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Asus ROG Xreal R1 im Test: 240-Hz-Gamingbrille mit zu hohem Preis

Das bietet die derzeit teuerste Displaybrille
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Großes Sichtfeld, native 3DoF-Funktionen und bis zu 240 Hertz: Die Asus ROG Xreal R1 klingt auf dem Papier nach einer der spannendsten Gaming-Displaybrillen des Jahres. Im Test zeigt sich aber schnell, dass Asus für 849 Euro zu viel verlangt, wenn Konkurrenzmodelle für weniger Geld mindestens genauso viel oder sogar mehr bieten.

Mit 849 Euro UVP ist die ROG Xreal R1 derzeit die teuerste Displaybrille am Markt. Die Gaming-Marke von Asus ist zwar für hohe Preise bekannt, doch das wäre leichter zu rechtfertigen, wenn die Brille insgesamt klar vor der Konkurrenz läge. Als Hauptmerkmal hebt der Hersteller hervor, dass erstmals in dieser Produktkategorie 240 Hertz geboten werden. Das stimmt zwar grundsätzlich, geht allerdings mit Einschränkungen gegenüber den nativen 120 Hertz einher.

Ebenfalls das breite Sichtfeld der Displays ist bei dem Produkt von Asus und Xreal überdurchschnittlich, lediglich die Viture Beast übertrifft dies minimal. Die Beast-Brille kostet beim Hersteller inklusive Versand rund 500 Euro, dazu gibt es etwa ein Mobile-Dock mit Akku für knapp 87 Euro für Handhelds wie die Nintendo Switch. Andere Händler verlangen 599 Euro für das Modell.

Technisch scheint die ROG Xreal R1 auf der Xreal One Pro (649 Euro) zu basieren, jedoch ist dort kein Dock im Lieferumfang enthalten und es bleibt bei 120 Hertz. Ein starker Aufpreis also für nicht native 240 Hertz und einen Hub für HDMI sowie DisplayPort.

Die zuletzt getestete Viture Luma Ultra bietet bereits eine sehr starke Bildqualität mit deutlich höherer Helligkeit, während die auf der CES ausprobierte Viture Beast auf nischige 6DoF-Funktionen im Tausch für ein breiteres 58-Grad-Sichtfeld verzichtet. Weitere Alternativen wie etwa die RayNeo Air 4 Pro bieten ebenfalls eine hohe Helligkeit und 120 Hertz, fallen aber beim Sichtfeld zurück mit circa 46 bis 52 Grad und bieten oftmals keine 3DoF-Funktionen. Dafür kosten solche Modelle in der Regel deutlich unter 400 Euro.

Asus ROG Xreal R1: Pro & Contra

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Design & Tragekomfort: Gute Sehstärke ist Grundvoraussetzung

Optisch bleibt die ROG Xreal R1 nah an einer sportlichen Sonnenbrille, wenn auch mit klarer Gaming-Note. Mit 91 Gramm ist sie noch leicht genug für längere Sessions. Die Bügel sind recht biegsam, verfügen über eine Federmechanik für unterschiedliche Kopfformen und lassen sich vertikal um ± 3,5 Grad verstellen, um die Passform feiner an Nase und Ohren anzupassen.

Im Lieferumfang liegen drei Nasenpad-Sets sowie die Halterung für Korrekturgläser. Zusätzlich gibt es zwei Varianten für unterschiedliche IPD-Bereiche, nämlich IPD 63 für etwa 60 bis 66 Millimeter und IPD 69 für etwa 66 bis 75 Millimeter.​ Hilfreich ist außerdem, dass sich die IPD in der Brille noch leicht virtuell nachjustieren lässt, auch wenn das keine mechanische Lösung gänzlich ersetzt.

