Urtopia Carbon E-Bike im Test: Federleichtes Rad für die Stadt

Wie smart ist das Rad wirklich?

Die Mobilität, sowohl in Städten, als auch auf dem Land, hat sich besonders innerhalb der letzten Jahre stark verändert. Carsharing, E-Scooter und E-Bikes spielen neben dem öffentlichen Nahverkehr eine immer größere Rolle. Und damit euer geklautes Rad am nächsten Tag nicht an euch vorbeifährt, gibt es Modelle wie das Urtopia Carbon E-Bike. Durch den auffälligen Carbonrahmen wiegt es lediglich 15 Kg, der Akku ist entnehmbar und mit der integrierten eSIM lässt es sich jederzeit orten. Wir haben das Leichtgewicht vier Wochen für euch getestet.

Tatsächlich feiern wir mit diesem Beitrag eine Premiere, denn ihr lest hier unseren ersten Test zu einem E-Bike. Zwar haben wir schon das ein oder andere Modell Probe gefahren oder sogar in der Garage stehen, doch zur direkten Konkurrenz (VanMoof, Cowboy & Co.) können wir keine Vergleichserfahrungen mit euch teilen. Dennoch: „Einmal ist immer das erste Mal“.

Das Urtopia E-Bike startete bereits Ende letzten Jahres als Crowdfunding-Kampagne bei Indiegogo und sammelte bis Januar 2022 über drei Millionen US-Dollar ein. Mit dem Gesamtpaket aus Carbonrahmen, leichtem Gewicht und smarten Features erregte das „New Urban Utopia“ genannte Fahrrad eine hohe Aufmerksamkeit. Aus dem ursprünglich angedachten Marktpreis von 2.199 Euro sind mittlerweile jedoch 3.299 Euro geworden – doch lohnt sich das Urtopia E-Bike dennoch?

Ihr könnt das smarte E-Bike unter anderem bei Urtopia direkt bestellen. Der kostenlose Versand erfolgt dann innerhalb von 3-5 Werktagen, dazu gibt es eine 2-jährige Garantie. Wenn euch das Rad erreicht, solltet ihr zunächst das übersichtliche Handbuch durchgehen. Nehmt euch die Zeit, damit der Aufbau reibungslos funktioniert – denn dann ist das Rad in unter 10 Minuten aufgebaut und fahrbereit.

Design: Einzigartig, Auffällig, Dynamisch

Mit dem auffälligen Rahmendesign und der geschwungenen Form sorgte das New Urban Utopia E-Bike stets für Aufsehen, ganz egal ob an der Ampel oder in der S-Bahn. Durch die fehlende „Hälfte“ des Sitzrohres und den dadurch entstehenden „Knick“ zum Hinterrad bekommt der Rahmen einen ganz besonderen Look. Da so gut wie alle Kabel im Rahmen verlegt sind, kommt die besondere Form nochmals stärker zur Geltung.

Urtopia setzt hierfür auf Kohlefaser, ein besonders leichtes und dennoch robustes Material. Dadurch wiegt das Fahrrad laut Hersteller gerade einmal 15 Kilogramm, bei uns brachte es 15,5 Kilogramm auf die Waage. Im Vergleich zu manch anderen E-Bikes ist das tatsächlich ausgesprochen leicht, denn ein Cowboy 4 wiegt knapp 18,9 Kilogramm und das VanMoof S5 ist sogar 23 kg schwer. Die maximale Nutzlast liegt übrigens bei 110 Kilogramm.

Zwei Größen und drei sportliche Looks

Urtopia bietet das E-Bike in zwei Größen an, je nachdem wie groß ihr seid: M (1,65 bis 1,80 m) und L (1,75 bis 1,90 m). Darüber hinaus könnt ihr aus drei Farbvarianten wählen, die sich jedoch vorwiegend im Design der Streifen unterscheiden: Sirius (dezente Streifen in Orange und Weiß), Lyra (feine weiße Streifen) und, so wie unser Testmodell, Midnight in Paris (feine Streifen in rot, gelb & grün).

Bilder: Urtopia

Die Verarbeitung des Rades ist auf den ersten Blick sehr gut gelungen. Im Detail finden sich jedoch kleinere Stellen, an denen noch etwas Potenzial vorhanden wäre. So zum Beispiel die Spaltmaße zwischen Akku und Rahmen, die etwas lockere Gummiabdeckung des Ladeanschlusses sowie feine Übergänge zwischen der Kohlefaser und Kunststoff. Für diese Preisklasse wäre da durchaus noch etwas Feintuning angebracht.

