Wer heute nach einem Desktop-PC sucht, muss keines Wegs mehr zu einer großen, sperrigen Kiste greifen. Intel bietet mit seiner NUC Serie eine interessante Alternative zum Rechner im Tower-Format. Wir haben uns die neue NUC-Generation mit Hexacore-CPU für euch angesehen.

NUC – Next Unit of Computing

Intel hat den Begriff NUC, welcher ausgeschrieben im Übrigen für Next Unit of Computing steht, bereits vor mehr als fünf Jahren geprägt. Hinter den drei Buchstaben versteckt sich ein Mini-Computer-Konzept, das auf minimalem Platz ein vollständiges PC-System zur Verfügung stellt.

An der Front bietet die NUC die wichtigsten Anschlüsse.

NUCs erfreuen sich dabei nicht nur großer Beliebtheit bei minimalistischen Anwendern, die den klassischen Computer im Tower-Format unter dem Schreibtisch verbannen wollen. Auch Bastler und Tüftler haben die NUC-Idee als Mini-Server für sich entdeckt. Egal ob als einfacher NAS-Ersatz, zur Bereitstellung selbst gehosteter Cloud-Dienste oder für die Hausautomatisation: Dank neuster Intel Technologie sind NUCs für die meisten Server-Aufgaben mehr als ausreichend.

Da Intel die Selbstbauerfraktion seit der ersten NUC-Generation im Jahr 2013 immer noch zu seinen wichtigen Kunden zählt, gibt es NUCs nach wie vor als Barebone-Kit, einzelne Komponenten oder als fertigen PC zu kaufen.

Für unseren Test stand uns das neuste NUC-Modell mit der Bezeichnung NUC10i7FNH zur Verfügung, dass durch Intels Core i7 Prozessoren der 10. Generation angetrieben wird.

Hexacore-Power auf 11 x 11 cm

Wer das erste Mal einen NUC-PC auspackt, ist mit Sicherheit von den extrem kompakten Abmessungen des Gerätes beeindruckt. Auch die neuste Frost Canyon NUC-Generation ist hier keine Ausnahme. Mit äußeren Abmessungen von nur 11,7 x 11,2 cm und einer Höhe von 5,1 cm findet die NUC auch auf dem kleinsten Schreibtisch noch ein Plätzchen.

Mit der aktuellen Generation macht Intel dabei abermals einen großen Schritt in Sachen Leistungsfähigkeit. Dank der Intel Core i7-Prozessoren der Comet Lake-U Familie (10. Generation) stehen nun auch den CPUs der U-Serie erstmals sechs Rechenkerne inklusive Hyperthreading zur Verfügung.

Ja, richtig gelesen: Dieser kleine PC bietet 12 CPU-Threads und eignet sich damit für deutlich mehr als nur ein wenig Office und Surfen im Netz.

Konkret setzt Intel bei unserem NUC10i7FNH-Modell auf einen Core i7-10710U Prozessor mit 12M L2+L3-Cache und einem Basistakt von 1,1 GHz. Von der Taktgeschwindigkeit darf sich der Anwender aber nicht täuschen lassen, bei Single Thread Anwendungen kann die CPU dank Turbo Boost auf bis zu 4,7 GHz hochtakten.

Auch bei der Leistungsaufnahme hat sich Intel etwas Kluges einfallen lassen. Die TDP der fest auf dem Mainboard verlöteten CPU beträgt standardmäßig 25 Watt. Danke cTDP-up kann dieser Wert aber temporär erhöht werden, im Fall dieser NUC sind es in der Spitze mehr als 60 Watt. Damit sind auch höhere Taktraten auf allen sechs Kernen über eine gewisse Zeit möglich.

Ausstattung: Alles da?

Die sonstige Ausstattung unseres Testgerätes kann sich ebenfalls sehen lassen. Da es sich um eine NUC als Komplettsystem handelt, sind Arbeitsspeicher und Massenspeicher bereits verbaut. Um diese Komponenten muss sich der Barebone-Käufer nämlich selbst kümmern.

