Asus ROG Azoth im Test: Kabellose „Custom“ Gaming-Tastatur

Teurer OLED-Spaß mit enormen Anpassungsmöglichkeiten
Asus

Eine minimalistische, aber anpassbare Tastatur für Custom-Keyboard-Enthusiasten oder doch lieber das klassische Gaming-Modell mit spielerischen Extras? Asus möchte mit der ROG Azoth die goldene Mitte zwischen zwei eigentlich gegensätzlichen Ansätzen treffen und spendiert seiner neuesten Gaming-Tastatur einige Eigenschaften, die sich sonst eher in selbst gebauten Tastaturen finden lassen. Wir haben das Keyboard für euch getestet.

Ob bei einer Gaming-Tastatur trotz vorgeschmierter und austauschbarer Schalter noch von einem „Custom”-Modell die Rede sein kann, wenn man sie einfach vollständig zusammengebaut aus der Verpackung nehmen kann, sei einmal dahingestellt. Schließlich würde damit fast jede zweite Gaming-Tastatur, deren Tastenschalter beim Kauf gewählt werden können, in den prestigeträchtigen Stand einer Custom-Tastatur erhoben.

Custom? Oder doch eher customizable?

Treffender wäre daher die Bezeichnung „Customizable“, denn während manche Hersteller mit Barebones wie der Glorious GMMK Pro bereits voll anpassbare Modelle anbieten, lassen sich bei der Asus ROG Azoth lediglich Tastenkappen und die sonst fest verbauten Tastenschalter nachträglich austauschen.

Bei Custom Mechanical Keyboards handelt es sich um von Grund auf selbst zusammengestellte Tastaturen, deren Qualität und vor allem Tippgefühl höchsten Ansprüchen genügen. Hohe Ansprüche stellt allerdings auch die Custom-Community, denn wie die meisten Hobbies nimmt auch die Jagd nach dem perfekten Tastenklappern schnell semi-religiöse Züge an. Entsprechend skeptisch reagiert besagte Community auf die Ankündigung einer „Gaming-Custom-Tastatur“ vom Markenhersteller, dessen bisherige Produktpalette eher Otto-Normal-Gamer anspricht.

Asus möchte mit seiner neuesten Tastatur also sowohl Durchschnitts-Gamer als auch anspruchsvollere Nutzer ansprechen. Ein Blick auf die Preise in gängigen Bezugsquellen für Custom-Keyboards dürfte erklären, welche Motivation hinter Asus neu entdeckter Liebe für diese Zielgruppe stecken könnte – mit Preisen zwischen 200 und 400 Euro sind solche DYI-Modelle trotz schlichter Ästhetik in der Regel deutlich teurer als die durchschnittliche Marken-Tastatur. Und bei dieser Preisspanne reden wir noch vom Budget-Bereich.

Design & Verarbeitung

Ohne zusätzliche Informationen vom Hersteller wären wir und etliche andere Messebesucher wohl bestenfalls nur kurz vor der ROG Azoth am Asus-Stand auf der CES stehengeblieben. Denn bis auf ein schwarzweißes OLED-Display, das in ähnlicher Form zur aktuellen Designsprache von Asus ROG gehört, ist die Tastatur optisch überaus simpel gehalten. Auch kompakte Formen wie hier das 75-Prozent-Format, bei dem neben dem Ziffernblock auch Teile des Sechserblocks wegfallen, sind im Mainstream-Bereich immer häufiger zu sehen.

Trotz des 75-Prozent-Formfaktors bringt die Asus ROG Azoth mehr Gewicht auf die Waage, als viele Full-Size-Modelle. Das liegt unter anderem an der schweren Metallabdeckung, welche die obere Hälfte des Gehäuses ausmacht. Leider kommt bei der unteren Hälfte lediglich Kunststoff zum Einsatz, was laut Asus durch die kabellose Signalübertragung bedingt ist. Ob für das bessere Signal wirklich gleich die ganze Unterseite aus Kunststoff bestehen muss, können wir nicht beurteilen, schade ist es allemal.

