Die neueste Gaming-Tastatur von Asus ROG setzt auf vorgeschmierte mechanische Schalter aus eigenem Haus, einen für die linke Hand schnell erreichbaren, praktischen Drehknauf und ein „DIY-freundliches Design“. Mit 150 Euro ist sie für Asus-Verhältnisse fast schon günstig, aber reicht das im Vergleich zur Konkurrenz?
Mit der ROG Strix Morph 96 Wireless schickt Asus eine neue Gaming-Tastatur ins Rennen, die nach längerem Mal wieder nicht auf ein kompaktes TKL-Format oder neue Magnetschalter setzt. Stattdessen präsentiert sich der Neuzugang im ausladenden 96-Prozent-Format und setzt auf klassische, mechanische Tastenschalter.
Der Verzicht auf einige der trendigsten Features zeigt sich auch im Preis, denn mit 149,90 Euro UVP ist die Morph 96 für ROG-Verhältnisse relativ günstig. Ohne Komfortfunktionen kommt die Tastatur jedoch nicht aus, so lässt sie sich per Bluetooth oder 2,4-GHz-Wireless verbinden und mit einem Multifunktions-Steuerknauf bedienen. Bisher ist die Tastatur noch nicht erhältlich, laut Asus soll das Gaming-Keyboard Anfang Mai verfügbar sein.
DIY-freundliches Design, durchschnittliche Verarbeitungsqualität
Optisch präsentiert sich die ROG Strix Morph 96 eher unspektakulär – zumindest in der Draufsicht. An beiden Seiten gibt es dezente LED-Elemente. Außerdem sitzen die beleuchteten Tasten leicht erhöht auf einer durchscheinenden Positionierungsplatte, mit der die einzelnen LEDs zu einem leuchtenden RGB-Meer verschmelzen. Ansonsten verzichtet die Tastatur weitestgehend auf Verzierungen.
Das Tastenfeld ist in ein Metallgehäuse eingefasst, das sich auch über die vordere und rückseitige Kante erstreckt. Hier sind einige wenige Schrauben zu finden, mit denen sich das Gehäuse buchstäblich im Handumdrehen öffnen lässt. Asus verspricht ein besonders DIY-freundliches Design, das es Bastlern erlaubt, interne Komponenten wie die Positionierungsplatte oder die dämpfenden Elemente auszutauschen oder zu ergänzen. Tatsächlich sind nach dem Entfernen der Schrauben alle Teile frei zugänglich und nicht in einer Weise mit dem Gehäuse verbunden.
Das 96-Prozent-Design beinhaltet den nahezu vollen Tastenumfang einer Fullsize-Tastatur auf kleinerem Raum. Entsprechend sind Nummernblock, Pfeiltasten und Co. etwas enger zusammengerückt. Die fehlenden vier Prozent (Funktionstasten Ende, Rollen und Pause) sind als FN-Zweitbelegung untergebracht. Das Gleiche gilt für einige Funktionen zur Steuerung von Helligkeit, Leuchteffekt oder Mediensteuerung, deren Symbole auf die Vorderseite mancher Tasten gedruckt sind.
Qualitative Schwächen im Detail
Statt PBT kommt ABS als Material der Tastenkappen zum Einsatz, dennoch sind die Kappen nicht lichtdurchlässig. Laut Produktbeschreibung sind die Tastenkappen je nach Region entweder per Doubleshot- oder Laser-Verfahren beschriftet, das DE-ISO-Layout ist leider nur mit Laser-bedruckten Tastenkappen erhältlich. In unserem Fall weisen die Tasten daher Legenden mit erfühlbaren Konturen auf, die beim leichten Kratzen an Farbe verlieren und insgesamt weniger beständig als die Doubleshot-Varianten sind.
Weitere Beispiele für qualitative Schwächen im Detail: Das seitliche Lautstärkerad ist aus Kunststoff gefertigt und klappert bei der leichtesten Berührung vor sich hin, geladen wird die Tastatur mit einem überaus schnöden USB-A-zu-C-Kabel ohne Stoffummantelung.
