Die neue MAX-Serie von Asus bringt moderne Technik für Ryzen-CPUs zum Mittelklasse-Preis. Wir haben das X870 MAX Gaming WIFI7 W ausprobiert und zeigen euch, wie sich das ATX-Mainboard im Portfolio positioniert und ob sich ein Kauf für euch lohnen könnte.
Mit dem X870 MAX Gaming WIFI7 bietet Asus seit April eine neue Mainboardreihe für den Sockel AM5, die sich preislich zwischen der Prime- und der TUF-Gaming-Serie einordnet. Zum Zeitpunkt des Tests wird das Board in Weiß für knapp 300 Euro gelistet und in Schwarz für 270 Euro. Dafür bietet es moderne Schnittstellen wie USB4, PCIe 5.0 und Wi-Fi 7.
Der Funktionsumfang erinnert stark an das Prime X870-P WiFi (~250 Euro), bietet aber leicht verbesserte VRMs, mehr Lüfteranschlüsse und ein moderneres Design. Im Vergleich zur TUF-Serie fehlen hingegen ein hochwertigerer Audiochip sowie kleinere Komfortfeatures wie Debug-LEDs. Ein leicht besser ausgestattetes TUF-Modell ist etwa das TUF Gaming X870-Plus WIFI für rund 290 Euro. Jenes hat neben einem besseren Audiochip eine größere Anschlussvielfalt, eine bessere CPU-Stromversorgung und einen zusätzlichen M.2-Slot für SSDs.
Der Lieferumfang des MAX-Mainboards fällt spartanisch aus: Abseits der Platine liegen im Karton eine WLAN-Antenne, je zwei M.2-Schrauben und -Standoffs, zwei SATA-Kabel und etwas Papierkram – nicht mal ein Treiber-Stick ist enthalten.
Design & Verarbeitung
Das PCB des X870 MAX ist in einem schlichten Grauton gehalten. Die weiße Version (W) richtet sich besonders an Nutzer, die ein helles System mit Showeffekt aufbauen möchten. Eine RGB-Beleuchtung ist nicht integriert, stattdessen gibt es mehrere ARGB-Header für beleuchtete Komponenten.
Die Verarbeitung ist solide: Zwei separate Kühlkörper bedecken die Spannungsversorgung, der Chipsatz und der USB4-Controller erhalten eigene passive Kühler. Die Befestigung erfolgt mit Schrauben und wärmeleitenden Pads. Alle VRMs setzen auf 80A-SIC629-MOSFETs. Der PCIe-Hauptslot besitzt einen Entriegelungshebel (Q-Release), der den Ausbau der Grafikkarte erleichtert.
X870-Chipsatz
Der X870-Chipsatz bildet die Mittelklasse im AM5-Ökosystem und positioniert sich unterhalb des X870E. Technisch basiert er weitgehend auf dem bekannten B650E, bietet aber in der Standardausstattung moderne Schnittstellen wie USB4 und Wi-Fi 7. Letzteres wird stets über separate Zusatzchips wie den ASMedia-USB4-Controller oder ein Realtek-WLAN-Modul realisiert. Anders als beim teureren X870E fehlt jedoch die erweiterte PCIe-Konnektivität direkt über den Chipsatz.
Letztlich handelt es sich beim X870 um einen Kompromiss: Wer kein PCIe 5.0 für mehrere SSDs oder GPUs braucht, erhält hier ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. In manchen Fällen bieten allerdings sogar ältere X670(E)-Platinen eine umfangreichere Ausstattung – sofern man auf USB4 und Wi-Fi 7 verzichten kann.
| Chipsatz | X870E | X670E | X870 | X670 | B650E |
|---|---|---|---|---|---|
| PCIe Gesamt | 44 | 44 | 36 | 44 | 36 |
| PCIe 5.0 (max) | 24 | 24 | 24 | 8 | 24 |
| PCIe 4.0 (max) | 12 | 12 | 8 | 28 | 8 |
| PCIe 3.0 (max) | 8 | 8 | 4 | 8 | 4 |
| USB 4 | Ja | optional | Ja | optional | optional |
| USB 20 Gbit/s (max) | 2 | 2 | 1 | 2 | 1 |
| USB 10 Gbit/s (max) | 12 | 12 | 6 | 12 | 6 |
| USB 5 Gbit/s (max) | 2 | 2 | 1 | 2 | 1 |
| SATA | 8 | 8 | 4 | 8 | 4 |
| CPU-Overclocking | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja |
| DDR5-Overclocking | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja |
Spannungsversorgung & RAM
Das VRM-Design ist mit 12+2+1-Phasen für den Betrieb moderner Ryzen-CPUs gut gerüstet. Selbst ein Ryzen 9 9950X dürfte problemlos auf 5,7 GHz boosten, ohne dass die Spannungsversorgung kritisch wird. Zwei EPS12V-Anschlüsse sorgen für eine stabile Stromzufuhr.
Die vier DDR5-Slots unterstützen bis zu 256 GB RAM, laut Asus sollen Taktraten bis DDR5-8000 (OC) möglich sein. Das Board erkennt EXPO-Profile zuverlässig und erlaubt auch manuelle Feinjustierung im UEFI.
