheit, denn unser Testfahrzeug setzt auf Android 12 mit einem Sicherheitspatch von Februar 2025 (zum Testzeitpunkt Ende August 2025). Dass Autos nicht direkt mit der neusten Android-Version versorgt werden, wie das bei Smartphones der Fall ist, ergibt irgendwo Sinn. Dennoch würde ich mir zumindest aktuellere Patches wünschen.
Leistung & Reichweite
Angetrieben wird der Polestar 3 in der Dual-Motor-Variante von zwei Motoren, die zusammen mit Performance-Paket bis zu 380 kW (517 PS) leisten und 910 Nm Drehmoment erreichen. Den Sprint von 0 auf 100 km/h erreicht das Elektroauto damit in 4,7 Sekunden, was angesichts des Leergewichts von knapp 2,6 Tonnen durchaus beachtlich ist. Dazu erreicht der Polestar 3 eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h.

Die Energie kommt von einem 111 kWh Akku mit 400 Volt Technik und Lithium-Ionen-Akkus (den gibt es übrigens auch im Basismodell). Dieser soll nach WLTP eine Reichweite von bis zu 567 Kilometern erreichen, was für ein SUV mit diesem Gewicht kein schlechter Wert ist. Polestar gibt einen kombinierten Energieverbrauch von 23,0-21,9 kWh/100 km an.
Ein Stromfresser auf der Autobahn?
Nach über 1.800 gefahrenen Kilometern (80% Autobahn, 10% über Land, 10% in der Stadt) zeigte mir das System allerdings einen durchschnittlichen Verbrauch von 29,7 kWh / 100 km an. Woran das liegt? Naja, das Auto machte derart viel Spaß zu fahren, dass ich hin und wieder einfach mal etwas stärker aufs Gaspe .. äh, Strompedal treten „musste“ (natürlich nur, wenn es Straße, Verkehr und Wetter hergaben).
Es kommen aber noch weitere Faktoren hinzu: Ich war größtenteils auf der Autobahn unterwegs und hatte oft alle vier Sitzplätze mit dem Team belegt. Allein unterwegs, mit Reichweitenmodus und über die Landstraße düsend waren auch unter 20 kWh / 100 km möglich. Heißt konkret: Für den Alltag kommt ihr locker auf die 500 Kilometer Reichweite, auf der Autobahn hat es bei mir mit angepeilten 120 km/h Durchschnitt etwa für 350 Kilometer gereicht.
Lädt flott mit bis zu 250 kW!
Doch das Gute: Laden lässt sich der Polestar 3 mit bis zu 250 kW Leistung, wodurch er 30 Minuten für 10 bis 80 % benötigt. Mit 800V wäre da noch mehr möglich, doch der Wert ist keinesfalls schlecht. Und ganz ehrlich: Nach drei bis vier Stunden sollte jeder mal eine Pause machen – kurz Pinkeln gehen, ’ne Pommes hinterher und schon ist der Akku wieder (fast) voll. Polestar vergibt übrigens eine 8-jährige Batteriegarantie.
Android Automotive OS hat dabei übrigens sehr angenehm agiert und automatisch Ladestopps hinzugefügt bzw. verändert, wenn ich doch mal zu stark auf die Tube gedrückt habe. Ihr könnt dabei sogar Ladeanbieter und Ladeleistungen filtern. Ein Vorheizen war nicht nötig, das hat das Fahrzeug bei aktiver Navigation automatischn übernommen. Kompatibel ist der Wagen übrigens auch mit Plug & Charge Ladepunkten.
Mein Fazit zum Polestar 3
Der Polestar 3 hat mich im Test wirklich positiv überrascht. Schon beim Einsteigen merkt man, wie viel Wert Polestar auf ein aufgeräumtes, minimalistisches Design und hochwertige Materialien gelegt hat – das fühlt sich nach Premium an, ohne überladen zu wirken. Auf der Straße fährt er sich sehr souverän, bietet ordentlich Leistung und gleichzeitig jede Menge Komfort, was ihn gerade auf längeren Strecken zum idealen Begleiter macht.
Besonders gelungen finde ich Android Automotive OS mit der integrierten Google-Navigation und smarten Ladeplanung – das macht das Reisen deutlich entspannter. Hier und da ist aber noch Luft nach oben: Ich würde mir noch Google Gemini als Assistenten wünschen, ein aktuelleres Android-Design und eine Vorlese- und Antwort-Funktion für Whatsapp, so wie bei Android Auto.
Trotzdem bleibt unterm Strich ein starker Eindruck: Mit einer realistischen Reichweite von rund 500 Kilometern im Alltag und einer vergleichsweise sehr fairen Preisgestaltung im Premiumsegment ist der Polestar 3 definitiv eine spannende Alternative zu Audi, BMW und Mercedes.
Was mir gut gefällt:
- sportliches Design mit skandinavischem Minimalismus
- geräumiger Innenraum mit angenehmen Design & toller Verarbeitung
- angenehmes Fahrgefühl mit viel Komfort, aber auch Sportlichkeit
- fette Soundanlage mit Dolby Atmos Surround-Sound
- gute Kombination aus großem Hauptdisplay und kompaktem Fahrerdisplay + Head-Up
- unterstützt digitalen Smartphone-Schlüssel per UWB (Google, Samsung & Apple)
- Google-System mit einigen Apps & aktueller Maps-Navigation
Was mir nicht so gut gefällt:
- leider immer noch keine Vorlese- und Antwort-Funktion für WhatsApp z.B.
- noch kein Google Gemini, stattdessen „alter“ Assistant
- nicht die aktuelle Android-Version mit altem Sicherheitspatch
- NFC-Schlüssel ohne Fernöffnung/-verriegelung
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