Features: Tri-Mode und hauseigene NX V2 Schalter
Die ROG Strix Morph 96 Wireless bietet den üblichen Tri-Mode, der wie schon bei vielen Asus-Tastaturen zuvor die flexible Verbindung per Speednova Wireless-Technologie ohne Latenzen am USB-Dongle, per Bluetooth oder per USB-Kabel ermöglicht. Bei deaktivierter Beleuchtung soll die Tastatur mit Bluetooth über 750 Stunden lang nutzbar sein, im 2,4-GHz-Modus sinkt die Akkulaufzeit auf immer noch stattliche 590 Stunden. Mit eingeschalteten LEDs fällt die Laufzeit mit 110 respektive 100 Stunden wesentlich kürzer, aber dennoch ordentlich aus.
Der Lieferumfang enthält – neben Keycap-Puller, Torx-Schlüssel und durchscheinenden Ersatz-Tastenkappen – auch einen Adapter, mit dem der USB-Dongle für ein besseres Signal in der Nähe der Tastatur angebracht werden kann, beispielsweise am Mauspad. Das hieran angeschlossene Ladekabel kann so bei Bedarf schnell zum Laden angesteckt werden, ohne jedes Mal unter den Tisch kriechen zu müssen.
Gedämpfter Tastenanschlag mit Hot-Swap-Option
Unter den Tastenkappen sitzen ROG NX V2 Schalter in den Varianten Snow (linear) oder Storm (clicky), die bereits bei der ROG Azoth X zum Einsatz kamen. Durch Eigenschaften wie ihr Box-Design sind die Schalter staubdicht und lassen sich besonders stabil und gleichmäßig herunterdrücken. Laut Asus wird jeder dieser Schalter “im Werk sorgfältig geschmiert”, jedoch wirkt sich diese Behandlung nicht groß auf den Tastenklang aus: Beim genauen Hinhören klingen die Tasten noch minimal kratzig.

Überhaupt ist der Tastenklang – trotz zwei dämpfender Silikonschichten und Gasket Mount – eher Standardkost, an der sich Enthusiasten nicht satthören werden. Die Tasten klingen satt und hell, das Tippgefühl lässt sich dank der genannten Maßnahmen als leicht gefedert beschreiben.
Somit bildet die Morph 96 immerhin eine gewisse Grundlage für die Erfüllung höherer Ansprüche, denn das Hot-Swap-fähige PCB mit South-Facing-LEDs ist bestens für umfassende Upgrades von Tastenschaltern und -kappen gerüstet.
Steuerknauf und Software
Außer den ROG NX V2 Schaltern und den kabellosen Verbindungsmöglichkeiten hat die neueste Asus-Tastatur ein einzelnes Extrafeature in Form des großen, seitlich angebrachten Steuerknaufs zu bieten. Dessen Position auf der linken Seite ermöglicht die einfache Bedienung im Spiel, ohne die Hand von der Maus nehmen zu müssen.

Der Knauf kann gedreht und eingedrückt werden, eine Taste daneben wechselt durch die verschiedenen Funktionsmodi: Neben Lautstärkereglung, Mediensteuerung und LED-Helligkeitsanpassungen gibt es eine vierte, anpassbare Option. Für die Einstellung dieses letzten Modus wird die browserbasierte Gear Link Anwendung verwendet, für die keine Installation benötigt wird. Ein optionales, herunterladbares Companion-Modul ergänzt die Software nur um wenige, nicht zwingend erforderliche Funktionen wie den Zugang zu Windows-Shortcuts bei der Schnellzugriff-Belegung.
Ansonsten bietet Gear Link die üblichen Einstellungsmöglichkeiten für Tastenbelegung, Beleuchtung und Energiemanagement. Zusätzlich gibt es den Speed Tap Modus und Zuweisungen für Tastenkombinationen mit der FN-Taste.
Fazit
Nachdem die letzten Asus-Tastaturen eher um die 300 Euro gekostet hatten, präsentiert sich die ROG Strix Morph 96 Wireless für knapp 150 Euro UVP beinahe zum Schnäppchenpreis. Für dieses Geld bietet der Hersteller Funktionen, die bei anderen Herstellern nach wie vor nur halb so viel kosten – verpackt im klassischen Asus-Design. Abwechslung bringt ein ungewöhnlich platzierter, qualitativ aber wenig überzeugender Multifunktions-Drehknauf, der sich in der rein browserbasierten Software anpassen lässt.
Die verbauten ROG NX V2 Schalter machen eine ordentliche Figur. Mit leicht zugänglichem Innenleben und dämpfender Polsterung bietet die Tastatur zudem eine solide Grundlage für Bastler, die mit Upgrades etwas nachhelfen möchten.
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