Freunde minimalistischer Designs müssen jetzt ganz stark sein: Die MOD007 V3 HE Year of Dragon von Akko sieht auf den ersten Blick aus, als hätte sie der Praktikant von Elbenwald entworfen, hat unter der aufwändig gestalteten Haube jedoch hochwertige Verarbeitung und präzise anpassbare Magnetschalter zu bieten. Warum die Drachen-Tastatur eine tolle Alternative zum Einheitsbrei von Asus, MSI und Co. sein kann, erfahrt ihr in diesem Test.
Die Marke Akko ist in der Mechanical-Keyboard-Community für aufwändig designte und fair bepreiste Custom-Keyboards bekannt. Mit der MOD007 V3 HE Year of (sic!: the?) Dragon bringt sie nun eine überarbeitete Version ihres magnetischen Topmodells auf den Markt, das im vergangenen Jahr, dem “Jahr des Drachen” nach dem chinesischen Kalender, als Sonderedition der MOD007 HE V3 mit aufwändigem Design erschienen war.
Mit der V2-Variante gibt es die Tastatur erstmals auch im DE-Layout, zusätzlich spendiert Akko der Neuauflage einige technische Verbesserungen: Neben einer neuen Schalteroption und Unterstützung für Magnetschalter von Drittanbietern wurden unter anderem die Rapid-Trigger-Funktion ausgebaut und das Tippgefühl durch zusätzliche dämpfende Schichten verfeinert.
Besonders interessant: Für unter 240 Euro hat die Akko MOD007 HE Year of Dragon V2 viele Premium-Features zu bieten, die es bei den großen Markenherstellern mitunter erst für den doppelten Preis gibt.
Beim Kauf sollte ein genauer Blick auf die Spezifikationen geworfen werden, denn die Namensgebung kann schnell verwirren: Auf der offiziellen Produktseite wird das neueste Modell mal als V2, mal als V3 bezeichnet, anderen Testern auf YouTube und Co. liegen angebliche V3-Modelle vor, deren Ausstattung und Design nicht ganz unserem Testmodell entsprechen – was natürlich auch auf die Unterschiede zwischen den Varianten ISO-DE und US-ANSI zurückzuführen sein könnte. Die Sondereditionen im Drachendesign basieren beide auf der MOD007 HE V3, die vorliegende, überarbeitete Tastatur würde also korrekt die Bezeichnung „MOD007 HE-V3-Year of the Dragon V2“ tragen. Im weiteren Verlauf sparen wir uns diesen Zungenbrecher.
Design & Verarbeitung: Edle 2-kg-Tastatur mit ausgefallener Optik
Optisch entspricht die MOD007 HE Year of Dragon V2 – zumindest in der Form – dem Standardmodell der MOD007 HE aus dem Jahr 2023. Die erste Hall-Effect-Tastatur von Akko ist im 75-Prozent-Format gehalten und verfügt über Pfeiltasten, vier Navigationstasten und ein Lautstärkerad, jedoch keinen Ziffernblock.
Das Besondere: Das CNC-gefräste Aluminiumgehäuse und sämtliche Tasten sind aufwändig im chinesischen Thema gestaltet, manche Tasten weisen anstelle ihrer üblichen Legenden sogar großflächige Motive auf. Bei den Tastenkappen handelt es sich um PBT-Varianten, deren Beschriftung und Dekorationen im Dye-Sub-Verfahren aufgebracht wurden und damit besonders langlebig sind. Auch das bunte Drachenmotiv rings um das Tastenfeld wurde im aufwändigen Dreifarben-Eloxierungsverfahren aufgetragen, was der Oberfläche eine edle und vor allem kratzfeste Anmutung verleiht.
Schade: Das mitgelieferte USB-C-Kabel will so gar nicht zum Premium-Design der restlichen Gaming-Tastatur passen. Anstelle eines passend gestalteten oder wenigstens hochwertig ummantelten Kabels schmeißt Akko einfach ein schlichtes, schwarzes Gummikabel mit in den Karton, wie man es am Grabbeltisch vor der Kasse von MediaMarkt und Saturn kennt.
Im Lieferumfang sind auch Extra-Tastenkappen für die ISO-FR-, UK- sowie Mac-Layouts enthalten, sowie zusätzliche Tastenkappen mit alternativen Motiven. Durch das Cherry-Profil lassen sich sämtliche Tastenkappen durch passende Varianten von Drittanbietern austauschen – interessant etwa für alle, die sich am doch recht verspielten Font der Tastenbeschriftungen stören.