Erweiterungsslots & Speicher
Für eine Grafikkarte und eine M.2-SSD unterstützt das Mainboard den aktuellen PCIe-5.0-Standard.
- 1x PCIe 5.0 x16 (CPU)
- 2x PCIe 4.0 x1 (Chipsatz)
- 1x PCIe 3.0 x1 (Chipsatz)
- 1x M.2 PCIe 5.0 x4 (CPU)
- 2x M.2 PCIe 4.0 x4 (Chipsatz)
- 4x SATA 6 Gbit/s
Wichtig: M.2_2 teilt sich Lanes mit USB4. Ist ein Laufwerk dort installiert, werden die USB4-Ports deaktiviert und umgekehrt. Wer also abseits der System-SSD auf dem oberen M.2-Slot (PCIe 5.0) ein zweites M.2-Laufwerk verbauen möchte, muss auf den dritten Slot ausweichen oder eine externe Lösung über USB4 erwägen. Einen SSD-Kühlkörper gibt es nur auf dem ersten M.2-Steckplatz. Auch SATA6G_3/4 teilen sich Ressourcen mit einem PCIe-Slot.
Hintere Anschlüsse & Netzwerk
Die I/O-Auswahl an der Rückseite kann sich grundsätzlich sehen lassen. Etwas weniger USB 2.0-Ports und dafür mehr USB 3.0-Anschlüsse wäre allerdings wünschenswert.
- 2x USB4 (40 Gbit/s, mit DP 1.4a)
- 1x USB 3.2 Gen 2 Type-A
- 3x USB 3.2 Gen 1
- 4x USB 2.0
- 1x HDMI 2.1
- 1x 2,5-Gbit-LAN (Realtek RTL8125)
- Wi-Fi 7 + Bluetooth 5.4 (Realtek 8922AE)
- 3x 3,5-mm-Klinke (ALC897)
Im Gegensatz zu den TUF- und ROG-Serien kommt beim X870 MAX Gaming WIFI7 ein einfacherer Realtek-ALC897-Audiochip zum Einsatz. Dieser reicht für Alltagsanwendungen aus, bietet aber kein High-End-Klangerlebnis. Auch optisches S/PDIF fehlt. Selbst in dieser Preisklasse dürfte man diesbezüglich mehr erwarten.
Weitere interne Anschlüsse
- 1× USB 3.2 Gen 2×2 Header (20 Gbit/s, 1× USB-C, Key A)
- 1× USB 3.0 Header (20-Pin, 5 Gbit/s, 2× USB-A)
- 2× USB 2.0 Header (9-Pin, 480 Mbit/s, 4× USB-A)
- 1× TPM-Header
- 1× S/PDIF-Out-Header
- 1× COM-Port-Header (seriell)
- 1× Chassis-Intrusion-Header
- 1× Front-Panel-Header
- 2× CPU-Lüfter-Header (4-Pin PWM)
- 1× AIO-Pumpen-Header (4-Pin PWM)
- 4× Gehäuselüfter-Header (4-Pin PWM)
- 3× 3-Pin ARGB-Header (5 V, ASUS Gen2, max. 3 A)
Hervorzuheben ist die hohe Anzahl der Lüfteranschlüsse: sechs Stück und zusätzlich ein Pumpen-Header.
BIOS & Software
Das UEFI ist im typischen Asus-Stil gehalten. EZ- und Advanced-Mode bieten alle wichtigen Funktionen, inklusive PBO-Einstellungen, EXPO/DOCP-Profilen und Lüftersteuerung. Ein BIOS-Flashback-Button befindet sich am I/O-Panel.
Armoury Crate dient als zentrale Software zur Steuerung von RGB, Systemüberwachung und Treiberaktualisierung. Dank modularer Struktur lassen sich unnötige Funktionen deinstallieren.
Fazit
Das Asus X870 MAX Gaming WIFI7 W ist ein rundes AM5-Mainboard mit zeitgemäßer Ausstattung. USB4, PCIe 5.0 und Wi-Fi 7 sind in dieser Preisklasse (leider) nicht selbstverständlich. Im Vergleich zur TUF-Reihe wurden bei Audio und Komfort kleine Abstriche gemacht, dafür überzeugt das Modell mit einer modernen Optik und solider Verarbeitung.
Wer ein stabiles, leistungsfähiges AM5-Board explizit mit USB4 und Wi-Fi 7 unterhalb der 300-Euro-Marke sucht und dafür bei der restlichen Ausstattung leichte Abstriche in Kauf nehmen kann, findet hier eine gute Grundlage für ein modernes System. Schade ist jedoch, dass die USB4-Ports nicht funktionieren, sobald man den zweiten M.2-Slot belegt. Beim ähnlich teuren TUF-Mainboards bekommt ihr also ein besseres Gesamtpaket, ebenfalls mit USB4 und Wi-Fi 7. Mit älteren X670(E)-Modellen könntet ihr sogar noch mehr sparen, sofern USB 3.2 und Wi-Fi 6(E) genügen.
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