Mit dem Silent Base 802 bringt be quiet die nächste Generation des primär auf Silent-getrimmten Gehäuses an den Start. Neben eher feineren Updates gibt es besonders eine große Neuerung: mehr Flexibilität für den Nutzer in Hinsicht auf Lautstärke und Airflow. Was genau das in der Praxis bedeutet und ob uns das Gehäuse überzeugen kann, erfahrt ihr in diesem Testbericht.

Übersicht

Auf Silent Base 800 und 801 folgt nun 802, das nunmehr dritte Modell dieser Klasse. Darunter ordnet sich weiterhin das etwas kleinere Silent Base 601 ein, welches wir bereits vor zwei Jahren im Test hatten. Preislich startet das ab 159,90 Euro UVP in Schwarz und Weiß, für einen Aufpreis von 10 Euro gibt es noch die Variante mit einem Seitenteil aus gehärtetem Glas für 169,90 Euro UVP.

Lieferumfang

  • Silent Base 802 – Gehäuse
  • 3x Pure Wings 2 140 mm Lüfter (vorinstalliert)
  • Zubehörpaket (Schrauben, Klettbänder, zusätzlicher 1-Slot-HDD-Käfig)
  • Bedienungsanleitung

Design und Verarbeitung

Das Silent Base 802 nutzt als Basis weiterhin die grundlegende Form und das Design der Originalvariante Silent Base 800. Schon beim 801er haben sich erste Feinheiten verändert, nun verpasst be quiet dem großen Midi-Tower – Big-Tower ist da nochmal eine andere Kategorie – weitere Updates. Das Chassis besteht größtenteils aus Stahl, einige Applikationen sind aus Kunststoff gefertigt. In unserer „Window“-Variante gibt es zudem ein Seitenteil aus gehärtetem Glas auf der linken Seite.

Neu sind nun die austauschbaren Elemente für Front und Deckel, der Nutzer kann sich ganz flexibel zwischen Silent und Airflow entscheiden – oder auch eine Kombination einsetzen. Ab Werk ist das Silent Base 802 mit teils geschlossenen Panels inklusive Dämmung bestückt. Im Lieferumfang befinden sich dann noch zwei Einsätze mit Meshgitter. Während die austauschbaren Cover auf der Oberseite durch Magnete halten, so werden sie auf der Vorderseite einfach eingehakt. Die Dämmung selbst besitzt eine Dicke von 1 cm vorne, rechts bzw. 2 mm oben. Übrigens: sowohl Front als auch Boden sind mit einem entnehmbaren Staubfilter ausgestattet.

Ganz nach Wunsch: Full Airflow, Full Silent oder eine Kombo von beidem

Das Design ist insgesamt sehr schlicht gehalten, beim weißen Modell hat sich be quiet für einige schwarze Akzente entschieden. Auf eine RGB-Beleuchtung verzichtet das deutsche Unternehmen jedoch gänzlich, hier müsst ihr also zum be quiet Pure Base 500DX (Test) greifen. In puncto Verarbeitung konnten wir keine Mängel feststellen, zudem wirkt das Gehäuse allgemein sehr robust. Das feine Auge wird jedoch einen leichten Farbunterschied zwischen der Metalllackierung und dem weißen Kunststoff erkennen. Der Unterschied ist jedoch nur eine Nuance anders und keinesfalls schlimm.

Das Frontpanel sitzt im vorderen Bereich der Oberseite, dort gibt es die folgende Ausstattung: 1x USB 3.2 Gen 2 Typ-C, 2x USB 3.0 Typ-A, 2x Audio I/O, Power/Reset Buttons, Lüftersteuerung. Besonders der leistungsstarke USB 3.2 Gen2 Anschluss mit bis zu 20 Gbit/s ist eine sinnvolle Ergänzung. Die Lüftersteuerung ist mit dem integrierten PWM-Hub verknüpft und kann die Lüfter in insgesamt vier Stufen regeln („Auto“ sowie Stufen 1,2 und 3).

Innenraum und Installation

Mit einer Größe von 539 x 281 x 553 mm ist das be quiet Silent Base 802 sicherlich kein kleines Gehäuse, bietet dahingehend jedoch viel Freiraum für große Hardware und viele Speicherlaufwerke. Die beiden Seitenteile lassen sich werkzeuglos abnehmen, hierfür gibt es im oberen Bereich der Rückseite pro Seite einen Knopf zum Lösen – einfach und effektiv gelöst. Im Inneren könnt ihr Mainboards bis zum E-ATX-Formfaktor verbauen.

Der CPU-Kühler darf bis zu 185 mm hoch sein, für große Tower-Kühler ist also ausreichend Platz. Darüber hinaus gibt es sieben horizontale sowie zwei vertikale Erweiterungsslots. Um die Grafikkarte vertikal verbauen zu können, benötigt ihr allerdings ein separates Montage-Bracket inklusive Riser-Kabel. Für die Grafikkarte stehen bis zu 449 mm zur Verfügung, bei Verwendung eines HDD-Käfigs auf der Höhe der GPU verringert sich die maximale Länge auf 287 mm. Das Netzteil sitzt im unteren Bereich und kann maximal 288 mm lang sein. Neben einem HDD-Käfig für zwei Speicherlaufwerke ist hier mehr als genug „Luft“ für überschüssige Kabel.

