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Noctua NL-LC1-36 im Test: Der neue König der Silent-Wasserkühlungen?

Neuer Temperatur-Bestwert!
noctua nl lc1 verbaut

Schlicht, funktional und im ikonischen Braunton: Mit der NL-LC1-36 wagt Noctua den lang erwarteten Einstieg in das Segment der All-in-One-Wasserkühlungen. Die Kompaktwasserkühlung verzichtet bewusst auf moderne Spielereien wie ARGB-Beleuchtung oder Displays und setzt stattdessen auf eine schallgedämmte Asetek-Pumpe sowie optimierte NF-A12x25-G2-Lüfter. Ob das leistungsorientierte System die Konkurrenz in puncto Kühlleistung und Lautstärke hinter sich lassen kann, klärt unser Praxistest.

Es hat ein wenig gedauert, doch jetzt bringt Noctua endlich seinen ersten Wasserkühler auf den Markt. Nachdem Prototypen der Kühllösung schon seit Jahren auf Messen zu sehen waren, startet die Noctua NL-LC1 nun endlich in den Handel: Los geht es ab 219,90 Euro mit 240 mm, das Modell mit 360-mm-Radiator liegt bei 249,90 Euro, für das Monster mit 420 mm müsst ihr 279,90 Euro hinlegen (UVPs).

Zum Lieferumfang gehören eine Tube Wärmeleitpaste samt Aufbringhilfe, ein Reinigungstuch, ein passender Schraubendreher (der ist auch nötig zur Montage, mehr gleich) sowie eine Anleitung. Auch ein Emblem-Sticker ist mit im Paket, den könnt ihr euch zum Beispiel aufs Case packen.

Unser Testfazit zur Noctua NL-LC1-36:

noctua ln lc1

Design: Noctua-typisch in Braun und ohne RGB

Die Noctua NL-LC1-36 fällt für eine moderne AiO-Wasserkühlung ungewohnt schlicht aus. Keine auffälligen Designelemente, keine Displays, keine ARGB-Beleuchtung und absolut kein Schnickschnack. Einzig auffällig sind das braune Design der Lüfter und das eher „besondere“ Design des Pumpengehäuses.

Das NL-NA1 – selbst das Gehäuse bekommt hier einen eigenen Namen – wirkt eher wuchtig und besteht vollständig aus schwarzem Kunststoff. Die eher langweilige Optik wird zumindest durch ein magnetisches Logo aufgelockert, auf dem die Noctua-Eule thront. Einen Schönheitswettbewerb würde die Wasserkühlung aus meiner Sicht zwar nicht gewinnen, Geschmäcker sind aber bekanntlich verschieden.

Technik: Pumpe von Asetek wird in Akustikschaum gepackt

Unter dem eher unscheinbaren Kunststoffgehäuse versteckt sich die Pumpe. Noctua setzt hier nicht auf eine Eigenentwicklung, sondern auf eine Asetek-Pumpe von der Stange. Explizit kommt eine Asetek Emma V2 zum Einsatz, die wir unter anderem von der Asus ROG Ryujin III (Test) kennen. Die NL-LC1 geht jedoch einen Schritt weiter und packt die Pumpe in ein schallgedämmtes Gehäuse.

noctua nl lc1 pumpengehäuse geöffnet

Das NL-NA1 soll Geräusche durch drei Schichten abfangen. Die erste Schicht aus Akustikschaum soll hochfrequente Schallwellen absorbieren, während eine dichte Barriere gegen tiefe Frequenzen wirkt. Eine weitere Schaumstoffschicht dürfte verbleibende Geräusche auffangen, während Silikonaufhängungen zur Reduzierung von Vibrationen beitragen.

Pumpengeschwindigkeit kann an der Pumpe geregelt werden

Ebenfalls besonders: Unter den Schläuchen lässt sich ein Schiebeschalter finden, mit dem sich die Pumpengeschwindigkeit anpassen lässt. Standardmäßig läuft sie im Quiet-Modus, in dem die Pumpe mit 750 bis 2.100 RPM arbeitet. Daneben stehen Modi mit bis zu 2.600 RPM und 3.400 RPM zur Auswahl.

noctua l lc1 radiator

Die Pumpe ist über 410 Millimeter lange, ummantelte Schläuche mit dem Radiator verbunden. Dieser ist 400 x 120 x 30 Millimeter groß und damit etwas dicker als üblich – eine Arctic Liquid Freezer III Pro spielt mit 38 Millimetern aber in einer nochmals anderen Klasse.

