Ryzen 9 7950X & Ryzen 7 7700X im Test: AMDs Zen-4-Debüt

Mit neuer Architektur gegen Raptor Lake
AMD

AMD setzt bei Ryzen 7000 auf einen neuen Sockel und eine neue Architektur, doch auch die Taktraten sowie Leistungsaufnahmen sind gestiegen. Wir haben den Ryzen 9 7950X und Ryzen 7 7700X im Test gegen aktuelle Intel-CPUs der 13. Generation antreten lassen und werfen auch einen Blick auf das Asus ROG Strix X670E-E Gaming WiFi.

Zen 4 und AM5

Die Ryzen-7000-Serie, alias Raphael, ist seit Ende September in Form von vier Desktop-Prozessoren erhältlich. Bereits optisch unterscheiden sie sich deutlich von den Ryzen-5000-Modellen, denn AMD ist zu einem Land-Grid-Array-Design (LGA) gewechselt. Wie bei Intel-CPUs gibt es demnach Kontaktflächen anstatt Pins auf der Unterseite. Zudem hat das Unternehmen den seit der ersten Ryzen-Generation genutzten AM4-Sockel abgelöst. 

AM5 soll bis mindestens Ende 2025 nicht ersetzt werden, jedoch bedeutet dieser Schritt, dass zum Aufrüsten eines bestehenden AMD-Systems zwingend auch ein neues Mainboard vonnöten ist. Ebenso lässt sich vorhandener DDR4-Arbeitsspeicher nicht übernehmen, da Ryzen 7000 einzig den neueren DDR5-Standard unterstützt. Außerdem wird PCIe-5.0-Support geboten. Natürlich ist nicht nur der Sockel neu, sondern ebenfalls die CPU-Architektur. 

Laut AMD ermöglicht Zen 4 gegenüber Zen 3 eine durchschnittlich 13 Prozent höhere Leistung pro Taktzyklus (IPC). Die Fertigung der Compute-Chiplets erfolgt im Fünf-Nanometer-Verfahren bei TSMC, während der I/O-Die mit sechs Nanometern produziert wird. Bei Intel basiert die aktuelle Generation, Raptor Lake (Test), hingegen auf einer Zehn-Nanometer-Fertigung. 

Des Weiteren weisen die neuen Ryzen-Prozessoren höhere Maximaltaktraten sowie gestiegene Leistungsaufnahmen auf. Die Ryzen-9-Modelle genehmigen sich den Spezifikationen zufolge maximal 230 Watt, Ryzen 7 und Ryzen 5 wiederum höchstens 142 Watt. Im Gegensatz zu Ryzen 5000 beinhalten die CPUs außerdem eine integrierte Grafikeinheit.

X670E-Chipsatz

X670E ist der High-End-Chipsatz der aktuellsten Generation und besteht auf entsprechenden Mainboards aus je zwei Chips. X670E und X670 bieten insgesamt 44 PCIe-Lanes, doch Zugriff auf 24 PCIe-5.0-Lanes des jeweiligen Ryzen-7000-Prozessors haben nur die Extreme-Chipsätze X670E sowie B670E. Bei X670 gibt es maximal Zugriff auf acht PCIe-5.0-Lanes und bei B650 ist PCIe 5.0 lediglich optional. 

Bild: AMD

Alle AMD-Chipsätze der 600-Serie, auch B650, sind für das Übertakten von Ryzen-Prozessoren freigeschaltet. Natürlich hängt das Overclocking-Potenzial auch von der Kühlung sowie der Stromversorgung des Mainboards und Netzteils ab, aber leichtes Übertakten ist somit selbst mit einem erschwinglichen Mainboard-Modell möglich. Die umfassendere PCIe-5.0-Unterstützung ist also der unterscheidende Faktor zwischen X670E und X670, da die Eigenschaften hinsichtlich der USB- und SATA-Unterstützung gleich sind. 

