Der Khadas Mind 2s ist ein extrem kompakter Mini‑PC mit Intel Arrow Lake‑H, 64 GB RAM und einer 2‑TB‑SSD. Über die Mind-Link-Schnittstelle lässt sich das System mit dem Mind-Graphics‑Dock um eine Desktop‑GPU erweitern und nimmt dennoch kaum Platz auf dem Schreibtisch ein. Ob sich die Anschaffung des „Mini-Gaming-PCs“ lohnt, verrate ich euch in diesem Test.
Seit Jahren wächst der Markt für Mini-PCs deutlich. Besonders die zunehmende Verbreitung von Remote-Arbeit und flexiblen Arbeitsplätzen beschleunigt die Mini-PC-Adoption. Dank technischer Fortschritte bieten moderne Mini-PCs inzwischen Leistung auf Desktop-Niveau im kleinen Formfaktor. Neben NUCs sowie Apples Mac mini (Test) kämpfen zahlreiche asiatische Hersteller um Marktanteile.
Der Khadas Mind 2s positioniert sich zwischen Office-Mini-PC, Laptop-Workflow und modularem SFF-Desktop. Neben den beachtlich kompakten Abmessungen ist ein entscheidendes Merkmal die direkte PCIe‑Anbindung eines optionalen eGPU‑Docks.
Host‑seitig ist die Mind Link genannte Schnittstelle beim Mind 2/2s als PCIe 5.0 ×8 ausgelegt, das Dock begrenzt GPU-bedingt effektiv auf PCIe 4.0 ×8. Einen Bandbreiten-Flaschenhals gibt es gegenüber Thunderbolt-4-eGPUs also nicht, doch das Mind-Graphics-Dock lässt sich auch via USB4 mit anderen Geräten betreiben. Somit wird ein Mini-PC wie der Mind 2s kurzerhand gamingtauglich und schwächelt selbst bei anspruchsvollen Titeln in WQHD nicht.

Khadas ist ein kleiner chinesischer Hersteller mit Fokus auf Einplatinenrechner, hat aber in den vergangenen Jahren auch Audioprodukte (DACs) und mit der Mind-Serie ein Mini-PC-Ökosystem im Angebot.
Der Mind-PC adressiert User, die sich ein besonders kleines System (kompakter als ein Laptop) mit möglichst kabelfreier Erweiterbarkeit wünschen – beispielsweise Creator, die schnell zwischen Büro, Studio und Wohnzimmer-Setup wechseln möchten. Auch Technikenthusiasten mit hohem Designanspruch möchte der Hersteller ansprechen. Das Mind-2s-Modell setzt dabei auf aktuelle Hardware und passt dennoch in die Hosentasche. Diesem Ansatz stehen jedoch eine proprietäre Bindung, eingeschränkte Aufrüstbarkeit und ein hoher Gesamtpreis gegenüber.
Ausstattung & Besonderheiten im Überblick
Mind 2s: Intel Core Ultra 7 255H (16C/16T), 64 GB LPDDR5X (8.400 MT/s), 2 TB NVMe‑SSD im M.2‑2230‑Format (WD SN740), zweiter M.2‑2230‑Slot zur Erweiterung, Wi‑Fi 6E/BT 5.3, Rückseite mit 2× Thunderbolt 4, HDMI, 2× USB-A (10 Gbit/s). Stromversorgung via 65‑W‑USB‑C‑Netzteil statt Hohlstecker. Transport im Standby-Modus möglich dank integriertem Akku. Gehäuse: 146 × 105 × 20 mm, 435 g, Aluminium.
Mind Graphics (eGPU‑Dock): Aluminiumgehäuse mit integriertem 300‑W‑GaN‑Netzteil. Leistungsverteilung: bis 165 W an die GPU, bis 85 W USB‑C Power Delivery für externe Geräte (z. B. Laptop), bis 140 W (theoretisch) an den angedockten Mind-PC. GPU: Nvidia GeForce RTX 4060 Ti (8/16 GB). Ports: vorn USB4, SD‑Reader, 3,5‑mm‑Klinke; hinten 2× HDMI 2.1a, 1× DP 1.4a, 3× USB‑A (10 Gb/s), 2.5‑GbE und Unlock‑Taste; seitlich Fingerprint/Mute, Lautstärkewippe, Mikrofon‑Array; Stereo‑Lautsprecher integriert, kleine RGB-Beleuchtung vorn. Als eGPU via USB4 an Fremdgeräten nutzbar. Magnetische Führung für sicheres Andocken; mechanische Verriegelung im Betrieb; Entkoppeln per Taste im Betrieb oder im Standby.
