Das eBlaztr verspricht viel: Gaming in einem All-in-One-Format, eine bessere Alternative zum Gaming-Laptop und hohe Hardware-Flexibilität. Damit möchte sich das eBlaztr zum perfekten Gehäuse für LAN-Partys und eSport-Events erklären. In Zeiten von starker mobiler Hardware, ordentlichen AiO-PCs und kompakten NUC-Systemen stellte sich mir aber die Frage: Gibt es diese Nische für das eBlaztr Case überhaupt, oder kommt das Gehäuse 20 Jahre zu spät?
Hinter dem eBlaztr steckt eine Gruppe dänischer Gamer, die den „perfekten LAN-Party-PC“ erschaffen wollen. Das Konzept wird seit 2018 entwickelt, wobei das eBlaztr seit einigen Monaten im Handel angeboten wird. Als blankes Gehäuse ging es für 440 Euro an den Start, inzwischen ist der Preis auf 359 Euro gesunken.
Unser Testfazit zum eBlaztr
Design: Ein Gehäuse im Kofferformat
Optisch hebt sich das eBlaztr deutlich von klassischen Midi-Towern oder ITX-Cases ab. Formtechnisch erinnert das Gehäuse an einen flachen Koffer, der 626 × 402 × 80 Millimeter misst. Damit ist das Gehäuse noch kompakt genug, um relativ leicht transportiert zu werden – einen richtigen Tragegriff oder einen Transportkoffer gibt es allerdings nicht.
Die mattschwarze, pulverbeschichtete Aluminiumstruktur mit Honigwaben-Lochgitter auf den Seiten sorgt für ein minimalistisches, industrielles Design. Durch die perforierten Seitenteile gelangt Frischluft ins Innere.
Monitore: 25 Zoll Monitore mit VESA-Halterung werden unterstützt
Vorn thront ein VESA-100-Monitor-Mount für Displays bis 25 Zoll, wobei laut eBlaztr theoretisch auch 27-Zoll-Modelle möglich sind. Wichtig ist nur, dass der Monitor eine VESA-Halterung besitzt und alle Anschlüsse nach unten zeigen. Zudem benötigt ihr in den meisten Fällen einen VESA-Abstandshalter.

Praktisch ist außerdem die Möglichkeit, Monitor und PC über nur ein Kaltgerätekabel mit Strom zu versorgen. Leider benötigt unser Asus ROG Strix XG259QNS ein externes Netzteil, weshalb wir diese Funktion nicht nutzen konnten. Dazu kommt ein ausziehbarer Beinmechanismus, mit dem sich die Neigung und Position einstellen lassen.
Anschlüsse: Etwas wenig USB
Anschlussseitig stehen 2x USB 3.0, 2x USB 2.0, ein Gigabit-LAN-Port, zwei Klinkenstecker und ein Kaltgeräteanschluss zur Verfügung. Einen schnellen USB 3.2 Gen 2 oder einen USB-C-Stecker gibt es nicht. Vor allem in dieser Preisklasse hätte ich mir mehr und vor allem modernere Anschlüsse gewünscht, vor allem da die Mainboard-Anschlüsse nicht erreichbar sind.

Verarbeitung: Wird dem Preis nicht gerecht
Die Verarbeitung des eBlaztr fällt leider auch nicht sonderlich berauschend aus – zumindest angesichts des Preises. Das Unternehmen setzt hier auf eine Kombination aus Alu und Kunststoff, wobei die Kunststoffteile in Sachen Haptik und Optik weniger wertig wirken. Die vergleichsweise großen und unregelmäßigen Spaltmaße verstärken den Eindruck weiter. Dazu kommen die beiden Standbeine: Zwar lassen sich die Beine leicht lösen, doch die Arretierung ist nicht ausgereift – der Stand ist etwas instabil.
Innen: ITX-Hardware und große Grafikkarten
Der kompakte Mini-ITX-Rechner stellt klare Anforderungen an die Hardware. Der CPU-Kühler darf maximal 55 Millimeter hoch und muss in flacher Top-Blow-Bauweise ausgeführt sein – Wasserkühlungen werden nicht unterstützt. Eine aktive Gehäusebelüftung fehlt, stattdessen beziehen CPU und GPU Frischluft direkt durch das Lochgitter auf der Rückseite. Das schränkt die Auswahl geeigneter Kühler und somit die mögliche Prozessorleistung ein.
Bis zu 330 Millimeter für GPUs
Für Grafikkarten steht prinzipiell reichlich Platz zur Verfügung: Bis zu 330 Millimeter Länge und 70 Millimeter Dicke sind erlaubt. Allerdings schränkt das die Auswahl an aktuellen Grafikkarten doch relativ stark ein, denn die meisten Modelle sind entweder länger oder dicker. Achtet vor dem Kauf also unbedingt darauf, ob eure GPU überhaupt passt.

