AMD bringt mit der Radeon RX 6600 XT eine neue Mittelklasse-Grafikkarte als Angriff auf RTX 3060 und RTX 3060 Ti an den Start. Wir haben uns ein Custom-Modell von XFX geschnappt und gegen den Vorgänger, die Radeon RX 5600 XT, antreten lassen. Lohnt sich das Upgrade? Und wie schneiden beide Pixelbeschleuniger mit FX Super Resolution ab?

Die neue RX 6600 XT wurde erst Ende Juli vorgestellt und ist seit Anfang August für 379,99 Euro UVP erhältlich. Das neue Einsteigermodell mit RDNA2-Architektur ist primär für Full-HD-Gaming ausgelegt und dient als Nachfolger der RX 5600 XT. Den Herstellerangaben zufolge bietet sie durchschnittlich 15 Prozent mehr Gaming-Leistung als die Nvidia RTX 3060. Gegenüber dem Vorgänger soll die Grafikkarte je nach Spiel circa  40 bis 70 Prozent höhere Bildraten erzielen, allerdings mit aktiviertem Smart Access Memory. Wie schnell ist die RDNA2-Einstiegskarte wirklich?

Für die neuen Radeon-Grafikkarten der 6000er-Serie hat sich XFX für ein neues Line-Up entschieden. So gehen drei verschiedene Klassen an den Start: MERC, QICK und SWFT*. Während Merc für die besonders performanten Modelle für Gaming-Enthusiasten steht, so sind die Swft-Modelle eher für den „Casual Gamer“ gedacht. In der Mitte gibt es mit den Qick-Modellen dann eine Zwischenstufe für Gamer, die nicht die ultimative Leistung benötigen, aber dennoch auf eine gute Performance und hohe Stabilität achten. Weitere Details gibt es bei AMD oder XFX.

Design und Kühler

XFX verpasst der QICK 308 RX 6600 XT neben einer schwarzen Platine auch einen schwarzen Triple-Fan-Kühler. Insgesamt ist das Design der Karte nicht nur vergleichsweise kompakt, sondern auch recht schlicht gehalten. Das QICK-Modell verzichtet auf jegliche Beleuchtung und ist in eurem System eher unscheinbar. Aber ganz ehrlich: Das ist zur Abwechslung auch mal ganz schön anzusehen, es muss nicht immer das knallige RGB-Feuerwerk sein.

Die Grafikkarte im 2,5-Slot-Format besitzt drei 80 mm Lüfter, welche die Wärme vom Aluminium-Kühler abtransportieren sollen. XFX setzt auf vier 6-mm-Kupfer-Heatpipes und eine Kupfer-Bodenplatte – beides vernickelt. Das Trio-Lüfter verfügt zudem über das „Zero dB“-Feature, bei dem die Rotorblätter erst ab einer Temperatur von ca. 50 °C die Arbeit aufnehmen. Mit einer Größe von 274 x 114 x 50 mm ist die Karte nicht übermäßig groß und sollte daher auch in etwas kompaktere Systeme passen. Wichtig ist hierbei auch: Kühler und Platine ragen nicht über die Breite der Slotblende hinaus.

Mit Strom wird die XFX Speedster QICK 308 AMD Radeon RX 6600 XT Black – ja, ein ziemlich langer Name – primär über einen 8-pin Stecker (~150 Watt) versorgt. Über den PCIe-Steckplatz kommen nochmal bis zu 75 Watt dazu. Auf der Rückseite befinden sich insgesamt vier Anschlüsse, dazu zählen 3x DisplayPort 1.4 mit DSC (Display Stream Compression) sowie 1x HDMI 2.1 mit VRR (Variable Refresh Rate) und FRL (Fixed Rate Link).

Technische Eigenschaften: Chip, Takt und Speicher

Die Radeon RX 6600 XT setzt auf einen Navi 23 Chip im Vollausbau und nutzt daher die aktuelle AMD RDNA 2 Technologie. Der 7 -nm-Chip besitzt 2.048 Stream-Prozessoren und 32 Compute Units, der Base-Takt des XFX-Modells beträgt 2.188 MHz. Beim Spielen (Game Clock) geht die Karte auf 2.428 MHz hoch, der Boost-Takt bringt den Chip auf sogar auf bis zu 2.607 MHz (Referenz: 2.589 MHz).

