Die besten Handys ab 600€ Die besten Handys < 500€ Die besten Gaming-Headsets Die besten Gaming-Tastaturen

Rokid Glasses im Test: Smarte Brille mit Display, ChatGPT & Google Gemini

HUD im Gesicht, Flüstern im Ohr
rokid glasses smarte brille wird getragen

Die Zukunft sitzt plötzlich direkt auf deiner Nase: Ein Display im Sichtfeld, KI-Analyse in Echtzeit und AR-Navigation, die dich durch den Alltag lotst. Während Metas Ray-Ban mit Display hierzulande noch auf sich warten lässt, bringt Rokid seine Smart Glasses bereits an den Start – mit großen Versprechen. Wir haben ausprobiert, wie nützlich das Mini-Display wirklich ist, wie gut ChatGPT im Alltag funktioniert und wo Akku, Design und Praxis an ihre Grenzen stoßen.

Die Rokid-Brille bietet Displays, die Informationen direkt ins Sichtfeld einblenden. Damit greift Rokid einen Trend auf, der erst langsam an Fahrt gewinnt: Meta hat die Ray‑Ban Meta etabliert, die Display‑Variante ist bislang nur ein USA‑Thema, und auf der CES sowie dem MWC zeigten auch andere Hersteller ähnliche Ansätze – darunter XGIMI und Amazfit. Die Brille von Rokid ist jedoch eine der ersten Optionen (neben Even Realities), die regulär auch in Deutschland startet.

Preislich positioniert sich Rokid mit 699 Euro UVP im oberen Segment der Smart-Glasses-Kategorie, verfügbar ist die Brille zum Start aber bereits mit 120 Euro Rabatt (unter anderem bei Amazon). Metas Ray-Ban Display kostet mit dem zugehörigen Neural Band 799 US-Dollar (zzgl. Steuern), wirkt dafür klobiger und hat ein kleines Farbdisplay anstatt zwei monochromer. Die Even Realities G2 verfolgt den gleichen Ansatz wie die Rokid-Brille und ist ab 699 Euro UVP erhältlich, verzichtet aber auf eine Kamera.

Wer aber ohnehin auf ein Display verzichten kann: Die Rokid AI Glasses Style (jetzt auch als bessere Neo-Variante) starten schon für 299 Euro. Pendants von RayBan/Meta kosten ab 419 Euro (2. Gen.), verügbar unter anderem bei Media Markt.

Rokid Glasses: Vor- & Nachteile im Überblick

rokid glasses quadratisch grafik

Design & Verarbeitung: Glänzendes Leichtgewicht

Das Design der Rokid-Brille macht auf mich einen deutlich technischeren Eindruck als eine Ray‑Ban Meta. Das liegt nicht nur an der Form, sondern auch an den Displayumrandungen, die von außen sichtbar bleiben und die Brille bei manchen Gesichtsformen etwas weit vom Gesicht abstehen lässt.

Im direkten Stilvergleich wirkt die Ray‑Ban‑Lösung klar unauffälliger und hochwertiger verarbeitet, zumal verschiedene Gestelle zur Auswahl stehen. Rokid setzt auf ein leichtes Magnesium‑Aluminium‑Gestell mit nur 52 Gramm Gewicht (RB Meta Gen. 2: 50 g). Aber die Brille ist eben keine Sonnenbrille im klassischen Sinn, sondern sichtbar ein Stück Technik fürs Gesicht.

Im Praxiseinsatz sorgte die Brille nicht selten für fragende Blicke. Gegenüber den wenigen Smart Glasses mit Display wirkt das Rokid-Modell dennoch halbwegs alltagstauglich. Ich würde mir dennoch ein etwas eleganteres Design wünschen und weniger den „3D-Brille fürs Kino“-Look.

Vergleich: Rokid vs. Ray-Ban Meta

Beim Testgerät kamen klare Gläser zum Einsatz, die innen leicht spiegelten. Das war im Alltag nicht dramatisch, hat aber die Wahrnehmung verstärkt, dass die Brille noch nicht so recht als fertiges Modeaccessoire wirkt. Zum Marktstart dürften je nach Markt vermutlich auch Varianten mit Blaulichtfilter, Transitions‑ oder polarisierten Gläsern kommen (ergänzen wir nachträglich).

Display & Funktionen: Was kann das HUD?

