Test: Marshall London

Das Smartphone fĂŒr Audiophile 7 Min. lesen
Mobile  / Robin Cromberg

Das Marshall London besitzt keinen Super-Prozessor, keine extrem hochauflösende Kamera und schon gar kein gebogenes Display. Und dennoch erregt das Smartphone des Herstellers von VerstĂ€rkern und anderen Audio-Lösungen viel Aufsehen, gerade weil es auf derlei High-End-Technik verzichtet und sich ganz der Musik verschreibt. In unserem Test zeigen wir, ob das Smartphone fĂŒr Audiophile dem Hype gerecht wird.

 

Technische Daten

ProzessorQualcomm Snapdragon 410, 1.2 GHz Quad Core
Arbeitsspeicher2 GB
Interner Speicher16 GB, erweiterbar
Displaydiagonale4,7 Zoll, IPS
Auflösung720p HD
KonnektivitÀtWLAN a/b/g/n, Bluetooth 4.1
KamerasHaupt: 8 MP mit Autofokus, Front: 2 MP
Akku2500 mAh, austauschbar
BetriebssystemAndroid 5.0.2 Lollipop
Abmessungen140,45 x 70,25 x 9,45 mm
Gewicht145 g
Besonderheiten & AnschlĂŒsseNano-SIM, Micro SD, Micro USB, 2x 3,5 mm Klinke
Preis549 Euro

Lieferumfang

  • Marshall London Smartphone
  • Marshall In-Ear Kopfhörer
  • Micro-USB-Ladekabel
  • Netzadapter

Marshall London Display

Design & Verarbeitung

Das Marshall London punktet mit seinem auffĂ€lligen Design, welches den VerstĂ€rkern nachempfunden ist, fĂŒr welche die Firma so bekannt ist: Der schwarze Grundton wird durch weiße Rahmen und kleinere, goldene Komponenten aufgefrischt, schwarze FlĂ€chen werden entweder mit einem Muster in Lederoptik oder einem Rauten-Profil bedeckt, welches sogar auf dem Ladekabel zu sehen ist. Damit bietet das Marshall London bereits bei der Wahl von Design und Material mehr Abwechslung als die meisten Smartphone-Riesen der vergangenen Jahre, welche sich firmenĂŒbergreifend auf ein schlichtes 0815-Design mit AluminiumgehĂ€use einzupendeln scheinen. Mit seinem betont anderen Design setzt sich das Marshall London betont von leistungsorientierten High-End-GerĂ€ten ab, welche ihren Fokus vorzugweise auf die QualitĂ€t der Kamera oder die StĂ€rke der verbauten Hardware legen. So verzichtet das Musik-Smartphone auf eine betont schlichte und unscheinbare LautstĂ€rkewippe und verwendet stattdessen ein auffĂ€lliges, goldenes LautstĂ€rkerad aus Metall. DarĂŒber befindet sich der runde Powerbutton, andere Knöpfe oder Kartenschnittstellen suchen wir auf den linken und rechten RĂ€ndern vergebens. Der microSD- und Nano-SIM-Kartenslot liegt im Inneren, den einzigen weiteren Knopf hat Marshall auf der Oberseite platziert.

Marshall London AnschlĂŒsse Marshall London RĂŒckseite

Optisch macht das London einiges her: Wie ĂŒblich setzt Marshall auf den bekannten GitarrenverstĂ€rker-Look mit Lederimitat und Goldelementen

Besagte Oberseite dĂŒrfte fĂŒr viele Smartphone-Nutzer erneut einen ungewohnten Anblick bieten: Der mittig platzierte, goldene M-Button dient als Schnellzugriff-Taste fĂŒr Musik-Apps, links und rechts davon finden wir gleich zwei – ebenfalls golden eingefĂ€rbte – 3,5-mm-KlinkenanschlĂŒsse. Das Marshall London ist sehr gut verarbeitet und macht mit seinem einzigartigen Design und all den kleinen, optischen Details einen Ă€ußerst hochwertigen Eindruck. Zu diesen Details zĂ€hlt etwa auch das stoffummantelte Ladekabel, welches ebenfalls mit dem GitarrenverstĂ€rker-Profil geschmĂŒckt ist. Beim Laden fĂ€llt jedoch auf, dass das LadegerĂ€t ein unangenehmes Fiepen von sich gibt. Im Alltag fĂ€llt auf, dass der Powerbutton sehr leicht auslöst, so kam es vor, dass sich das Marshall London beim Treppensteigen durch ein versehentliches BetĂ€tigen dieses Knopfes einfach ausschaltete. Auch das LautstĂ€rkerad könnte unserer Meinung nach ein wenig schwergĂ€ngiger gerastert sein, um nicht beim bloßen Hervorholen aus der Hosentasche die LautstĂ€rke herunterzudrehen. Aber das ist schon Kritik auf hohem Niveau.