Weniger gelungen ist die Lösung für Menschen ohne perfekte Sicht. Asus verbaut keine Dioptrienregler direkt an der Brille, sondern legt nur einen Einsatz für Korrekturgläser bei, die beim Optiker angefertigt werden müssen.​​ Gerade in dieser Preisklasse ist das schade, denn viele Nutzer dürften eben nicht auf beiden Augen perfekt sehen. Das dürfte auch mit dem integrierten 3DoF zusammenhängen, denn bei Brillen ohne diese Technik ist ein Dioptrienregler häufiger anzutreffen.

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Wie bei anderen Displaybrillen funktioniert die elektrochrome Abdunklung der Gläser grundsätzlich gut, ist aber nicht in jeder Situation ausreichend. Bei Gegenlicht kommt von vorn noch leicht etwas durch, an den Seiten ohnehin deutlich mehr. Ein optionaler Aufsatz zur kompletten Verdunklung der Front und Seiten wäre daher sinnvoll, zumal Viture so etwas bereits anbietet.​

Display: Tolles Bild, aber keine 849-Euro-Offenbarung

Generell liefert die ROG Xreal R1 ein gutes Bild. Die Micro-OLED-Displays arbeiten mit 1.920 × 1.080 Pixeln, bis zu 120 Hertz nativ, kräftigen Farben und einem breiten Sichtfeld von 57 Grad, was die projizierte Anzeige angenehm groß wirken lässt.​​

Das FoV ist damit überdurchschnittlich, aber eben nicht konkurrenzlos. Gerade die Viture Beast bewegt sich mit 58 Grad praktisch auf dem gleichen Niveau, während die Viture Luma Ultra mit 52 Grad zwar etwas enger wirkt, im Direktvergleich aber nicht dramatisch zurückfällt. Laut Hersteller entspricht die Anzeige einer 171-Zoll-Leinwand bei vier Metern Sitzabstand. Virtuell lässt sich das Bild an der Brille beliebig skalieren.

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Ein Kritikpunkt bleibt die Helligkeit. Asus nennt 700 Nits Spitzenhelligkeit, was im Alltag zwar ausreicht, in dieser Preisklasse aber nicht beeindruckt.​ Vor allem im direkten Vergleich zur deutlich helleren Viture Luma Ultra (1.500 Nits) merkt man den Unterschied sichtbar, und gerade bei HDR-Gaming ist das relevant. Selbst bei der weitaus günstigeren RayNeo Air 4 Pro werden 1.200 Nits geboten.

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Technisch noch erwähnenswert: Die R1 ist TÜV Flicker-Free, TÜV Low Blue Light und TÜV Eye Comfort (AR) zertifiziert, verbraucht ohne Dock weniger als 3 Watt und setzt auf einen USB-C-Anschluss mit DP-Alt-Mode für Strom, Bild und Ton über ein einziges Kabel.​ Das sind sinnvolle Eigenschaften, aber keine Punkte, die den hohen Preis allein rechtfertigen würden. Der USB-C-Anschluss ermöglicht immerhin den unkomplizierten Wechsel zu längeren Kabeln, sofern diese mindestens 10 Gbit/s Bandbreite bieten.

240 Hertz: Hauptargument mit Haken

Das große Marketing-Feature der ROG Xreal R1 sind die 240 Hertz. Auf dem Papier liest sich das stark, in der Praxis erweist sich der Modus aber als problematisch.​​

Denn für 240 Hertz sinkt die effektive Auflösung deutlich (1.920 × 540). Das führt laut Asus selbst zu einer reduzierten Textklarheit, und genau das zeigt sich auch im Alltag: Menüs, Desktop-Inhalte und kleinere Schrift wirken wesentlich unschärfer, weil das Bild nicht mehr sauber in nativer Full-HD-Schärfe dargestellt wird. Die Textschärfe lässt sich in mehreren Stufen erhöhen, um diesen Effekt leicht auszugleichen. Selbst in Spielen macht sich der Verlust an Klarheit allerdings direkt bemerkbar.

