Die RTX 3070 Ti ist die neueste Desktop-Grafikkarte auf dem Markt. Hebt sie sich als “RTX 3080 Light” von Nvidias normaler RTX 3070 ab? Wir haben mit der KFA2 GeForce RTX 3070 Ti SG ein Custom-Modell getestet. Wir vergleichen für euch die GPU-Performance und Leistungsaufnahme.

Lieferumfang

  • Grafikkarte
  • Kurzanleitung
  • Extra-Lüfter
  • Grafikkarten-Stütze

Einführung

Nachdem die RTX 3070 mit Verspätung Ende Oktober 2020 gestartet war, schickte Nvidia im Juni 2021 die RTX 3070 Ti ins Rennen. Sie positioniert sich preislich zwischen dem Non-Ti-Modell und der RTX 3080. Technisch gesehen ist die neue Grafikkarte allerdings näher an der RTX 3070 dran, doch mehr dazu gleich.

Das Referenzmodell von Nvidia kam ursprünglich für 619 Euro auf den Markt, ist aber seitdem dauerhaft vergriffen. Zum Testzeitpunkt kostet das günstigste Modell der RTX 3070 Ti circa 850 Euro und das beliebteste liegt preislich bei 900 Euro, während Topmodelle eher über 1.000 Euro kosten. Die KFA2 GeForce RTX 3070 Ti ist zum Testzeitpunkt für circa 880 bis 890 Euro erhältlich. Eine RTX 3070 kostet offiziell bei Nvidia 519 Euro, allerdings liegen die Preise derzeit sogar mit der RTX 3070 Ti gleichauf und variieren zwischen 850 bis 1.000 Euro.

Bei dem Custom-Modell von KFA2 handelt es sich um eine der günstigeren Optionen. Es verspricht eine gute Kühlung gepaart mit einer geringfügigen Übertaktung ab Werk. Wer die Ti-Grafikkarte mit standardmäßig deutlich höherem Boost-Takt haben möchte, muss noch etwas tiefer in die Tasche greifen.

Design und Kühler

KFA2 hat das Kühlerdesign von bereits bekannten SG-Modellen der RTX 3070 sowie der RTX 3080 übernommen. Gegenüber unserer RTX 3070 SG (Test) ist optisch demnach kein Unterschied erkennbar. Die Grafikkarte ist mit Abmessungen von 31,7 x 11,3 x 6,1 Zentimetern recht lang, aber dafür schmaler als so manch andere Custom-Modelle. In viele Micro-ITX-Gehäuse passt sie auch trotz ihrer erheblichen Länge. Das Design ist verhältnismäßig schlicht, die RGB-beleuchteten Lüfter sowie die weißen Linien auf der Backplate sorgen allerdings für den nötigen Pep. Von einer langweiligen Optik kann also nicht die Rede sein – das SG-Modell bleibt schlichtweg unaufdringlich und dennoch schick.

Die RGB-LEDs in den 92-Millimeter-Lüftern erleuchten auch den KFA2-Slogan “What’s Your Game?” rechts neben dem RTX-Schriftzug. Umgeben sind die Lüfter durch eine stabile Kunststoffabdeckung, die hintere Backplate besteht wie auch die Kühlkörper aus Metall. Nennenswert länger als die Custom-Platine ist die Kühleinheit. Ein Lüfter befördert deshalb lediglich Frischluft durch den Kühler, damit die dortige Abwärme auf der gegenüberliegenden Aussparung entweicht. Zusätzlich lässt sich der beiliegende 80-Millimeter-Lüfter über der Aussparung montieren, um die Ableitung der warmen Luft weiter zu verbessern. Bei geringer Grafiklast bleiben die Lüfter inaktiv.

