Asus ROGs neueste Gaming-Maus trägt mit 24-karätigen Goldapplikationen besonders dick auf. Doch auch abseits des Jubiläums-Blings hat die Harpe II Extreme Edition 20 einige Vorzüge zu bieten, die sie zu mehr als einem reinen Ausstellungsstück für die Vitrine machen.
In den letzten Jahren gab es bereits einige Ableger der Harpe-Reihe, die sich mal mehr, mal weniger gravierend voneinander unterschieden. Grundsätzlich stand die Serie bisher jedoch für ein eher schlichtes Design ohne auffällige Extratasten oder optische Gimmicks, der Fokus lag stets auf kompromissloser Funktion. Das kann man von der neuen ROG Harpe II Extreme Edition 20 nun beim besten Willen nicht behaupten: Die zum Jubiläum mit echten 24-Karat-Goldakzenten versehene Prunkmaus ist auf den ersten Blick Gimmick in Reinform, zumal Asus mit einem Preis von rund 300 Euro selbst frühere Spitzenmodelle der Harpe-Reihe meilenweit übertrifft. Bereits die Harpe II Ace (Test) schlug mit knapp 180 Euro teurer zu Buche als so manche vollwertige Tastatur.
In Zeiten, in denen ein voll aufgerüsteter Gaming-PC nicht mehr für unter 2.000 Euro zu haben ist, mag es manchen vielleicht Grund genug sein, sich eine entsprechend teure Goldmaus neben den teuren Tower zu stellen. Doch unter der funkelnden Haube bringt die Harpe II Extreme Edition 20 auch durchaus handfeste technische Verbesserungen mit, die sich eben nicht zum reinen Gimmick verkommen lassen.
Design & Verarbeitung
Bei der Formgebung bleibt Asus der Linie treu: Wie ihre Serienverwandten liegt die Harpe II Extreme gewohnt gut in der Hand und ist vor allem auf Shooter-Spieler zugeschnitten, die eine gute Griffigkeit schätzen. Diese Eigenschaft wird auch durch das neue Gehäuse unterstützt, doch materialtechnisch hinterlässt die Maus eher gemischte Gefühle: Anstelle des rauen oder glatten Mausrückens setzt Asus hier auf transparenten Hochglanz-Kunststoff, der sich gerade bei wärmeren Temperaturen leicht schwitzig unter der Hand anfühlt.

Als jemand, der in Shootern gerne mit niedriger Sensitivität und entsprechend ausladenden Mausbewegungen spielt, empfinde ich die Oberfläche persönlich als mindestens gewöhnungsbedürftig. Anderen könnte die Klavierlack-Oberfläche dagegen besonders zusagen, da sie zusätzlich den wertigen Eindruck unterstreicht. Einzig die hohe Anfälligkeit für Fingerabdrücke kann hier schnell trügen.
Prunk-Optik mit edler Verarbeitung
Der semitransparente Mausrücken gibt den Blick auf das beleuchtete ROG-Logo frei – und auf jede Menge goldene Komponenten. Doch es ist nicht alles Gold was glänzt: Tatsächlich ist “nur” der Rahmen rund um das beleuchtete Element mit 24-karätigem Gold beschichtet, während alle weiteren Elemente lediglich in Goldoptik gehalten sind. Ein solider Goldrahmen wäre schlicht auch zu schwer und noch teurer gewesen, während Mausrad- und Tasten aus Echtgold schnell Gebrauchsspuren zeigen würden.
Überraschend fällt auch das Gewicht aus: Mit 82 Gramm ist die Jubiläumsmaus im Vergleich zu ihren fliegengewichtigen Geschwistern spürbar schwerer. Dagegen fühlt sich die Harpe II Ace mit ihren extrem leichten 48 Gramm fast schon unnatürlich leicht an. Ein weiteres Premium-Feature an der Unterseite sind zudem die neu verbauten Mausfüße aus Gorilla Glass, die für ein besonders gleitfähiges Gefühl auf dem Mauspad sorgen. Auf das Mauspad sollte auch keinesfalls verzichtet werden, denn die gläsernen Mausfüße sind nicht für harte oder empfindliche Oberflächen wie die Tischplatte geeignet, auf der sie unschöne Kratzer hinterlassen können.
Features: Tri-Mode, Optical Micro Switches und neuer Sensor mit 8kHz und feiner LOD-Anpassung
Wie alle Mäuse der Harpe-Serie – oder nahezu alle aktuellen Gaming-Mäuse – setzt auch die ROG Harpe II Extreme wieder auf einen Tri-Mode, mit dem sie kabellos via USB-Dongle (2,4 GHz) oder Bluetooth sowie beim Laden am Kabel genutzt werden kann. Das praktische Dongle-Staufach an der Unterseite scheint sich wohl nicht mehr für Prunk-Look zu ziemen, stattdessen können Besitzer der 290-Euro-Maus ihr Schmuckstück samt USB-Empfänger in einer mitgelieferten Transportschale befördern, wenn sie bei der nächsten LAN vor ihren Freunden flexen möchten.