Lüfter: Noctua NF-A12x25 G2 sorgen für ordentlich Wind

Auf dem Radiator sitzen drei 120-Millimeter-Lüfter, ganz konkret die hauseigenen Noctua NF-A12x25 G2 PWM mit bis zu 1.800 Umdrehungen pro Minute. Im Vergleich zum Vorgänger NF-A12x25 wurde der bekannte Rundrahmen beibehalten, der Laufradspalt konnte jedoch auf 0,7 Millimeter reduziert werden.

Dazu kommen weitere Optimierungen wie verbesserte Rotorblätter sowie eine SupraTorque-Funktion für konstante Drehzahlen. Die integrierten Anti-Vibrations-Dichtlippen sollen wiederum für eine optimierte Abdichtung am Radiator sorgen und gleichzeitig einer störenden Vibrationsübertragung entgegenwirken.

Bei der Montage der Lüfter spielt die genaue Platzierung eine entscheidende Rolle. Noctua legt spezifische PPA- und PPB-Ausführungen bei, welche sich in ihrer maximalen Drehzahl geringfügig unterscheiden. So soll die etwas schnellere PPB-Variante in der Mitte positioniert werden, während die langsameren PPA-Modelle die äußeren Plätze einnehmen, um ungewollte akustische Nebeneffekte zu minimieren. Ein rückseitiger Sticker gibt Aufschluss über den jeweiligen Lüftertyp.

Optionaler VRM-Lüfter kühlt den Sockel-Bereich

Optional lässt sich die NL-LC1-36 mit einem VRM-Lüfter ausstatten, welcher magnetisch am Pumpengehäuse befestigt wird. Beim NL-ACF1 handelt es sich um einen vergleichsweise großen VRM-Lüfter mit 80 Millimeter Durchmesser, der mit maximal 2.200 RPM drehen darf und per PWM-Kabel angeschlossen wird. Im Paket inkludiert ist der Lüfter leider nicht – er kostet knapp 20 Euro.

Montage

Der Noctua NL-LC1-36 ist mit den Sockeln AM5, AM4, LGA 1851 und 1700 kompatibel. Der Hersteller setzt in allen Fällen auf ein relativ ähnliches Montagesystem, bei dem der Kühler auf zwei Montagebrücken montiert wird. Das Intel-Montagesystem hat jedoch eine Besonderheit, denn es bietet ebenfalls die Möglichkeit, den Kühler mit einem Offset von 3,7 Millimetern zu montieren.

Gedacht ist das Feature für LGA-1851-CPUs mit mehr als 20 Kernen. In der Anleitung lassen sich mehrere Einbau-Empfehlungen finden, welche eine ideale Kühlleistung ermöglichen sollen. Zur Montage gibt es zudem eine Videoanleitung:

Leider ohne vorinstallierte Lüfter

Die Montage ist zwar einfach und schnell erledigt, persönlich hätte ich mir in diesem Preisbereich allerdings einige Komfortfunktionen gewünscht. So fehlen mir etwa die vorinstallierten Lüfter oder gar eine Daisy-Chain-Funktion für die Lüfter. Stattdessen müssen die Lüfter selbst installiert und verkabelt werden, wobei Noctua hierfür ein Splitter-Kabel und ein PWM-Verlängerungskabel beilegt.

Zudem nutzt Noctua für alle Montageschritte Torx-Schrauben statt klassischen Kreuzschlitzschrauben – ein passender Torx-Schraubendreher im Noctua-Design liegt der Packung zumindest bei.

Etwas kritisch sehe ich noch die eher hohen Radiatorschrauben, die je nach Gehäuse mit dem Deckel bzw. dessen Abdeckung in Kontakt kommen könnten. Das dürfte zwar nur in seltenen Fällen auftreten, aus meiner Sicht wären Senkkopfschrauben bzw. flachere Schraubköpfe aber besser gewesen.

