Mit dem Dark Rock 6 und Pro 6 bringt be quiet! überraschend früh neue High-End-Luftkühler an den Start – teurer, stärker und mit Semi-Passiv-Modus. Doch lohnt sich das Upgrade wirklich gegenüber den beliebten Vorgängern und der starken Konkurrenz? Wir haben die beiden Kühler genauer unter die Lupe genommen!
Während zwischen Dark Rock Pro 4 und Dark Rock Pro 5 knapp fünf Jahre lagen, bringt be quiet! nach nur 2,5 Jahren den Dark Rock 6 und Dark Rock Pro 6 auf den Markt. Während das „kleine“ Modell für 89 Euro den Besitzer wechselt, startet die Pro-Version für 109 Euro. Beide Kühler sind damit teurer als die Vorgänger, was angesichts allgemein steigender PC-Komponentenpreise nicht allzu stark verwundert. Trotz allem stößt der Preisanstieg vor allem beim kleinen Modell (+20 Euro) etwas sauer auf.
Zum Lieferumfang gehören Montagehalterungen für alle aktuellen Sockel, eine kleine Tube Wärmeleitpaste und ein extralanger Schraubendreher. Persönlich war ich etwas über das Verpackungsdesign verwundert. Zwar verzichtet be quiet! in diesem Jahr auf Schaumstoff und setzt stattdessen auf Pappe, dafür wurde jedoch der Kühlkörper extra in Plastikfolie verpackt.
Design: Mehr Elite als Pro
Das Design der Dark Rock 6 Serie wirkt deutlich „verspielter“ als noch in den letzten Generationen. Be quiet! übernimmt hier weitestgehend das Design des Dark Rock Elite, verpasst dem Kühlkörper allerdings zusätzliche Plastikabdeckungen. Eine RGB-Beleuchtung gibt es jedoch nicht.
Im Kern handelt es sich bei beiden Modellen um klassische Tower-Kühler, das Pro-Modell setzt das Dual-Tower-Design daher. Der Kühlkörper wird hier von sieben Heatpipes durchzogen, die in einer vernickelten Kupferbodenplatte enden. Der reguläre Dark Rock 6 besitzt wiederum nur einen Kühlkörper mit sechs Heatpipes.
Auch in Sachen Höhe unterscheiden sich die Kühler: 169 Millimeter beim Pro-Modell und 162 Millimeter beim Basismodell. Falls die Lüfterposition nach oben hin angepasst werden muss, wird natürlich mehr Platz benötigt. Checkt also unbedingt vorher, ob euer Gehäuse genügend Freiraum bietet. Die Verarbeitung der beiden Kühler ist außerdem auf einem gewohnt hohem Level.

Meinung:Der be quiet! Dark Rock 6 und Dark Rock Pro 6 sind definitiv sehr gute Luftkühler, die mit einer hohen Leistung und einem ruhigen Betrieb überzeugen. Allerdings sind sie aus meiner Sicht nicht unbedingt der „große Wurf“. Der Generationssprung fällt eher klein aus und sinnvolle Features, die eine neue Generation rechtfertigen würden, wurden nicht implementiert.
Allen voran kommt mir hier das fehlende Offset-Kit in den Kopf, das bei anderen Herstellern inzwischen zum Standard-Lieferumfang gehört. Lediglich der semi-passive Modus ist eine spannende Neuerung – die jedoch nur eine kleine Silent-Nische ansprechen wird. Ob also nach gerade einmal 2,5 Jahren eine neue Kühler-Serie notwendig war, bleibt für mich fraglich.
Auch bin ich selbst kein großer Freund von der Lüfterbefestigung per Schiene. Natürlich ist das zunächst einmal eine Quality-of-Life-Verbesserung, die den Einbau erleichtert. Bei einem Defekt nach Garantieablauf kann genau diese Verbesserung aber zum Problem werden, da die Lüfter nicht einfach ausgetauscht werden können. Hier spreche ich jedoch aus eigener, negativer Erfahrung mit einem anderen Produkt.
Lüfter: Einzel- oder Doppelpack?
Der Dark Rock 6 besitzt eine einfache Lüfter-Ausstattung. Be quiet! setzt hier auf einen 135-mm-Lüfter, der mit maximal 2.000 RPM arbeitet. Im Gegensatz dazu verpasst der Hersteller dem Dark Rock Pro 6 zwei Lüftern, wobei be quiet! hier einen 135-Millimeter- und einen 120-Millimeter-Lüfter verbaut. Letzterer arbeitet mit 2.000 RPM, der zweite im Bunde mit 1.900 RPM.
Be quiet! setzt in beiden Fällen auf ein proprietäres Lüfter-Befestigungssystem mit Schienen, das eine Höhenverstellung ermöglicht. Beide Kühler nutzen ein Schienensystem, das wir in ähnlicher Form bereits vom Dark Rock Pro 5 kennen. Eine klassische Installation mithilfe von Lüfterklammern nicht vorgesehen. Somit ist man im Fall eines Defektes auf einen Ersatzlüfter von be quiet! angewiesen.
Semi-passiver Modus für mehr Ruhe bei Leerlauf
Darüber hinaus verfügen beide Kühler über einen integrierten Modus-Schalter. Dieser erlaubt den Wechsel vom klassischen PWM-Betrieb in einen semi-passiven Modus. In letzterem wird das PWM-Signal des Mainboards gezielt angepasst, sodass die Lüfter bei einer Signalstärke von unter 40 Prozent vollständig abgeschaltet werden. Liegt die PWM-Kurve des Lüfters bei 40 °C unter 40 Prozent PWM, schaltet er sich automatisch ab. Sobald die Temperatur den gesetzten Rahmen übersteigt, fängt er wieder an zu drehen. Dadurch arbeiten die Lüfter unabhängig von der jeweiligen Lüfterkurve des Mainboards oder manuellen Anpassungen durch den Nutzer lautlos.