Das eigentliche Highlight sind die beiden Waveguide-Micro‑LED‑Displays mit 640 × 480 Pixeln, bis zu 1.500 Nits Helligkeit und einem Sichtfeld von 30 Grad. Die Anzeige ist einfarbig in Grün, was mich etwas an einen Fallout-Pip-Boy erinnert. Damit lassen sich dann Benachrichtigungen, Übersetzungen, Navigationshinweise oder KI‑Antworten direkt im Sichtfeld anzeigen, ohne dass die Inhalte aufdringlich wirken.

Die Helligkeit lässt sich in zehn Stufen dimmen bzw. erhöhen, allerdings nicht automatisch. Deshalb blieb die Brille während des Tests meist auf hoher Helligkeit aktiv – bei strahlender Sonne ist das auch erforderlich, um noch etwas zu erkennen. Eine automatische Regelung wäre aber wünschenswert gewesen.

Im Alltag funktioniert das Display-Konzept besonders bei Text und Navigationshinweisen sehr gut. Damit hebt sie sich klar von der normalen Ray-Ban Meta ab: Statt nur Audio, Kamera und App‑Anbindung gibt es echte visuelle Einblendungen, etwa für Übersetzungen, Quick Notes, Benachrichtigungen, KI-Chatbot, -Bildanalyse oder AR‑Navigation. Dazu kommen Telefonie, Musikwiedergabe, Aufnahme von Fotos und Videos sowie KI‑Funktionen wie Fragen zum Gesehenen, Texterkennung und Übersetzung.

Praktisch: Übersetzung in Echtzeit – sogar offline!

Besonders interessant ist die Mehrsprachigkeit, denn Rokid bewirbt Echtzeit‑Übersetzung und KI‑Interaktion als Kernnutzen. Bei Nutzung des Microsoft-Übersetzers sind 89 Sprachen auswählbar, offline sind nur eine Handvoll nutzbar (aber immerhin!). Außerdem gibt es noch eine Transkriptionsfunktion, etwa für Meetings, die natürlich auch ein praktisches Feature hinsichtlich Barrierefreiheit sein kann (z.B. bei eingeschränktem Hörvermögen). Theoretisch unterstützt die Brille sogar Bezahlen via Alipay, allerdings nur in Asien via QR-Code im Geschäft.

Wie bei vielen Alternativen dient Qualcomms Snapdragon-AR1-Chip als Basis, ergänzt durch zwei Gigabyte Arbeitsspeicher und 32 Gigabyte Massenspeicher. Gefunkt wird mit Wi-Fi 6 sowie Bluetooth 5.3.

Kamera & Ton: Überzeugt die Qualität?

Die Kamera setzt auf einen 12-Megapixel-Sensor vom Typ Sony IMX681 und bietet damit auf dem Papier eine ordentliche Grundlage für Fotos, Videos und KI-gestützte Bildanalyse. Positiv ist, dass Rokid bei den Aufnahmeoptionen mehr Spielraum lässt als Meta und die Brille damit eher wie ein technisches Werkzeug als wie eine reine Social-Cam wirkt – doch das ist von Vorteil!

Videos werden zwar maximal in 30 FPS aufgenommen, sind dafür aber in jeder Auflösung (von Full-HD bis 3K) bis zu zehn Minuten lang und in verschiedenen Formaten einstellbar – sowohl Quer- als auch Hochformat. Bei der Konkurrenz von Ray-Ban Meta gibt es beispielweise nur das Hochformat und maximal drei Minuten Länge.

In der Praxis reicht die Bildqualität für spontane Clips, POV-Aufnahmen und die KI-Erkennung gut aus, kommt meiner Meinung nach aber nicht ganz an die Ray-Ban Meta der zweiten Generation heran. Vor allem bei Dynamik, natürlicher Farbwiedergabe und der generellen Konsistenz der Aufnahmen wirkt Metas Lösung ausgereifter, während Rokid eher solide Ergebnisse mit gelegentlichen Schwächen liefert.

Hier ist noch etwas Luft nach oben, Rokid!

Ähnlich fällt das Urteil beim Ton aus. Rokid verbaut vier Mikrofone mit KI-gestützter Geräuschunterdrückung, was bei Anrufen und Sprachbefehlen grundsätzlich ordentlich funktioniert, im Außeneinsatz aber nicht immer zuverlässig genug war. Schon leichter Wind reicht aus, um bei Videoaufnahmen nichts mehr zu verstehen. Das führt auch dazu, dass öfter Befehle missverstanden werden oder die Brille auf das Hotword „Hey Rokid“ erst gar nicht reagiert.