Mind Link: Proprietäre PCIe-Schnittstelle mit bis zu 256 GT/s (PCIe 5.0 x8). Wegen der GPU im Mind Graphics effektiv 128 GT/s (PCIe 4.0 x8). Thunderbolt 4 liefert hingegen nur 32 GT/s (tunnelt PCIe 3.0 x4), was die GPU-Leistung einschränkt. Alternativ zu Mind Graphics gibt es noch ein flaches Mind Dock (ohne GPU). Zu einem späteren Zeitpunkt soll zudem ein 13-Zoll-Tablet-Dock mit Tastatur-Cover namens Mind xPlay folgen (Mind-PC dockt hinten an für den Einsatz als Windows-Tablet-PC).
Design & Verarbeitung: Extrem kompakt, sehr edel
Beide Geräte setzen auf sauber gefrästes, eloxiertes Aluminium. Der Mind 2s erinnert optisch an einen flachen USB-Hub und wirkt entsprechend unauffällig auf dem Schreibtisch. Beim Auspacken in der Redaktion wurde vom Team verblüfft gefragt, ob das kleine Ding wirklich ein PC sei. Mit 146 × 105 × 20 mm sowie 435 g Gewicht ist der Mind 2s selbst für einen Mini-PC überaus klein und leicht. Ich habe schon USB-Hubs gesehen, die größer sind. Der aktuelle Mac mini wirkt dagegen riesig – zumindest bis das GPU-Dock mit dem Mind-PC verbunden wird.
Das Dock bleibt mit rund 2,5 l Volumen kompakt und verzichtet dank integriertem Netzteil auf einen zusätzlichen „Stromklotz“. Die Kühlung des GPU-Docks nutzt Front‑to‑Back‑Airflow mit Kupferlamellen und zwei Lüftern. Im Mini-PC ist hingegen ein kleiner Lüfter verbaut, und ohne das Dock erfolgt die Stromversorgung über ein kompaktes USB-C-Netzteil mit 65 Watt. Mit einer ausreichend starken Powerbank oder an einem modernen Monitor samt entsprechender USB-PD-Leistung lässt sich der PC also ebenfalls betreiben.
Grundsätzlich sind das Design und die Verarbeitung positiv hervorzuheben – alles wirkt edel, bündig und mit Liebe zum Detail designt. Viele Alternativen wirken dagegen weniger schick und nutzen Kunststoffgehäuse. Auch beim Mind Graphics ist beachtlich, wie Khadas es geschafft hat, eine Desktop-GPU, ein 300-Watt-Netzteil und eine Dockingstation auf 199 × 133 × 100 mm und 2,7 kg unterzubringen. Die meisten Grafikkarten-Docks auf dem Markt sind größer, erlauben aber dafür in der Regel den Austausch der Desktop-GPU.
Anschlüsse, Wartung & Aufrüstbarkeit: Minimalismus hat seinen Preis
Am Mini‑PC ist die Portdichte angesichts der Größe solide, ohne Dock aber rasch ausgelastet (TB4/USB4 für Strom/Daten/Monitore, HDMI für Monitore, 2× USB‑A für Peripherie) – leider gibt es eine Klinkenbuchse nur am Dock, nicht am PC. Intern lassen sich SSDs tauschen bzw. erweitern (2× 2230), RAM und WLAN sind fest verlötet. Die Wartung beschränkt sich auf Lüfterreinigung. Der unbelegte SSD-Slot ist leicht über eine kleine Abdeckung an der PC-Unterseite zugänglich, durch das 2230-Format ist die SSD-Auswahl jedoch überwiegend auf Modelle mit QLC-Speicher begrenzt. Unser Speicherprofi Nils hat bereits mehrere dieser 2230-SSDs unter die Lupe genommen und verglichen. Die verbaute WD SN740 (übrigens eins der wenigen 2230-Modelle mit TLC) schaffte in CrystalDiskMark 9 (1 GB) max. 5,26 GB/s lesend und max. 4,76 GB/s schreibend.