Apropos Last: die enthaltene Grafikkartenstütze ist transparent und auf Wunsch ebenfalls beleuchtet. Das SG-Modell nimmt effektiv drei PCIe-Steckplätze im Gehäuse ein. Aufgrund der höheren Leistungsaufnahme befindet sich am Ende der Platine nun ein zweiter Acht-Pin-Anschluss. Hinsichtlich der Bildschirmanschlüsse bietet die Grafikkarte aktuelles HDMI 2.1 und dreimal DisplayPort 1.4a.

Technische Eigenschaften: Chip, Takt und Speicher

Nvidia setzt bei dem Ti-Modell auf die Grafikeinheit GA104-400 anstelle der GA104-300. Die Ampere-GPU bietet im Vollausbau gegenüber dem Chip in der RTX 3070 6.144 statt 5.888 Shader-Einheiten, 192 anstatt 184 Tensor-Kerne und 48 statt 46 Raytracing-Kerne. Insgesamt beträgt der Unterschied in der Kernanzahl rund vier Prozent.

Basis- und Boost-Takt sind ebenfalls leicht gestiegen und liegen mit 1.575 und 1.770 Megahertz nun fünf beziehungsweise zwei Prozent vor der RTX 3070. Beim KFA2-Modell der RTX 3070 Ti ist der Boost-Takt mit 1.800 Megahertz um 30 Megahertz höher, während KFA2 bei dem SG-Modell der RTX 3070 die Taktraten unangetastet lässt. Das 1-Click-OC-Profil der zugehörigen Software Xtreme Tuner Plus sorgt jeweils für zusätzliche 15 Megahertz. Somit kommt die Ti-Grafikkarte laut Hersteller auf bis zu 1.815 Megahertz im Boost, allerdings taktet sie in der Praxis ohnehin unter Last für gewöhnlich etwas höher.

Ein Differenzierungsfaktor beim Ti-Modell ist der Speicherwechsel von GDDR6 zu GDDR6X. Durch den schnelleren Speichertyp steigen die Datentransferraten um circa 36 Prozent. Die Kapazität des Videospeichers blieb hingegen unverändert bei acht Gigabyte. Seit der GTX 1070 verweilt Nvidia in dieser Klasse schon bei dieser Speichergröße. Bis auf einige UHD-Spiele in höchsten Grafikeinstellungen sind acht Gigabyte allerdings ausreichend.

KFA2 hat die Leistungsaufnahme der RTX 3070 Ti um 20 Watt von 290 auf 310 Watt erhöht. Über die Xtreme-Tuner-Software kann die TDP für etwas mehr Übertaktungs-Spielraum auf maximal 330 Watt angehoben werden. Die reguläre RTX 3070 genehmigt sich im Vergleich dazu mit 220 Watt deutlich weniger Energie. Wie diese 70 Watt Unterschied bei den Referenzmodellen zustande kommen, bleibt fraglich. Schließlich dürften die zusätzlichen Kerne und der schnellere Speicher nicht so viel mehr Leistung benötigen. In puncto Stromverbrauch liegt die RTX 3070 Ti somit näher an der RTX 3080 (320 Watt). Übrigens kommt der Vollausbau der GA104-GPU mit geringerer Leistungsaufnahme auch in der Notebook-Variante der RTX 3080 zum Einsatz.

Testsystem

Vergleichs-Grafikkarten

  • KFA2 GeForce RTX 3070 SG
  • MSI GeForce RTX 3080 Ventus 3X

Getestete Benchmarks und Spiele

Wir haben für unseren Test unser derzeitiges Verfahren genutzt, welches erstmals bei der letztjährigen RTX 3080 (Test) zum Einsatz kam. Es umfasst fünf Benchmarks und vier Spiele in verschiedenen Auflösungen sowie mit und ohne Raytracing. Für die Messungen verwendeten wir etwa CapFrameX und HWiNFO 64. Während des Tests war stets der GeForce-Treiber 471.41 installiert und das OC-Profil der KFA2-Grafikkarte aktiv.