Temperaturen & Lautstärke

Um eine möglichst große Vergleichbarkeit zu ermöglichen, wird die Raumtemperatur während des Tests über eine Klimaanlage bei 21 °C gehalten. Nach einer rund 20-minütigen Aufwärmphase startet die eigentliche Belastungsprobe. Hierfür wird die CPU mittels Prime95 (Small FFT-Test) unter Last gesetzt.

Anschließend werden die Temperaturen in einem Zeitraum von 30 Minuten bei fixierten 1.000 RPM Lüfterdrehzahl und maximaler Lüfterdrehzahl gemessen. Letztlich wird dann der Median aus den Werten gebildet. Abschließend wird der jeweilige Maximalwert ausgewertet. Zum Auslesen der Temperaturwerte verwendeten wir HWInfo.

Reicht es für die Top-Platzierung?

Die große Frage lautet: Kann der König der Luftkühlungen auch mit der ersten Wasserkühlung überzeugen? Tatsächlich liefert die Noctua NL-LC1-36 erstaunlich gute Werte ab und platziert sich in unserem Testparcours mit an der Spitze. Bei 1.000 RPM heizt sich die CPU auf gerade einmal 61 Grad auf, was einem neuen Bestwert entspricht.

Bei voller Drehzahl reicht es nicht ganz für die Top-Platzierung, doch mit 57 °C schafft es die Noctua-Wasserkühlung zumindest unter die Top 3. In diesem Szenario machen sich die „schwachen“ Lüfter bemerkbar – andere Wasserkühlungen sind hier nun mal mit schnelleren Lüftern unterwegs.

Der geringere Topspeed bringt allerdings einen Vorteil mit sich: Selbst bei 1.800 RPM arbeiten die Noctua NF-A12x25 G2 noch ziemlich leise. In einem geschlossenen Gehäuse dürfte die Wasserkühlung quasi nicht hörbar sein. Bei 1.000 U/min ist der G2 nahezu unhörbar, womit er sich perfekt für Silent-Builds eignet.

Die Pumpe solltet ihr für den Betrieb wiederum im standardmäßig eingestellten Quiet-Modus belassen. Trotz geringer PWM-Leistung arbeitet die Pumpe im leisen Betrieb äußerst stark und ermöglicht Top-Temperaturen. Die zusätzliche Leistung fällt in den höheren Stufen eher gering aus, bei gleichzeitig höherer Lautstärke.

Fazit zur Noctua NL-LC1

Mit der Noctua NL-LC1 beweist Noctua, dass sie nicht nur gute Luftkühler bauen können. Dank der optimierten NF-A12x25-G2-Lüfter und einer speziell schallgedämmten Pumpeneinheit arbeitet das System laut den Testergebnissen selbst unter Volllast äußerst leise. Auch die erreichten Temperaturen sind Spitze, womit die NL-LC1 zur neuen Referenz wird.

Abstriche müssen Anwender hingegen beim Montagekomfort machen, da zeitgemäße Funktionen wie eine komfortable Daisy-Chain-Verkabelung oder bereits vorab montierte Lüfter fehlen. Zudem dürfte das wuchtige, braun-schwarze Design ohne visuelle Show-Elemente die Gemüter geschmacklich spalten.

Der größte Kritikpunkt ist jedoch der Preis: Knapp 250 Euro möchte Noctua für die Silent-Wasserkühlung haben, womit sie zu den teuersten AiO-Kühlern (ohne Schnickschnack wie Displays etc) zählt. Wer allerdings eine rein leistungsorientierte und kompromisslos leise Kühllösung sucht, dürfte mit der Noctua-Kühlung gut bedient sein.

Kühlung
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Arian Krasniqi Profilbild Arian Krasniqi Redakteur

Seit 2021 schreibt er News und Artikel für Allround-PC und beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit verschiedenen Hardware-Komponenten. Bei APC ist er unter anderem Experte für Gehäuse, Luft- und Wasserkühlungen, bringt aber auch Expertise für CPUs und GPUs mit.

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