Schlicht, aber schick und hochwertig!

Dennoch ist die ROG Azoth schwer genug, um bei intensivem Tippen nicht zu verrutschen. Dazu tragen auch mehrere Gummi-Rutschsicherungen an der Unterseite bei, die zudem auf beiden der zweistufigen Standfuß-Paare zu finden sind. Auch macht die kompakte Tastatur trotz Plastik-Unterseite zumindest von oben betrachtet einen sehr hochwertigen Eindruck.

Hierzu tragen auch die mehrfarbigen, rauen PBT Doubleshot-Tastenkappen ihren Teil bei, obwohl deren Unterseite etwas sauberer verarbeitet sein könnte. Das kleine, aber ausreichend helle OLED-Display ist ebenfalls geschmackvoll umgesetzt und nimmt keine allzu dominante Position ein, wie beispielsweise das „AniMe Matrix Display“ der ROG Strix Flare II Animate.

Das Tastenfeld kommt ohne den Ziffernblock einer vollwertigen 100-Prozent-Tastatur aus, schrumpft gegenüber den gängigen TKL-Varianten jedoch noch weiter. Anders als bei radikal beschnittenen 60-Prozent-Modellen bleiben immerhin die Funktionstasten F1 bis F12 sowie einige Funktionen des Sechserblocks erhalten. Ungewohnt könnte für viele Nutzer die Position der zwölf Funktionstasten sowie der Escape-Taste sein, die nicht mit Abständen in Vierer-Blocks, sondern einer langen Reihe angeordnet sind.

Als moderne Gaming-Tastatur im Jahr 2023 darf der ROG Azoth natürlich auch anpassbare RGB-Beleuchtung nicht fehlen. North-Facing LEDs auf dem PCB schränken zwar die Wahl der Tastenkappen ein wenig ein (mehr dazu im folgenden Abschnitt), unterstützen aber eine schicke, helle Ausleuchtung der Tasten.

Eigenschaften

Ein weiteres Merkmal neben dem OLED-Display, das die Asus ROG Azoth von den meisten Custom-Keyboards unterscheidet, ist ihre kabellose Funktionalität. Denn die mechanische Tastatur kann wahlweise ganz klassisch per USB-C-Kabel, Bluetooth 5.1 oder 2,4-GHz-Funkverbindung genutzt werden. Der aktive Verbindungsmodus wird über einen Schieberegler am oberen Rand eingestellt, gleich daneben kann der USB-Transmitter in einem magnetischen Schubfach verstaut werden.

Asus verspricht eine lange Akkulaufzeit von über 2.000 Stunden im 2,4-GHz-RF-Wireless-Modus, wenn Tastenbeleuchtung und OLED-Display ausgeschaltet sind. Da es sich vor allem bei letzterem um eines der Hauptargumente zum Kauf der Azoth gegenüber anderer Modelle handelt, dürfte diese Laufzeit nur selten erreicht werden, eine volle Akkuladung reicht jedoch auch bei vollem (O)LED-Einsatz problemlos mehrere Tage. Bei unserem Test sind uns keinerlei Latenzprobleme im kabellosen Funkmodus aufgefallen, Eingaben werden mit oder ohne Kabel verzögerungsfrei umgesetzt.

Der verbleibende Akkustand kann auf dem OLED-Display und in der Software eingesehen werden, letztere bietet darüber hinaus Optionen für einen Energiesparmodus und die Möglichkeit, beim Erreichen eines selbst festgelegten Akkustands über das Display benachrichtigt zu werden. Weitere Funktionen der übersichtlich gestalteten Armoury Crate Software beinhalten die Änderung der Tastenbelegung und RGB-Beleuchtung, sowie umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten für den kleinen Steuerknauf und das OLED-Display.