Im Fall des NUC10i7FNH setzt Intel auf 16 GB DDR4-RAM von Kingston, was für die meisten Anwender mehr als genug sein sollte. Wem das nicht reicht, der kann auf maximal 64 GB Speicher upgraden – insgesamt bietet der PC zwei SO-DIMM RAM-Slots.

Die beiden RAM-Slots sind ab Werk belegt.
In diesem Fall mit 2x8 GB von Kingston.

Als Laufwerk für das vorinstallierte Microsoft Windows 10 Home Betriebssystem kommt eine NVMe-SSD zum Einsatz, die ebenfalls aus dem Hause Kingston stammt und 256 GB Speicherkapazität bietet.

Da Intel seine NUC-PCs auch im Multimediaumfeld im Einsatz sieht, was aufgrund der Hardwarebeschleunigung für das Encodieren von Videoinhalten auch Sinn macht, hat unsere NUC außerdem eine 1 TB große Seagate Video 2,5“ HDD an Board.

Nicht auf den ersten Blick sichtbar, aber trotzdem standardmäßig verfügbar ist das Intel Wi-Fi 6 AX201 Wifi-Modul, dass den neuen Wi-Fi 6 Standard erstmals in einer NUC verfügbar macht. Mehr zum Thema Wi-Fi 6 erfährst du in unserem ausführlichen Wissensartikel.

Die NVMe-SSD mit 256 GB...
... und die 1 TB HDD.

Aufmerksame Leser haben es natürlich schon zwischen den Zeilen gelesen: In Sachen Grafikkarte kommt selbstverständlich die in die Core i7 CPU integrierte GPU der Intel UHD Graphics Serie zum Einsatz, die das Anbinden von bis zu drei Monitoren erlaubt. Die maximale Auflösung beträgt 4K bei 60 Hz via Display Port oder HDMI 2.0, steht aber maximal für 2 Monitore zur Verfügung. Wer drei Bildschirme betreibt, muss sich auf zwei Anzeigen mit 30 Hz zufriedengeben, lediglich der via HDMI angebundene Bildschirm macht dann noch 60 Hz.

Anschlüsse und Design

Wie alle Intel NUCs kommt auch diese neuste Generation als kleiner Kasten mit abgerundeten Kanten daher. Front und Oberseite sind auch schwarzem Kunststoff in Klavierlackoptik gefertigt. Das sieht schick aus, zieht aber Fingerandrücke magisch an.

Der Rest des kleinen Gehäuses ist in einem dunklen Grau gehalten. An den Seiten verfügt die NUC über zwei großflächige Elemente aus Lochgitter, durch die die Komponenten im Inneren ihre Frischluft beziehen.

Auf der Rückseite findet sich am oberen Ende der breite Lüftungsschlitz für die aktive Kühlung. Hier stößt das System seine Abwärme aus.

Der SD-Kartenleser findet sich an der Seite.
Auch die Rückseite ist schlank gehalten.

Darunter sind alle wichtigen Ports zu finden, die im Jahr 2020 von einem Computer erwartet werden. Zur Verfügung stehen 2x USB 3.2 Gen 2 Typ-A (10 Gbit/s), 1x Thunderbolt 3.0 Typ-C, Gigabit-Ethernet, HDMI 2.0 sowie der Eingang für das externe Netzteil.

Der UHS-II SD-Kartenleser findet an der linken Seite des Gehäuses Platz und ist eine willkommene Ergänzung.

An der Front setzt Intel bei seiner neusten NUC auf USB 3.2 Gen 2, jeweils als Typ-A und Type C Ausfertigung. Außerdem finden sich hier der blau beleuchtet Power-Knopf und die im schwarzen Finish eingelassene gelbe HDD-LED. Zu guter Letzt ist auch noch ein 3,5-mm-Klinkestecker für den Anschluss eines Kopfhörers an der Front vorgesehen.

Die vier Füße sorgen für einen sicheren Stand.

Im Inneren finden sich übrigens noch zwei interne USB 2.0 Schnittstellen, falls dafür jemals Bedarf aufkommen sollte. Auch lässt sich neben der Seagate Festplatte theoretisch auch noch ein zweites SATA-Laufwerk anbinden. Ein weiterer Laufwerksslot ist jedoch nicht vorhanden.

