Displaybrillen gab es bislang kaum unter 400 Euro, doch die RayNeo Air 4 Pro will das ändern und liefert HDR10 sowie 120 Hertz zum Kampfpreis von knapp 300 Euro. Ob die Brille der TCL-Marke überzeugt oder ob sich teurere Modelle mehr lohnen, klärt der Test.
Mit einem Preis von aktuell 339 Euro positioniert sich die RayNeo Air 4 Pro exakt in der aktuellen Einstiegsklasse für Displaybrillen, zusammen mit der etwas älteren Asus AirVision M1 und der brandneuen Xreal xbx a01+ (je 299 Euro). Erst ab 399 Euro beginnt mit der Xreal One und Viture Luma die nächste Preisklasse, samt größerem Sichtfeld und mehr Komfortfunktionen.
Zuletzt hatten wir mit der Viture Luma Ultra und Asus ROG Xreal R1 zwei Oberklassemodelle im Test. Wichtig: Diese Brillen dienen lediglich als kabelgebundene Anzeige für Medien von Endgeräten wie Smartphones, Notebooks sowie Gaming-Handhelds und sind keine eigenständigen Alltags-Smart-Glasses wie die Rokid Glasses (Test).
Überzeugt die RayNeo Air 4 Pro? #pro&contra
Design & Tragekomfort
Die Air 4 Pro wiegt 76 Gramm und sitzt dank flexibler Bügel und zwei beiliegenden Nasenpad-Sets angenehm stabil auf der Nase, ohne die Ohren zu belasten. Komfortfunktionen der gehobenen Klasse sucht man hier jedoch vergeblich: Es gibt keine Dioptrienregler direkt an der Brille und auch keine elektrochromen Gläser zur dynamischen Lichtdimmung.
Die Frontabdeckung ist aber ohnehin schon stark getönt, der beiliegende Lichtblocker-Aufsatz sorgt schließlich für noch mehr „Dunkelheit“. Jener sitzt allerdings nur locker auf der Brille und fällt entsprechend leicht bei Bewegungen an – gerade unterwegs im Zug oder Flugzeug ist das verschenktes Potenzial.
Für die Bedienung befinden sich eine Lautstärkewippe, eine Helligkeitswippe sowie eine Menütaste im Rahmen. Der Neigungswinkel lässt sich zudem um 5 Grad nach oben oder unten anpassen. Dies ist allerdings sehr schwergängig und wird beim Verstellen mit einem lauten Knacken quittiert. In der Praxis sorgt das für Angst, die Bügel beim Verstellen abzubrechen. Die Verstellung ist aber auch wichtig, damit das Display passend auf eurer Nase sitzt. Ansonsten ist die Verarbeitung der Preisklasse angemessen und das Design schlicht gehalten.
Das mitgelieferte Etui besteht aus einfachem Filzstoff statt einer robusten Hartschale, bietet aber ausreichend Platz für das Kabel und fixiert dieses zusätzlich per Klettverschluss. Positiv fällt der normale USB-C-Anschluss auf, der freie Kabelwahl erlaubt, statt eines proprietären Steckers wie bei manchen Viture-Modellen.
Für Korrektionsgläser liegt im Lieferumfang übrigens eine entsprechende Fassung bei, günstiger ist bei Bedarf vermutlich das Tragen von Kontaktlinsen.
Display
Kernstück der Air 4 Pro sind neue 0,6-Zoll-Micro-OLED-Displays von TCL (Tandom OLED Gen 5.5). Die Displays bieten 1.920 × 1.080 Pixel pro Auge, bis zu 120 Hertz und sind mit einer Birdbath-Optik implementiert. Der neue Bildprozessor Vision4000 ermöglicht zudem HDR10-Wiedergabe, ein echtes Novum in dieser Preisklasse.
Die Maximalhelligkeit gibt der Hersteller mit 1.200 Nits an, was nicht viele Displaybrillen liefern. Das neue Xreal-Konkurrenzmodell, xbx a01+, soll sogar 1.600 Nits erreichen. In der Praxis ist die Helligkeit selbst bei starkem Umgebungslicht in Innenräumen ausreichend, draußen bei strahlender Sonne hingegen weniger. Aufgrund der Birdbath-Optik spiegeln leider helle Objekte, etwa ein weißes T-Shirt, vor den Linsen merklich.