Sehr praktisch ist das modulare PSU-Cover, welches aus einer seitlichen und vier oberen Abdeckungen besteht. Wird beispielsweise das seitliche Cover entfernt, erhaltet ihr einen weiteren Zugriff auf den unteren Bereich. Das vereinfacht das Kabelmanagement und die Montage des Netzteils immens. Die oberen Cover können für einen besseren Airflow entfernt werden, des Weiteren lässt sich bei Bedarf ein weiterer Lüfter auf der Netzteilabdeckung platzieren.

Viel Platz für große Hardware, viele Speicherlaufwerke und ein sauberes Kabelmanagement

Damit das Netzteil keine Vibrationen an das Gehäuse abgibt, sind vier längliche Gummipads auf dem Boden platziert. Das Silent Base 802 ist allerdings noch mit weiteren Maßnahmen für ein möglichst geringes Betriebsgeräusch ausgestattet. Dazu zählen beispielsweise eine Dämpfung für das Netzteil-Bracket sowie eine Entkopplung für Lüfter, HDD-Käfige und den Mainboard-Tray. Dämmungsmaterial gibt es für die Front, das rechte Seitenteil sowie die obere Abdeckung.

Das Silent Base 802 bietet eine Vielzahl an Plätzen für Speicherlaufwerke. Den Anfang macht hier der HDD-Käfig hinter dem Netzteil, dort können maximal 2x 2,5″/3,5″-Laufwerke installiert werden. Weitere Slots gibt es auf der Rückseite des Mainboard-Trays, dort sitzen insgesamt drei Montage-Brackets für 2,5″-Laufwerke. Im Lieferumfang ist noch ein weiterer HDD-Käfig enthalten, der in den insgesamt fünf Zusatzslots im Mainboard-Tray installiert werden kann. In diesem Käfig haben entweder eine 3,5″ HDD oder zwei 2,5″-Laufwerke Platz.

Für unseren Test haben wir unser Gehäuse-Testsystem verbaut, der Einbau verlief dabei schnell und ohne große Mühen. Besonders das 8-pin EPS-Kabel, welches oben links ins Mainboard gesteckt wird, lässt sich durch den sehr geräumigen Innenraum problemlos anschließen – das ist nicht bei jedem Gehäuse der Fall. Für ein möglichst sauberes Kabelmanagement gibt es drei gummierte Durchgänge im Mainboard-Tray sowie einige Ösen zum Befestigen der Stränge mit Klettbändern. Insgesamt gelingt damit ein sehr cleanes Setup, das nur von wenigen Kabeln gestört wird; das breite USB 3.0 Kabel lassen wir mal außen vor, da unser Mainboard den Header am unteren Rand aufweist.

Kühlung und Lautstärke

Für einen effektiven Airflow gibt es drei vorinstallierte Lüfter, be quiet setzt hier auf die hauseigenen Pure Wings 2 (1.000 rpm). Neben zwei Lüftern in der Front sitzt auch ein Lüfter im Heck. Maximal kann das Silent Base 802 bis zu sieben Lüfter aufnehmen und dank der integrierten Lüftersteuerung regeln. Ab Werk ist das Lüfter-Trio bereits mit der Steuerung verbunden. Über ein 4-pin PWM-Kabel, das wiederum am Mainboard angeschlossen wird, werden die verbundenen Lüfter dann gesteuert. Der Nutzer kann den Airflow entweder über „Auto“ ganz automatisch per PWM steuern lassen oder alternativ zwischen drei Stufen durchschalten (siehe Frontpanel).

Bei Nutzung einer Wasserkühlung steht Platz für Radiatoren bis zum 420 mm Format zur Verfügung. Somit lässt sich auch im be quiet Silent Base 802 problemlos eine große Custom-Wasserkühlung unterbringen. Genaue Angaben zu den Wakü-Möglichkeiten könnt ihr den Spezifikationen (oben) entnehmen. Beim Einbau der Hardware sind uns übrigens zusätzliche Slots für Lüfter bzw. einen Radiator auf dem Boden aufgefallen. Eine Installation dort ist zwar nicht empfohlen, generell aber möglich (beispielsweise ein 240er-Radiator mit Lüftern darunter, denn Achtung: Kabel könnten mit dem Lüfter in Berührung kommen).