Akko MOD007 V3 HE Year of Dragon: Ein richtig schwerer Brocken
An der Unterseite sitzt ein PVD-beschichtetes Gewicht, das ebenfalls einen sehr hochwertigen Eindruck macht und kratzfest sein soll. An der Unterseite kann es natürlich noch so luxuriös sein, wenn wir es nicht zu Gesicht bekommen, doch auch seine Hauptaufgabe erfüllt es mit Bravour: Durch die schicke Platte steigt das Gewicht der Tastatur auf knapp zwei Kilogramm, da verrutscht auch in den hitzigsten Partien gar nichts. Verstellbare Standfüße gibt es übrigens nicht, stattdessen steht die Tastatur auf vier flachen Gummi-Rutschsicherungen. Für viele Nutzerinnen und Nutzer könnte daher es angenehmer sein, eine separate Handballenauflage zu verwenden.

Ein ähnlich hohes Gewicht brachte in unseren Tastaturen-Tests bislang nur die ROG Azoth Extreme (Test) von Asus auf die Waage, die mehr als doppelt so viel kostet wie die Akko-Sonderedition. Beide Modelle überzeugen bereits optisch und haptisch mit hochwertiger Materialwahl und Verarbeitung auf Premium-Niveau. Umso spannender ist der direkte Vergleich ihrer technischen Eigenschaften im folgenden Abschnitt.
Eigenschaften: Magnetische Tastenschalter und Co.
Obwohl Akko auf seiner grausig übersetzen Produktseite vom “kabelgebundenen oder 2.4G-Wireless-Modus” spricht, handelt es sich hierbei NICHT um eine kabellose Tastatur. Auch ohne die Wireless-Option – und obwohl das benötigte USB-Kabel an Lieblosigkeit kaum zu übertreffen ist – hat die Akko MOD007 V3 HE Year of Dragon ein großes Arsenal an High-End-Features zu bieten.

Unter den Tastenkappen können ab Werk zwei Varianten der hauseigenen Akko-Schalter zum Einsatz kommen: Da wären zum einen die Cream Yellow Magnetic Switches, welche schon bei der V1-Variante zum Einsatz kamen. Diese setzen auf ein Box-Design für bessere Stabilität und technische Spezifikationen, die hinsichtlich Betätigungskraft und Tastenhub an den durchschnittlichen linearen Tastenschalter erinnern, beispielsweise dem mechanischen Cherry MX Red.

Neu sind die Astrolink Magnetic Switches, die auch bei unserem Testmodell verwendet werden. Dabei handelt es sich um Magnetschalter mit klassischem Kreuz-Stem-Design, das mit vielen Tastenkappen von Drittanbietern kompatibel ist und so die individuelle Gestaltungsfreiheit der Tastatur erweitert. Technisch zeichnen sich die Schalter durch einen leicht verkürzten Gesamtweg sowie eine reduzierte Betätigungskraft aus. Der Unterschied ist zwar dezent, macht sich bei längerer Nutzung aber durchaus bemerkbar, ohne dass die Schalter überempfindlich reagieren. Im Test kam es zu keinen unbeabsichtigten Auslösungen.
Die Stabilisatoren unter größeren Tasten (Space, Shift, Enter) sind entmagnetisiert, wodurch magnetische Interferenzen reduziert und ein gleichmäßiges Tastgefühl trotz empfindlicher Magnetschalter sichergestellt werden sollen.
Tastenklang: Gute Grundlage mit Customizing-Optionen
Der Tastenklang der MOD007 V3 HE lässt sich ab Werk als schön satt beschreiben, die magnetischen Astrolink-Schalter klackern angenehm vor sich hin. Gegenüber den Vorgängern wurde das dämpfende Material im Innern noch einmal deutlich erhöht, die drei Schichten des ersten Year of Dragon Modells wurden um zwei Schichten PET und VHB ergänzt.
Außerdem wurde die vorinstallierte FR4-Montageplatte durch eine Aluminiumplatte ersetzt, die FR4-Platte ist jedoch ebenfalls beiliegend und kann für einen noch dumpferen, weniger metallischen Klang mit ein wenig Schraubarbeit ausgetauscht werden.
Rapid-Trigger-Funktion mit 0,01-mm-Feinabstimmung
Ein wichtiger Vorteil magnetischer Tastenschalter ist die sogenannte Rapid-Trigger-Funktion, bei der die Taste ab einer festgelegten Tiefe auslöst und bei der kleinsten Gegenbewegung zurückgesetzt wird. Im Gegensatz zu mechanischen Tasten, bei denen Auslöse- und Rücksetzpunkt fest definiert sind, können diese bei einer magnetischen Tastatur vom Nutzer pro Taste frei gewählt werden.