Beschränkungen gibt es außerdem beim Netzteil, denn das eBlaztr unterstützt nur SFX-Modelle. Zusätzlich finden unter dem Mainboard bis zu vier 2,5-Zoll-Laufwerke Platz.
Unser ITX-Testsystem für das eBlaztr
Da unser Standard-ATX-System nicht in das eBlaztr passt, sind wir auf ein alternatives ITX-System ausgewichen. Wir haben uns für den Einbau eines Asus ROG Strix B860-I Gaming WiFi entschieden, auf dem ein Ryzen 7 7700X und ein be quiet! Pure Rock LP aufgebracht sind. Als Grafikkarte dient eine besonders kompakte Asus RTX 5060 LP im Low-Profile-Format.
- Mainboard: Asus ROG Strix B860-I Gaming WiFi
- CPU: AMD Ryzen 7 7700X
- Kühler: be quiet! Pure Rock LP
- Netzteil: Seasonic Focus SPX-750
- GPU: Asus RTX 5060 LP
Hierbei handelt es sich um eine reguläre RTX 5060, deren Platine und Kühler allerdings besonders klein gehalten sind. Die Grafikkarte ist gerade einmal 175,8 Millimeter lang, 38 Millimeter tief und 69 Millimeter hoch, womit sie geradezu winzig ausfällt. Trotzdem nutzt die GPU einen Triple-Fan-Kühler mit zwei Slots, der die vollwertige GB206-GPU mit 3.840 Shadern herunterkühlt. Dazu kommen 8 GB GDDR7-Speicher, der über ein 128 Bit breites Speicherinterface angebunden ist. Die RTX 5060 LP kostet rund 352 Euro.

Das passende Netzteil: Seasonic Focus SPX-750 mit Titan-Zertifizierung
Als Netzteil nutzen wir ein Seasonic Focus SPX-750, bei dem es sich um ein Platin-Modell im kompakteren SFX-Format handelt. Laut Hersteller erreicht es eine Effizienz von 92 Prozent bei 50 Prozent Auslastung. Technisch basiert das SPX-750 auf einer Plattform mit LLC-Resonanzwandler-Topologie und DC/DC-Wandlern. Die Primärkondensatoren mit 420 Volt Spannungsfestigkeit und 440 µF Kapazität stammen vom japanischen Hersteller Rubycon; dazu gibt es Elkos von Rubycon sowie einige Feststoffkondensatoren.
Unter der Haube ist das Seasonic Focus SPX-750 mit einer 12V-Schiene mit 62 Ampere ausgestattet, die bis zu 744 Watt bereitstellen kann. Die Nebenspannungen 3,3 Volt und 5 Volt sind mit 20 Ampere spezifiziert, wobei die kombinierte Leistung mit 130 Watt angegeben wird. Ergänzt wird das Netzteil durch wichtige Schutzschaltungen, darunter OPP, OVP, UVP, OCP, OTP und SCP.