Marshall London LautstĂ€rkeradMarshall London AnschlĂŒsse

Mit seinem LautstĂ€rkerad, zwei KopfhöreranschlĂŒssen und dem M-Button outet sich das Marshall London unmissverstĂ€ndlich als Musik-Smartphone

Aber da ein Musik-Smartphone ohne Kopfhörer letzten Endes nur ein Smartphone ist, hat Marshall dem London selbstredend ein Paar In-Ear-Kopfhörer beigelegt. Anders als bei anderen Herstellern finden wir im Lieferumfang nicht das gĂŒnstigste Modell des hauseigenen Kopfhörer-Sortiments, sondern die Marshall Mode In-Ears im Wert von 60 Euro.

Leistung & Bedienung

„Marshall London könnte das wohl lauteste Smartphone auf der Erde sein“. So in etwa lĂ€sst sich einer der Werbe-Texte zum Musik-Smartphone ĂŒbersetzen, und damit nimmt Marshall den Mund definitiv nicht zu voll: Die beiden frontgerichteten Lautsprecher machen ordentlich Krach, was bei einem Smartphone aus diesem Hause kaum jemanden wundern dĂŒrfte. Sogar der Bass ist gut vernehmbar, was bei einem Smartphone keine SelbstverstĂ€ndlichkeit ist. Marshall reibt uns dieses Detail mit dem vorgespeicherten und besonders bassbetonten Beispiel-Song London Calling regelrecht unter die Nase. Der aptX-Codec unterstĂŒtzt die verlustfreie AudioĂŒbertragung via Bluetooth und auch das unkomprimierte FLAC-Dateiformat wird vom London unterstĂŒtzt. Hinzu kommt mit dem Cirrus Logic WM8281 Audio Hub eine allgemein höhere Auflösung bei der Musikwiedergabe. Im Audio-Bereich ist das Marshall London damit mehr als gut ausgestattet, doch wie sieht es bei der sonstigen Hardware aus? Hier fĂ€llt das London deutlich hinter aktuellen GerĂ€ten zurĂŒck und reiht sich etwa auf dem Niveau des CAT S40 ein, einem weiteren Smartphone, welches sich seiner technischen Anspruchslosigkeit bewusst ist und sich dessen keineswegs schĂ€men muss. Als Prozessor kommt ein Qualcomm Snapdragon 410 Quad-Core-Prozessor mit 1,2 GHz zum Einsatz, der Arbeitsspeicher betrĂ€gt 2 Gigabyte. Auch der interne Speicher fĂ€llt mit 16 Gigabyte wenig spektakulĂ€r aus, lĂ€sst sich aber per microSD-Karte erweitern.

Marshall London InnenlebenTechnisch gibt das Marshall London definitv nicht den Ton an, doch Hardware ist bei diesem Smartphone ohnehin Nebensache

Der herausnehmbare Akku trĂ€gt die Aufschrift „Long live Rock’n’Roll“, mit 2500 mAh AkkukapazitĂ€t lebt Rock’n’Roll in diesem Falle jedoch nicht wesentlich lĂ€nger als der aktuelle Standard-Akku. Das 4,7-Zoll-Display setzt auf einfache HD-Auflösung, die Helligkeit könnte etwas höher ausfallen. Als Betriebssystem kommt Android 5.0.2 Lollipop zum Einsatz.