Das Dock ergänzt abseits von GPU-Leistung und Stromversorgung sinnvolle I/O für Monitore, externen Massenspeicher, Netzwerk und Audio. Der vordere USB-C-Port am Dock ist allerdings nur für den Betrieb mit anderen PCs nutzbar und nicht als regulärer Front-Port am Mind 2s – schade. Immerhin sind die Klinkenbuchse und der SD-Kartenleser an der Front leicht erreichbar und die integrierten Lautsprecher klingen überraschend gut (2× 10 Watt).
Die GPU im Mind Graphics lässt sich nicht austauschen für ein Upgrade. Aktuell bietet die RTX 4060 Ti (besonders mit 16 statt 8 GB) noch genügend Leistung für WQHD-Gaming in hohen Details, in ein, zwei Jahren könnte sie in neuen Spielen aber schon an ihre Grenzen stoßen. Eine stärkere GPU hätte Khadas aber auf 2,5 l Volumen wohl kaum verbauen können, aufgrund der Netzteil-Limitierung und Kühlung. Via Thunderbolt 4 sind auch andere eGPU-Docks mit dem Mind 2s kompatibel, für die Mind-Link-Schnittstelle gibt es aber eben nur das Mind Graphics mit der Mitte 2023 erschienenen RTX 4060 Ti und eine leistungsstärkere Version ist derzeit nicht in Aussicht.
Praxis & Leistung
Der Intel Core Ultra 7 255H ist eine aktuelle Oberklasse-CPU für Notebooks und kaum schwächer als das Topmodell der Serie Arrow-Lake-H. Mit sechs Performance-Kernen, acht Effizienzkernen und zwei Low-Power-Kernen bietet der Prozessor 16 Threads. Die Compute-Einheit wird im modernen Drei-Nanometer-Verfahren bei TSMC gefertigt. Der Chip ist für eine Leistungsaufnahme von 28 bis 115 Watt ausgelegt, mehr als 65 Watt knackt er im Mind 2s jedoch nicht.
Er liefert – unterstützt von 64 GB(!) schnellem LPDDR5X-RAM – ein agiles Systemverhalten im Alltag. Office, Web, Fotobearbeitung und Videokomprimierung laufen einwandfrei. Ich habe im Testzeitraum auch Notebooks mit dem Core Ultra 9 285H und Core Ultra 9 275HX genutzt. Diese Chips sind auf dem Papier noch schneller, doch ohne Benchmarkwerte bemerkt man das absolut nicht.
Ebenfalls die integrierte Arc-140T‑Grafikeinheit reicht für den Web- und Office-Gebrauch vollkommen aus, in Creator‑Workflows und bei Gaming bleibt sie hingegen hinter starken AMD‑iGPUs zurück. Die NPU ersetzt mit maximal 13 TOPS KI-Leistung keine CUDA‑GPU für große KI-Modelle und Windows bietet auf Desktops sowieso noch keine lokalen KI-Features wie bei Copilot+ PCs (Notebooks mit min. 40 TOPS KI-Leistung).
Bevor jetzt hier gleich die Benchmark-Diagramme folgen, noch ein paar Worte zur Leistung. Im Feld der Mobile-CPUs steht der verbaute Intel-Chip sehr gut dar, besonders hinsichtlich Single-Core-Leistung. Die Multi-Core-Leistung zählt ebenfalls zur Spitzenklasse, wird aber vom AMD-Konkurrenten Ryzen AI 9 HX 370 leicht überboten. Generell liefert jedoch selbst ein knapp zwei Jahre alter Desktop-Prozessor wie der Core i5-14600K (Test) oft mehr Leistung aufgrund der höheren Power-Limits. Für Gaming ist dies nicht sonderlich relevant, denn der 255H im Mind-PC performt gut genug – für die Bildrate ist in den meisten Gaming-Szenarien ohnehin die GPU ausschlaggebend.
Ich habe den Mind 2s mehrere Wochen daheim im Alltag getestet und nicht im Test-Lab der Redaktion, weshalb nachfolgend auf zahlreiche Vergleichswerte anderer Systeme verzichtet wurde. Wer sich für die synthetischen Tests mehr Einordnung wünscht, sollte in der Leistungsrubrik des Arrow-Lake-Tests (Desktop-CPUs) bzw. des Snapdragon-X-Elite-Tests (Notebook-CPUs) stöbern. Aus dem Test des Gaming-Mini-PCs Asus ROG NUC 970 (Core Ultra 9 185H, RTX 4070 Laptop) ließen sich aber ein paar Werte zur Einordnung heranziehen.