Drei 8-Pin-PCIe-Anschlüsse
Abgerundet wird es durch einen vollmodularen Aufbau. Dabei bietet das SPX zwei 8-Pin-CPU-Anschlüsse, 3x 8-Pin-PCIe-Anschlüsse, einen ATX-Stecker, 2x SATA-Kabel mit je drei Ports sowie 1x Molex-Kabel mit drei Anschlüssen. Einen 12VHPRW bzw. 12V-2×6-Anschluss für moderne Nvidia-Grafikkarten gibt es leider nicht, da das Netzteil auf einer älteren ATX-Generation basiert. Im Zweifelsfall muss man sich hier mit Adaptern aushelfen.
Seasonic-Netzteile auf Basis des ATX 3.1-Standards gibt es ebenfalls, diese kommen aber im klassischen ATX-Format daher. Zu nennen sind hier unter anderem das Seasonic Core GX-750 und Focus GX-850 – beide Netzteile haben wir uns bereits im letzten Jahr genauer angeschaut.
Seasonic Core GX und Focus GX mit ATX 3.1-Technik
Das Seasonic Core GX-750 gibt es mit 750 Watt Leistung bereits ab knapp 100 Euro, womit es eher zum mittleren Preisbereich gehört und eine gute Preis-Leistung mitbringt. Im Inneren setzt Seasonic auf ein DC-DC-Design mit LCC-Resonanzwandlern und Active Clamp Technologie. Dabei kommen Kondensatoren von TEAPO zum Einsatz, die für 105 °C bei 400 Volt und für eine Leistung von 470 uF ausgelegt sind. Zudem setzt Seasonic vermehrt auf SMT-Komponenten, mit denen der Bauraum effizienter genutzt werden kann.

Über der Core GX-Serie ordnet sich die Focus GX-Serie ein, die technisch nochmal eine Schippe drauflegt. Das Seasonic GX-850 gibt es ebenfalls für knapp 100 Euro. Teilweise wurden Komponenten auf Tochterplatinen ausgelagert (u.a. die FETs). Diese Auslagerung sorgt auf der Hauptplatine für mehr Platz und somit für einen besseren Airflow.
Die Effizienz liegt laut Cybenetics bei 230 Volt bei 91,3 % (ETA-platinum), zudem ist das Netzteil 80-Plus Gold zertifiziert. Gekühlt wird die Technik durch einen 135-Millimeter-Lüfter mit Fluid Dynamic Bearing und semi-passiven Betrieb. Heißt: Bei geringer Last schaltet sich der Lüfter vollständig ab.
Hardware-Einbau: Frust ist angesagt
Der Hardware-Einbau ist frustrierend und das fängt schon bei der Anleitung an. Kritische Schritte wie das Lösen der Kabelabdeckplatte werden lapidar mit „Drücken Sie die Platte einfach unten heraus“ abgetan, was in der Praxis durch knappe Toleranzen und fehlende Hebelpunkte zu mehreren Fehlversuchen führt. Wie das Gehäuse genau geöffnet wird, geht genauso wenig aus der Anleitung hervor.

Wichtige Warnungen vor typischen Stolpersteinen, etwa Kollisionen beim GPU-Einbau, fehlen gänzlich, und präzise Angaben zu Schraubenlängen oder Montagereihenfolge (z. B. Monitor-Einbau vor Mainboard-Einbau) sucht man ebenfalls vergebens. Auch das Hersteller-Video ist aus meiner Sicht wenig hilfreich, da die einzelnen Schritte ebenfalls überhastet „erklärt“ und wichtige Zwischenschritte ausgelassen werden.

Ohne passendes Werkzeug, seid ihr aufgeschmissen
Was mich ebenfalls ärgert: Das Unternehmen setzt hier auf Innensechskantschrauben, anstatt auf klassische Kreuzschlitzschrauben. Würde eBlaztr hier zumindest eine einheitliche Größe nutzen oder einen Innensechskantschraubenschlüssel mitliefern, wäre das nicht weiter schlimm. Allerdings kommen hier mehrere verschiedene Größen zum Einsatz – passendes Werkzeug wird vorausgesetzt. Vor dem Zusammenbau müsst ihr euch das Werkzeug bereitlegen oder besorgen – ein Innensechskant-Set mit einer großen Größenauswahl dürfte hier die perfekte Wahl sein.
Riserkabel: PCIe 3.0 sorgt für Ärger
Ärgerlich ist zudem der Einsatz eines PCIe 3.0-Riserkabels, der weitere Probleme verursacht. Vor dem eigentlichen Betrieb müsst ihr im BIOS erst die PCIe-Generation auf 3.0 setzen, damit die Grafikkarte überhaupt vernünftig vom System erkannt wird. Wir haben zwar im 4.0-Modus einmal ein Bild aus unserer Asus RTX 5060 LP gekitzelt, in allen anderen Fällen blieb der Bildschirm allerdings schwarz. Solange eure CPU eine integrierte GPU hat, ist das Problem innerhalb von wenigen Minuten gelöst.
Allerdings wäre hier Frust vermeidbar gewesen, in dem eBlaztr ein PCIe-4.0-Riserkabel beigelegt hätte. Natürlich kann ein solches Kabel auch nachträglich gekauft werden – rund 40 Euro werden für vergleichbare Riser fällig,
Praxis: Fehlender Luftstrom macht sich bemerkbar
Natürlich haben wir auch die Temperaturen des Systems gecheckt. Zugegebenermaßen darf man hier aufgrund der Bauweise keine Wunder erwarten. Solange die CPU ungedrosselt läuft, stoßen wir hier ziemlich schnell an die 95 °C-Mauer. Im 65-Watt-Korsett bei 4,5 GHz können wir die CPU bei voller Drehzahl zumindest bei 85 °C halten. Die GPU liegt wiederum bei 65 °C. Bei 1.000 RPM sind es wiederum 95 °C (CPU) und 78 °C (GPU).
Vor allem bei leistungsstärkeren CPUs empfiehlt es sich also, Takt und TDP zu begrenzen, da die Temperaturen sonst Amok laufen. Dieses Problem teilt sich das eBlatzr allerdings mit allen kompakten ITX-Systemen – entsprechend sind die Temperaturen völlig im Rahmen.