Dazu gibt es 8 Gigabyte GDDR6-Speicher mit 2.000 MHz, der über einen 128 Bit Bus mit bis zu 16 Gbps angebunden ist. Zum Puffern der eher geringen Speicherbandbreite von nur 256 GB/s gibt es 32 MB Infinity Cache. Zum Vergleich: die Radeon RX 5600 XT (XFX Thicc III Pro) taktet mit bis zu 1.750 MHz (knapp 860 MHz weniger) und bietet lediglich 6 GB VRAM.

Angebunden wird die Grafikkarte über PCI Express 4.0 mit 8x Lanes, hier hat AMD die Kapazität also halbiert. Das ist für diese Klasse nicht unbedingt schlimm, etwas kritisch könnte es jedoch für Nutzer mit PCIe 3.0 werden – denn dort wird die Bandbreite gegenüber Gen4 nochmals halbiert. In Verbindung mit „nur“ 8 GB Speicher und dem eher kleinen 32 MB Infinity Cache könnte das zu kleineren Einbrüchen führen.

Die Leistungsaufnahme der Radeon RX 6600 XT liegt laut AMD bei 160 Watt („Total Board Power“), die TGP („Total Graphics Power“) hingegen beträgt 130 Watt. Auch XFX nennt eine maximale Leistungsaufnahme von 160 Watt in den Spezifikationen und empfiehlt dabei ein Netzteil mit mindestens 650 Watt. Es gibt zwar ein „Dual BIOS“-Switch, allerdings sind hier aktuell lediglich zwei identische BIOS-Varianten hinterlegt. Es gibt also kein besonderes OC-BIOS, XFX spricht daher eher von einem Backup – sollte es beim ersten BIOS zu Fehlern oder Abstürzen nach zu krassem Overclocking kommen.

AMD-typisch sind natürlich auch Features wie die FidelityFX Effekte oder Smart Access Memory in Verbindung mit Ryzen-Prozessoren mit an Bord. Eine Neuheit ist jedoch die Supersampling-Alternative zu Nvidias DLSS-Technologie: FidelityFX Super Resolution (kurz FSR).

Testsystem

Vergleichs-Grafikkarten

Getestete Benchmarks und Spiele

Wir haben für unseren Test unser derzeitiges Verfahren genutzt, welches erstmals bei der letztjährigen RTX 3080 (Test) zum Einsatz kam. Allerdings haben wir die RX 6600 XT nicht mit den leistungsstärkeren RTX-Modellen verglichen, sondern stattdessen den Vorgänger zur Hand genommen. Unser Testparcour umfasst vier Benchmarks und fünf Spiele in verschiedenen Auflösungen (1080p / 1440p) – davon eins zum Vergleich von FidelityFX Super Resolution. Für die Messungen verwendeten wir etwa CapFrameX und HWiNFO 64. Während des Tests war der neuste AMD Adrenaline Treiber (Version 21.8.1) installiert.

Benchmarks:

  • Time Spy Extreme (3DMark)
  • Fire Strike Ultra (3DMark)
  • Superposition Benchmark (1.080p Extreme & 4K Optimized)
  • Blender Benchmark (bmw27 & pavillon_barcelona)

Spiele:

  • Shadow of the Tomb Raider (Ultra-Preset mit TAA, 1.080p & 1.440p, DX12)
  • Red Dead Redemption 2 (Alles auf Ultra außer MSAA, 1.080p & 1.440p, Vulkan)
  • Metro: Exodus Benchmark (Ultra-Preset, 1.080p & 1.440p)
  • Control (Alles auf Ultra, 2x MSAA, 1.080p & 1.440p, NSC-Kontrollraum, DX12)
  • ANNO 1800 (Sehr hohe Details, 1.440p, mit & ohne FidelityFX Super Resolution, DX11/DX12)

Benchmark-Leistung

Der Leistungssprung zum Vorgänger, der RX 5600 XT, liegt durchschnittlich bei etwa 25,35 Prozent. Je nach Benchmark gibt es einen Zuwachs von 12 % (Blender bmw27) bis maximal 41,2 % (Superposition). Während die RX 6600 XT in den 3D Mark Benchmarks im Durchschnitt knapp 25 % mehr Leistung erreicht, so kann sich die Grafikkarte besonders bei Superposition um einiges gegenüber dem Vorgänger steigern. Beim 3D Mark Port Royal, der primär zum Messen der Raytracing-Performance gedacht ist, erreichte die RX 6600 XT einen Wert von 4.407 Punkten – die RX 5600 XT konnte diesen Benchmark nicht ausführen.