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Damit verliert das eigentliche Killer-Feature viel von seinem Reiz. In vielen Spielen ist der Unterschied zwischen 120 und 240 Hertz auf dieser Art von Display ohnehin gering, während die native Schärfe bei 120 Hertz den spürbar größeren Nutzen bringt.

3DoF-Funktionen: Wirklich praktisch

Deutlich überzeugender sind die integrierten 3-Degrees-of-Freedom-Funktionen. Anchor Mode und Follow Mode gehören zu den besten Argumenten der Brille, weil sie im Alltag tatsächlich nützlich sind und das Nutzungserlebnis spürbar verbessern.​​

Gerade beim entspannten Gaming oder Filmeschauen ist es angenehm, das Bild im Raum zu verankern oder weich mit den Kopfbewegungen mitführen zu lassen. Anders als manche eher experimentellen XR-Funktionen bei Konkurrenzmodellen wirken diese Features direkt zugänglich und praxisnah. Ohne 3DoF ist die Anzeige nicht stabilisiert und bewegt sich bei jeder kleinsten Bewegung (etwa Atmen) mit.

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Spannend ist außerdem, dass die Brille einen Anschluss zwischen den Nasenbügeln für eine optionale Xreal-Kamera bietet (99 Euro), die offenbar als Grundlage für zusätzliche Raumfunktionen (6DoF) dient. Auffällig ist allerdings, dass Asus diese Erweiterung auf den eigenen Produktseiten nicht erwähnt, obwohl sie technisch für manche interessant sein könnte.

Audio, Dock & Zusatzfunktionen

Die Bose-Lautsprecher in den Bügeln liefern eine gute Klangqualität und passen gut zum Konzept einer schnell einsatzbereiten Gaming- oder Heimkino-Brille.​ Stimmen sind klar, Effekte kommen ordentlich rüber und für YouTube, Serien oder entspanntes Gaming reicht das locker aus. Für Blockbuster oder mehr Immersion setzt man aber lieber noch einen guten Over-Ear-Kopfhörer auf.

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Ein zentrales Element des Pakets ist das ROG Control Dock. Es erweitert die Brille um DisplayPort 1.4, zwei HDMI-2.0-Eingänge, USB-C-Stromversorgung sowie typische Asus-Funktionen wie GamePlus und GameVisual.​​ Das klingt erst einmal umfangreich, wirkt in der Praxis aber auch etwas überladen.

Viele der Zusatzfunktionen erinnern eher an bekannte Asus-Monitor-Features als an ein durchdachtes mobiles XR-Konzept. Dazu kommt, dass die begleitende PC-Software rund um DisplayWidget Center zum Testzeitpunkt noch nicht ausgereift wirkt.

Man merkt schnell, dass das Dock lediglich darauf ausgelegt ist, am Schreibtisch genutzt zu werden. Die Bedienung per Joystick ist zwar angenehmer als über die Tasten an der Brille, das Menü ist aber so vollgestopft, dass für manche Einstellungen viel Herumgeklicke vonnöten ist.

Ebenfalls schade ist, dass Asus beim Dock eine echte Chance liegen lässt. Zwar lassen sich damit Konsolen, PCs und andere HDMI-/DP-Quellen anschließen, doch ein integrierter Akku fehlt komplett.​​ Gerade für den Handheld-Einsatz unterwegs oder eine mobile Dock-Lösung für Nintendo Switch oder Switch 2 wäre das extrem praktisch gewesen. Bei Viture, RayNeo und Xreal selbst gibt es solche Lösungen längst unter 100 Euro.

Für Konsolen sind die HDMI-2.0-Ports kein Problem hinsichtlich der Auflösung, allerdings dürfte eine variable Bildrate von der Playstation 5 und Xbox Series X|S mangels HDMI 2.1 VRR nicht unterstützt werden.