Auch sonst ist die Maus technisch auf dem neuesten Stand: Asus verbaut wieder ROG Optical Micro Switches mit einer Lebensdauer von 100 Millionen Klicks, sowie den brandneuen ROG AimPoint Pro 65K-Sensor, der bis zu 65.000 DPI sowie eine Abtastrate von bis zu 8.000 Hz bietet. Zum Vergleich: Die Harpe II Ace schaffte per Dongle zwar ebenfalls schon 8.000 Hz, ihr optischer AimPoint-Pro-Sensor war jedoch auf 42.000 DPI begrenzt.

Das eigentliche Highlight des neuen Sensors liegt jedoch nicht in den astronomischen DPI-Zahlen, die in der Praxis kaum jemand ausreizen wird, sondern beim Abhebeabstand (Lift-off Distance / LOD): Dieser lässt sich nun extrem präzise in winzigen 0,1-mm-Schritten individuell auf die eigenen Bedürfnisse und das verwendete Mauspad anpassen. Auch dieses Feature wird vor allem eSport-Enthusiasten interessieren.
Software
Alle genannten Funktionen und mehr lassen sich in der Gear Link Webanwendung anpassen, mit denen Asus mittlerweile eine installationsfreie Konfigurationen seiner Peripheriegeräte erlaubt. Die Browser-Software funktioniert in unserem Test reibungslos und ist übersichtlich gestaltet.
Der Funktionsumfang fällt gewohnt üppig aus und lässt kaum Enthusiasten-Wünsche offen. Neben Klassikern wie freier Tastenbelegung, Beleuchtung und Sensorempfindlichkeit lässt sich das Layout über die SpeedShift-Funktion um eine zweite Ebene erweitern. Sogar speziellere Features wie eine Winkelanpassung für unterschiedliche Maushaltungen oder die Kalibrierung auf verschiedenen Oberflächen sind an Bord. Wer noch tiefer eintauchen möchte, schaltet über die „Erweiterten Einstellungen“ Optionen wie eine haargenaue Anpassung des Abhebe- und Aufsetzabstands oder getrennte Empfindlichkeiten für X- und Y-Achse frei. Für Gelegenheitsspieler mag das reiner Overkill sein, Enthusiasten erhalten jedoch das perfekte Werkzeug zum feingliedrigen Feintuning.
Gold im Doppelpack: Die ROG Azoth Extreme Edition 20
Wer das vergoldete Desktop-Setup komplettieren möchte, findet in der Asus ROG Azoth Extreme Edition 20 die passende Tastatur im gleichen Jubiläums-Gewand. Wem schon die reguläre Azoth Extreme (Test) ohne Gold nicht teuer genug war, darf hier tief in die Tasche greifen: Für stolze 629 Euro liefert Asus ein Gaming-Keyboard, das an Premium-Feeling wohl nur schwer zu überbieten ist.
Technisch übernimmt das Sondermodell sämtliche Spitzenfeatures der regulären Azoth Extreme, allen voran das einstellbare Gasket Mount, dessen Tippgefühl sich mechanisch über zwei Stufen anpassen lässt. Kombiniert wird diese High-End-Ausstattung hier mit einer noch edleren Optik und Verarbeitung, sodass Tastatur und Maus optisch wie aus einem Guss auf dem Schreibtisch thronen.
Meinung: Dass niemand eine teilweise vergoldete 290-Euro-Maus „braucht“, darüber müssen wir uns gar nicht streiten. Die Harpe II Extreme ist aber fairerweise mehr als ein reines Zierobjekt, sondern bringt viele High-End-Features der Harpe-Reihe mit und ergänzt diese sogar um einen verbesserten Sensor. Auch bei 8.000 Hz und einer superfein anpassbaren LOD-Distanz in 0,1-mm-Schritten dämmert erneut die Frage, wer sowas wirklich braucht. Wenn ihr genau solche Features sucht und von den üblichen schlicht-schwarzen Gaming-Mäusen gelangweilt seid, findet ihr in der Jubiläumsedition definitiv eine extravagante Alternative.
Fazit
Die Frage nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis erübrigt sich bei der Harpe II Extreme Edition 20 im Grunde von selbst, da sie unverkennbar als exklusives Sammlerstück konzipiert wurde. Wer allerdings das volle Potenzial dieser spezifischen Hardware-Konfiguration nutzen möchte, kommt an der Jubiläumsvariante derzeit schlicht nicht vorbei, da Asus aktuell noch kein Modell mit dieser Ausstattung ohne die teuren Goldapplikationen anbietet.
Wirklich neu ist dabei vor allem der AimPoint-Pro-65K-Sensor, mit dem nun eine hochpräzise Anpassung des Abhebeabstands in 0,1-mm-Schritten möglich ist. Wer davon weniger Gebrauch macht, findet aber vielleicht auch Gefallen an edlen Details wie sanft gleitenden Gorilla-Glass-Füßen und der hochwertigen Optik.
Gleichzeitig erfordert die Prunkmaus im Gaming-Alltag gewisse Kompromisse: Die veredelte Hochglanz-Oberfläche samt Gold-Applikationen neigt zu Fingerabdrücken, fühlt sich bei längeren Sessions leicht schwitzig an und treibt das Gewicht auf spürbare 82 Gramm – womit sie die gewohnte Leichtigkeit der Harpe-Reihe vermissen lässt.
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