Was ist ein Ultrabook?

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Mobile  / Nils Waldmann

Mit vielen Begriffen in der Computerwelt ist es ähnlich: Plötzlich ist ein neuer Ausdruck etabliert, doch nur wenige Personen wissen, worum es wirklich geht. Neben der „Cloud“ ist das „Ultrabook“ eine eben solche Erscheinung. Der folgenden Artikel soll klären, was sich hinter dieser Bezeichnung versteckt.

Notebook, Netbook, Ultrabook: Was denn jetzt?

Dass es sich bei einem Ultrabook um eine spezielle Art von mobilen Computern handelt, dürften die meisten schon mitbekommen haben. Genau definieren lässt sich diese Geräteklasse dennoch schlecht. Am besten beschreiben lässt sich ein Ultrabook wohl als eine Zwischenlösung aus den populären Netbooks, die vor allem für die Erledigung einfacher Office-Aufgaben unterwegs gedacht sind und der teuren Subnotebook-Klasse, die maximale Leistung auf engstem Raum zur Verfügung stellt. Auch preislich liegen Ultrabooks zwischen den beiden anderen Geräteklassen.

Als das design- und hardwaretechnisch erste Ultrabook darf man wohl das Apple MacBook Air bezeichnen, auch wenn die erste Air-Generation offiziell nicht mit dem Begriff Ultrabook in Verbindung gebracht werden kann. Dieser wurde nämlich von dem Chiphersteller Intel ins Leben gerufen, um eben genau diesen flachen und leichten Geräten aus dem Hause Apple Paroli zu bieten. So sind grundsätzlich alle als Ultrabooks beworbene Geräte mit einem Prozessor aus dem Hause Intel ausgestattet und messen in der Höhe nicht mehr als 21 mm, in der Regel deutlich weniger. Das Der Begriff Ultrabook ein von Intel eingetragenes Warenzeichen ist, wurde das Apple MacBook Air jedoch nie offiziell als Ultrabook beworben, obwohl es schon bei seiner Vorstellung im Jahre 2008 alle Kriterien erfüllte, die Intel heute an ein Ultrabook stellt.

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Acer Aspire S3, Quelle: Acer

Neben dem geringen Gewicht, das je nach Modell zwischen 1,1 und 1,5 kg variiert, sind es vor allem die kompakten Abmessungen, die Ultrabooks so reizvoll machen. Ausgestattet mit Displaydiagonalen zwischen 11 und 13 Zoll greift man hier auf die Formate von Subnotebooks und kompakten Standardnotebooks zurück, sodass ein Ultrabook einfach und unaufällig zwischen Mappen und dem Notizblock in der Aktentasche verschwindet.

Ultrabooks: Einfach nur ein größeres Netbooks?

Dass es sich bei den Ultrabook-Geräten um weit mehr als nur Netbooks mit größeren Displays handelt, erkennt man bereits mit einem flüchtigen Blick auf die technischen Daten: So verfügen alle aktuellen Ultrabooks über einen Core i5 oder i7 Prozessor der Sandy Bridge Generation, der dem sogenannten ULV-Segment zugerechnet wird. Die Abkürzung ULV steht in diesem Zusammenhang für Ultra Low Voltage und gibt an, dass die CPU mit einer niedrigeren Betriebsspannung als übliche Notebookprozessoren betrieben wird, was sich in einer gesenkten Leistungsaufnahme und zugleich auch in einer geringeren Taktfrequenz niederschlägt. Somit sind Ultrabooks nicht nur weitaus leistungsfähiger als Netbooks, sondern sollen auch mindestens vergleichbare und höhere Akkulaufzeiten aufweisen. Als Vorgabe schreibt Intel hier mindestens fünf Stunden netzunabhängigen Betrieb bei geringer Auslastung des Ultrabooks vor.

Weniger Gerätevolumen = Weniger Speicherplatz?