Benchmarks:

  • Time Spy Extreme (3DMark)
  • Fire Strike Ultra (3DMark)
  • Port Royal (3DMark)
  • Superposition Benchmark (1.080p Extreme & 4K Optimized)
  • Blender Benchmark (bmw27 & pavillon_barcelona)

Spiele:

  • Shadow of the Tomb Raider (Ultra-Preset mit TAA, 1.440p & 4K, ggf. Raytracing ohne DLSS, DX12)
  • Red Dead Redemption 2 (Alles auf Ultra außer MSAA, 1.440p & 4K, Vulkan)
  • Metro: Exodus Benchmark (Ultra-Preset, 1.440p & 4K, ggf. mit Raytracing ohne DLSS)
  • Control (Alles auf Ultra, 2x MSAA, 1.440p & 4K, ggf. mit Raytracing & DLSS 2.0, NSC-Kontrollraum, DX12)

Benchmark-Leistung

Der Leistungsunterschied zwischen der RTX 3070 und RTX 3080 ist noch überschaubarer als vorab angenommen. Wir haben die Ergebnisse von der 3DMark-Tests und Superposition-Tests addiert und daraus den Mittelwert errechnet. Durchschnittlich liegt das Ti-Modell in Benchmarks lediglich fünf Prozent vor der RTX 3070. Bei Blender beträgt die Differenz im Durchschnitt nur rund drei Prozent. Im Vergleich zwischen der RTX 3080 und RTX 3070 Ti schneidet letzteres Modell durchschnittlich 16 Prozent schlechter ab und ist bei Blender rund 25 Prozent langsamer.

Spiele-Leistung

Gemittelt liegt die RTX 3070 Ti in Spielen sieben Prozent vor der RTX 3070, denn der Unterschied in der durchschnittlichen Bildrate schwankt nur zwischen zwei und neun Bildern pro Sekunde. In Control mit UHD-Auflösung und Raytracing waren beide Grafikkarten sogar gleichauf. Die RTX 3070 Ti unterliegt hinsichtlich der Gaming-Performance einer RTX 3080 um circa 14 Prozent. Spezifisch bei den Raytracing-Tests betrug der Abstand zur schnelleren RTX 3080 rund 20 Prozent. Die RTX 3070 Ti glänzt in WQHD-Auflösung, eignet sich aber auch für UHD-Gaming. In UHD blieb die Grafikkarte für gewöhnlich unter der erstrebenswerten 60-FPS-Grenze und mit aktivierten Raytracing-Effekten kam sie ohne DLSS eher der 30-FPS-Grenze nahe. Für UHD würden wir also eher empfehlen, hohe und nicht maximale Grafikeinstellungen zu verwenden.

Temperaturen, Stromverbrauch und Overclocking

Die Wärmeentwicklung und Leistungsaufnahme fielen erwartungsgemäß ein gutes Stück höher gegenüber der RTX 3070 aus. Im Leerlauf war die Temperatur der RTX 3070 Ti um sieben Grad beziehungsweise knapp 26 Prozent höher, der Stromverbrauch um vier Watt. Unter Last gab es auch einen Temperaturunterschied von sieben Grad, allerdings genehmigte sich das Ti-Modell satte 85 Watt mehr Strom – ein Zuwachs von ebenfalls knapp 26 Prozent. Die RTX 3070 Ti blieb ausgelastet also nur wenige Watt von der RTX 3080 entfernt.

Die Lüfter blieben stets unauffällig leise, sofern wir nicht manuell die volle Drehzahl abverlangten. Dann kühlten die Lüfter die Grafikkarte unter Last sogar auf knapp 60 Grad herunter. Im Durchschnitt drehten sie sich 1.725 Mal pro Minute und aktivierten sich ab einer Temperatur von circa 50 Grad. Bei unter 34 Grad schalteten sie sich wieder ab.

Der Extra-Lüfter sorgte im Durchschnitt für eine um drei Grad kühlere Temperatur. Jeweils war dieser während der Tests an den KFA2-Modellen montiert. Eine genaue Übersicht seht ihr nachfolgend.