Die in den Bügeln verbauten Lautsprecher klingen solide, die Ray-Ban Meta klingt allerdings natürlicher und voluminöser. Eine automatische Lautstärkeanpassung, wie bei der Meta-Brille, fehlt zudem. Bauartbedingt kann man den Sound der Brillenlautsprecher ohnehin nicht mit Open-Ear-Kopfhörern gleichstellen, und die Audiowiedergabe ist für Personen in unmittelbarer Nähe schnell hörbar (je nach Lautstärke natürlich). Zum entspannten Musikhören beim Radeln im Straßenverkehr ist die Brille aber wunderbar geeignet.

Akku & Laden: Dauerläufer oder nur für wenige Stunden nutzbar?

Der Akku ist leider einer der Schwachpunkte. Rokid verbaut einen 210‑mAh‑Akku, der je nach Nutzung bis zu 4 bis 6 Stunden schaffen soll – so die Aussage von Rokid. Im Praxiseinsatz fällt die Laufzeit aber wesentlich kürzer aus. Je nach Nutzung wirken 1,5 bis 4 Stunden realistisch. Besonders wenn die Anzeige lange auf hoher Helligkeit aktiv bleibt (etwa Navigation oder Teleprompter), kann man der Akkuladung beim Schrumpfen zusehen – 10 % Verbrauch in 5 Minuten sind im Extremfall möglich.

rokid glasses display brille

Geladen wird nicht über ein Etui wie bei der Ray‑Ban Meta, sondern per proprietärem USB‑C‑Kabel mit magnetischem Pogo-Pin-Anschluss; das ist funktional, aber weniger elegant und im Alltag unpraktischer. Ein optionales Ladecase (99 Euro) mit 3.000 mAh wird zwar von Rokid in Aussicht gestellt, regulär liegt aber zunächst nur ein normales Etui bei. Ein Ersatzkabel kostet 39 Euro.

Bei smarten Brillen ist diese Anschlussmethode nicht unüblich, einige Hersteller bieten inzwischen jedoch schon im Bügel integrierte USB-C-Buchsen an. Unterm Strich ist die Lade‑Lösung okay, aber kein Pluspunkt. Immerhin smart: Wer die Laufzeit verlängern möchte, kann eine kleine Powerbank auf den magnetischen Ladeplatz setzen.

Bedienung & Praxiseindruck im Alltag

Bedient wird die Brille wie bei den Meta‑Modellen überwiegend per Spracheingabe, durch einfache Gesten am Bügel (z. B. Tippen oder Wischen) sowie über die Begleit‑App auf dem Smartphone. Eine direkte Steuerung via Hand-Tracking ist nicht möglich.

rokid glasses smarte brille mit touchfläche rechts

Das führt im Alltag dazu, dass man sich stets zwischen Sprachbefehl, Wischen oder Handy‑App beim Bedienen entscheiden muss – nicht immer diskret. Die Meta Ray‑Ban Display löst diese Bedienung deutlich eleganter mit einem Armband‑Sensor (Neural Band), der Gesten am Handgelenk erkennt und so eine intuitivere, weniger auffällige Interaktion ermöglicht. Even Realities bietet optional einen Smart Ring zur Bedienung an.

Die Brille flüstert euch ins Ohr ..

Etwas gewöhnungsbedürftig ist der von Rokid gewählte Tonus der Sprachausgabe. Die Stimme ist zwar sehr seicht gewählt, klingt aber so, als würde sie flüstern (ohne die Lautstärke dabei zu verringern). Wer das nicht über sich ergehen lassen möchte (bis eventuell ein Patch kommt), kann die Sprachantworten auch komplett deaktivieren und den Displaytext ablesen. Bis dahin schmälert die KI-Stimme leider eine der Kernfunktionen der smarten Brille.

Trotz dieser Mankos sorgen Displayfunktionen wie die Navigation oder Bildanalyse für einen Wow-Effekt. So hat man etwa bei einer Radtour stets ein HUD mit der Route und Geschwindigkeit im Blickfeld. Auch in einem Kunstmuseum hat die KI-Bildanalyse erstaunlich gut funktioniert, um weitere Infos zu Ausstellungsstücken anzuzeigen.

Die Displays sorgen für einen Wow-Effekt!