Montage
Der be quiet! Dark Rock 6 und Dark Rock Pro 6 sind mit den Sockeln AM5, AM4, LGA 1851, 1700 und 1200 kompatibel, womit alle aktuellen Mainstream-Plattformen abgedeckt werden. Sowohl auf AMD- als auch auf Intel-Systemen kommen zur Installation zwei Montagebrücken zum Einsatz, auf denen der Kühler verschraubt wird. Im Fall unseres LGA1700-Systems wird zunächst die Backplate hinter dem CPU-Sockel angebracht und anschließend mit vier Rändelmuttern befestigt. Darauf werden dann die Brücken gesetzt – der Kühler wird hierauf anschließend mit gefederten Montageschrauben fixiert.
Leider ohne Offset-Kit
Im Vergleich zu den jeweiligen Vorgängern wurde das Montagesystem nicht überarbeitet. Das ist allerdings keinesfalls etwas Negatives – der Einbau ist super simpel und mit wenigen Handgriffen erledigt. Ich war lediglich etwas enttäuscht, dass be quiet! kein Offset-Kit für den Intel-Sockel LGA 1851 mitliefert, mit dem sich die Kühl-Performance nochmals verbessern könnte. Der wichtigste Konkurrent, der Noctua NH-D15 G2, kann mit einer entsprechenden Lösung punkten.

Testsystem
Um eine möglichst große Vergleichbarkeit zu ermöglichen, wird die Raumtemperatur während des Tests über eine Klimaanlage bei 21 °C gehalten. Nach einer rund 20-minütigen Aufwärmphase startet die eigentliche Belastungsprobe. Hierfür wird die CPU mittels Prime95 (Small-FFT-Test) unter Last gesetzt.
Anschließend werden die Temperaturen in einem Zeitraum von 30 Minuten bei fixierten 1.000 RPM Lüfterdrehzahl und maximaler Lüfterdrehzahl gemessen. Letztlich wird dann der Median aus den Werten gebildet. Zum Auslesen der Temperaturwerte verwenden wir HWInfo.
Praxis: Pro ist jetzt Elite
Beide Kühler sind für besonders stromhungrige und übertaktete CPUs ausgelegt. Dabei kann der Dark Rock Pro 6 bis zu 300 Watt TDP abführen und somit etwa 30 Watt mehr als noch der Vorgänger. Die abführbare TDP des Dark Rock 6 liegt wiederum bei 220 Watt – 10 Watt mehr als beim Dark Rock 5.
Zunächst zum Basismodell: Dieses kühlt die CPU bei 1.000 RPM auf 76 °C herunter, womit es das gleiche Niveau erreicht wie sein direkter Vorgänger. Bei voller Drehzahl werden 68 °C erreicht, womit er mit dem beliebten Arctic Freezer 36 gleichzieht.
Spannender ist der Blick auf den Dark Rock Pro 6, der nochmals stärker ist – für die Spitze reicht es allerdings nicht aus. So konnten wir bei 1.000 RPM 73 °C und bei maximaler Power 65 °C messen. Damit zieht das neue Pro-Modell mit dem be quiet! Dark Rock Elite gleich, ein Noctua NH-D15 G2 bleibt aber besser. Letzterer ist zugegebenermaßen jedoch nochmals größer und teurer.
In Sachen Lautstärke machen beide Dark Rock 6-Modelle eine sehr gute Figur. Bei 1.000 RPM bleiben die Lüfter angenehm leise und auch bei voller Drehzahl werden sie nicht störend. Dank semi-passivem Modus bleiben die Lüfter bei niedriger Last sogar komplett still – ein nettes Extra für Silent-Freaks.
Fazit
Die be quiet! Dark Rock 6-Serie kann erneut mit einer sehr hohen Kühlleistung, einer einfachen Montage und einem ruhigen Betrieb überzeugen. Im Vergleich zur Dark Rock 5-Serie wurde die Kühlleistung nochmals verbessert, wobei vor allem der Dark Rock Pro 6 hier mit seiner Leistung hervorsticht.
Immerhin landet der Luftkühler nur knapp hinter einer be quiet! Pure Loop 2 FX Wasserkühlung. Damit ist das Pro-Modell besonders für Personen mit leistungsstarken CPUs interessant, die nicht auf eine Wasserkühlung setzen möchten.
Kritik gibt es lediglich für den Preis: Mit 89,90 Euro respektive 109,90 Euro sind die beiden Kühler nicht gerade günstig. Mit dem semi-passiven Modus bietet be quiet! zwar einen einzigartigen Mehrwert, dieser dürfte jedoch nicht für alle interessant sein. Wer auf das Extra verzichten kann, sollte aktuell lieber noch zum be quiet! Dark Rock Pro 5 greifen, den es schon ab 80 Euro gibt. Der Dark Rock Elite samt dezenter ARGB-Beleuchtung ist ebenfalls schon ab 84 Euro erhältlich.
Wer noch einen der Vorgänger im Einsatz hat, braucht wiederum nicht zwingend upzugraden. Der Leistungsgewinn fällt nicht groß genug aus, als dass sich ein Neukauf lohnt.
Mit * oder markierte Links sind „Affiliate-Links“. Mit dem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Verkaufsprovision, ohne dass du mehr bezahlst.
