Verwendete Benchmarks & Einstellungen
- Geekbench 6
- 3DMark Time Spy
- 3DMark Speed Way
- 3DMark Port Royal
- 3DMark Steel Nomad / Steel Nomad Light
- 3DMark Wild Life Extreme
- Cinebench R23 / Cinebench 2024
- Shadow of the Tomb Raider: Höchstes Preset, DX12, kein Upsampling
- Cyberpunk 2077: Ultra-Raytracing-Preset, DLSS 4 Performance, kein FG
- Forza Motorsport: Ultra, RTAO, kein Raytracing, kein Upsampling
- Assassin’s Creed Mirage: Extrem hoch, adaptive Qualität aus, TAA
- System: Windows 11 Home 24H2, Performance-Preset, Nvidia-Treiber 577.00, Gaming-Tests in 1.920 × 1.080, 2.560 × 1.440, 3.440 × 1.440
Null-Werte in den folgenden Diagrammen bedeuten, dass ein System nicht im entsprechenden Benchmark getestet wurde oder dies nicht sinnvoll wäre.
In Benchmarks kann sich der Khadas Mind 2s gegen den vergleichbaren (und ebenfalls sehr teuren) ROG NUC 970 aus 2024 behaupten, lediglich im Multi-Core-Test von Cinebench liegt der Asus-PC vorn. Das liegt daran, dass der verbaute Meteor-Lake-Chip noch Hyperthreading bietet, während dies bei der neueren Arrow-Lake-Serie im Mind 2s gestrichen wurde – trotz gleicher Kernzahl (6+8+2) überbieten entsprechend die 22 Threads des ROG NUC die 16 Threads des Mind-PCs. Die kürzlich gestartete 2025-Version des ROG NUC stand mir zum Testzeitpunkt leider nicht zur Verfügung.
Ohne Dock hilft der Akku bei Dauerlast
Außerdem zeigen die Ergebnisse, dass der Mind 2s ohne das Mind-Graphics-Dock nicht nur weniger GPU-Leistung in 3DMark bietet (naheliegend), sondern auch etwas weniger CPU-Leistung liefert. Die Messdaten suggerieren, dass der PC im Einzelbetrieb (also ohne Dock) das CPU-Power-Limit etwas strenger limitiert, da das 65-Watt-Netzteil an seine Grenzen stößt.
Kurze Leistungsspitzen werden vom verbauten Akku ausgeglichen, was sich nach mehreren aufeinanderfolgenden Stresstests sichtlich an der verbleibenden Akkuladung in der Taskleiste bemerkbar macht – zumindest für ein paar Minuten. In Kombination mit Mind Graphics ist mehr Spielraum bei der Stromversorgung (300-W-Netzteil), weshalb sich die CPU dann unter Last ein paar Watt mehr genehmigt. Das ist in der Praxis nicht spürbar, sorgt aber mit Dock eben für den leichten Leistungsvorsprung in CPU-Benchmarks.
Die Existenz des Akkus erschließt sich mir dadurch etwas mehr als das Mobilitätsargument. Denn wer regelmäßig mit seinem PC den Arbeitsplatz wechselt und ihn dabei nicht herunterfahren möchte, sollte lieber direkt ein Notebook nehmen. Die „bis zu 25 Stunden Standby-Zeit“ durch den kleinen 5,55-Wh-Akku wirken auf mich ohnehin nach einem Gimmick, das kaum jemand nutzen wird.
Zumal der Standby-Modus in meinem Fall mit dem gekoppelten Dock sowieso ziemlich unzuverlässig war. Oft ging der PC gar nicht richtig in den Ruhemodus (Lüfter blieb an) oder ich musste nach dem Entkoppeln des Docks trotzdem wie nach einem Neustart alle Programme neu öffnen. Im Standalone-Betrieb gab es hingegen keine Probleme. Ich tippe diesbezüglich auf eine Kombination aus Windows-Bug und mangelndem Finetuning seitens Khadas – der Mind 2s hat BIOS 1.0 (!), Mind Graphics hat Firmware 1.01.