GrafikkarteIdleLast
MSI GeForce RTX 3080 Ventus 3X31 °C / 9 Watt78 °C / 315 Watt
KFA2 GeForce RTX 3070 Ti SG34 °C / 15 Watt70 °C / 305 Watt
KFA2 GeForce RTX 3070 SG27 °C / 11 Watt63 °C / 220 Watt

Raumtemperatur bei 21,5 °C, Last für min. 5 Minuten

Unser Testsystem benötigte insgesamt durchschnittlich unter 400 Watt und maximal 405 Watt. Ein 550-Watt-Netzteil wäre entsprechend zu mindestens 75 Prozent ausgelastet, würde allerdings mit einer niedrigeren Effizienzstufe und über 50 Prozent Auslastung tendenziell noch mehr verbrauchen. KFA2 empfiehlt ein Netzteil mit mindestens 750 Watt. Wenn ihr plant, einen besonders stromhungrigen High-End-Prozessor wie in unserem Fall zu nutzen, solltet ihr euch vielleicht eher ein 850-Watt-Netzteil zulegen. Netzteile arbeiten am effizientesten bei 50-prozentiger Last. Mit einem 650 Watt starken Netzteil würde die RTX 3070 Ti also ebenfalls einwandfrei funktionieren, dazu raten wir aber nur bei einer Systemlast unter 350 Watt.

In Spielen schwankte der effektive Boost-Takt mit aktivem 1-Click-OC in der Regel zwischen 1.830 und 1.905 Megahertz. Das OC-Profil erzielt allerdings keinen nennenswerten oder gar spürbaren Leistungsvorteil, also haben wir die Grafikkarte testweise noch manuell übertaktet. Bei 160 zusätzlichen Megahertz und dem maximalen Power-Limit von 106 Prozent schaffte die RTX 3070 Ti bis zu 2.025 Megahertz, was in Control für circa vier oder fünf mehr Bilder pro Sekunde gegenüber dem 1-Click-OC sorgte. Der Maximalstromverbrauch stieg lediglich auf 307 Watt und die Grafikkarte wurde höchstens 73 Grad warm.

Fazit

An der Grafikkarte an sich gibt es nicht viel zu bemängeln und dennoch hinterlässt sie gemischte Gefühle. KFA2 verbaut hier einen sehr guten Kühler, der auch unter Last leise bleibt. Die eigentliche Existenz der RTX 3070 Ti ist jedoch fragwürdig, da sie sich kaum positiv von der RTX 3070 abgrenzt. Der Performance-Unterschied ist messbar, aber nicht spürbar. Bemerkbar macht sich allerdings der wesentlich höhere Stromverbrauch. Der Wechsel zu GDDR6X hat demnach nur einen negativen Effekt. Aus unserer Sicht wäre es sinnvoller gewesen, das Ti-Modell mit 12 Gigabyte GDDR6-Speicher auszustatten. Wirklich notwendig war ein anderer Videospeicher aber ohnehin nicht.

Der offizielle Aufpreis von 100 Euro und die gestiegene Leistungsaufnahme rechtfertigen die minimal bessere Gaming-Leistung nicht. Im Handel liegen die RTX 3070 und RTX 3070 Ti allerdings derzeit preislich gleichauf. Wen der Stromverbrauch also nicht sonderlich interessiert, bekommt immerhin etwas mehr Performance beim Ti-Modell. Die Alternative wäre eine Radeon RX 6800, die zum Testzeitpunkt jedoch teurer als die beiden Nvidia-Modelle gehandelt wird.

Pro

  • gute Kühlung und leise Lüfter
  • viel Leistung für WQHD- und UHD-Gaming
  • einwandfreie Verarbeitung
  • Unterstützung von HDMI 2.1, DLSS und Raytracing

Contra

  • nur geringfügiger Leistungsunterschied zur RTX 3070
  • GDDR6X bietet in der Praxis keine nennenswerten Vorteile
  • deutlich höherer Stromverbrauch

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