Eine kleine Exkursion in die Grauzone?

Auf der Vorderseite (unterhalb der Lenkstange) sitzt ein fest integriertes Frontlicht, was von einem an der Sattelstange platzierten Rücklicht vervollständigt wird. Die Besonderheit hier sind zwei Projektoren, die links (in orange) und rechts (in weiß) vom Hinterrad die beiden Formen des Urtopia-Logos auf den Boden projizieren. Nach der aktuellen Gesetzeslage dürfte ein Fahrrad nicht über Blinker verfügen, doch womöglich bewegt sich Urtopia mit dieser Lösung etwas in der Grauzone.

Auffällig ist darüber hinaus, dass pro Rad nur ein Katzenauge (Reflektor) vorhanden ist. Laut Straßenverkehrsordnung müssen zwei Reflektoren in den Speichen vorhanden sein, oder reflektierendes Material am Reifen. Tatsächlich sind zwei silberne Schriftzüge auf den Felgen vorhanden, so richtig stark reflektierend scheinen diese jedoch nicht zu sein. Einen Ständer gibt es ab Werk übrigens nicht, dieser kann bei Urtopia jedoch für 35 Euro UVP dazu bestellt werden. Auch Schutzbleche müssen bei Bedarf für 99 Euro UVP extra geordert werden.

Technik & Besondere Features

Das Herzstück des Urtopia E-Bike sitzt im Hinterrad, genauer gesagt in der Hinterradnabe. Hier befindet sich ein Motor mit 35 Nm Drehmoment, welcher vom chinesischen Hersteller Mivice kommt. Der Name ist zwar noch ziemlich unbekannt, doch mittlerweile hat das Unternehmen bereits eine Niederlassung in Deutschland eröffnet und beliefert auch andere E-Bike-Marken.

Ihr könnt die Leistung des Rades in drei Modi einstellen: Eco (1), Komfort (2) sowie Sport (3). Stufe 0 wäre dabei reine Muskelkraft, also selbst strampeln, darüber hinaus gibt es noch einen Turbo-Modus für mehr Schub beim Ampel-Start. Dennoch: In allen Modi ist die Leistung des Motors bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h abgeriegelt. Ihr könnt natürlich schneller fahren, wenn ihr das schafft, doch der Motor unterstützt nur bis zu dieser, gesetzlich festgelegten Marke.

Langlebiger Carbonriemen statt öliger Kette

Angetrieben wird das Hinterrad, übrigens pannensichere Kenda Kwest 700x35C (35 mm / 1,4″) Räder, von einem Carbon-Riemen. Der soll für eine effektivere Leistungsübertragung sorgen und bis zu 30.000 Kilometer durchhalten. Wie stark der Motor seine Power beisteuern soll, wird durch einen Drehmomentsensor gemessen. Und damit ihr wieder sicher zum Stehen kommt, gibt es an Vorder- und Hinterrad jeweils eine Hydraulik-Scheibenbremse mit zwei Kolben.

Der 360 Wh große Akku sitzt in der großen Mittelstrebe und ist herausnehmbar. Wenn ihr das Rad also z.B. draußen parkt, könnt ihr den Akku zum Aufladen mit reinnehmen. Mit dem beiliegenden 168 Watt Netzteil dauert eine volle Ladung dann knapp 2,5 Stunden. Bei Bedarf könnt ihr noch einen zweiten Ersatzakku für 499 Euro UVP kaufen und ihn für die doppelte Reichweite in den Rucksack packen. Das Gewicht: 2.222 Gramm (Satisfying, oder? 🤤).

Bedienung & Urtopia-App

Am Lenker erwartet euch sozusagen die Schaltzentrale für das Fahrrad. Außen gibt es weiche Gummigriffe, die einen guten Halt gewährleisten. Auf der rechten Seite sitzt ein Fingerabdrucksensor, der zum Entsperren des Fahrrads dient. Hierüber (kurz betätigen) wird jedoch auch die digitale Klingel ausgelöst sowie der Sprachassistent (lange drücken) aktiviert.

Links ist hingegen ein D-Pad (Steuerelement) mit vier Pfeilen untergebracht, was wiederum für verschiedene Funktionen verantwortlich ist. Dazu zählen das Licht ein/ausschalten, die Blinker auslösen, die Leistungsmodi durchschalten, den Turbomodus aktivieren, das Fahrrad in den Standby schicken oder den Walk-Modus zum Gehen einschalten.