Das monochome Mini-OLED + Kippschalter

Die Bedienung der Displayfunktionen geht sehr intuitiv von der Hand, da die aktuell gewählte Option gleich neben dem Kipptaster auf dem Display angezeigt wird. Mit wenigen Handgriffen können Einstellungen vorgenommen werden, darunter die Helligkeit der Tasten- oder Displaybeleuchtung, LED-Effekte, Systemlautstärke und die Mediensteuerung.

Ein Druck auf die seitliche Taste schaltet die Modi um, per Taster wird durch die verschiedenen Stufen geschaltet. Der Kipptaster selbst kann auch eingedrückt werden, um schnell auf den höchst- und niedrigstmöglichen Wert zu springen. Über Umwege verbirgt sich hinter dieser Mechanik also nicht nur eine Stummschalttaste, sondern eine vollständige Mediensteuerung. Per Software lassen sich zudem zusätzliche, eigene Funktionen konfigurieren.

Umfangreich fallen auch die Einstellungsmöglichkeiten des 2 Zoll großen OLED-Displays aus. In der Software können Anzeigeoptionen wie die Uhrzeit, Systeminformationen oder ein Musik-Visualizer eingestellt werden. Highlight ist jedoch die Option zur Darstellung von selbst zugeschnittenen Bildern oder GIFs. Diese sind zwar in Schwarz-Weiß gehalten, die Auflösung bietet jedoch deutlich vielfältigere Möglichkeiten als die grob-pixeligen Matrix-Anzeigen von Asus.

Custom-Keyboard Starterpaket: Austauschbare Schalter, Lube Kit und mehr

Kommen wir nun zum Elefanten im Raum: Mit knapp 300 Euro UVP ist die ROG Azoth die teuerste Tastatur, die wir bisher im Test hatten. Teurer sogar als die Asus ROG Claymore II (280 Euro UVP), die Corsair K100 RGB (250 Euro UVP) und die Razer Huntsman V2 Analog (270 Euro UVP), obwohl alle drei Modelle mit Premium-Features überladen sind und zudem noch die modernen optischen Schalter in irgendeiner Form verwenden.

Doch optische Schalter sind nicht ohne weiteres durch mechanische Schalter austauschbar und zumindest ein Teil des hohen Preises ist auch auf die Sonderausstattung im Stile einer Custom-Tastatur zurückzuführen. Ab Werk ist die ROG Azoth mit den hauseigenen mechanischen ROG NX-Schaltern bestückt, die wir unter anderem bereits bei der ROG Strix Scope NX unter die Finger bekamen. Die Schalter sind in den Varianten Rot, Braun und Blau mit den entsprechend linearen, taktilen und clicky Schaltercharakteristiken erhältlich und erzeugen beim Tastenanschlag ein helles Klicken.

Der Tastenklang der ROG Azoth gehört womöglich zum Besten, was eine vorgefertigte Gaming-Tastatur vom Markenhersteller je hervorgebracht hat. Das liegt unter anderem an den vorgeschmierten Schaltern, Silikondichtungen und einer dreilagigen Dämpfung im Gehäuseinneren: Ein Silikonpolster auf der Platine sowie Schaumstoff und zusätzlicher Silikonschaum dämpfen die meisten Störgeräusche und Echos ab.

Mit dabei: Ein Lube-Set mit Pinsel und Krytox GPL-205-GD0

Auch die Stabilisatoren unter größeren Tasten sind vorgeschmiert und können alternativ durch Screw-in Stabilisatoren ausgetauscht werden. Wer nachträglich etwas nachbessern, oder eigene Schalter verwenden möchte, findet im Lieferumfang außerdem einen sehr umfangreichen Werkzeugsatz zum leichten Austauschen und Schmieren von Tastenkappen und -schaltern. Darunter auch ein Switch Opener für ASUS NX Switches sowie die weitaus verbreiteteren MX Style Schalter, zum schnellen Zerlegen eines Schalters in seine Einzelteile, und sogar ein Lube-Kit mit Krytox GPL-205-GD0 Schmiermittel und Pinsel.