Bei der MOD007 V3 HE wurde die Erkennung des Tastenwegs noch weiter verfeinert, die Abstimmung des Auslösepunktes kann nun in 0,01-mm-Schritten vorgenommen werden. Theoretisch könnten die WASD-Tasten also schon beim leisesten Windhauch auslösen, während schnelle Richtungswechsel schon bei minimalem Anheben oder Herunterdrücken des Fingers möglich sind. Für Normalsterbliche dürfte der Unterschied zwischen einer um 1,4 mm oder 1,45 mm heruntergedrückten Taste jedoch nicht zu spüren sein.

Während hohe Abfrageraten bei mechanischen Tastaturen fast schon in die Kategorie “Marketing-Spielerei” fallen, profitieren derart feinfühlige Magnetschalter durchaus von häufiger übermittelten Daten. Die MOD007 V3 HE weist eine Abtastrate von 8.000 Hz auf, bei der neuesten Version wurde zudem die Scanning-Rate, also die Frequenz, mit der die Tastatur jeden Tastenzustand intern misst, von 8.000 Hz auf 32.000 Hz angehoben. So wird die Taste innerhalb einer Polling-Periode (0,125 ms bei 8.000 Hz) viermal abgetastet, womit keine Tastenbewegung unentdeckt bleibt. Auch hier gilt: Der Unterschied dürfte maximal den schnellsten Profispielern wirklich auffallen.
Software: Tastenfunktionen nach Maß
Das Feintuning der Tastatur findet in der Software “Akko Cloud Driver” statt. Hier können unter anderem die Tastenbelegung geändert, die Beleuchtung angepasst oder ausgeschaltet und genaue Auslöse- und Release-Punkte für jede einzelne Taste festgelegt werden. Über Dynamische Tastenanschläge und Mod-Tap können einer Taste verschiedene Funktionen zugewiesen werden, je nachdem, wie weit sie heruntergedrückt und ob sie angetippt oder gehalten wird. Auch individuelle Deadzones und SOCD-Tastenpaare können erstellt werden, bei letzterem wird bei zwei gedrückten Tasten (üblicherweise die Richtungstasten A und D) die letzte Eingabe priorisiert.
Über die Fn-Einstellungen lassen sich mehrere Fn-Ebenen konfigurieren, viele Tasten – etwa die für Hotkeys eigentlich idealen Navigationstasten – werden jedoch als Systemtasten ausgewiesen und können auf der Fn-Ebene nicht belegt werden. In einer Cloud-Bibliothek können Nutzerinnen und Nutzer zudem ihre Beleuchtungs- und Tasteneinstellungen teilen, sodass etwa die idealen Einstellungen für bestimmte Spiele nur wenige Klicks entfernt sind.
Beim ersten Start der Software muss eine manuelle Kalibrierung durchgeführt werden, bei der jede einzelne Taste kurz gehalten werden muss. Anschließend soll die Tastatur alle sechs Stunden automatisch kalibriert werden und eine neue manuelle Kalibrierung erst wieder nach einem Firmware-Update nötig sein, lästig ist dieser Umstand allemal.
Fazit
Die Akko MOD007 V3 HE hat in der Year of Dragon Edition nicht nur ein auffälliges Design im chinesischen Stil, sondern auch viele technische Verbesserungen für kompetitive Spieler zu bieten, denen die Vorgänger noch nicht feinfühlig genug waren. Die Anpassungsmöglichkeiten können sich sehen lassen, viele Optionen könnten für den Durchschnittsnutzer vielleicht sogar Overkill sein.
Dennoch werden auch letztere ein knackigeres und präziseres Tastengefühl gegenüber anderen Gaming-Keyboards bemerken. Zumal die großen Mainstream-Tastaturenhersteller sich noch schwertun, magnetische Tastenschalter in ihr Sortiment einzuführen. Vertreter wie die Asus ROG Falchion Ace HFX (Test) haben zwar entsprechende Schalter verbaut, können aber bei der Materialqualität nicht ganz mithalten und treiben dafür den Preis mit Extra-Spielereien wie einer Touch-Leiste in die Höhe.
Akko bietet hier für unter 240 Euro ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis mit solider Ausstattung: ein massives, aufwendig gestaltetes Aluminiumgehäuse, magnetische Schalter, Gasket-Mounts sowie mehrere dämpfende Schichten inklusive austauschbarer Montageplatte machen das Gesamtpaket nicht nur für anspruchsvolle Nutzer interessant. Aktuell ist die Tastatur sogar zum reduzierten Preis von 214 Euro erhältlich.
Pro
- hochwertige Verarbeitung
- Preis/Leistungsverhältnis
- satter Tastenklang
- Magnetschalter und RT-Feintuning
- 8.000-Hz-Polling mit 32k-Scanning
Contra
- schnödes USB-Kabel
- manuelle Kalibrierung nötig
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