Spiele-Leistung

Auch bei Spielen zeigt sich eine konstant höhere Leistung, im Durchschnitt liegt das FPS-Plus hier bei knapp 26 Prozent (1.080p) bzw. 21 Prozent (1.440p) gegenüber der RX 5600 XT. Die größte Steigerung zeigt sich bei Red Dead Redemption 2 unter Full-HD, bei der die Radeon RX 6600 XT rund 54 Frames pro Sekunde im Benchmark erzielen kann. Ebenfalls sehr stark sind die Leistungssteigerungen bei Shadow of the Tomb Raider, sowohl unter 1.080p als auch 1.440p.

Den kleinsten Leistungssprung macht die RX 6600 XT bei Assassin’s Creed Valhalla mit 1.440p, hier gerät der RDNA2-Chip wohl zu sehr ins Schwitzen und kann lediglich ca. 7 % mehr FPS herauskitzeln. Im Allgemeinen zeigt sich, dass auch die Radeon RX 6600 XT eher eine Grafikkarte für Full HD ist – bei einigen Spielen jedoch auch mit 1.440p sehr ordentliche Ergebnisse aufweisen kann. Hier nochmal alle Wertungen im Detail:

FidelityFX Super Resolution mit ANNO 1800

Mittlerweile hat auch AMD eine eigene Supersampling-Technologie am Start, die für mehr Leistung sorgen kann. Bisher hält sich die Spiele-Auswahl jedoch etwas in Grenzen, einzig ANNO 1800 aus unserer Spielebibliothek unterstützt die FSR-Technik. Daher haben wir das Feature sowohl mit der RX 5600 XT und RX 6600 XT (jeweils mit DX11 und DX12 bei 1.440p + sehr hohe Details) ausprobiert – und siehe da: es gibt bis zu 71 % mehr Leistung im „Ausgewogen“-Modus.

Besonders unter DX12 kann die Radeon RX 6600 XT die FPS-Zahl um sagenhafte 71 Prozent steigern, mit DX11 sind es immerhin 42 %. Der Vorgänger kann bei DX12 ebenfalls satte 66 % dazu gewinnen, unter DX11 sind es 57 %. Gerne hätten die Super Resolution auch in Verbindung mit Raytracging getestet, da besonders dort die GPU schnell ins Schwitzen gerät und Supersampling für bessere FPS-Werte sorgen kann. Dennoch zeigt FidelityFX Super Resolution schon jetzt, dass es ebenfalls mehr Leistung aus aus den Chips herauskitzeln kann.

Overclocking

Zum Übertakten der Karte – wir haben uns hier ausschließlich auf die neue RX 6600 XT fokussiert – haben wir den AMD-Treiber genutzt. Dort lassen sich alle wichtigen Werte direkt einstellen, anpassen und bei Bedarf auch als Profil abspeichern. Als „maximale Stufe“ konnten wir die Grafikkarte auf einen Chiptakt von bis zu 2.815 MHz bei 1,15 Volt und einen Speichertakt von 2.342 MHz bei 15% höherer Leistungsgrenze bringen.

Dies führte zu einer Leistungssteigerung von effektiv 6-11 %, je nach Anwendung. Im 3D Mark Time Spy erreichte die RX 6600 XT mit OC rund 5,66 % mehr Punkte (6,68 % mehr GPU-Score). Beim Superposition Benchmark erzielte die Karte mit 6.122 Punkten ein um 8,26 % besseres Ergebnis. Und zu guter Letzt haben wir nochmal den Benchmark von Shadow of the Tomb Raider in 1.440p laufen lassen, dort erreicht die Grafikkarte mit 91 FPS (GPU avg 89 FPS) rund 8 bzw. 9 FPS mehr im Vergleich zur Standard-Taktung von XFX. Im gleichen Zuge stieg der Stromverbrauch jedoch auf bis zu 170 Watt (3D Mark Time Spy) an.