Nach einem Firmware-Update des Docks kurz vor Abschluss des Tests unterstützt die ROG Xreal R1 auch eine 2D-zu-3D-Konvertierung. Das ist ein netter Zusatz, der bei ruhigen Szenen oder Standbildern ganz cool sein kann, aber wie bei anderen Herstellern mit den üblichen Bewegungsartefakten kämpft und daher eher Spielerei als Kernfeature bleibt.​ Die Bildrate ist dabei auf 60 Hertz limitiert.

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Hinzu kommt Aspect Control für verschiedene Seitenverhältnisse. In der Praxis sind bei 32:9 (3.840 × 1.080) bei 60 Hz und bei 21:9 (2.560 × 1.080) bei 90 Hz möglich, was zunächst nach einem echten Mehrwert für Ultrawide-Fans klingt.​

Das Problem: Das Sichtfeld der Brille wächst dadurch natürlich nicht mit. Man schaut also weiterhin auf eine Art 16:9-Ausschnitt und muss den Kopf aktiv drehen, um die Randbereiche zu erfassen. Für echtes Ultrawide-Gaming ersetzt das keinen breiten Monitor, sondern bleibt eher eine nette Zusatzoption für Multitasking.

Praxiserfahrungen & Einordnung

Im Alltag funktioniert die ROG Xreal R1 am besten als private Gaming- und Medienbrille für Innenräume. Sie liefert ein ordentliches, kontrastreiches Bild, ein angenehm breites FoV und mit den 3DoF-Funktionen einen echten Komfortgewinn.​​

Trotzdem wirkt das Produkt in seiner Ausrichtung etwas widersprüchlich. Einerseits soll es eine mobile Gaming-Brille sein, andererseits ist gerade das Dock mit seinen vielen Monitor-Funktionen und ohne Akku rein auf Schreibtisch-Setups ausgelegt. Für den mobilen Handheld-Einsatz gibt es anderswo flexiblere und preislich attraktivere Lösungen.

Unterm Strich fehlt der ROG Xreal R1 damit ein wirklich überzeugender Vorsprung. Das Bild ist gut, aber angesichts der Helligkeit nicht überragend für den Preis. Die 240 Hertz klingen besser, als sie in der Praxis sind, und die 3DoF-Funktionen sind praktisch, retten das Gesamtpaket aber nicht allein.

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Fazit

Die Asus ROG Xreal R1 ist keine schlechte Gaming-Brille per se. Sie bietet ein gutes Micro-OLED-Bild, ein angenehm breites Sichtfeld und mit Anchor Mode sowie Follow Mode genau die Art von 3DoF-Funktionen, die im Alltag tatsächlich nützlich sind.​​

Trotzdem fällt das Urteil am Ende ernüchternd aus. Für 849 Euro bekommt man zu wenig Vorsprung gegenüber der Konkurrenz, und teils sogar das weniger runde Gesamtpaket. Die Helligkeit ist nur ordentlich statt herausragend, der 240-Hz-Modus entpuppt sich als Marketing-Feature mit Qualitätseinbußen, das Dock wirkt überladen und zu wenig mobil gedacht, und für Brillenträger ist die Lösung umständlich und kostspielig.​​

Wer einfach die beste Kombination aus Preis, Bildqualität und Alltagstauglichkeit sucht, bekommt bei der Konkurrenz aktuell mindestens genauso viel oder mehr für weniger Geld. Genau das ist das eigentliche Problem der ROG Xreal R1: Sie macht vieles ordentlich, aber fast nichts so viel besser, dass dieser Preis wirklich gerechtfertigt wäre.

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Foto von Tim Metzger Tim Metzger Redakteur

Schreibt seit 2018 zu Technik aller Art und arbeitet seit 2020 für Allround-PC. In dieser Zeit absolvierte er neben zahlreichen Tests sein Volontariat und sein Technikjournalismus-Studium. Tim ist primär Experte für Prozessoren, Monitore und Mobilgeräte. Wenn er mal nicht tippt und auf Tech-Events unterwegs ist, sucht er wahrscheinlich gerade sein nächstes 3D-Druck-Projekt oder Reiseziel aus.

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