Beim Datenspeicher greifen die ultraflachen Ultrabooks auf die moderne und um ein Vielfaches flottere Solid State Disk Technologie zurück, bei der die herkömmliche Festplatte mit rotierenden Datenscheiben, durch schnellen Flashspeicher ersetzt wurde. Somit besitzen Ultrabooks Fähigkeiten, die man eigentlich nur von Tablets gewöhnt ist. Zu nennen wären hier das superschnelle Aufwachen aus dem Standbymodus sowie Standbyzeiten von bis zu einem Monat. Ultrabooks sind also nicht nur kompakt, sondern sollen auch immer einsatzbereit sein.

Die Schattenseite von Solid State Drives ist allerdings der Preis, welcher in den letzten Jahren zwar stark gefallen ist, aber immer noch über denen von Festplatten liegt. Damit ein Ultrabook also einigermaßen bezahlbar bleibt, besitzen viele Modelle nur 128 GB Speicherplatz für die persönlichen Daten. Einige Geräte setzen zwar noch auf eine Festplatte mit 320 GB, können dann aber nicht das volle Potenzial der aktuellen Technik ausreizen.

K.O-Argument: Der Preis?

Durch die Erwähnung des Mac Book Airs am Anfang dieses Artikels kann man etwa erahnen, in welche Richtung sich der Preis entwickelt. Intel hatte mit der Einführung des Ultrabook-Begriffs eine Preisregion um die 1000 € angepeilt, welche aber von den meisten Modellen bekannter Hersteller deutlich übertroffen wurde. Aktuell sind aber bereits durchaus Ultrabooks von beispielsweise ASUS, HP oder Lenovo angekündigt oder verfügbar, die für 999 € verkauft werden (sollen). Das S3 von Acer ist sogar noch günstiger und war zum Zeitpunkt der Artikelerstellung bereits zu einem Straßenpreis von unter 700 € verfügbar. Bei diesen Geräten handelt es sich dann aber um die technische Minimalausstattung. Einsteigermodelle sollen laut Intel jedoch unter 1000 US-$ ohne Mehrwertsteuer kosten. Besser ausgestattete Ultrabooks derselben Produktserie dürfen aber selbstverständlich deutlich teurer sein.

 

Wer ein Gerät mit mehr Leistung benötigt, stößt schnell in Preisregionen vor, die bis jetzt den Subnotebooks vorbehalten war. Hier führt Apple mit seinem knapp 1500 € teuren MacBook Air die Rangliste an. Die insgesamt noch relativ hohen Preise sind angesichts der schicken und kompakten Geräte, nach denen definitiv eine Nachfrage zu bestehen scheint, allerdings nicht verwunderlich. Ob man aktuell unbedingt zu einem Ultrabook greifen muss, bleibt deshalb fraglich. Wer jedoch ordentliche Leistung verpackt in einem kompakten Desing benötigt, für den sind die neuen Gerät eigentlich prädestiniert – diese Vorzüge muss man dann aber auch gut bezahlen.

Und die Zukunft?

Aktuell befinden sich die Ultrabooks der ersten Generation in den Regalen der Elektronikfachhändler. Bereits in der ersten Hälfte 2012 darf aber wohl die zweite Generation mit einer neuen Prozessorgeneration (Ivy Bridge) erwartet werden, die bei gleicher Leistungsaufnahme höhere Grafik- und Rechenleistung bieten wird. Die sogenannte dritte Generation der Ultrabooks ist auch schon in Planung, diese Evolutionstufe soll 2013 Einzug halten.

Ultrabooks der 2. Generation

Mittlerweile ist die oben angesprochenen zweite Generation des Ultrabooks am Markt erhältlich. Geräte wie das neue Asus Zenbook Prime UX31A, dasDell XPS 14 oder das Lenovo IdeaPad „Yoga“ bis hin zu Toshibas Satellite Z930 gehören dieser neuen Geräteklasse an. 