Seinen erstaunlich festen Stand hat der kleine Computer vier Gummifüßen zu verdanken, die auch bei vielen Kabelverbindungen auf der Rückseite dafür sorgen, dass die NUC nicht vom Tisch gezogen wird.

Die Verarbeitung ist als sehr gut zu bezeichnen. Es gibt keine scharfen Kanten und alle Teile des Gehäuses sind gut verarbeitet. Auch im Inneren hat Intel sich ein gut durchdachtes Platzkonzept überlegt und die großen Öffnungen an den Seiten sorgen für genügend Frischluftzufuhr.

Einrichtung und Inbetriebnahme

Das es sich um ein Komplettsystem handelt, das direkt angeschlossen und verwendet werden kann, wollen wir auch noch einige Worte zur Einrichtung verlieren.

Wie zu erwarten, ist die NUC extrem schnell betriebsbereit: Netzteil anschließen, Bildschirm via USB-C oder HDMI verbinden sowie Tastatur und Maus einstecken. Das ist das ist auch schon alles.

Die NUC wird von einem externen Netzteil mit Spannung versorgt.

Auf der Kingston SSD ist bereits Windows 10 Home vorinstalliert, das einen durch den üblichen Einrichtungsassistent führt, um das Betriebssystem für die erste Verwendung bereit zu machen. Wieso Intel nur Windows 10 Home mitliefert ist uns angesichts des Preises nicht ganz klar, für die meisten Anwender dürfte es aber keine Rolle spielen.

Danach kann es auch direkt losgehen und das System genutzt werden, von den nötigen Windows Updates einmal abgesehen. Die NUC eignet sich damit also ohne Frage für einen direkten Ersatz eines bestehenden Computers. Die Einrichtung geht so schnell und unkompliziert von der Hand, dass es beinahe schon langweilig ist.

Leistungstest

Selbstverständlich haben wir den kleinen Rechner auch auf seine Leistungsfähigkeit überprüft. Das ist bei einem Mini-PC mit Hexacore Core i7 CPU ohne Frage ein Muss.

Dazu kamen verschiedene Benchmarktools zum Einsatz, um die Leistung von CPU, GPU, RAM und Massenspeicher zu bewerten. Die Ergebnisse haben sind in den folgenden Tabellen und Diagrammen dargestellt.

ModellIntel NUC 10 i7 10 Generation
GFX 5.0Aztec Ruins DX12 (HT): 20,46 fps
1440p Aztec Ruins DX (HT): 13,04 fps
Aztec Ruins DX12 (NT): 32,37 fps
1080p Aztec Ruins DX12 (NT): 35,49 fp
PCMark 10 Pro4393 Points
Cinebench R20CPU: 2106 pts
Geekbench 5.Single-Core: 1192
Multi-Core: 5197
DetailsGeekbench 5
PCMark 10 Pro

In der getesteten Ausführung hat die Intel NUC zwei Massenspeicher an Bord. Einmal eine NVMe-SSD von Kingston mit 256 GB Speicherkapazität und eine herkömmlichen 2,5-Zoll-Festplatte von Seagate mit 1 TB. Beide Laufwerke haben wir mit Crystal Disk Mark 7 getestet.



Leistungsaufnahme und Temperaturentwicklung

Außerdem wurde die Leistungsaufnahme in verschiedenen Szenarien mit einem Brennenstuhl PM231E Messegerät ermittelt. Dabei waren ein Monitor via HDMI sowie Maus und Tastatur via USB verbunden.



Der kleine Computer arbeitet in Anbetracht der verbauten Hardware erstaunlich genügsam. Im Leerlauf und bei anspruchslosen Aufgaben, wie Office oder Surfen sind es gerade einmal 20 Watt. Im Leerlauf auf dem Windows Desktop haben wir 17 W gemessen. Wird der Intel NUC gefordert und maximal ausgelastet, ermittelten wir 56 W konstante Leistungsaufnahme. In der Spitze können für wenige Sekunden bis zu 87 W aus dem Netz entkommen werden. Alles in allem eine gute Bilanz, die eine niedrige Stromrechnung erwarten lässt.