Der Praxistest: Temperaturen

Für einen Praxistest haben wir die Temperaturen von unserem aktuellen Gehäuse-Testsystem, basierend auf einem AMD Ryzen 5 3600 (Test) mit be quiet! Dark Rock Slim (Test) und einer ASUS ROG Strix RTX 2070 OC (Test), sowohl im Leerlauf als auch unter Last gemessen. Für die Volllast kamen die Benchmarks Prime95 (für CPU) und Furmark (für GPU) zum Einsatz. Hier unsere Ergebnisse:



Besonders mit der Airflow-Konfiguration ist eine wirklich gute Kühlung möglich, im automatischen PWM-Modus der Lüftersteuerung (Gehäuselüfter bei 1.000 rpm) erreicht die CPU unter Volllast maximal 74 °C. Für den etwas leiseren Betrieb mit Stufe 1 (Gehäuselüfter bei 500 rpm) erreichen wir maximal 80 °C. Wird das be quiet Silent Base 802 auf das Silent-Setup umgebaut, erhöhen sich die Temperaturen um maximal 5 °C.

Die Grafikkarte erreicht sowohl im Airflow- als auch Silent-Setup gute Werte, die nicht weit voneinander entfernt sind. Ganz konkret sprechen wir hier von maximal 68 °C (Airflow @ Auto) bzw. maximal 73 °C (Silent @ Stufe1). Das Silent Base 802 zeigt also sowohl mit den auf Airflow-getrimmten Elementen als auch mit den gedämmten Silent-Abdeckungen eine ausgesprochen gute Kühl-Performance.

Viel beeindruckender, und da wird das Gehäuse seinem Namen so richtig gerecht, ist jedoch die Lautstärke. Im Leerlauf ist das Gehäuse so gut wie nicht wahrnehmbar. Erst, wenn das Ohr direkt vor die schmalen Meshgitter auf der Front gehalten wird, machen sich die Lüfter bemerkbar. Wir haben durchschnittlich 18 dB bei der Silent-Konfiguration mit Stufe 1 der Lüftersteuerung gemessen, bei Stufe 3 stieg der Pegel auf durchschnittlich 25 dB an. Doch selbst bei der maximalen Lüfterdrehzahl, und auch mit den Airflow-Abdeckungen, besitzt das Silent Base 802 eine sehr angenehme Geräuschkulisse. Hier konnten wir durchschnittlich 19 dB bei Stufe 1 und durchschnittlich 27 dB bei Stufe 3 messen.

Fazit

Das be quiet Silent Base 802 kann besonders mit seinen vielseitigen Einsatzmöglichkeiten punkten. Der Nutzer hat die Wahl zwischen einem Fokus auf Airflow oder einer stärkeren Dämmung für ein leiseres Betriebsgeräusch. Dazu kommt ein sehr geräumiger Innenraum, der viel Platz für Hardware, Laufwerke und Kühlung bietet. Neben den drei vorinstallierten Pure Wings 2 Lüftern lassen sich noch weitere Fans verbauen, auch für eine Wasserkühlung gibt es einige Optionen. Die Hardware-Montage ist ohne große Schwierigkeiten und in wenigen Minuten erledigt, besonders das Kabelmanagement ist dabei ausgesprochen sauber umsetzbar.

Weitere Pluspunkte gibt es für den integrierten Lüfterhub mit Steuerung und den neuen USB 3.2 Gen2 Typ-C Anschluss. In der Praxis kann das Gehäuse nicht nur mit guten Temperaturen punkten, vor allem die Lautstärke ist sowohl mit den Airflow- als auch Silent-Abdeckungen ausgesprochen angenehm. Selbst bei voller Drehzahl sind die Lüfter vergleichsweise leise, so richtig „Silent“ wird es dann mit Stufe 1 der Lüftersteuerung. Leider nicht mit an Bord ist eine Beleuchtung, das RGB-Spektakel bleibt also aus. Zudem wird das feine Auge leicht unterschiedliche Farbnuancen zwischen Kunststoff- und Metall-Elementen erkennen.

Preislich startet das be quiet Silent Base 802 in dieser Variante (weiß, mit Fenster) für 169,90 Euro UVP. Damit ist der große Midi-Tower nicht unbedingt ein günstiges Gehäuse, bietet jedoch einen sehr üppigen Funktionsumfang. Be quiet hat mit dem 802 eine sinnvolle Evolution hervorgebracht und wichtige Details verbessert. Besonders die Flexibilität für Airflow und Silent ist eine praktische Ergänzung.

Gehäuse
Allround-PC.com
11/2020
be quiet Silent Base 802
Empfehlung

Pro

  • sehr geräumiger Innenraum mit viel Platz für Hardware, Laufwerke und Kühlung
  • drei vorinstallierte Lüfter + gute Kühlleistung
  • abnehmbare Staubfilter für Boden und Front
  • flexibel einsetzbar: Silent oder Airflow
  • sauberes und effektives Kabelmanagement möglich
  • selbst bei voller Lüfterdrehzahl leise
  • integrierter Lüfterhub mit Steuerung
  • USB Typ-C Port

Contra

  • keine RGB-Beleuchtung mit an Bord

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2 Kommentare

  • Ist das 802 kühler und oder leiser als das 601?

    • Leonardo Ziaja

      Das können wir dir „ad hoc“ leider nicht beantworten, nachdem der Test zum 601 bereits zwei Jahre her ist und damals ein anderes Testsystem verwendet wurde.

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