Asus ROG Strix Flare II Animate: Feature-Overkill mit Hot-Swap-Schaltern & mehr

Gaming-Flaggschiff mit flexiblen Anpassungsmöglichkeiten

Meme-Lords aufgepasst! Asus verpasst der ROG Strix Flare II Gaming-Tastatur ein kleines LED-Display mit der Möglichkeit, beliebige GIFs, Texte und Logos darzustellen. Welchen Haken das AniMe Matrix Display hat und wieso die Flare II Animate dennoch eine hervorragende Gaming-Tastatur bleibt, erfahrt ihr in diesem Test.

Die große Besonderheit der Asus ROG Strix Flare war 2018 ein austauschbares und frei gestaltbares Acrylplättchen, mit dem sich ein beleuchtetes Logo abbilden lässt. Inzwischen haut RGB-Beleuchtung, egal wie ausgefallen sie implementiert ist, allerdings kaum noch jemanden vom Hocker. Asus hat sich daher etwas einfallen lassen, womit der Gestaltungsfreiraum ein ganz neues Level erreicht.

Die ROG Strix Flare II Animate ist mit einem LED-Feld ausgestattet, das wir bereits vom Delta S Animate und in gewisser Weise auch vom ROG Zephyrus G14 kennen. Die weißen Leuchtdioden können bewegte GIFs darstellen, in der Software lassen sich gar ganze Animationsabfolgen einrichten.

Design & Verarbeitung

Im Nachhinein lässt sich das Design der ersten Strix Flare als eher schlicht bezeichnen – besonders angesichts des Nachfolgers. Dieser erbt die Fülle an LED-Beleuchtung, trägt aber mit seinem AniMe Matrix Display noch ein Stück dicker auf. In der oberen rechten Ecke hat Asus eine größere Fläche frei gelassen, an der die Oberfläche ein angeschrägtes, perforiertes Muster aufweist. Die LEDs darunter können zwar keine Farben darstellen, bieten aber eine Reihe vorgegebener Animations-Effekte. Sie sind ausreichend hell und in jedem Fall ein Hingucker. Wie es um die Anpassungsmöglichkeiten steht, erklären wir im Kapitel “Beleuchtung und Software”.

Die sonstige Beleuchtung gehört mit anpassbaren RGB-LEDs unter jeder Taste zum Standardprogramm bei Gaming-Tastaturen. Bei der ersten Flare erstreckte sich das bunte LED-Feld noch bis auf zwei kleine Leuchtstreifen an der linken und rechten Seite, diese sind nun verschwunden. Stattdessen gibt es eine breite und deutlich leuchtstärkere LED-Leiste am unteren Rand der Tastatur. Mit einem beiliegenden Diffusor erzeugt diese schicke Lichteffekte auf dem Schreibtisch.

Wer die Handballenauflage verwenden möchte – und das solltet ihr, denn diese ist mit dicker Schaumpolsterung sowie weichem Kunstleder versehen und sehr komfortabel – kann den Diffusor einfach abnehmen und in der Handballenauflage verstauen. Dank magnetischer Halterungen geht beides sehr einfach von der Hand.

Der Diffusor kann abgenommen und in der Handballenauflage verstaut werden. Diese ist wiederum mit einer eigenen LED-Leiste versehen

Die Medientasten wurden gehörig umgekrempelt: Wo beim Vorgänger eine Reihe flacher, ansonsten aber bis auf die Aufschrift identischer Tasten sitzt, weist die Flare II mehrere klar voneinander abgegrenzte Bedienelemente auf. Die Medienwiedergabe wird nun nicht mehr über simple Tasten gesteuert. Ein Kippschalter schaltet zum nächsten oder vorherigen Song, ein seitlicher Knopf pausiert oder startet die Wiedergabe, dazu gibt es ein breites Lautstärkerad und zwei schmale Tasten für den Windows-Sperrmodus und die LED-Helligkeitsanpassung. Selbst das Lautstärkerad kann eingetrückt und als Stummschalttaste verwendet werden. Alle diese Tastenfunktionen können über die Armoury Crate Software nach Belieben umprogrammiert werden. Gleich nebenan gibt es außerdem USB-Passthrough für weitere Eingabegeräte oder Datenträger.

Die Verarbeitungsqualität der Strix Flare II Animate erfüllt einen hohen Standard: Das Gehäuse ist aus Kunststoff gefertigt, fühlt sich aber sehr robust und wertig an. Die Metall-Extratasten des Multimediapanels weisen eine hervorragende Haptik auf, das Gleiche gilt für die Tastenkappen. Asus spendiert seiner neuen High-End-Tastatur hochwertige und langlebige Doubleshot PBT Tastenkappen mit mittelhohem Profil. Die durchsichtigen Beschriftungen im oberen Tastenbereich sind gut ausgeleuchtet, die untere Hälfte ist bedruckt.