Marshall London Lautsprecher Marshall London und Kopfhörer-TrÀger

Das schwarz-weiß-goldene Design macht bereits bei einem GerĂ€t alleine einiges her, doch die Kombination mit anderen Marshall-Produkten wie dem Major II sieht ebenfalls blendend aus

ErklĂ€rung zu den Diagrammen: Wenn ihr die Maus auf einen Balken bewegt, wird euch der Produktname und die erreichte Punktzahl angezeigt. Um die Ansicht ĂŒbersichtlicher zu gestalten, könnt ihr fĂŒr euch uninteressante Produkte mit einem Klick auf den Produktnamen unterhalb des Diagramms ausblenden.

Der M-Button auf der Oberseite dient als Schnellzugriff auf die allgemeine Musik-App, von welcher aus wir die Wiedergabe steuern, egal welche App als Ausgabequelle dient. Mit dem integrierten „Global Equalizer“ werden EQ-Einstellungen auf alle anderen Apps und Audioquellen ĂŒbertragen. Wer allerdings viel mit seinem Smartphone Musik hört und sich an die schnelle Bedienung seiner Standard-App, Spotify zum Beispiel, gewöhnt hat, der findet auch ohne M-Button schnell zu seiner App. Besonders wer oft zwischen unterschiedlichen Spotify-Playlists wechselt, wird bald wieder die altgediente App nutzen, da sich solche App-spezifischen Funktionen nicht mit der Marshall-App bedienen lassen. Per Druck auf das praktische LautstĂ€rkerad gelangen wir ohne UmstĂ€nde in den Kamera-Modus, allerdings fĂ€llt deren QualitĂ€t mit 8 Megapixel und 2 MP auf der Vorderseite weniger bahnbrechend aus.

Teilen macht Spaß: Musik-Sharing dank Doppelausgang

Marshall London M-ButtonDie beiden Audio-AusgĂ€nge können wahlweise zwei Kopfhörer oder sogar Mikrofone aufnehmen. Schließen wir einen zweiten Kopfhörer an, wird, Ă€hnlich wie beim Marshall Major II, die LautstĂ€rke etwas herunter geregelt. Anschließend können wir die LautstĂ€rke fĂŒr beide AnschlĂŒsse jedoch separat in der Software regeln. Zwei Mikrofone an Ober- und Unterseite des Marshall London sind in der Lage, die QualitĂ€t von GesprĂ€chen und Stereoaufnahmen durch aktive UnterdrĂŒckung von UmgebungsgerĂ€uschen deutlich zu verbessern.

Fazit

Das Marshall London schreibt sich nicht auf die Fahne, mit leistungsstarken High-End-Smartphones mithalten zu können. Wird der technische Aspekt einmal außen vor gelassen, haben wir es hier aber mit einem Smartphone zu tun, das wortwörtlich seinesgleichen sucht: Vom auffĂ€lligen und sehr gelungenen Design, ĂŒber innovative Bedienelemente bis hin zu seinen vielfĂ€ltigen Audio-Lösungen macht das Marshall London vieles nicht nur anders, sondern teilweise besser als die Konkurrenz. Ob diese speziellen Features einen Preis von stolzen 549 Euro rechtfertigen, bleibt hingegen fraglich, zumal Standard-Features wie die Kamera deutlich zu kurz kommen. Auch könnten Details wie der fehleranfĂ€llige Powerbutton und das LautstĂ€rkerad ein wenig mehr Feinschliff vertragen, um diesem Preis gerecht zu werden. Doch obwohl das Marshall London technisch nicht mit aktuellen High-End-Smartphones zu vergleichen ist und es das eine oder andere Manko aufweist, zeichnen wir es fĂŒr besondere Innovation hinsichtlich Design und Features mit einer Kaufempfehlung aus.

ProContra
  •  tolles Design
  • VerarbeitungsqualitĂ€t
  • Audio-Codecs
  • M-Button
  • LautstĂ€rkerad
  • Dual-Audio-AusgĂ€nge
  • Preis
  • KameraqualitĂ€t
  • laut fiependes LadegerĂ€t
  • Powerbutton löst sehr leicht aus

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1 Kommentar

  • Stefan Wessels

    Both front and back camera tunings will be improved with the next round of firmware updates.

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