Des Weiteren wurde die Entwicklung der CPU-Temperatur der Intel Core i7 CPU der 10 Generation mithilfe von CoreTemp und PCMark 10 Pro ausgelesen. Dabei herrschte eine Umgebungstemperatur von 22 °C.



Im Idle läuft der interne Lüfter beinahe lautlos vor sich hin. Das leise Rauschen der verbauten HDD ist dabei deutlicher zu vernehmen, als der Lüfter selbst. Hierbei sind Temperaturen von circa 47 °C über alle sechs Rechenkerne gemittelt angefallen. Also völlig im grünen Bereich.

Wird die CPU mit Benchmark oder durch Prime95 ausgelastet, springen die Temperaturen aber blitzschnell in die Höhe und erreichen bei anhaltender Dauerlast auch die kritische 99°C-Marke. Ab diesem Zeitpunkt regelt die CPU ihren Takt herunter (Throtteling), um die Temperatur abzusenken. Das kostet natürlich Leistung.

In unserem Fall ist das bei Prime95 schon nach wenigen Minuten aufgetreten, im PCMark 10 Pro kam dies hingegen lediglich ganz am Ende des Gesamtdurchlaufes einmal kurz vor.

Der Lüfter dreht dabei hörbar auf und klingt, wie jedes moderne Notebook, das unter Last seine Abwärme loswerden muss. Das Geräusch ist dabei nicht besonders schrill oder störend, aber deutlich wahrnehmbar. Der Lüfter erhöht seine Drehzahl dabei relativ zügig, sobald die CPU auch nur etwas länger etwas zu tun hat. Das ist jedoch auch ganz einfach dem kleinen Gehäuse geschuldet, was zwingend aktiv belüftet werden muss.

Fazit

Die neuste Intel NUC Generation (Frost Canyon) liefert insgesamt ein positives Bild ab. Das System verfügt über eine solide Ausstattung, die als Sahnehäubchen mit einem Core i7 Sechskernprozessor abgerundet wird – mit mehr Rechenleistung als die meisten Anwender wohl je brauchen werden.

Die Benchmark-Ergebnisse unterstreichen diesen Eindruck. Zwar dürfen von dem Low-Voltage-Prozessor keine Wunder erwartet werden, gemessen an der geringen Leistungsaufnahme bietet die NUC bei gemäßigter Auflösung sogar Potenzial zum Zocken, ohne die Stromrechnung merklich in die Höhe zu treiben.

Der Lüfter ist dabei häufig präsent, aber nicht extrem störend. Aufgrund des kompakten Formfaktors muss jedoch klar sein: Für lange Render-Orgien im Bereich des Videoschnitts gibt es bessere Alternativen.

Preislich liegt die von uns getestete Konfiguration NUC10i7FNH bei etwa knapp 950 USD als RCP (Recommended Customer Price), was definitiv nicht günstig ist. Das Barebone-Kit (ohne RAM, SSD/HDD und OS) gibt es bereits ab 540 Euro. Außerdem bietet Intel noch eine Version mit 16 GB Optane SSD und 8 GB RAM an, die zurzeit knapp 840 Euro kostet.

Wer sich für eine aktuelle NUC entscheidet zahlt ohne Frage auch einen Aufpreis für den ultrakompakten Formfaktor.

PC-Systeme
Allround-PC.com
05/2020
Intel NUC10i7FNH
Empfehlung

Pro

  • Intel Hexacore CPU der 10. Generation
  • gute Ausstattung
  • solid Performance
  • extrem kompakt
  • gute Verarbeitung
  • sehr genügsam

Contra

  • Lüfter unter Last deutlich hörbar
  • Dauerlast führt zu Throttling durch hohe CPU-Temperatur

 

*Das ist ein Affiliate-Link. Mit dem Kauf über diesen Link erhalten wir als Seitenbetreiber eine Verkaufsprovision.


Mit * markierte Links sind Affiliate-Links. Mit dem Kauf über diesen Link erhalten wir als Seitenbetreiber eine Verkaufsprovision, ohne dass du mehr bezahlst. So kannst du Allround-PC supporten.

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.