Nach einer Foto-Aufnahme lässt sich übrigens eine Vorschau einblenden, um etwa kurzerhand den Bildausschnitt zu prüfen – das ist bei Smart Glasses nicht immer einfach, schließlich sitzt die Kamera leicht versetzt und hat ein anderes Sichtfeld. Eine Live-Vorschau der Kamera gibt es im Gegensatz zur Meta Ray-Ban Display allerdings nicht.

rokid glasses smarte brille getragen

Im Vergleich zur „normalen“ Ray-Ban Meta wirkt Rokid aber generell technischer, ehrgeiziger und in einigen Szenarien sogar nützlicher, weil das Display einen echten Informationsvorteil bringt. Dafür bleibt Meta bei Kamera, Ton, Bedienkomfort und dem insgesamt runderen Produktgefühl die reifere Lösung.

Zum Testzeitpunkt dient entweder Google Gemini oder ChatGPT als KI, weitere sollen folgen. Das jeweils genutzte KI-Modell ist unklar, doch es fühlt sich nach einem Light-/Mini-Modell ohne zuverlässige Internetrecherche an. Antworten auf Wissensfragen sollten demnach stets hinterfragt werden. Perspektivisch wäre es wünschenswert, wenn man KI-Abos für bessere LLMs verknüpfen oder andere Dienste wie Perplexity integrieren könnte.

Fazit & Meinung

Die Rokid Glasses sind technisch beeindruckend und in ihrem Segment preislich nicht übertrieben hoch platziert. Sie bringen genau die Art von Display‑Mehrwert mit, die eine smarte Brille vom netten Gadget zum echten Werkzeug machen kann – sowohl im Alltag als auch produktiven Umfeld.

Allerdings erreichen sie nicht die stilistische und technische Reife einer Ray‑Ban Meta, und auch bei KI‑Genauigkeit sowie Kamera‑ und Tonqualität gibt es noch Luft nach oben. Das sind jedoch keine Dealbreaker, sondern eher die typischen Kinderkrankheiten einer noch jungen Produktkategorie.

Rokid liefert mit den Glasses (verfügbar ab aktuell 579 Euro) daher eine eigenständige Alternative zu Meta und Even Realities mit funktionaler Anzeige. Wer gerade diese Funktionen sucht, bekommt hier ein ungewöhnlich spannendes Produkt, auch wenn der Massenmarkt‑Appeal von Ray‑Ban vorerst größer bleibt. Aktuell gibt es jedoch viele kleinere Mankos, die den Gesamteindruck schmälern. Als Alternative bietet sich eventuell die neue Rokid AI Glasses NEO an, die ohne Display auskommt und schon ab 449 Euro verfügbar ist.

Meinung Die Rokid-Brille hinterlässt bei mir gemischte Gefühle. Grundsätzlich bietet sie gegenüber meiner Ray-Ban Meta mehr Funktionen und ich begrüße es, dort nicht im Meta-Kosmos gefangen zu sein. Abseits der wirklich coolen AR-Navigation sehe ich in den Displays jedoch kaum einen persönlichen Mehrwert, um die Nachteile der Brille in Kauf zu nehmen – allen voran die kurze Akkulaufzeit und aktuell noch eher mittelmäßige KI. Hinsichtlich der Passform und Verarbeitung finde ich die Ray-Ban zudem alltagstauglicher.

Mit Displays gibt es aktuell jedoch kaum Alternativen zur Rokid-Brille in Deutschland. In diesem Segment wird sich im kommenden Jahr viel tun (Apple/Google), daher würde ich Interessenten noch zu Geduld raten – oder ihr müsst die Early-Adopter-Schwächen akzeptieren.

Tim Metzger

Beitrag erstmals veröffentlicht am 29.04.2026

Mit * oder markierte Links sind „Affiliate-Links“. Mit dem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Verkaufsprovision, ohne dass du mehr bezahlst.

Foto von Tim Metzger Tim Metzger Redakteur

Schreibt seit 2018 zu Technik aller Art und arbeitet seit 2020 für Allround-PC. In dieser Zeit absolvierte er neben zahlreichen Tests sein Volontariat und sein Technikjournalismus-Studium. Tim ist primär Experte für Prozessoren, Monitore und Mobilgeräte. Wenn er mal nicht tippt und auf Tech-Events unterwegs ist, sucht er wahrscheinlich gerade sein nächstes 3D-Druck-Projekt oder Reiseziel aus.

Samsung Galaxy Z Flip 6 gebogenes Innendisplay

Regelmäßig aktuelle Infos & Deals 💻📱💵

Garantiert kein lästiger Spam oder ähnlicher Quatsch, sondern maximal 1x pro Woche die wichtigsten Infos und die besten Angebote!

^