Mit einem Sichtfeld von 47 Grad fällt die Air 4 Pro spürbar enger aus als teurere Modelle mit 52 bis 58 Grad Sichtfeld. Das hat immerhin einen praktischen Vorteil: Es gibt kaum Probleme mit abgeschnittenen Bildrändern, auch wenn die Passform mal nicht perfekt sitzt. Die Größe des virtuellen Bildschirms selbst lässt sich dabei nicht manuell anpassen. Es sei dennoch erwähnt, dass die Xreal xbx a01+ zum gleichen Preis ein größeres 50-Grad-Sichtfeld bietet.
Wir haben festgestellt: Je nachdem, wie breit/hoch das Nasenbein ausfällt, kann die Sicht auf das Display besser oder schlechter ausfallen. 👃
Audio
Beim Klang kooperiert RayNeo mit Bang & Olufsen. Vier offene Treiber in den Bügeln sollen für klare Stimmen und etwas mehr Bass sorgen, als der Formfaktor vermuten lässt. Im Vergleich zu bisher getesteten Displaybrillen fällt der Sound hier aber merklich ab: Im Standardprofil übersteuern die Lautsprecher schnell und wirken plärrig, wirklich brauchbar ist nur das Surround-Profil.
Beim Test mit „James Bond 007: Skyfall“ lieferte dieses zumindest einen angenehmen Raumklang-Effekt ohne störende Übersteuerung, dafür büßt man hier nochmal an ohnehin knapper Lautstärke ein. Für Podcasts oder YouTube-Videos reicht das, für Filmabende oder Musik empfiehlt sich klar ein zusätzlicher Kopfhörer.
Praxis & Einordnung
Im Alltag funktioniert die Air 4 Pro als unkomplizierter USB-C-Monitor fürs Gesicht. Smartphones mit DP-Alt-Mode, iPad, MacBook und Handhelds wie das Steam Deck lassen sich direkt anschließen. Bei der Nintendo Switch bleibt es wie gewohnt beim Umweg über ein separat erhältliches Akku-Dock (JoyDock), da die Konsole selbst kein natives USB-C-Videosignal ausgibt – das gibt es für knapp 100 Euro.
Spürbar vermisst habe ich im Test eine Form von Bildstabilisierung. Selbst ein simpler Anti-Shake-Modus wie beim Xreal-Konkurrenzmodell, der das Bild zumindest softwareseitig etwas ruhiger hält, fehlt hier komplett. Echtes 3DoF-Tracking mit Anchor- oder Follow-Modus, wie es deutlich teurere Modelle bieten, wäre bei dem Preis ohnehin nicht zu erwarten. Ohne jegliche Stabilisierung wandert das Bild aber bei jeder kleinen Kopfbewegung mit, was besonders beim Lesen von Text auffällt – und die Augen doch etwas stärker anstrengen kann.
Fazit
Die RayNeo Air 4 Pro ist ein gutes Budget-Modell, das sich konsequent auf das Wesentliche konzentriert, statt mit Komfortfunktionen zu glänzen. Das Bild überzeugt für den Preis, das kleinere Sichtfeld fällt nicht negativ auf, und mit 120 Hertz sowie HDR10 bietet die Brille gute Eigenschaften für die Kerndisziplin einer Displaybrille.
Die Lautsprecher trüben den Eindruck dagegen, nur im Surround-Profil wird der Klang wirklich brauchbar. Komfortfunktionen wie Dioptrienanpassung oder elektrochrome Gläser fehlen komplett, und auch der mitgelieferte Lichtblocker sitzt zu locker, um sein Potenzial auszuschöpfen.
Einzig die fehlende 3DoF-Unterstützung für ein stabileres Bild fällt im Alltag auf, ist bei diesem Preis aber nicht wirklich zu erwarten, selbst wenn die Konkurrenz mit einem einfachen Anti-Shake-Modus hier schon etwas mehr bietet. Wer kein Luxusmodell sucht, sondern eine unkomplizierte, günstige Einsteiger-Displaybrille, bekommt mit der Air 4 Pro aktuell ein solides Paket, das die wichtigsten Punkte für den Preis gut erfüllt.
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