Mind Graphics im Check
Die Nvidia GeForce RTX 4060 Ti im Mind Graphics arbeitet am Mind 2s genau wie klassisch im Desktop über PCIe 4.0 ×8 – der Hauptvorteil gegenüber Thunderbolt-4‑eGPUs. In der Praxis spielt die Grafikkarte im Mind-System also ihre volle Leistung aus; der Unterschied zu Thunderbolt‑eGPUs hängt u. a. vom Szenario und CPU‑Limit ab. Gaming in Full-HD und WQHD mit hohen Presets ist einwandfrei möglich – UHD-Gaming geht nur mit Einschränkungen oder mit DLSS-4-Upscaling. Für Creator‑Workflows (DaVinci/Adobe/Blender) ist die CUDA‑Beschleunigung ein zentraler Vorteil; VR-Gaming wird erst mit dem Dock überhaupt möglich am Mind 2s.
I/O‑Mehrwert & Universalität: Das Dock ersetzt eine klassische Docking‑Station (2,5G-LAN, SD-Kartenleser, Audio, USB & Video‑Ports) und liefert bis 85 W PD an Laptops. Als TB‑eGPU ist es geräteübergreifend einsetzbar – mit Bandbreiten‑Overhead und entsprechend niedrigerer Leistung als via Mind Link.
VRAM‑Frage: Die 8‑GB‑Variante stößt in aktuellen Titeln schneller an Grenzen. 16 GB sind die robustere Wahl – gerade für speicherhungrige Anwendungen und Modelle. Selbst in Full-HD fordern einige moderne Spiele auf Ultra-Einstellungen schon über 8 GB VRAM. Für WQHD-Gaming sollten mittlerweile mindestens 12 GB VRAM vorhanden sein, sonst ist zuweilen mit starken Performance-Einbußen und Mikrorucklern zu rechnen.
Gaming-Eindrücke
Ich habe im Testzeitraum zahlreiche moderne Spiele auf dem Mind-System gespielt, meist mit sehr hohen oder gar höchsten Einstellungen. Da Upscaling dank DLSS 4 mittlerweile kaum von nativer Zielauflösung unterscheidbar ist, lässt sich die Bildrate ohne Nachteil weiter steigern. Dies hat bei mir den entscheidenden FPS-Vorteil gebracht, wenn der PC am 4K-Fernseher eingesetzt wurde.
Wenn die Bildrate dann trotzdem nicht ganz die 60-FPS-Marke knackt, sorgt zuweilen auch Frame-Gen (KI-Zwischenbildgenerierung) für Abhilfe. So lief etwa Stellar Blade auf höchsten Einstellungen mit DLSS & Frame Gen auch am 4K-TV mit durchschnittlich circa 80 FPS. Ebenso Death Stranding und Assassin’s Creed Mirage schaffte der Mind 2s mittels DLSS in diesem FPS-Bereich am Fernseher. An meinem Ultrawide-Monitor genügt die Leistung in der Regel auch ohne den Einsatz dieser „FPS-Tricks“, etwa die Battlefield-6-Beta meisterte der PC auf höchster Detailstufe in UWQHD problemlos.
Letztlich bleibt die RTX 4060 Ti dennoch eine langsam alt werdende Mittelklasse-Grafikkarte und die neuen AAA-Spiele werden (mangels Optimierung) immer anspruchsvoller. Für meine Verhältnisse ist mit der 16-GB-Variante dank DLSS und Frame-Gen trotzdem ausreichend Gaming-Leistung vorhanden. Laut Steam (Juli 2025) spielen die meisten PC-Gamer weiterhin noch in Full-HD (54,37 %) sowie WQHD (19,98 %) und da fühlt sich die RTX 4060 Ti auch wohl.
Kühlung & Stromverbrauch
Der Mind 2s ist im Betrieb oftmals hörbar und unter Last ohne Kopfhörer sogar auffällig laut. Etwas anderes war von einem kleinen Mobile-Lüfter nicht zu erwarten, der die warme Abluft über einen schmalen Schlitz an der linken Gehäuseseite abführt. Bei niedriger Drehzahl und genauem Hinhören macht sich zudem ein leichtes Lüfterrattern bemerkbar.