Beim Nachrüsten offenbart sich jedoch das gleiche Problem wie bei der ROG Strix Flare II Animate: Schalter können zwar ausgetauscht werden, die Auswahl der Keycaps wird jedoch durch North-Facing LEDs eingeschränkt. Die Platzierung der LED am oberen Schalterende ist weit verbreitet, bei Tastaturen-Enthusiasten jedoch nicht sehr beliebt.

Denn in Kombination mit gewissen Tastenkappen, darunter die relativ flachen und für ihr Tippgefühl geschätzten Kappen mit Cherry-Profil, können Reibungen entstehen, die Tippgefühl und -klang beeinträchtigen. Wem die vorgegebenen ROG NX-Schalter nicht zusagen, kann sie nach Belieben austauschen. Bei den ROG-Varianten handelt es sich um 3-Pin-Schalter, das PCB unterstützt jedoch auch 5-Pin-Schalter ohne zusätzliche Bastelarbeit.

Fazit

Die ROG Azoth von Asus ist ein ungewöhnlicher Fall. Denn sie schlägt eine Brücke zwischen bunt blinkenden und mit Zusatzfunktionen überschütteten Gaming-Tastaturen und den hochgradig anpassbaren Custom-Keyboards, deren Fans schon bei der Optik ersterer die Nase rümpfen würden. Als solcher Hybrid zielt die Azoth jedoch nicht allein auf die Bastler-Community ab – auch wenn der enorme Preis darauf schließen ließe – schließlich nimmt Asus ihnen den Spaß am eigenen Zusammensetzen, Löten und Schmieren vorweg.

Genau hier bietet die Azoth jedoch einen großen Reiz für den durchschnittlichen Nutzer: Denn als vorgefertigte, durch das mitgelieferte Lube-Set aber einfach anpassbare Gaming-Tastatur ist das Modell von Asus eine gute, durch den sehr hohen Preis aber noch nicht perfekte Einstiegsmöglichkeit in die Welt der selbstgebauten Custom Keyboards.

Mit vorgeschmierten Tasten und der dreilagigen Dämpfung klingen die ROG NX-Schalter bereits ab Werk sehr gut, ärgerlich ist beim Austauschen der Tastenkappen vor allem die North-Facing LED. Auf gängigen Bezugsquellen für mechanische Custom-Tastaturen lassen sich schon für weniger als 300 Euro wohl bessere Modelle zusammenstellen, doch wer zur Azoth greift, greift vor allem auch nach Alleinstellungsmerkmalen wie dem OLED-Display, dem anpassbaren Kipp-Taster oder den dreifachen Verbindungsmodi mit enormer kabelloser Laufzeit.

Wünschenswert wäre in jedem Fall eine (deutlich!) günstigere Barebone-Version ohne Tastenschalter und -kappen für Hobby-Tastaturbastler, deren Ansprüchen die Asus ROG Azoth in ihrer jetzigen Form womöglich noch nicht gerecht wird.

Eingabegeräte
Allround-PC.com Award
01/2023
Asus ROG Azoth
Empfehlung

Pro

  • vorgeschmierte Schalter und umfangreiches Schmiermittel-Set
  • dreilagige Dämpfung
  • Verbindung per USB-C, Bluetooth oder 2,4-GHz-Dongle
  • lange Akkulaufzeit
  • Intuitive Mediensteuerung
  • anpassbares OLED-Display
  • gute Verarbeitungsqualität

Contra

  • North-Facing LEDs
  • sehr hoher Preis

Robin Cromberg Robin Cromberg

... studiert Asienwissenschaften und Chinesisch an der Universität Bonn und ist als Redakteur hauptsächlich für die Ressorts Notebooks, Monitore und Audiogeräte bei Allround-PC.com zuständig, schreibt aber auch über Produktneuheiten aus vielen anderen Bereichen.

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