Übersichtliches Matrix-LED-Display

Besonders im Fokus steht das Matrix-LED-Display in der Mitte des Lenkers. Dort werden euch kontinuierlich drei wichtige Informationen angezeigt: Geschwindigkeit, Akkustatus und Leistungsstufe. Des Weiteren zeigt das Display eine Animation beim Starten des Rades, beim Blinken aber auch beim Abschließen an. Wenn ihr den Turbomodus aktiviert, erscheint für wenige Sekunden eine Rakete.

„On top“ kommt noch die Urtopia-App, die für iOS und Android verfügbar ist. Dort sind nicht nur die gefahrenen Strecken inklusive Fahrdaten (Distanz, Dauer, Avg. Speed, etc.), sondern auch weitere Anpassungsmöglichkeiten des Fahrrads einsehbar. Ihr könnt das Urtopia E-Bike beispielsweise Piepen lassen, falls ihr es im Fahrradgewusel nicht mehr wiederfindet. Zudem lässt sich die Lautstärke der Sounds einstellen und ein Fingerabdruck zum Entsperren hinterlegen.

Durch die integrierte eSIM (1 Jahr kostenlos danach 35 € / Jahr) ist das Rad stets online, eine verfügbare Mobilfunkverbindung natürlich vorausgesetzt, wodurch ihr den Standort jederzeit überprüfen könnt. Sollte das Rad also geklaut werden, könnt ihr es per GPS auf der Karte nachverfolgen. Einen Alarm-Modus gibt es in der App zwar schon, doch dieser ist wohl noch in Entwicklung und dürfte bald als Firmware-Update eintrudeln. Zumindest könnt ihr über die App einen Alarm-Sound abspielen lassen, um Diebe abzuschrecken.

Praxiserfahrungen aus dem Alltag

Beim Fahren mit dem Urtopia Carbon E-Bike macht sich schnell bemerkbar, dass es sich um ein „urbanes“ Fahrrad handelt, welches primär für den Stadtverkehr geeignet ist und sich auf geraden, flachen Strecken wohlfühlt. Dass keine Federung mit an Bord ist, macht sich auf Deutschlands Straßen und Radwegen daher schnell bemerkbar. Zwar bringt der Kohlefaserrahmen eine gewisse Flexibilität mit sich, doch wirklich komfortabel rollt das E-Bike über geflickten Teer nicht.

Der Sattel ist nicht superweich, aber trotzdem für längere Touren komfortabel genug. Alternativ bietet Urtopia beim Kauf direkt einen Extra-Komfort-Sattel für 65 Euro UVP an. Wirklich angenehm ist aber das Gewicht von gerade einmal 15 Kilogramm, wodurch ihr euch beim Treppen hoch/hinunterlaufen keinen Hexenschuss einfangt. Es braucht nur etwas Übung, um zu wissen, wo man das Rad am besten greifen kann.

Der 250 Watt starke Motor in der Hinterradnabe bietet tatsächlich etwas weniger Drehmoment als die Konkurrenz von Vanmoof oder Cowboy, lässt euch beim Ampelstart aber dennoch als Erstes losziehen. Der Drehmomentsensor braucht dabei jedoch eine kurze Denksekunde, ehe der Motor seine Leistung dazugibt. Wer so richtig wie ein Formel 1 Auto von der Pole Position durchstarten möchte, kann den Turbomodus aktivieren – DAS macht mal wirklich Spaß (und E-Auto-Fahrer*innen werden dieses Gefühl kennen).

Genug Leistung und Reichweite für die Stadt

Auf flachen Strecken reicht der Eco-Modus (Stufe 1) problemlos für eine angenehme Unterstützung. Bei Steigungen lohnt es sich jedoch auf den Sport-Modus (Stufe 3) zu schalten, damit ihr komfortabel und ohne großen Selbstaufwand hinauffahren könnt. Doch auch sonst wird der Sport-Modus seinem Namen gerecht, denn auf ebener Strecke müsst ihr das Pedal nur leicht „antreten“, um hinfort zu gleiten.

Die Reichweite gibt Urtopia mit 50 – 130 Kilometer an, auf der Webseite ist von maximal 100 Kilometern die Rede. In der Praxis erreichten wir allerdings „nur“ maximal 50 – 55 Kilometer. Hierbei radelten wir in der Eco-Stufe mit durchschnittlich 25 km/h – mal mehr, mal weniger. Bei Steigungen wurde kurzzeitig auf Stufe 3 geboostet, an Ampeln wurde zudem auch mal der Turbo gezündet.