Wer hingegen ein Mainboard mit B650E oder B650 wählt, muss in der Regel mit halbierter Anzahl möglicher USB- und SATA-Schnittstellen rechnen. Letztlich entsprechend die Angaben zu den möglichen Schnittstellen aber nicht der Realität. Die Anzahl der SATA- und USB-Ports hängt stets vom jeweiligen Mainboard-Modell ab. Schließlich hat nicht jede X670-Platine zwölf USB-3.1-Ports, sondern der Chipsatz erlaubt theoretisch bis zu zwölf. Beispielsweise kann es auch B650-Modelle geben, die gar keinen USB-3.2-Anschluss aufweisen, obwohl der Chipsatz dies eigentlich unterstützt.

Die Chipsätze sollten also eher nur als Orientierungspunkt für die gewünschten Features dienen, um dann im entsprechenden Mainboard-Segment spezifischer nach dem Wunschmodell zu suchen.

Asus ROG Strix X670E-E Gaming-WiFi

Das Asus ROG Strix X670E-E Gaming WiFi ist ein Motherboard mit einer Fülle von Funktionen wie PCIe Gen 5. Es wird zum Testzeitpunkt für rund 580 Euro angeboten, während der X570-Vorgänger bereits für knapp 390 Euro erhältlich ist. Es wird mit einigen netten ROG-Extras in der Box geliefert, einschließlich eines ROG-Strix-Aufklebers, eines Schlüsselanhängers und eines Grafikkartenhalters, der bei neuesten GPUs eindeutig vonnöten ist.

Für die Stromversorgung der CPU gibt es 18+2 Phasen sowie zwei Acht-Pin-Stromanschlüsse. Die VRM-Kühlkörper sind durch eine Heatpipe miteinander verbunden und durch das achtlagige Platinendesign soll die Wärme ebenfalls schnell abgeleitet werden. Um die Wärmeentwicklung der neuen Ryzen-Prozessoren in Zaum zu halten, gibt es im BIOS übrigens die praktische Funktion PBO Enhancement. Rechts neben dem CPU-Sockel befinden sich vier DIMM-Bänke für DDR5-Arbeitsspeicher. Maximal 6.400 MT/s mit einem Speichermodul unterstützt das Mainboard, mit vier Speichermodulen sind es 5.800 MT/s.

Zwei der vier M.2-Steckplätze profitieren von der PCIe Gen 5, sobald entsprechende SSDs erscheinen. Das Motherboard verfügt außerdem über eine Q-Release-Taste für den 16x-PCIe-Steckplatz der GPU und eine Q-Latch für den einfachen werkzeuglosen Zugriff auf die M.2-Laufwerkssteckplätze. Entsprechende Laufwerke werden dank Kühlkörper und Wärmeleitpads passiv gekühlt.

Weitere Spezifikationen:

Das Asus ROG Strix X670E-E Gaming WiFi verfügt zudem über vier SATA-Anschlüsse für Festplatten, doch wer mehr benötigt, muss möglicherweise zu einem teureren Modell greifen. Insgesamt 13 USB-Anschlüsse sind vorhanden, jedoch ohne Thunderbolt 4- oder USB4-Support. Zudem verfügt es über Intels 2.5GbE und Wi-Fi 6E. Das Design der Hauptplatine ist mit kantigen Designmerkmalen und anpassbarem RGB versehen. Insgesamt ist das ROG Strix X670E-E ein hochwertiges Motherboard mit vielen Anschlüssen und Oberklasse-Eigenschaften, aber der Aufpreis zum Vorgängermodell fällt mit über 150 Euro auch extrem aus. Thunderbolt 4 hätte man anstelle des hinteren USB-3.2-Ports durchaus erwarten können.

Pro

  • Wi-Fi 6E und 2,5G-LAN
  • gute Stromversorgung für CPU-Übertaktung
  • PCIe 5.0 für SSD und GPU
  • viele USB-Anschlüsse

Contra

  • weder Thunderbolt noch USB4
  • deutlich teurer als das Vorgängermodell

Praxistest

Mit dem passenden Mainboard und weiterer Komponenten kann es nun losgehen mit einem Leistungs-Check der beiden Zen-4-Prozessoren. Wir verwenden dafür folgende Testsysteme:

Testsysteme:

CPUCore i9-13900K / Core i7-13700KRyzen 9 7950X / Ryzen 7 7700X
MainboardMSI MPG Z790 Carbon WiFiAsus ROG Strix X670E-E Gaming-WiFi
KühlungMSI Coreliquid S360Asus ROG Ryuijin II 360
RAMKingston Fury Beast DDR5 32 GB @5.200 MHzKingston Fury Beast DDR5 32 GB @5.200 MHz
SSDWD_Black SN850X (1 TB)WD_Black SN850X (1 TB)
Netzteilbe quiet! Dark Power Pro 12 1200WAsus ROG Thor 1000W Platinum II
GehäuseBench-TableBench-Table
BetriebssystemWindows 11 Pro x64 22H2Windows 11 Pro x64 22H2
GPUKFA2 RTX 3070 TiKFA2 RTX 3070 Ti

Verwendete Benchmarks und Einstellungen

Verwendete Spiele und Einstellungen

Benchmark-Leistung

Der Ryzen 9 7950X unterliegt im zehnminütigen CPU-Stresstest von Cinebench R23 dem Intel Core i9-13900K mit lediglich 5,35 Prozent Abstand bei der Multi-Core-Leistung. Intels Core i7-13700K ist in diesem Szenario nur knapp 24 Prozent langsamer als der Ryzen 9, aber rund 34 Prozent schneller als AMDs Ryzen 7 7700X. Der Ryzen 7 schafft nämlich nur etwa die halbe Leistung des Core i9 und ist 88,24 Prozent langsamer als der Ryzen 9 im Multi-Core-Test.

Im Single-Core-Test von Cinebench glätten sich die Kurven insgesamt. Um 10,88 Prozent landet der Ryzen 9 7950X hinter dem neuen Intel Core i9 und um 5,46 Prozent hinter dem Core i7. Nur 1,17 Prozentpunkte ist der Ryzen 9 hier schneller als der Ryzen 7. Letzterer platziert sich 6,55 Prozent hinter dem Core i7 und 11,91 Prozent hinter dem Core i9.

Ebenso bei 3DMark Time Spy Extreme siegen die beiden Intel-Prozessoren. Rund drei Prozent schneller ist in diesem Test der Core i9 gegenüber dem Ryzen 9. Zwischen dem Ryzen 9 und Ryzen 7 liegen 7,66 Prozent bei der Gesamtwertung, aber 85 Prozent bei dem CPU-Ergebnis. Der Ryzen 7 schneidet um 6,63 Prozent langsamer als der Core i7 im Gesamtergebnis ab, aber der Abstand wächst auf 29,52 Prozent in der CPU-Wertung.

Kaum Unterschiede gibt es wiederum im Videoschnitt-Test von Procyon. Intels Flaggschiff platziert sich dabei 4,43 Prozentpunkte vor dem AMD-Pendant, während der Core i7 nur 1,25 Prozent vor dem Ryzen 7 7700X liegt. Die beiden AMD-Prozessoren trennen hier auch nur 1,31 Prozent.

Gaming-Leistung

Nicht nur in den Benchmarks hat Intel die Oberhand, sondern ebenfalls in den Spiele-Tests. Die Leistungsunterschiede sind in Spielen insgesamt jedoch marginal. Je nach Titel variiert Intels Vorsprung um lediglich rund einem und vier Prozent, in Warhammer sind der Ryzen 7 und Core i7 bei HD-Auflösung sogar effektiv gleichauf. 

Zwischen beiden Ryzen-CPUs gibt es je nach Szenario mal keinen Unterschied, mal liegt der Ryzen 7 um höchstens drei Bilder pro Sekunde vorn oder der Ryzen 9 überwiegt mit maximal rund fünf Prozent beziehungsweise neun Bildern pro Sekunde. Die vier Prozessoren bieten genug Leistung, um in normalen Spiele-Szenarien nicht zum Flaschenhals zu werden. Der entscheidende Faktor ist fürs Gaming letztlich immer noch die Grafikkarte.

Stromverbrauch und Temperaturen

Wir haben die Leistungsaufnahme jeweils im Cinebench-Stresstest gemessen. Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass die Intel-Prozessoren unter Multi-Core-Last deutlich mehr Strom als die AMD-Pendants verbrauchen. Mit bis zu 354 Watt genehmigt sich der Intel Core i9-13900K knapp 32 Prozent mehr als der Ryzen 9 (241 Watt). Dabei zog bei uns das Intel-System maximal 478 Watt aus der Steckdose, während dem AMD-System bis zu 329 Watt genügten.