Intel verschärft für die zweite Ultrabook-Generation noch einmal die Voraussetzungen, die ein Notebook erfüllen muss, um unter dem Namen Ultrabook beworben und verkauf werden zu dürfen. Dazu zählt die Verwendung eines Ivy Bridge Prozessors von Intel in der Low Voltage Version mit einer maximalen TDP von 17 Watt. Neben der erhöhten Rechenleistung von circa 20 % im Vergleich zu Sandy Bridge können die CPUs mit einer um bis zu 30 % schnelleren Grafikeinheit (GPU) aufwarten, was die zweite Generation an Ultrabooks in die Lage versetzt, auch grafisch anspruchsvoller Aufgaben mobil zu erledigen. Zudem können die neuen Ultrabooks mit Features und Anschlüssen wie USB 3.0 (erfahre alles über den USB 3.0 Standard in unserem großen Wissensartikel), Thunderbolt oder PCI Express 3.0 aufwarten. So lassen sich schnellere Peripherie-Geräte, wie zum Beispiel externe SSDs, mit den 2nd-Gen-Ultrabooks verbinden. Dabei können sich die Hersteller entscheiden, ob sie Thunderbolt oder USB 3.0 als Schnittstelle verbauen, einer der beiden Anschlüsse ist für die neuen Ultrabooks Pflicht.

Die übliche Akkulaufzeit aktuell erhältlicher Ultrabooks der zweiten Generation beträgt im Übrigen zwischen sechs und neun Stunden, abhängig vom verbauten Akku. Die meisten Modelle setzten auf ein 13,3 oder 14 Zoll großes Display mit Auflösungen zwischen 1366×768 und 1600×900 Pixeln. 

Die dritte Generation an Ultrabooks

Seit 2013 ist die dritte Generation von Ultrabooks auf dem Markt. Diese setzt voraus, dass ein Notebook, welches die Bezeichnung Ultrabook tragen soll, einen Intel Prozessor der Haswell Generation verwenden muss. Diese Plattform repräsentiert ein System on a Chip (SiP), das nur mehr eine TDP von 11,5 bis 15 Watt aufweist. Die Leistungsaufnahme gegenüber der ersten Ultrabook Generation mit Sandy Bridge CPUs halbiert sich somit im besten Falle. 

Das kommt der Akkulaufzeit der neuen Geräte zu Gute. Diese muss im Übrigen mindestens 6 Stunden betragen, während HD-Videomaterial abgespielt wird. Zudem muss das Gerät mindestens 9 Stunden im Windows 8 Leerlauf unabhängig von der Steckdose arbeiten können. Die maximale Höhe von 20 mm für 13,3-Zoll-Geräte steigt gegenüber der zweiten Generation an Ultrabooks um zwei Millimeter an (18 mm). Dafür setzt Intel deutlich strengere Standards für die Zeit, die ein Ultrabook der dritten Generation nun zum Aufwachen aus dem Ruhezustand benötigen darf: Statt sieben sind nun nur noch drei Sekunden erlaubt.

Wie auch bei der zweiten Ultrabook Generation muss der Massenspeicher mindestens einen Datendurchsatz von 80 MB/s erreichen. Das ist für die meisten Ultrabooks seit Beginn kein Problem, da zu meist SSDs zum Einsatz kommen. Intel treibt damit die Verbreitung von Solid State Drives aktiv voran. 

Interessant sind vor allem die Neuerung im Displaybereich. So muss ein Ultrabook der aktuellsten Generation mit einem Touch-Screen zur Bedienung ausgestattet sein. Das geht Hand in Hand mit der neuen Kacheloberfläche von Windows 8, die für die Bedienung mit Touch-Gesten optimiert ist. Natürlich haben Ultrabooks weiterhin ein Touchpad verbaut, mit dem die Maus ganz normal verwendet werden kann.

Handelt es sich bei dem Gerät um ein sogenannte Convertible, also ein Gerät, bei dem der Bildschirm so geklappt werden kann, dass es sich als Tablet verwenden lässt, so müssen außerdem erweiterte Sensoren verbaut werden (z.B. Gyroskop zur Lageerkennung oder ein Beschleunigungssensor zur Ausrichtung des Bildinhaltes). Zu guter Letzt fordert Intel außerdem, dass ein Ultrabook der dritten Generation mit einem Zwei-Wege-Mikrofon ausgestattet ist. Dies soll es dem Anwender erlaubt, das Ultrabook mit Sprachbefehlen unter Windows 8 zu steuern. 

Zu beliebten Geräten der dritten Ultrabook Generation gehören Modelle wie das Samsung ATIV Book 9 Plus, das Sony VAIO Pro 13, das Lenovo ThinkPad T440s, das Dell XPS 12 oder das Acer Aspire P3.


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