Eine geräuschdämpfende Schaumstoffmatte im Innern der Tastatur soll Störgeräusche absorbieren. Beim Tippen sind keine nachklingenden Federn zu hören, mechanische Geräusche wie das Aufeinandertreffen von Tastenkappe und Schaltersockel werden auf diese Weise indes nicht verhindert. Die Strix Flare II ist also nur geringfügig leiser als vergleichbare Gaming-Keyboards.

Eigenschaften

Eine der vielleicht unscheinbarsten, aber umso wichtigeren Funktionen der ROG Strix Flare II Animate sind die Hot-Swap-Tastenschalter. Unser Testmodell ist mit den linearen ROG NX Red Schaltern ausgestattet, alternativ ist die Tastatur mit den braunen und blauen Versionen von Asus hauseigenen mechanischen Schaltern erhältlich. Die Entscheidung zwischen den drei Schaltermodellen muss allerdings keineswegs endgültig sein, denn nicht nur die Tastenkappen, sondern jeder einzelne Tastenschalter lässt sich individuell entnehmen und durch passende Alternativen austauschen.

Beim Austausch von Schaltern oder Tastenkappen müssen vor allem die 3-Pin-Verbindung und North Facing LEDs beachtet werden

Beim Austausch gibt es jedoch ein paar Dinge zu beachten: Bei den standardmäßig verbauten ROG NX-Schalter sitzt die LED am oberen Schalter-Ende (north-facing), was beim Austausch mit gewissen Kappenprofilen zu Problemen führen könnte. Einige Tastenkappensätze, wie solche mit dem beliebten Cherry-Profil, reiben bei dieser LED-Ausrichtung am Schalter und beeinträchtigen das Tippgefühl.

Tauscht ihr wiederum die Schalter selbst aus, müsst ihr darauf achten, kompatible Modelle einzusetzen. Die Strix Flare II Animate unterstützt nur 3-Pin-Schalter, beliebte 5-Pin-Alternativen wie Everglide Aqua King, Durock T1 oder die günstigen Gateron Milky Yellow können also nicht verwendet werden – es sei denn, ihr entfernt mühsam die überflüssigen Plastik-Pins bei jedem einzelnen Schalter. Zwei zusätzliche Löcher im PCB hätten diese Einschränkung verhindern können.

Letzten Endes werden diese beiden Punkte allerdings nur anspruchsvollen Mechanical-Keyboard-Enthusiasten zum Ärgernis, die sich ihre Tastaturen ohnehin lieber von Grund auf selbst zusammenbauen. Für Durchschnittsnutzer, die hin und wieder mit anderen Tastenschaltern oder -kappen experimentieren wollen, ist diese Flexibilität ein großer Mehrwert gegenüber der durchschnittlichen Gaming-Tastatur. Zumal der Tausch mit zwei beiliegenden Tools sehr einfach abläuft.

Auch ohne Anpassungen machen die ROG NX Schalter eine gute Figur. Das ROG PBT Tastenkappen-Set soll mit einer verkürzter Schafthöhe Tastenwackeln reduzieren, tatsächlich ist die Tastenführung sehr stabil. Auch die geschmierten Schalterstabilisatoren der Leer-, Umschalt- und Eingabetaste sind gut umgesetzt. Die hauseigenen ROG NX-Schalter kamen bereits bei vorigen Asus-Vertretern wie der Strix Scope NX zum Einsatz und können auf ganzer Linie überzeugen. Bei den linearen roten Schaltern liegt ein kurzer Auslöseweg von 1,8 mm vor, der durch einen leicht erhöhten Ausgangswiderstand nicht versehentlich angeschlagen wird. In der Praxis erlauben die Schalter schnelle, kontrollierte Tastenanschläge.

Beleuchtung und Software

Üblicherweise wird dieser Part in unseren Tastaturen-Tests mit kaum mehr als einer Randnotiz versehen. Im Falle der ROG Strix Flare II Animate nehmen Beleuchtung und Software dagegen eine größere Rolle ein.