Fazit
Das eBlaztr ist kein Standard, das sollte schon auf den ersten Blick klar sein. Das Konzept ist durchaus spannend, da es frischen Wind in den Gehäuse-Markt bringt und sich von der schieren Masse abhebt. So cool das Konzept ist, die aktuelle Umsetzung hat noch einige Kinderkrankheiten, die mit einer zweiten Revision ausgebessert werden könnten. Besonders das etwas altbackene I/O-Panel, das PCIe-3.0-Riserkabel und die schlecht erklärte Montage sind Punkte, die das Team angehen sollte. Auch ein passendes Montageset würde ich gerne in der Verpackung sehen – nicht jeder hat passende Innensechskantschlüssel zu Hause.
Letztlich versucht das eBlaztr eine extrem kleine Nische zu bedienen. Es platziert sich als transportables, flexibles Gaming-AiO-Paket für eSport-Events, LAN-Partys oder für Industrien und Gewerbe, in denen viele PCs des Öfteren bewegt werden müssen. Doch ist das einen Preis von 359 Euro wert? Für Liebhaber, die schon ewig auf ein solches Gehäuse gewartet haben, sicherlich. Das AiO-Konzept mit Erweiterbarkeit dürfte bei einigen Hardcore-LAN-Gamern durchaus auf Anklang stoßen.
Für alle anderen? Nein. Wer einen transportablen Gaming-PC haben möchte, aber auf die Erweiterbarkeit verzichten kann, sollte zu einem kleinen Gaming-NUC oder zu einem Gaming-Notebook greifen. Natürlich muss man den Monitor hier einzeln transportieren – das Transportvolumen im Vergleich zum eBlaztr fällt jedoch quasi gleich oder sogar geringer aus. Für Firmen oder enge Büros eignen sich wiederum echte AiO-PCs oder NUCs, welche sich hinter den Monitor schrauben lassen, deutlich besser. Und wer ohnehin nur zu Hause zockt, sollte zu einem richtigen PC-Gehäuse greifen.
Meinung: “It’s portable tho”: eBlaztr macht sich über Reddit über klassische Gaming-Laptops lustig, obwohl das eBlaztr eigentlich nicht viel besser dasteht. Das Case wiegt ohne Hardware und Monitor fast 7 kg und ist damit deutlich schwerer und weniger transportabel als ein modernes Notebook. Für den Monitor kann ich mir wiederum eine passende Tasche besorgen – für 24-Zoll-Bildschirme gibt es genügend Auswahl.
Anfangs war ich durchaus angetan vom eBlaztr-Konzept, doch nach mehreren Stunden Frust beim Zusammenbau hätte ich das Ding am liebsten aus dem Fenster geworfen und die Anleitung verbrannt – alles nur für meinen Seelenfrieden. Ich habe inzwischen schon einige ITX-Systeme zusammenschustern dürfen und das eBlaztr hat mich letztlich gebrochen…
Für mich persönlich ist das Ganze Nix, auch weil ich für das Konzept LAN-Party zu jung bin. Müsste ich mich zwischen eBlaztr und Gaming-Laptop entscheiden, würde ich letzteren nehmen. Einfach aus Bequemlichkeit.
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