Beim Ryzen 7 7700X haben wir eine Leistungsaufnahme von maximal 148 Watt gemessen, während sie 259 Watt beim Core i7 betrug. Die maximale Systemlast betrug 233 Watt mit dem Ryzen 7 und 361 Watt mit dem Core i7. Im Single-Core-Stresstest können die Effizienzkerne des Intel-Prozessors allerdings ihre Vorteile ausspielen. Nicht nur sind sie etwas schneller im Vergleich zum AMD-Modell, sondern auch 30 Prozent sparsamer: bis zu 70 Watt benötigte in diesem Test der Core i7, während der Ryzen 7 kurzzeitig 91 Watt erreichte. Unter normalen Bedingungen, also im Gaming-Betrieb, fallen die Leistungsaufnahmen natürlich jeweils niedriger als in Multi-Core-Stresstests aus – zum Beispiel höchstens 183 Watt beim Core i9.

Aufgrund ihrer PBO-Einstellung blieben die beiden Ryzen-CPUs im Stresstest konstant bei 90 Grad. Das PBO-Limit lässt sich ohne größere Leistungseinbußen auch weiter verringern, wir haben es jedoch bei der 90-Grad-Einstellung belassen. Ohne jegliches Limit blieben die AMD-Prozessoren oft im 95-Grad-Bereich, eine nennenswerte Leistungssteigerung gab es aber nicht. Fakt ist, dass Ryzen 7000 mit Standard-Einstellungen eine starke Kühlung erfordert, was ebenfalls für die Intel-Konkurrenz gilt.

Fazit

Der Ryzen 9 7950X und Ryzen 7 7700X schneiden in den gewählten Tests zwar insgesamt schlechter als die aktuelle Intel-Konkurrenz ab, allerdings bedeutet dies keineswegs, dass sie schlechte Prozessoren sind. Im Gegenteil: Trotz der Unterlegenheit bei Benchmarks sind sie in Spielen kaum langsamer als der Core i9-13900K beziehungsweise Core i7-13700K. Die Differenz in der Bildrate wird in den allermeisten Fällen nicht spürbar sein und dafür arbeiten die AMD-Prozessoren wesentlich effizienter. 

Aktuell mag Intel für ein kostengünstiges System aufgrund der Unterstützung letztjähriger Mainboards und wegen des DDR4-Supports die bessere Wahl sein, doch AMD ist attraktiver, wenn in den kommenden Jahren ein weiteres CPU-Upgrade geplant ist. Der neue AM5-Sockel wird nämlich mehrere Jahre bleiben, während Intel schon mit der nächsten Generation einen anderen Sockel einführen wird. 

Wer hauptsächlich Spiele spielt, sollte den Ryzen 7 dem Ryzen 9 bevorzugen, da die Leistung diesbezüglich gleichauf liegt. Für andere CPU-intensive Aufgaben mag der Griff zum 16-Kerner wiederum lohnen. Preiswerter wird es im AMD-Lager erst im Frühjahr 2023, aber auch Intel wird dann günstigere CPUs und Mainboard-Chipsätze auf den Markt bringen. Ohne TDP-Limits behält Intel vorerst die Performance-Krone, aber hinsichtlich der Leistung pro Watt ist AMD der Sieger. Auf welchen Hersteller die CPU-Wahl Ende 2022 fällt, ist effektiv eine Frage der eigenen Präferenzen und vorwiegend abhängig vom tagesaktuellen Systempreis. Geringfügige Leistungsunterschiede rechtfertigen schließlich keinen starken Aufpreis.

Pro

  • starke Gesamt-Performance
  • neue Plattform mit langlebigem Sockel
  • höhere Taktraten gegenüber Ryzen 5000
  • in Spielen kein spürbarer Unterschied zu Intel
  • effizienter als die Intel-Konkurrenz

Contra

  • leistungstechnisch Intel leicht unterlegen
  • hohe Systemkosten zum Testzeitpunkt
  • ohne PBO-Limit sehr heiß

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