Im Office-Betrieb empfiehlt sich in der Mind-Software der Modus „Balanced“ oder „Power-saving“ für eine ruhigere Geräuschkulisse, während für Gaming zugunsten der Leistung der Modus „Performance“ zur Auswahl steht. Ich hätte mir etwas Optimierung bei der Lüfterkurve gewünscht oder gar eine benutzerdefinierte Drehzahlsteuerung. Überrascht war ich von den Lüftergeräuschen angesichts der 16-Kern-CPU im 2-Zentimeter-Gehäuse jedoch nicht.
Das Mind Graphics bleibt wiederum im Desktop-Betrieb relativ unauffällig und dreht erst bei GPU-Last hörbar auf. Zudem erwärmt sich das Gehäuse spürbar, doch es verteilt die Wärme gleichmäßig. Erst unter Last wird die Oberseite des Mind 2s wirklich heiß und es kommt zur thermischen CPU-Drosselung, das Dock hält die GPU beim Spielen im normalen Temperaturbereich. Ebenfalls aus Sofadistanz bleibt der Lüfterton präsent, aber in der Regel unaufdringlich – Spielekonsolen sind meist nicht leiser.
Die folgenden Messungen zeigen die Leistungsaufnahme und Temperatur von CPU (oberes Bild) und GPU (unteres Bild) in Stresstests. Die rote Linie ist ein Extremszenario (Cinebench + FurMark), die grüne Linie bildet eine Gaming-Last ab (Steel Nomad, WQHD), jeweils für rund zehn Minuten bei 25 Grad Raumtemperatur. Die blaue Linie ist der Extremtest ohne Mind Graphics.


Der Mini‑PC profitiert vom effizienten Arrow-Lake-Prozessor und zeigt im Leerlauf niedrige Leistungsaufnahmen von knapp zehn Watt. Unter Last verbraucht der Mind 2s durchschnittlich rund 50 Watt und maximal 69 Watt. Mit dem Mind-Graphics-Dock habe ich im Gaming-Lastszenario maximal 212 Watt an der Steckdose gemessen, unter Extremlast genehmigte sich das System kurzzeitig sogar 273 Watt. Die GPU bleibt unter Last stets bei 165 Watt und somit exakt am TDP-Limit von Nvidia.
Vergleich & Alternativen
Einzeln betrachtet hat der Mind 2s viel Konkurrenz auf dem Mini-PC-Markt. Die derzeit beliebteste Alternative ist wohl der Apple Mac mini (M4). Natürlich fällt die Speicherausstattung zu dem Preis spärlich aus (16 + 256 GB), doch ansonsten deckt der Mac mini moderne Office-Bedürfnisse sehr gut ab. Der M4-Chip reicht dem 255H bei Multi-Core-Tests nicht das Wasser, dafür aber in so ziemlich allen anderen Aspekten.
Ein Windows-Konkurrent des Mind 2s ist beispielsweise der Minisforum AI X1 Pro mit Ryzen AI 9 HX 370 und mehr Anschlussvielfalt ab 1.000 € (32 GB + 1 TB) – der Formfaktor ist jedoch größer (1,8 l). Für rund 849 € gibt es stattdessen noch einen Geekom GT1 Mega (Ultra 9 185 H, 32 GB + 2 TB). Rein für Webbrowsing und Microsoft Office genügt vermutlich auch schon ein generischer Lenovo ThinkCentre mit AMD Ryzen um die 500 €.
Schwieriger wird es mit Blick auf die Mind-Graphics-Kombination, also Gaming-Mini-PCs. Alle mir bekannten Optionen setzen in der Größenordnung des Khadas-Systems auf Mobile-GPUs wie bei Gaming-Notebooks. Mit Desktop-GPU auf Niveau einer 4060 Ti oder besser ist man schnell bei SFF-PCs mit mindestens 8,5 l Volumen angelangt, die ich persönlich nicht mehr als Mini-PC betiteln würde. Dann gibt es seit kurzer Zeit zusätzlich noch Exoten mit AMD Strix Halo (offiziell: Ryzen AI Max+ Pro 395) wie den HP Z2 Mini G1a, die leider extrem kostspielig sind (HP ~3.000 €).
Ob nun Asus ROG NUC 15, Zotac ZBOX Magnus, Lenovo ThinkCentre neo Ultra oder eines der zahlreichen Modelle von Geekom, Minisforum & Co. – die Auswahl ist extrem groß, wenn man keine konkrete Vorauswahl trifft. Möchte ich nur einen kleinen Office-Würfel? Möchte ich auch spielen und wenn ja, wie? Mit Desktop- oder Mobile-GPU? Als Komplett-System oder mit eGPU-Dock? Wie groß soll bzw. darf der Rechner sein? Damit solltet ihr euch vor der PC-Suche unbedingt auseinandersetzen.