Per Tastenkombinationen lassen sich bereits einige Funktionen, darunter Macro-Aufzeichnungen oder die Wahl der Display-Animationen, On-the-Fly direkt an der Tastatur steuern. Zugriff auf den vollen Funktionsumfang gibt es allerdings erst durch die Armoury Crate Software. Diese ist übersichtlich gestaltet und umfasst detaillierte Optionen zur Tastenbelegung, Tastenbeleuchtung, Leistung und dem AniMe Matrix Display. Unter dem Punkt “Leistung” kann die Polling-Rate von den üblichen 1.000 Hertz auf 8.000 Hz hochgedreht werden. Die Tastatur sendet Signale dann statt einmal pro Millisekunde im Abstand von 0,125 ms. Die um Millisekunden-Bruchteile beschleunigte Abtastrate ist bei einer Gaming-Maus (lest hier unsere Eindrücke zur Razer Viper 8kHz) tatsächlich zu spüren, bei einer Gaming-Tastatur sind die Auswirkungen dagegen kaum wahrnehmbar.

Interessanter ist dafür das AniMe Matrix Display: Dieses kennen wir bereits von anderen Asus ROG-Produkten wie dem ROG Zephyrus G14 Gaming-Notebook oder dem Delta S Animate Headset. Während allerdings beim Notebook über 1.000 LEDs vielfältige Möglichkeiten zur Gestaltung cooler Animationen, Memes oder Systemanzeigen bieten, fallen die Optionen bei der Strix Flare II deutlich überschaubarer aus. Die 312 einfarbigen Mini-LEDs reichen in vielen Fällen nicht aus, um auch simple GIFs erkennbar darzustellen. Mit unterschiedlich starker Helligkeit können die Matrix-LEDs immerhin verschiedene Farbtöne nachbilden, allzu großes Meme-Potential solltet ihr vom AniME-Display aber nicht erwarten.

Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Naja, eigentlich sollt’s ne Katze werden

Die vielen vorgefertigten Animationen aus der eigenen Software-Bibliothek funktionieren dafür einwandfrei, bei Eigenkreationen muss schlicht mit einigen Limitationen gerechnet werden. Praktisch sind auch die automatische Darstellung von Funktionen wie der Wiedergabesteuerung sowie die Option, eine reaktive Visualisierung von abgespielter Musik oder Systeminformationen und Benachrichtigungen anzeigen zu lassen. Und wenn ihr dann doch ein GIF im Internet auftreibt, das auf dem Pixeldisplay ausreichend erkennbar ist, dann könnte die Integration per Drag&Drop einfacher nicht gelöst sein. Zum Schluss kann das Motiv noch im Display-Ausschnitt zurecht geschoben und in Reihe mit anderen GIFs geschaltet werden – sehr intuitiv.

Fazit

Für aktuell knapp 230 Euro hat die ROG Strix Flare II Animate ein sattes High-End-Funktionspaket zu bieten. Die sehr guten ROG NX Schalter in drei Varianten bilden ein solides Grundgerüst, auf das die hervorragenden neuen Medientasten aufbauen. Diese Tasten lassen sich per Software umfangreich neu belegen, mit Hotswap-Tastenschaltern und dem Pixel-Display bietet die Flare II Animate insgesamt viel Spielraum für Anpassungen. Auch die RGB-Beleuchtung ist schick anzusehen, die abnehmbare Diffusor-Leiste ein netter Einfall. Auf der bequemen Handballenauflage und den abriebfesten, rauen PBT-Tasten tippt es sich sehr komfortabel, zumal Störgeräusche durch eine Schaumstoffmatte reduziert werden.

Aufgrund der begrenzten LED-Anzahl bleiben ausgerechnet die Möglichkeiten des AniMe Matrix Display allerdings stark eingeschränkt. Viele Animationen aus der Inhaltsbibliothek sind offensichtlich für das größere Display des Zephyrus Notebooks entworfen und als Tastaturen-Version nur noch schwer erkennbar. Für Texte wie Systeminformationen, Uhrzeit, Benachrichtigungen oder dergleichen taugt das Display aber allemal.

Wer sich mit dem Schicksal des AniMe Matrix Display als kleines Gimmick zur Anzeige von Informationen oder simplen Animationen abfinden kann, erhält unterm Strich mit der Strix Flare II Animate eine sehr gute, wenn auch teure Gaming-Tastatur mit spaßigen Features.

Eingabegeräte
Allround-PC.com Award
08/2022
Asus ROG Strix Flare II Animate
Empfehlung

Pro

  • umfangreich anpassbares LED-Display
  • komfortable Handballenauflage
  • Hotswap-Tastenschalter
  • sehr gute ROG NX Schalter
  • leicht zu unterscheidende, wertige Multimediabedienung

Contra

  • nur 3-Pin-Tastenschalter einsetzbar

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Robin Cromberg ... studiert Asienwissenschaften und Chinesisch an der Universität Bonn und ist als Redakteur hauptsächlich für die Ressorts Notebooks, Monitore und Audiogeräte bei Allround-PC.com zuständig, schreibt aber auch über Produktneuheiten aus vielen anderen Bereichen.

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