Dieses Ergebnis ist in Anbetracht der Herstellerangabe etwas enttäuschend, doch wie üblich dürfte dabei ein „theoretischer Laborwert unter optimalen Bedingungen“ gemeint sein. Für ein urbanes Stadt-E-Bike sind die 50 Kilometer unserer Meinung nach mehr als ausreichend. Wer gern etwas längere Touren machen möchte, muss notfalls etwas mehr Muskelkraft einsetzen oder einen zweiten Akku einpacken.

Es ist noch Luft nach oben!

Etwas Optimierungspotenzial sehen wir bei der Akkuanzeige. Zwar sorgen die Matrix-LED-Balken für eine recht gute Einschätzung der verbleibenden Kapazität, doch eine richtige Prozentzahl bzw. eine geschätzte Restreichweite auf Basis der bisherigen Fahrt fehlt leider. Hier könnte Urtopia durchaus etwas mehr Details in die App packen und dem Nutzer/der Nutzerin an die Hand geben.

Die Sounds über den Lautsprecher sind an sich ein witziges Gimmick, werden nach einer gewissen Zeit jedoch etwas nervig. Problem ist nur, wenn ihr die Töne komplett ausschaltet, wird auch die Klingel deaktiviert. Eine getrennte Lautstärkeregelung wäre hier ein wichtiges Update für die Zukunft, auch hinsichtlich der Fahrtüchigkeit und -sicherheit.

Fazit

Das Urtopia „New Urban Utopia“ ist ein gelungenes E-Bike mit leichtem Kohlefaserrahmen und extravagantem Design. Im Fokus stehen ein paar smarte Funktionen, die jedoch noch nicht ganz so clever umgesetzt sind. Hier gibt es besonders hinsichtlich der Töne und Klingel sowie bei der Anzeige der Restreichweite bzw. -akkukapazität noch Luft nach oben. Durch die integrierte eSIM lässt sich das Fahrrad allerdings jederzeit mit einem Software-Update verbessern.

Der Motor in der Hinterradnabe sorgt für eine sportliche Beschleunigung und bringt euch auch bei Steigungen komfortabel den Hügel hinauf. Für flache Strecken reicht der Eco-Modus problemlos aus, etwas mehr Dynamik gibt es mit dem Sport-Modus. Die Reichweite fällt mit maximal 50 Kilometern solide, aber auch nicht überragend aus. Für den Weg zur Arbeit oder kleinere Touren am Wochenende sollte der Akku dennoch ausreichend.

Sehr praktisch ist die Kombination aus entnehmbarem Akku und leichtem Format. Ihr könnt das Rad also problemlos hoch in die Wohnung tragen oder im Hinterhof angeschlossen stehen lassen und nur den Akku zum Aufladen mitnehmen. Zudem lässt sich die Reichweite so mit nur wenigen Handgriffen verlängern, ein zweiter Akku (499 Euro UVP) natürlich vorausgesetzt.

Mit einem Preis von 3.299 Euro UVP ist das Urtopia Carbon E-Bike sicherlich nicht günstig. Auch die smarte Konkurrenz von VanMoof oder Cowboy liegt einige Hundert Euro darunter. Doch wer sich ein extravagantes Design und ein paar spaßige Features wünscht, wird mit dem „New Urban Utopia“ definitiv glücklich. Etwas schade ist am Ende nur, dass es sich um ein „Schönwetter-Rad“ handelt, denn passgenaue Schutzbleche sind ab Werk nicht dabei und kosten 99 Euro extra (das wäre bei diesem Preisschild doch wohl drin gewesen, oder Urtopia?)

E-Bike
Allround-PC.com Award
10/2022
Urtopia Carbon
Empfehlung

Pro

  • leicher Kohlefaserrahmen mit auffälligem Design
  • solide Reichweite für den Stadt-Alltag
  • genug Leistung für flache Strecken und kurze Steigungen
  • entnehmbarer Akku
  • Fingerabdrucksensor zum Entsperren
  • übersichtliches Matrix-LED-Display
  • einfache Steuerung per D-Pad

Contra

  • Diebstahlschutz fehlt noch
  • keine Schutzbleche ab Werk
  • keine Federung
  • keine getrennten Lautstärkeeinstellungen

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Leonardo Ziaja ... ist vor allem für die Bereiche Smartphones und Mobile zuständig, testet aber auch andere Hardware-Highlights wie Gehäuse, Prozessoren und Mainboards. Darüber hinaus sorgt er für hochwertige Bilder in unseren Testberichten.

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