Fakt ist: Je nischiger die gewünschte Kombination, desto teurer wird es. Für die meisten Gaming-Mini-PCs, die mit dem Mind-Duo vergleichbar sind, wird man schnell über 2.000 € los. Dafür gibt es auch gleichwertige Gaming-Notebooks, welche mehr Mobilität bieten, oder eben große Desktop-PCs mit weitaus mehr Leistung. Lösungen mit eGPUs leiden wiederum (egal ob mit Thunderbolt oder OCuLink) unter dem Bandbreiten-Flaschenhals. Ich finde, Khadas platziert sich mit dem Mind-System sehr gut in einer speziellen Nische, die Performance, Kompaktheit und schönes Design vereint. Das Mind-Graphics-Dock macht den Mind-PC in meinen Augen aber erst richtig spannend.
Für wen geeignet: Platzsparende Creator, Gamer mit unauffälligem Wohnzimmer‑Setup und technikaffine Pendler, die täglich die GPU-Dock‑Power nutzen und Wert auf ein aufgeräumtes Setup legen.
Weniger geeignet für: Preis/Leistungs‑Jäger, PC-Upgrader, 4K‑Gamer mit hohen Ansprüchen, normale Office-Nutzer.
Preis & Verfügbarkeit
Der Mind 2s kostet in Deutschland bei Amazon derzeit 1.799 €, das Mind‑Graphics‑Dock (8/16 GB) je nach Variante rund 905 € bzw. 1.299 €. Die Preise im offiziellen Khadas-Webshop sind allerdings teils deutlich niedriger. Dort werden für den Mind 2s rund 1.369 € und für Mind Graphics ~855 € bzw. ~1.026 € fällig. Die getestete Konfiguration kostet also beim Hersteller direkt knapp 2.400 €, während es bei Amazon fast 3.100 € sind. Khadas hat uns zwar Amazon-Rabattcodes für den Mind 2s und den nahezu identischen Vorgänger Mind 2 bereitgestellt (100 € Rabatt), trotzdem empfiehlt sich der Kauf direkt beim Hersteller. Je nach Markt/Promo variieren also die Konditionen, die grundsätzliche Preis‑Leistungs‑Problematik bleibt bestehen. Der Mind 2 (ohne „s“) setzt auf die Vorjahresgeneration Meteor Lake-H.
- Mind 2s (255H, 64 GB + 2 TB): 1.699 € statt 1.799 € mit Code SVURZP72
- Mind 2 (155H, 64 GB + 2 TB): 1.341 € statt 1.490 € mit Code RFZU4325
- Mind 2 (155H, 32 GB + 1 TB): 1.070 € statt 1.170 € mit Code F5DIBI44
- Mind 2 (125H, 16 GB + 512 GB): 750 € statt 850 € mit Code WRF473XD
Fazit
Khadas liefert ein technisch schlüssiges Duo: Mind Link umgeht den Bandbreiten‑Flaschenhals, das Dock ist kompakt und liefert neben GPU-Leistung zusätzliche Ports, der stark ausgestattete Mini‑PC läuft effizient und im Alltag sehr reaktionsschnell. Die saubere, kompakte Optik ist beim regelmäßigen Wechsel zwischen Arbeitsplatz und TV-Setup von Vorteil. Auch das Design ist positiv hervorzuheben – das Mind-System sieht durchdacht und nicht nach Einheitsbrei aus. Technisch ist das Gesamtpaket definitiv besonders.
Aus Sicht des Preis‑Leistungs‑Verhältnisses bleibt das Setup eine Nischenempfehlung: RAM/WLAN verlötet, GPU im Dock nicht tauschbar, proprietäres Ökosystem, begrenzte Portdichte am Mini‑PC ohne Dock – und ein hoher Gesamtpreis. Wer genau dieses minimalistische Konzept sucht und den Aufpreis sowie die Mankos akzeptiert, erhält ein elegantes, stressarmes Setup. Für viele Gamer auf der Suche nach einer kompakten Lösung stellen SFF‑Desktops oder Gaming-Notebooks jedoch die vernünftigere Alternative dar.
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