Temperaturen, Stromverbrauch

Die Temperaturen bewegen sich auf einem recht ähnlichen Niveau. Die RX 5600 XT besitzt zwar einen größeren Kühler, dafür kann die RX 6600 XT durch die bessere Effizienz punkten – und braucht daher nicht unbedingt mehr Kühlfläche. Unter Last erreicht die Radeon RX 5600 XT maximal 77 °C beim Benchmark von Shadow of the Tomb Raider in 1.440p. Die Radeon RX 6600 XT liegt im selben Szenario bei maximal 74 °C. Beim 3D Mark Time Spy Benchmark sind die beiden Grafikkarten mit 70 °C (5600 XT) und 68 °C (6600 XT) ebenfalls nicht weit voneinander entfernt.

Beide Kühler setzen auf ein Lüfter-Trio. Im Standard-Modus, also ohne manuelles Eingreifen, ist die XFX Speedster QICK 308 AMD Radeon RX 6600 XT im Leerlauf durch den „Zero dB“-Modus vollständig ruhig. Doch auch unter Last zeigt sich die Karte noch angenehm leise. Allerdings laufen die Lüfter dabei auch nur mit maximal 1.500 Umdrehungen pro Minute. Im Radeon-Treiber haben wir, auch für das Overclocking, die Lüfterkurve stark nach oben korrigiert und siehe da: maximal sind bis zu 3.500 rpm möglich. Trotz OC erreichte die Karte mit voller Lüfterdrehzahl nur maximal 64 °C beim Tomb Raider Benchmark in 1.440p.

GrafikkarteIdleLast
XFX RX 5600 XT Thicc III Pro47 °C / 21 Watt77 °C / 163 Watt
XFX Speedster QICK 308 RX 6600 XT29 °C / 3 Watt74 °C / 146 Watt

Raumtemperatur bei 22 °C, Last für min. 15 Minuten

Hinsichtlich des Stromverbrauchs zeigt sich ebenfalls die besser Effizienz der neuen Generation. Die maximale Leistungsaufnahme liegt zwar bei 160 Watt, allerdings konnten wir der RX 6600 XT (ohne Overclocking) nicht mehr als 146 Watt beim Tomb Raider Benchmark in 1.440p abluchsen. Auch in Control bei identischer Auflösung genehmigte sich der Pixelbeschleuniger „lediglich“ 145 Watt. Bei der RX 5600 XT sieht das dann ganz anders aus, hier zieht die Karte beim 3D Mark Time Spy Benchmark rund 163 Watt aus der Leitung. Bei Control in 1.440p sind es dann allerdings 149 Watt.

Fazit

Die Radeon RX 6600 XT, und insbesondere das Custom-Modell von XFX, eignet sich hervorragend zum Spielen in Full HD (1.080p). Gegenüber dem Vorgänger erwartet euch ein Leistungssprung von durchschnittlich 25 %. Darüber hinaus ist die Karte auch zum Zocken in QHD (1.440p) geeignet und erreicht hier im Vergleich zur Radeon RX 5600 XT einen Schub von 20 % mehr Leistung. Je nach Spiel sind die Werte zwar noch deutlich unter der magischen Marke von 60 FPS, in einigen Games kann der RDNA2-Chip jedoch mit einer soliden Leistung überzeugen.

Dazu gibt es eine bessere Energieeffizienz und einen guten Kühler, der die Wärme von Chip und Speicher bei angenehmem Geräuschpegel effektiv abführt. Sehr praktisch ist dabei auch das „Zero DB“-Feature, bei dem die Lüfter erst ab einer Temperatur von 50 °C starten – und dann selbst unter Last nur mit maximal 1.500 von 3.500 möglichen Umdrehungen pro Minute laufen. Die RX 5600 XT ist dagegen immer ein Stückchen wärmer und auch stromhungriger unterwegs.

Im Handel kostet die Grafikkarte in dieser Ausführung aktuell knapp 530 Euro* und ist somit von der eigentlichen UVP von knapp 410 Euro weit entfernt. Der direkte Konkurrent alias RTX 3060 ist jedoch – je nach Modell – nochmal 50-70 Euro teurer (zum Testzeitpunkt). Wenn ihr also auf der Suche nach einer effizienten, leisen und kompakten Grafikkarte zum Zocken in Full-HD seid, dann könnt ihr bei der XFX Speedster QICK 308 AMD Radeon RX 6600 XT Black problemlos zugreifen.

Pro

  • gute Kühlung und leise Lüfter
  • viel Leistung für FHD-Gaming
  • einwandfreie Verarbeitung
  • bessere Effizienz gegenüber Vorgänger
  • Unterstützung von HDMI 2.1 und Raytracing

Contra

  • 1.440p-Leistung teilweise ausbaufähig


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